• #1

Ist meine Beziehung zu einem Bindungsängstlichen hoffnungslos?

Liebe Foristen,

habt ihr Erfahrungen mit bindungsängstlichen Menschen? Kann daraus irgendwann eine "normale" Beziehung werden, oder ist sie von vornherein zum Scheitern verurteilt?

Gemeint sind hier nicht die Menschen, die keine Lust auf feste Beziehungen haben, sondern die, die aufgrund früherer, schlechter Erfahrungen Angst haben, sich wieder gefühlsmäßig auf jemanden einzulassen.
 
  • #2
Durch schlechte Erfahrungen kam es bei den Menschen zu massiven Vertrauensverlust, gleich einem Trauma. Entweder ein Therapeut versucht zu helfen oder es geht nur mit ganz viel Geduld, 100 % Zuverlässigkeit, viel Verständnis, sehr guter Kommunikation und einem sehr langem Atem. Das ist aber ein Gang auf dem Hochseil, und grundsätzlich sollte der Partner nicht ein Therapeut in der Beziehung sein. Dies ist einseitig, weil die Probleme des Partners immer im Vordergrund stehen und er vlt. Dein gezeigtes verständnisvolles Verhalten aus Gutmütigkeit, Bequemlichkeit und Rücksichtnahme ausnutzen könnte.
 
  • #3
Je älter wir werden, desto mehr seelisches Gepäck schleppen wir mit uns durch die Jahre. Die meisten Menschen werden mit wachsender Lebenserfahrung vorsichtiger(man kann es auch anspruchsvoller nennen).

Bindungsangst ist gerade bei Frauen ein ganz normaler Zustand, besonders wenn gerade eine als belastend empfundene Beziehung zu Ende ging. Als Mann wird man diesem Fall ganz besonders von den Damen getestet und muß sich mehr Mühe geben, wobei die Zurückhaltung in dem Maße schwindet, wie auch das Interesse der Frau wächst.
 
  • #4
Hier eine pauschale Antwort zu geben ist nicht möglich.
Eine Antwort hängt viel zu sehr davon ab wie schwer diese Bindungsangst ist und was sie verursacht hat.
Liegt es wirklich "nur" wie von dir beschrieben an früheren schlechten Erfahrungen in einer Partnerschaft, stehen die Chancen denke ich ganz gut.
Bindungsängstliche Mensch, wie du liebe FS sie beschreibst, sind in der Regel in Beziehungen engagiert, loyal und treu. Für solche Menschen ist es undenkbar dem anderen vorsätzlich weh zu tun und nicht ihr Bestes zu geben.
Der Haken bei der Sache wird allerdings fast immer sein, dass es bei diesem Menschen länger dauert eine belastbare emotionale Nähe zum Partner aufzubauen. Erfahrungsgemäß bekommt der "gesunde" Partner davon aber nicht sehr viel mit. Seine Ängste trägt der Betroffene mit sich herum. Sich dem anderen zu offenbaren lässt die Angst regelmäßig gar nicht zu.

Grundsätzlich lässt sich wohl sagen, ist ein Mensch sich bewußt Bindungsangst zu haben und kann dies auch kommunizieren, ist der halbe Weg raus aus dieser Angst schon geschafft.
Wesentlich schwieriger dürfte es bei jemandem sein, der sich selbst dessen gar nicht bewußt ist oder es sich selbst nicht eingesteht. An diese Menschen kommt man als Partner emotional nicht ran. Hilfe ist für diese Menschen schlicht nicht möglich.
 
  • #5
Wenn es um schlechte Erfahrungen geht, sehe ich schon Hoffnung. Es muss viel geredet werden, wer wie was meint. Denn ansonsten wird die Person mit der schlechten Erfahrung den anderen durch ihre Vermeidungshandlungen verwirren und der sich irgendwann abwenden, weil er es auf sich bezieht und nicht weiß, dass es nur wieder um ein innerliches Problem geht. Und wenn der Partner nicht redet, wird die Person mit der schlechten Erfahrung vielleicht misstrauisch und interpretiert Verhaltensweise aufgrund ihrer Erfahrung statt der Situation und dem neuen Menschen angemessen.

Wenn man sich des Problems bewusst ist, also BEIDE, dann gibt es auch immer wieder den Wunsch, sich zu erklären und zusammenzufinden. Von daher denke ich, dass man es schaffen kann, eine gute Beziehung aufzubauen.
 
  • #6
Denn ansonsten wird die Person mit der schlechten Erfahrung den anderen durch ihre Vermeidungshandlungen verwirren und der sich irgendwann abwenden, weil er es auf sich bezieht

wird die Person mit der schlechten Erfahrung vielleicht misstrauisch und interpretiert Verhaltensweise aufgrund ihrer Erfahrung statt der Situation und dem neuen Menschen angemessen.
@void: Du hast die Kernprobleme ganz gut erfasst:
Vermeidungsverhalten - dieses "komm her, aber geh weg", jedes Vermeiden von Verbindlichkeit und das ständige Misstrauen sorgen für Unsicherheit bei dem anderen Partner.

Selbst bei großer Zuneigung fragt man sich, ob sich die ganze Mühe und das Zurückstecken lohnt. Ob der Andere irgendwann aus seinem Schneckenhaus herauskommt, oder es zum Selbstschutz besser ist, so eine Sache zu beenden.