• #31
Für mich selbst ist diese Form im Gespräch deutlich angenehmer, da sie eine gefühlte Distanz aufbaut mit der ich mich freier und wohler fühle.
Anbandeln und Distanz - passt das zusammen? Ich meine nicht.

Du fühlst dich freier und wohler mit dem Sie (warum auch immer) - die Frau denkt möglicherweise: Der will Distanz. Und damit hat sie wohl recht. Es verunsichert. Wie findest du das?

Gerade in der heutigen Zeit gibt es Menschen, die mit demonstrativem Siezen ihre Ablehnung ausdrücken.
 
  • #32
Du wünscht dir eine Beziehung inclusive Intimität (nicht nur die körperliche). Da passt ein Sie und der damit verbundene Abstand für mich nicht.
Mir begegnen immer wieder Menschen, die die Neigung haben in der dritten Person mit anderen zu sprechen......Damit kann und will ich gar nicht umgehen. Es fühlt sich für mich nach einer konstruierter Form der Überhöhung und Distanzierung an.
Hoffst du dich durch ein "Sie" in eine respektvollere Position zu bringen?
 
  • #33
Also ich fände es sehr befremdlich wenn meine 15jährige Tochter von ihren Lehrern gesiezt werden würde.
Das macht doch kein einziger Lehrer, habe ich auch noch nie gehört.

Beim Dating gibt es nur ein ‚Du‘.
Man befindet sich doch auf Augenhöhe.
Ein ‚Sie‘ könnte ich mir nur vorstellen bei einer arrangierten Beziehung/Ehe, wo die junge Frau den 30 Jahre älteren Mann vor lauter Ehrfurcht siezt.

Aber wo gibt es das in Deutschland heutzutage noch?
 
  • #34

Gesiezt wurde ich in Flirtsituationen noch nie, aber mit "Ihr/Euch" bin ich durchaus schon angeschrieben und angesprochen worden. Diese Verehrer hatten eines gemeinsam: sie verdienten die Bezeichnung. Alle waren sie sehr devot, stellten mich auf ein Podest und beteten mich förmlich an. Da fielen Begriffe wie meine Dame, Traumfrau, Herrin, Königin, Engel...

Ich gebs zu, in dem Alter (17-19) gefiel mir das eine Zeit lang ganz gut. Mit einem dieser Verehrer, der mir auf einer Party vorgestellt worden war (und direkt auf die Knie ging und mir die Hand küsste) führte ich damals sogar eineinhalb Jahre eine Beziehung.

Betonung liegt auf "führen": Von Anfang an, auch durch diese Art der Anrede, war eine deutliche Distanz und Hierarchie etabliert worden, die einfach nicht abzubauen war. Was mir am Anfang noch imponiert hatte – die in Worten, Haltung und zig Geschenken gezeigte Verehrung – ging mir mit der Zeit nur noch auf die Nerven. Er gab mir viel zuviel Macht in die Hand, die ich überhaupt nicht wollte. Nie war ein Gespräch auf Augenhöhe möglich. Bei jedem Anflug eines Streits gab er mir sofort recht, schickte Rosen und dramatische Entschuldigungsbriefe, wollte alles tun, was ich sagte, und bestrafte sich nicht selten auch noch selbst (zum Beispiel, indem er darauf bestand, auf dem Boden neben meinem Bett zu schlafen). Das machte es schwer, den Respekt zu behalten.

Außerdem fühlte ich mich immer weniger gesehen und gemeint als der Mensch mit Stärken und Schwächen, der ich war. Es war deutlich, dass er ein Traumbild auf mich projizierte und das liebte und verehrte – aber das war nicht ich.

Die Trennung verlief äußerst unschön, und seitdem war die Kleinmädchen-Vorstellung von "wie eine Königin behandelt werden wollen" für mich durch – zumindest nicht von einem Partner, der sich wie ein unterwürfiger Diener verhält.

Ich weiß nicht, ob du, FS, ähnlich devote Tendenzen an dir entdeckst und Frauen als eine Art verehrungswürdige Traumwesen wahrnimmst, die auf einer höheren Stufe stehen als du. Falls das der Grund für deine übertrieben respektvolle Anrede ist, würde ich da mal ansetzen und diese Haltung hinterfragen.

Alles Gute!

W, 28
 
  • #35
Also ich fände es sehr befremdlich wenn meine 15jährige Tochter von ihren Lehrern gesiezt werden würde.
Das macht doch kein einziger Lehrer, habe ich auch noch nie gehört.
Bei uns in Berlin ist das ab der Oberstufe (11./12. Klasse) üblich, wir wurden dann auch mehr auf Augenhöhe behandelt, wahrscheinlich in Vorbereitung auf Studium und Arbeitswelt und weil wir freiwillig in den Kursen saßen. Es war aber immer "Sie + Vorname", also z.B.: "Anna, können Sie Ihre Lösung an die Tafel schreiben?" oder "Bitte denken Sie daran, morgen das Buch mitzubringen" oder "Und Jonas, haben Sie was dazu gefunden?" .....
w26
 
  • #36
Es war aber immer "Sie + Vorname", also z.B.: "Anna, können Sie Ihre Lösung an die Tafel schreiben?" oder "Bitte denken Sie daran, morgen das Buch mitzubringen" oder "Und Jonas, haben Sie was dazu gefunden?" .....
Das finde ich im Lehrer-/Schüler-Verhältnis eine gute Lösung. Wenn man ein gewisses Alter erreicht, mag nicht mehr jeder plump geduzt werden, während er/sie zu der duzenden Person "Sie" sagen muss.

So fühlen sich Schüler mehr auf Augenhöhe. Sie werden erwachsen. In dem Kontext fühlt sich ein "Sie" nicht distanziert, sondern wertschätzend an.

Ganz anders als im zwischenmenschlichen Bereich.
 
N

Nordlicht444

Gast
  • #37
Ich würde es seltsam finden, wenn mich der Mann bei einem Date siezt, auch wenn ich ihn das erste Mal treffe und im beruflichen Kontext oder beim einfachen Fragen nach dem Weg natürlich siezen würde und auch Siezen erwarten würde. W, 34
 
  • #38
Es gibt Situationen, da ist Duzen ein ungeschriebenes Gesetz: Beim Sport, im Verein, Fitnesstudio, Hobby, auf Festivals und Konzerten (außer Klassik in der Oper) und eben beim Daten. Siezt da jemand, fällt er unangenehm auf. Es wirkt arrogant und distanziert.
 
  • #39
Bei uns in Berlin ist das ab der Oberstufe (11./12. Klasse) üblich, wir wurden dann auch mehr auf Augenhöhe behandelt, wahrscheinlich in Vorbereitung auf Studium und Arbeitswelt und weil wir freiwillig in den Kursen saßen. Es war aber immer "Sie + Vorname", also z.B.: "Anna, können Sie Ihre Lösung an die Tafel schreiben?" oder "Bitte denken Sie daran, morgen das Buch mitzubringen" oder "Und Jonas, haben Sie was dazu gefunden?" .....
w26
Das kenne ich auch so. Bei uns gab es die Regel, dass ab der Jugendweihe, die man mit 14 in der 8. Klasse erhält, freigestellt worden ist, ob man gesiezt oder geduzt werden wollte. Die meisten wollten weiterhin geduzt werden, aber spätestens in der Berufsschule sowie in allen anderen weiterführenden Schulen auf denen ich war, wurden die Schüler mit Vornamen plus „Sie“ angesprochen. Keine Ahnung, ob sich das heute geändert hat.
Aber beim Daten unter gleichaltrigen ist das trotzdem ziemlich schräg😅.
 
  • #40
Also, Stoiker, wenn Du vom Typ her distinguiert bist, sehr gute Manieren hast, elegant gekleidet bist, all die Dinge kannst (und vor allem von Herzen gerne machst), die zum Hofmachen nach alter Art dazugehören (Tanzen, Schreiben, Blumen etc.), dann passt das Siezen sehr gut in das Gesamtbild.
Ich nehme an, dass Du einfach etwas langsamer vorgehen möchtest (und es idealerweise verstehst, dabei einen Spannungsbogen aufzubauen), gerade weil Du vom Wesen her zu tiefen Gefühlen und großer Nähe fähig bist. Bei mir ist es auch so und das hat nichts mit einer Bindungsstörung oder so zu tun. Ich bin sehr sensibel, ich schaue den Menschen tief in die Seele und habe auch eine gute Wahrnehmung meiner Seele. Vom Typ her bin ich eine ganz Feine und es widerstrebt mir, wenn ein Mann oder ein Mitmensch im Allgemeinen plump in meinen Bereich vordringen möchte. Deshalb schätze ich ein langsames Kennenlernen über längere Zeit hinweg mit vielen Gesprächen. Ein Siezen im Hamburger Stil könnte da hervorragend passen.
Wenn ich mich hier so umschaue und lese, dann bemerke ich oft, dass viel zu schnell Nähe erzwungen wird, die überhaupt noch nicht tragfähig ist. Somit handelt es sich um eine Pseudo-Nähe, die aus der Unsicherheit heraus entstanden ist, ob der Kandidat oder die Kandidatin auch noch da sein würde, wenn man anfangs auf seine natürlichen Grenzen achtete. Ein "Du" hat also überhaupt nichts mit wahrer Nähe zu tun, sondern verschleiert sogar fehlende echte Nähe.

Es wird ja oft auf den angelsächsischen Raum verwiesen, wo es nur das "du" (you) gäbe. Als Anglistin möchte ich hier klarstellen, dass es im angelsächsischen Sprachraum gerade anders herum ist, nämlich dass es nur das "Sie" (you) gibt. Das ist leider nur nicht bekannt. Das eigentliche "du" entsprach dem "thou" - Linguisten erkennen die sprachliche Verwandtschaft zum "du", der altenglische Buchstabe "thorn", den es heute übrigens auch noch im Isländischen gibt, findet seine deutsche Entsprechung im "d".
Jedenfalls wurde das informelle Anredepronomen "thou" (du) im Laufe der Zeit durch das "you" ersetzt, welches die formelle Anrede für den Höhergestellten war und immer noch ist. Das wissen nur die meisten Leute nicht und sagen deshalb, im Englischen gäbe es nur das "du".

Hier ein Beispiel aus "Othello", als Senator Brabantio zum intriganten (niedriger gestellten) Iago sagt: "Thou art a villain!" (= Du bist ein Schurke.) Der so Gescholtene sagt hernach zu Brabantio: "You are a senator." (= Und Ihr seid ein Senator. bzw. Und Sie sind ein Senator.)

Das ist die hintersinnigste Beleidigung in Shakespeare's Werk: In voller Ehrerbietung und ohne die Regeln der Höflichkeit zu verletzen (wegen des "You", mit dem Iago den Senator Brabantio anspricht), wird eine Assoziation zwischen Schurke und Senator hergestellt.

Mit diesem Beispiel darf nun jeder glänzen, wenn mal wieder einer sagt, dass es im Englischen nur das "Du" gäbe.
 
  • #41
Manche Menschen haben wohl eine Aversion gegen das Siezen. Hier spielt wohl die Erziehung durchaus eine Rolle.
Louis van Gaal lässt sich von seinen Töchtern siezen - und wird als liebevoller Vater von beiden beschrieben. Ich selbst hatte in meinem Abiturjahrgang 2 Mitschüler, die Vater und Grossvater gesiezt haben. Mutter und Oma nicht.
In der Schule (Gymnasium) wurde ab der 9. Klasse gesiezt. Auf Wunsch wurden wir mit Herr XY angeredet. Von unseren Eltern wurde grundsätzlich seitens der Lehrer die Sprachregelung "Herr Vater" oder "Frau Mutter" benutzt. Allerdings hat sich unsere Schule auch als elitär betrachtet.
Beruflich gilt - sind Mandanten in der Nähe wird gesiezt. Dr Titel werden genannt. Ausnahmen bedürfen der Erklärung - bspw kenne ich einige Mandanten seit der Schulzeit. Wir siezen uns dann auch untereinander. Ansonsten halten wir unsere Mitarbeiter für selbständig genug, individuelle Regelungen zu finden.
Besonders häufig ist bei verbeamteten Personen oder Politikern die Unsitte verbreitet, sich mit "Amtsbezeichnung" anreden zu lassen. Ich habe allerdings keinerlei Lust, mir zu merken, ob eine "vortragende Legationsrätin 2. Klasse " mir gegenüber steht .... Frau XY reicht vollkommen aus. Diese Leute sind ja keine Mandanten.
Privat ist man beim DU - oder gar nicht.

Eine Ausnahme sind die Wiener - die müssen sich keine Namen merken, sondern nur die Berufe richtig zuordnen. Ich war also beim Hotelaufenthalt der Herr Ökonomierat - V hat sich über ihr Frau Ökonomierat gefreut. Und ein klassisches "gschamigster Diener" gab mehr Trinkgeld.
Im Bett hat das nicht funktioniert - mein "Gschamigster Diener, Frau Ökonomierat" hat zu Lachsalven geführt, die den Sex unmöglich machten.

Fazit - bist du Wiener, dann sieze ruhig und ungeniert, sobald sie deine Herkunft kennt. Aber dann bitte richtig, mit all dem Wiener Charme.
Aber bitte die Fettnäpfchen vermeiden - Frau Herzogin oder Fräulein Prinzessin lassen dich "nicht erwägenswert" erscheinen. Den Handkuss bitte erlernen - und die angedeutete Verbeugung nicht vergessen. Bringt aber alles nix, wenn du mit dem Dessertlöffel im Ohr der Dame bohrst und scheinheilig fragst, ob du evtl. störst.....
 
  • #42
Ich oute mich hiermit als begeisterte Siezerin.

Vor Allem im beruflichen Bereich und im Bekanntenkreis wahrt es ein gewisse Distanz, die Herzlichkeit und gutes Miteinander in keiner Weise verhindert.

Mich stört diese pseudomoderne, schnelle und wahllose Duzerei - da sprechen sich Menschen ganz vertraulich mit "Du" an, die sich noch überhaupt nicht kennen. Ganz schlimm ist diese Duzerei im Sozialbereich - da duzen sich Klienten und Profis, wodurch so eine gekünstelte Vertrautheit demonstriert werden soll. Nicht selten stellt sich das als Windei heraus und in den Konfliktbewältigungsgesprächen wird dann krampfhaft wieder nach einer sachlichen, respektvollen Gesprächsebene gesucht.

Auch auf der gleichen Ebene können sich dann ganz üble Kisten entwickeln, wie unschön ist dann ein fetziger Streit zwischen Duzbrüdern und - schwestern.

Danke, brauche ich nicht. Dann lieber nach dem Motto "Drum prüfe, wer sich verbrüdern will" - mir wurde meine Zurückhaltung noch nie krumm genommen.

Insofern - ich hätte mit einem Kennenlernen im "Sie"-Modus kein Problem. Wie nett wäre dann eine wirklich von Herzen kommende Vergeschwisterung! Wie handhabst Du das dann, lieber FS?
 
  • #43
Ich oute mich hiermit als begeisterte Siezerin.

Vor Allem im beruflichen Bereich und im Bekanntenkreis wahrt es eine gewisse Distanz, die Herzlichkeit und gutes Miteinander in keiner Weise verhindert.
Im Bekanntenkreis??!
Also beruflich verstehe ich vollkommen, und ich sieze auch z.B. Verkäufer, Bäcker oder Pizzaboten. Aber meine Freunde/Bekannten würde ich niemals siezen, wir würden uns gegenseitig auslachen! Ok, die Frage ist, was man unter "Bekanntenkreis" versteht. Ich verstehe darunter Menschen, mit denen ich locker befreundet bin, die aber nicht unbedingt meine besten Freunde sind und mit denen ich nur gelegentlich mal Kontakt habe. Aber wir kennen uns privat und sprechen uns ganz selbstverständlich mit Vornamen an. Ich würde nie einen Freund oder Bekannten zum Essen einladen und dann siezen, das würde als Witz oder Beleidigung aufgefasst. Eigentlich kann es gar nicht vorkommen, weil ich, sobald ich jemanden besser und privat kenne, automatisch beim Du bin. Die Kombination "Freund/Bekannter + Sie" existiert also in meinem Leben gar nicht, da das Du gewissermaßen zur Definition von "Freund/Bekannter" dazugehört. Zum Beispiel hatte ich nach meinem Abitur noch guten persönlichen Kontakt zu meinen zwei Lieblingslehrern, die etwas Ähnliches wie ich studiert haben. In der Schulzeit habe ich sie selbstverständlich gesiezt, danach, als wir zu Freunden/Bekannten wurden, haben mir beide das Du angeboten und wurden so plötzlich zu "Michael" und "Matthias". Ich musste mich erst daran gewöhnen und in meinem Kopf sage ich aus alter Gewohnheit noch immer "Herr xy" und "Herr yz", aber wenn wir telefonieren oder uns in der Stadt treffen, duzen wir uns. Und so kenne ich das auch: Sobald man sich privat und besser kennt, wechselt man zum Du. Das kann natürlich auch nach Kontext variieren. Ich habe einen guten Wissenschaftler-Freund, den ich schon lange kenne und der jetzt zufällig mein Uni-Dozent geworden ist, sodass ich ihn im Unterricht sehe. Im Unterricht vor den anderen sieze ich ihn, aber wenn wir privat im Wald spazieren gehen, duze ich. Ebenso mein Teamleiter bei der Arbeit. Den kannte ich schon von einer früheren Zusammenarbeit und wir waren beim Du. Als er mich dann gebeten hat, mich bei ihm zu bewerben auf die neue Stelle, habe ich ihn in der Bewerbung natürlich korrekt mit "Sehr geehrter Herr Dr. xyz" angeredet, weil die auch von anderen gelesen wurde, aber im Alltag duzen wir uns natürlich weiterhin und immer noch. Es ist also situationsabhängig. In einem professionellen Kontext evtl. "Sie", privat "Du". Meine Sexualkontakte sind in der Regel privat, also Du. Ich glaube, allgemein duzen die meisten die Person, mit der sie Sex haben (wollen), oder? Ich weiß übrigens nicht, wie das bei Prostituierten ist, aber ich würde denken, dass man sich trotz der Geschäftsbeziehung tendenziell duzt, es sei denn, es ist ein bestimmtes Rollenspiel oder ein Fetisch.
w26
 
  • #44
Ich würde zum"Du" raten, weil es den Gepflogenheiten beim Dating eher entspricht.
Wenn du dich aber damit unwohl fühlst, dann benutze doch einfach das "Sie" und beim ersten Date bietest du unkompliziert das "Du" an.
Schräg würde ich es finden, wenn man im Bett war und im Innenverhältnis immer noch das "Sie" benutzt...
 
  • #45
Mich stört diese pseudomoderne, schnelle und wahllose Duzerei - da sprechen sich Menschen ganz vertraulich mit "Du" an, die sich noch überhaupt nicht kennen.
Das kommt ja aber auch darauf an wo man sich befindet. Bei einer lockeren Party ist man sowieso in der Regel beim du. Es gibt auch Berufe wo sich jeder duzt. Beispielsweise auf dem Bau oder LKW Fahrer. Da ist es einfach üblich.

Trotzdem würde ich mir ehrlich gesagt blöd vorkommen bei einem Date zu siezen.
 
  • #46
Schräg würde ich es finden, wenn man im Bett war und im Innenverhältnis immer noch das "Sie" benutzt...

Da der FS von einem monatelangen Kennenlernen spricht, wäre das ein Aspekt, der mich interessieren würde.

Lieber FS,

wartest du monatelang mit dem Sex oder sietzt du die Frau auch noch, nachdem ihr intim wurdet?
Setzt nicht allein schon der Begriff "intim" voraus, dass man jede Distanz aufgegeben hat?
 
  • #47
Ich sieze im beruflichen Bereich prinzipiell, hat etwas mit Respekt zu tun und da ich eh die Chefin bin finde ich das angebracht. Beim Dating zu siezen finde ich merkwürdig, gewollt, erzwungen. Wie ein Hinweis: ich bin ja so besonders, und damit du das erkennst wird jetzt gesiezt, oder geihrt, noch merkwürdiger. Ohne mich, ich fände den Kandidaten ehrlich gesagt lächerlich. Aber vermutlich findet auch ein solcher Topf einen passenden Deckel, und dann ist ja alles prima.
 
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  • #48
Also das „Siezen“ ist bei mir ein typisches Phänomen des Onlinedatings. Im persönlichen Gespräch (also vor Ort, nicht virtuell) legt sich das schnell, auch wenn ich anfangs ab und zu ins „Sie“ rutsche, nicht nur bei Frauen. Es hängt vom Gegenüber ab. Folge: Die Frauen erwarten beim Treffen dann meinen „Bewerbungsgespräch-Modus“ und fallen aus allen Wolken, wenn ich dann kurze Zeit später „Auf gut Deutsch“ umschalte, wenn Vertrauen gefasst ist. Meine Art unterscheidet sich sehr stark je nach Bezug zum Gegenüber.
Meine erste Freundin stellte auch immer fest, dass ich wie ausgewechselt bin, wenn andere dabei sind. Es ist in etwa so, als hätte ich verschiedene sprachliche Ebenen. Ich frage mich oft woran das liegt….
Dass das irritiert wundert mich aber nicht. Ich wirke auf Frauen sicher unauthentisch und unsicher.
Nun fällt es mir schwer über Chats, Telefonate und Sprachnachrichten Vertrauen auf- und Distanz wirklich abzubauen.
Bei meinen Kontakten läuft es bisher häufig (nicht immer!) auf langwieriges Geschreibsel und Sprachnachrichten hinaus, was sich durchaus auch über Monate hinziehen kann (war auch vor der schon Pandemie so). Das „Sie“ legt sich je nach Intensität des Onlinekontakts zwar auch, aber es bleibt tendenziell eine ziemlich förmliche Sprache meinerseits bestehen, die ich im realen vertraulichen Kontakt nicht an den Tag lege. Dahinter liegt aber keine Absicht, wie es hier schon angedeutet wurde (Hervorheben durch ungewöhnliche Sprache). Nach einem so langen Online-Kontakt empfinde ich das erste reale Treffen dann oft als seltsam. Bisher war das Kennenlernen ab diesem Zeitpunkt dann auch zügig beendet, da Realität und Vorstellung oft weit auseinander liegen. Aber die Frauen brauchen häufig offenbar einen längeren Onlinekontakt um ausreichend Vertrauen für ein reales Treffen aufzubauen. Es ist sehr paradox: Ich bevorzuge immer den persönlichen Kontakt, lasse das Handy wo es nur geht zu Hause, vermeide soziale Medien etc. und auf der anderen Seite fällt es mir damit leichter als einzelgängerische Person überhaupt Kontakt aufzunehmen. Die Kaltakquise fällt mir im Moment zu schwer.
 
  • #49
Nach einem so langen Online-Kontakt empfinde ich das erste reale Treffen dann oft als seltsam.
Ich denke, das ist normal. Man steht ja plötzlich einem fremden Menschen gegenüber, von dem man doch schon einiges weiß und eine gewisse Vertrautheit besteht. Allerdings — das würde doch bedeuten, dass ihr während des Online-Kontakts bereits Distanz ab- und eine gewisse Nähe aufgebaut habt...?!

So ganz schlau werde ich aus dir nicht...
w45
 
  • #50
Mich stört diese pseudomoderne, schnelle und wahllose Duzerei - da sprechen sich Menschen ganz vertraulich mit "Du" an, die sich noch überhaupt nicht kennen.
Das ist richtig, mit dem „Sie“ kann man eine professionelle Distanz und trotzdem ein gutes Verhältnis haben. Es gerät aber in vielen Bereichen völlig aus der Mode. Sprachlich setzt sich gerade durch, was einfach ist...
Mode ist nicht immer gut, das zeigen die unseligen Gendersternchen, die dann auch noch mit Sprachfehlern ausgesprochen werden.

Meine Exfrau habe ich beruflich kennengelernt und erstmal gesiezt. Beim Daten dann schnell geduzt. Eine Frau zu küssen, die ich sieze, fände ich seltsam.
 
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  • #51
Ist okay, solange du spätestens beim dritten Date mit ihr im Bett landest. Spaß beseite. Siezen ist natürlich ein völliger Schmarrn. Man will beim Kennenlernen Distanz abbauen. Mit dem Siezen hältst du Distanz aufrecht. Hier umso mehr, da es unüblich ist.
Wenn du allerdings auch eine kauzige Frau suchst, ist das eventuell eine passende Methode.
😄 danke für den Lacher Laubsk. Sonst stimme ich dir völlig zu.
Nur ersetze kauzig mit wertkonservativ. Nur bedenke: Diese sind in deiner Altersklasse sicher selten anzutreffen, lieber FS.
Also ich fände es sehr befremdlich wenn meine 15jährige Tochter von ihren Lehrern gesiezt werden würde.
Das macht doch kein einziger Lehrer, habe ich auch noch nie gehört.
Eigentlich sollten Jugendliche ab der 9 bis 10 Klasse vom Lehrer das Sie angebotenen bekommen.
In meiner Schule wollten die Schüler nicht, die Lehrer bestanden drauf.
Der Umgang mit Lehrern und Schülern wurde dadurch sehr respektvoll und angenehm.
 
  • #52
Bei meinen Kontakten läuft es bisher häufig (nicht immer!) auf langwieriges Geschreibsel und Sprachnachrichten hinaus, was sich durchaus auch über Monate hinziehen kann (war auch vor der schon Pandemie so).
Das sehe ich eher als Problem an. Warum lässt du dich darauf ein? Ein paar Tage, oder vielleicht auch 2,3 Wochen sind wirklich genug beim nur schreiben, für die meisten. Man macht sich dann doch ein Bild vom anderen, das fast nie mit der Realität übereinstimmen kann, abgesehen von biologischer Passung, die dann vielleicht nicht gegeben ist (siehe Geruchsthema nebenan). Das wäre für mich Zeitverschwendung, Monate bis zum ersten Treffen zu warten. Denn meist passt es dann eben nicht.
 
  • #53
Mache ein Spiel daraus und verkaufe die Problematik mit Humor. Nimm Dich selber nicht zu ernst damit und lache darueber. Mache es zu Deinem persoenlichen Kennzeichen, zu einer Geschichte, wo ihr als Grosseltern lachend den Enkeln darueber berichtet.: "Weisst Du noch wie Du mich immer gesiezt hast und ich dann immer mit den Fingern schnipsen musste?" Du kannst ja vereinbaren dass Sie Dir hilft indem sie ein nonverbales Zeichen gibt. Schon ist die ganze Sache auf einer anderen Ebene und wenn Du froehlich humorvoll auf die Zeichen reagierst sind Lacher mit drin. So ein Treffen vergisst Frau nie. Verstehen Sie monsieur?
 
  • #54
Bei meinen Kontakten läuft es bisher häufig (nicht immer!) auf langwieriges Geschreibsel und Sprachnachrichten hinaus, was sich durchaus auch über Monate hinziehen kann
Formales Schreiben stellt Distanz her. Bewahrt diese. Es kommt keine Nähe auf, keine Anziehung. Die Neugier auf Kennenlernen verfliegt, die Distanz siegt.
Langes Schreiben beim OD versiegt oft, bei dieser Art Ansprache fast zwangsläufig.

M, 55
 
  • #56
Nicht mal ein 66-jähriger Freund von mir würde Siezen und empfindet solch biederes Verhalten als ganz schrecklich. Deswegen zieht es ihn auch lieber zu Leuten um die 35/40.

Ich empfinde es nicht als schlimm, aber unpassend für deine Altersstufe, wenn Du tatsächlich eine junge, fesche, gut aussehende Frau finden möchtest. Womöglich noch in der Disko... Diese Frauen ticken anders und erwarten von dir, auf dem Stand der Dinge zu sein und solch Verhalten könnte bei jungen Damen dazu führen, dass sie dir nicht mal weiter zuhören möchten.

Wie gesagt, in speziellen Kreisen wirst du vielleicht auch fündig oder ältere Damen könnten sich kichernd über dich amüsieren, und es als niedlich einstufen. Aber das willst du wahrscheinlich nicht.
 
  • #58
Bei meinen Kontakten läuft es bisher häufig (nicht immer!) auf langwieriges Geschreibsel und Sprachnachrichten hinaus, was sich durchaus auch über Monate hinziehen kann
Wahrscheinlich hätte ich es schon beim Siezen beendet, weil ich das gar nicht gewöhnt bin - selbst in meinem beruflichen Umfeld wechseln viele rasch aufs "du", wir sehen uns als dynamische und damit (manchmal zwangs-)junge Branche.

Schreiben über mehrere Monate ist für mich mittlerweile ein NoGo, den Grund hast du auch selbst schon erkannt:
Nach einem so langen Online-Kontakt empfinde ich das erste reale Treffen dann oft als seltsam.
Das empfinde ich genauso.

Aber die Frauen brauchen häufig offenbar einen längeren Onlinekontakt um ausreichend Vertrauen für ein reales Treffen aufzubauen.
Nein, das muss ich, weiblich ~40, widerlegen.
Ich will schon vorab einiges wissen, aber ein zeitnahes, unverbindliches erstes Treffen an einem für mich sicheren, öffentlichen Ort finde ich wesentlich besser als unendliche Mails. Man kann sich in einer Stunde realem Treffen viel besser kennen lernen als in den unzähligen Mails, an denen man stundenlang feilt.
Wenns am Ende nicht passt, passts nicht.

Überleg doch mal, wenn es nicht klappt, musst du beim nächsten Kontakt wieder von vorne anfangen. Und ... du erfindest dich ja (hoffentlich) nicht jedes Mal neu, im Grunde erzählst du immer wieder das Gleiche... ist das nicht mühsam?

Du sollst nicht mit der Tür ins Haus fallen, also in der ersten Mail ist die Frage nach einem Treffen zu früh, aber... wenn beiderseits eine aktive Kommunikation zustande gekommen ist, kann man schon konkret danach fragen, ob man nicht im echten Leben weiterreden möchte... probiers mal ;-)
 
  • #59
Mir begegnen immer wieder Menschen, die die Neigung haben in der dritten Person mit anderen zu sprechen......Damit kann und will ich gar nicht umgehen.
Was ist daran schlimm? Ich finde das sogar sehr gut so und sehr professionell! Wenn ich beispielsweise Künstler bin, stelle ich mich auch in der dritten Person vor, um z. B. gezielt Distanz aufzubauen, alles andere empfinde ich als unprofessionell. Man will ja dann keine Freundschaft oder Partnerschaft aufbauen, sondern seine Leistung in Vordergrund stellen und andere Leute sollen sich auf diese Leistung auch konzentrieren und nicht die Person.
 
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  • #60
Was ist daran schlimm? Ich finde das sogar sehr gut so und sehr professionell! Wenn ich beispielsweise Künstler bin, stelle ich mich auch in der dritten Person vor, um z. B. gezielt Distanz aufzubauen, alles andere empfinde ich als unprofessionell. Man will ja dann keine Freundschaft oder Partnerschaft aufbauen, sondern seine Leistung in Vordergrund stellen und andere Leute sollen sich auf diese Leistung auch konzentrieren und nicht die Person.
Mich interessiert das jetzt wirklich: Wie genau darf man sich das jetzt vorstellen? Wie stellst du dich in der dritten Person vor, und was hat das mit dem Künstler-Dasein zu tun? Die meisten Künstler, die ich kenne, stellen sich mit Vornamen vor und duzen ohne zu fragen. Wie genau darf man sich eine solche Situation vorstellen?
 
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