• #1

Ist es überhaupt möglich, sein ganzes Leben lang mit einer Person glücklich zusammen zu sein?

Hallo ihr Lieben!
Und zwar beschäftige ich mich schon etwas länger mit diesem Thema. In diversen Foren und auch im Umfeld habe ich unzähliche Male mitbekommen, dass Ehen bzw. lange Beziehungen immer wieder scheitern. Ich kenne nur eine einzige Ehe, die seit mehr als 30 Jahren währt; allerdings nur aus dem Grund der finanziellen Abhängigkeit. Ansonsten ist jeder, der im Alter um die 20 seinen langjährigen Partner, mit dem auch ein Kind entstanden ist, getrennt oder geschieden. Immer so im Alter von 30-35 Jahren. Die nachfolgenden Beziehungen verlaufen alle schlecht; ich kenne nur unglückliche Paare, die sich aus finanziellen bzw. bequemlichen Gründen nicht trennen und in deren Beziehungen Affären ein offenes Geheimnis sind, wovon jeder weiß. Auch in Foren lese ich andauernd über Affären, Entfremdung vom Partner, finanzieller Abhängigkeit, Sticheleien etc. Ich habe mittlerweile den Eindruck gewonnen, dass es nicht möglich ist, wirklich glücklich mit einem Menschen zu sein, und das für eine Zeit, die über 15-20 Jahre hinausgeht. Die meisten heiraten nach meinen Kenntnissen so mit Mitte 30 und scheiden sich dann irgendwann wieder, weswegen ich auch zu meiner Entscheidung gekommen bin, nie zu heiraten; zu viel Aufwand für etwas, was anscheinend sowieso ein Verfallsdatum hat.
Ist meine Schlussfolgerung falsch? Kennt ihr vielleicht Paare, deren Liebesglück wirklich ein Leben lang währte? Ich meine jetzt primär die Paare, die sich im Alter von 30-40 gefunden haben mit der Vorstellung gemeinsamer Kinder, Hausbau etc. Welche, die schon sehr sehr lange eine glückliche Beziehung bzw. Ehe führen ohne irgendwelche Affären, ohne dem klassischen Auseinanderleben oder sonstigem. Ich habe es bisher so aufgefasst, dass z.B. das Eheversprechen ''bis an dein Lebensende'' wohl eher nie von denen gebrochen wird, die dem Lebensende leider näher sind, als die jüngeren Menschen; sprich, den älteren Menschen.
 
  • #2
Ist es überhaupt möglich, ein ganzes Leben lang glücklich zu sein und muss man das sein??
Ich kenne in meinem Bekanntenkreis auch wenige bis keine Menschen, die so lange zusammen sind und wenn, dann nicht glücklich.
Aber als Ärztin sehe ich einige ältere paare von 70/80 Jahren, die mir erzählen, dass sie sich schon 50 Jahre und länger kennen und dass sie immer glücklich waren.
Neulich hat mir eine 84jährige erzählt, dass sie glücklich ist mit ihrem Mann und dass sie sich mit 16 in der Schule kennengelernt hätten - süß!
 
  • #3
Grds denke ich schon, dass es möglich ist. Beispiel meine Eltern und auch viele Eltern von Freunden. Meine Eltern (51+54) seit 32 Jahren verheiratet, seit 35 Jahren zusammen. Jeweils die ersten Partner (auch sexuell) des anderen. Und beide glücklich. Keine Abhängigkeit.

In der heutigen Zeit scheint vieles leicht austauschbar, das ist sehr, sehr schade.
Dennoch - ich glaube an die ewige Liebe mit Monogamie, auch wenn mich jetzt viele für naiv halten.

W 27
 
W

wahlmünchner

  • #4
Ja es ist möglich.
Ich kenne auch mehr als 20 Paare die bis ins hohe Alter verheiratet und glücklich sind. Mit einigen bin ich verwandt. Dabei sagt nie jemand das es nicht Zeiten gab, in denen man sich fremder war, unglücklicher. Doch dann wurde es wieder besser und tiefer als vorher. Sogar die Menschen früher wussten dies und deshalb wird auch bei der Hochzeit gesagt:
In guten wie in schlechten Zeiten
Auch wenn es uns nicht gefällt:
Glücklich sein rund um die Uhr hat die Evolution nicht vorgesehen. ( leider)
Dabei ist es egal ob es um
unsren Broterwerb geht, um Freundschaften, uns selbst oder Partnerschaften. Es gibt Zeiten da passt uns etwas nicht.
Nur denken einfach viele:
Beim nächstes wird alles besser ... Das ist aber nicht so. Natürlich gibt es den Fall, aber oft ist man dann am gleichen Punkt ein paar Jahre später.
Ich denke es ist einfach eine Entscheidung. Versuchen wir es hinzubekommen gemeinsam oder eben nicht.
Die Leute früher hatten so viel Arbeit, Verpflichtungen und andere Sorgen, dass sich kaum einer einredete, ausgerechnet eine Scheidung würde das eigene Seelenheil retten.
Klar wenn seelische oder körperliche Gewalt in einer Beziehung vorherrscht , dann sollte die Scheidung doch eine Lösung sein. Aber sonst?
 
  • #6
Ich glaube auch , dass es das gibt. Meine Eltern waren so ein Beispiel. Sie waren 46 Jahre verheiratet, jeweils auch der erste und einzige Partner und wären es immer noch, wenn mein Vater noch leben würde.
Auch in meinem Freundeskreis habe ich zwei Paare die mittlerweile 25-28 Jahre verheiratet und immer noch glücklich sind. ( alle 50+)
Schön, das zu erleben. Doch ich kenne natürlich auch einige, die aus welchen Gründen auch immer zusammenbleiben, obwohl die Liebe sich schon lange verabschiedet hat. Es ist halt praktisch, bequem Man ist zwar nicht besonders glücklich, doch eben auch nicht besonders unglücklich. Man richtet sich ein....
 
  • #7
Es ist schon möglich und das hat ja die Vergangenheit bei den ganzen Paaren, die gemeinsam aus der ehemaligen DDR geflüchtet sind gezeigt. Da war die Trennungsrate sehr gering und wahrscheinlich lag dies daran, dass das Zusammenerlebte einen Zusammengeschweißt hat. Ich schätze die geraden Paare, die schlechte gemeinsame Zeiten durchlebt haben, mehr zueinandersteht als Paare, die das Glück hatten davon verschont zu bleiben. Heutigen Paaren fehlt einfach der Punkt, wo man sich aufeinander verlassen muss.
 
  • #8
Hm.. Ich denke, wenn man den Richtigen/ die Richtige getroffen hat, wird kein Wunsch nach einem Austausch bzw. Wechseln des Partners entstehen.
Nein, so meine ich das auch nicht...
Aber es ist doch so, dass viele Paare bei der kleinsten Meinungsverschiedenheit auseinandergehen - es kein "Zusammenraufen" mehr gibt. In guten, wie in schlechten Zeiten...dieser Satz hat m.E. gewaltig an Bedeutung verloren. Eben weil einem von außen suggeriert wird, dass alles austauschbar ist, dass so viel Angebot vorhanden sei. Anstatt offen mit dem Partner Probleme zu kommunizieren, wird das Handtuch geschmissen, wird fremdgegangen, etc.!

Wie andere nun hier bereits schrieben: man kann nicht bis zum Tod immer zu 100% glücklich sein, in keinem Lebensbereich. Die Kunst ist es, mit unglücklichen Situationen und Momenten souverän umzugehen. Nur dann kann man gestärkt daraus hervorgehen - ebenfalls im partnerschaftlichen Bereich!
 
  • #9
Neulich hat mir eine 84jährige erzählt, dass sie glücklich ist mit ihrem Mann und dass sie sich mit 16 in der Schule kennengelernt hätten - süß
...was so süß und niedlich zu sein scheint, zeigt einen überaus hochentwickelten Geist. Da haben es zwei Menschen verstanden, ihr Heiligtum zu schützen und zu pflegen. Solchen Menschen gehört mein Respekt und ich lerne gerne von ihnen.....
 
  • #10
Meiner Meinung nach ist das eine Sache selektiver Wahrnehmung. Negative Reize (also auch gescheiterte Beziehungen) prägen sich Menschen stärker ein als positive. Gleichzeitig gibt es, sowohl von den Paaren selbst als auch vom Umfeld, "viel mehr Lärm" um schwierige als um harmonische Beziehungen. Desweiteren werden sich Menschen, die selbst Beziehungsschwierigkeiten kennen oder regelmäßig haben, stets stärker mit ebenfalls schwierigen Beziehungsituationen identifizieren bzw. darin nach Bestätigung ihres Selbstverständnisses suchen, was die Selektion der Wahrnehmung für diese Personengruppe zusätzlich verstärken dürfte.
Für jemanden, der sein gesamtes Leben in einem blau gestrichenen Zimmer verbringt, ist die Welt ein blau gestrichenens Zimmer.

m37
 
  • #11
Dieses "ewige " Zusammensein ist mMn nur die {christlich-katholische) Perpetuierung der vorJahrhunderten "normalen" Lebenserwartung. Was heißt denn heutzutage "bis dass der Tod euch scheidet"? Wenn man diesen Satz heutzutage "durchdrücken" will, hat man meistens Fegefeuer und Hölle gleich miterledigt.
Meine persönliche Vita: fast 40 Jahre verheiratet, aber rückblickend etwa 25 zu lang. Und mein Ratschlag dazu: wenn die Versuche zur Verbesserung der Situation nach 6 Monaten noch immer ins Leere laufen, solte man/frau einen Schlußstrich ziehen. Denn die Hoffnung stirbt zwar zuletzt., aber genau das ist ja das Problem: besser wird es nicht mehr...
 
  • #12
Die meisten heiraten nach meinen Kenntnissen so mit Mitte 30 und scheiden sich dann irgendwann wieder, weswegen ich auch zu meiner Entscheidung gekommen bin, nie zu heiraten; zu viel Aufwand für etwas, was anscheinend sowieso ein Verfallsdatum hat.
Ist meine Schlussfolgerung falsch?
Es gibt im Internet 1 Mio Threads zur Sinnhaftigkeit der Ehe. O.k. es wurden noch nicht alle Fragen von jedem gestellt. Deshalb hier der eine Mio und einste Thread.
Fremdgehen und Trennungen gibt es mit und ohne Ehe. Kinder kriegen und für immer zusammen bleiben gibt es auch mit und ohne Ehe. Sich lieben und glücklich sein gibt es mit und ohne Ehe.
Scheidungskrieg und sich finanziell und nervlich verausgaben gibt es nur mit Ehe aus Sicht des Mannes. Frauen sind enttäuscht und auch nervlich verausgabt, meistens bereits vor der Trennung. So groß ist der Unterschied da nicht. Kinder weniger sehen gibt es mit und ohne Ehe bei einer Trennung.

Und klar, von wegen Verfallsdatum. Das musst du schon selbst herausfinden, wie groß die Liebe ist und ob man für immer zusammen bleiben möchte ob mit oder ohne Ehe.
 
  • #13
Schwieriges Thema, was heißt schon glücklich sein?
Wenn früher eine Ehe 50 Jahre glücklich war, waren eben 40 Jahre gut und 10 Jahre schlecht. Wer von uns will 10 schlechte Jahre durchstehen?
Im Laufe eines Menschenlebens entwickelt man/frau sich weiter. Wahrscheinlich denkst du und verhältst du dich heute anders als mit 17. Bei einer sehr langen Beziehung muss das Paar sich in die selbe Richtung entwickeln. Und die Partner müssen erlauben, dass sich 2 Personen in 2 unterschiedlichen Tempi entwickeln. Das kann nur funktionieren, wenn das Umfeld günstig ist.

Ich denke, es ist ähnlich mit Freunden, die man noch vom Kindergarten kennt. Die studieren mal woanders, ziehen weg, haben noch andere Freunde, aber die beiden Kindergartenfreunde wissen, dass sie nach 20 Jahren Freundschaft etwas ganz Besonderes zusammen haben, was sie nicht aufgeben wollen, obwohl sie sich nicht mehr täglich auf dem Spielplatz sehen. Im Lauf der Zeit wird es nur noch mehr Besonders.
 
N

nachdenkliche

  • #14
Neulich hat mir eine 84jährige erzählt, dass sie glücklich ist mit ihrem Mann und dass sie sich mit 16 in der Schule kennengelernt hätten - süß!
Das ist einfach wunderschön und erwachsen, das bewundere ich einfach..aber süß? Das klingt als ob man das belächelt, nicht ernst nimmt. Viele können sich von dieser Haltung dieses alten Paares eine dicke Scheibe abschneiden.
 
  • #15
Meiner Meinung nach ist das eine Sache selektiver Wahrnehmung. Negative Reize (also auch gescheiterte Beziehungen) prägen sich Menschen stärker ein als positive.

m37
Ja, denke ich auch. In meinem Umfeld kann ich die komplette Bandbreite wahrnehmen. Sowohl Menschen, die sehr sehr lange miteinander zufrieden leben, als auch Menschen, die nach zwei, drei, vier Jahren Beziehung wieder auseinandergehen.
Ich bin seit fast 20 Jahren in einer Beziehung, die ich als stabil bezeichne. Wir sind zufrieden miteinander und ein Partnerwechsel aus heutiger Sicht undenkbar. Auch heute haben wir noch sehr glückliche Momente miteinander und wissen zu schätzen, was wir uns an Beziehungsqualität "erarbeitet" haben. Das war nicht immer leicht,aber unterm Strich haben uns auch die "schlechten" Zeiten näher aneinander gebracht. Und uns gelehrt, die "guten" Zeiten zu genießen und zu würdigen, das schafft eine tolle Basis, falls es mal schlechter läuft.
 
  • #16
Hm.. Ich denke, wenn man den Richtigen/ die Richtige getroffen hat, wird kein Wunsch nach einem Austausch bzw. Wechseln des Partners entstehen.
Sehe ich genauso.
Ja es gibt "immernoch" solche Paare, wo sich zwei gefunden haben, wo alles passt, seelisch, emotional und körperlich.

Nur weil einige leider nicht zu diesen "Eliten" gehören heisst es nicht, dass es keine dauerhafte Liebe gibt.

Es gibt Witwen und Witwer, welche nie wieder sich verbandelt haben, weil der oder die Verstorbene die Liebe fürs Leben war und kein Nachfolger dieser Liebe gerecht werden wird - da kenne ich zwei Frauen aus dem Umfeld.

Die Ehe meiner Eltern und meines Bruders, auch meiner Freundinnen sind Beispiele einer lebenslangen Ehe (kennenlernen mit Anfang 20). Natürlich ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen, aber statt fremdgehen und mal warmwechseln oder den Problemen des Alltags aus dem Wege gehen, reden diese Paare miteinander und versuchen gemeinsame Wege zu finden, Wege aus einer Disharmonie in die Harmonie und finden sie auch, weil sie sich viel bedeuten und sich lieben.

Andere finden diese "Wege" nicht, weil die Gefühle einfach von Anfang an nicht stark genug waren um "schlechte" Zeiten zu überwinden, diese scheitern.
 
  • #17
Man kann heute ältere Paare nicht mehr vergleichen mit der jungen Generation. Unsere Eltern und Großeltern lebten vielfach noch eine Ehe, die auch eine Versorgergemeinschaft war und ist. Die meisten Frauen waren nicht berufstätig, sie konnten sich nicht trennen und können es selbst im hohen Alter nicht. Ihr finanzieller Absturz wäre beispielhaft.
Heutige junge Paare stehen beide auf eigenen Füßen und könnten im Zweifel sich und die Kinder auch alleine durchbringen. Das bedeutet, dass man eher bereit ist, eine Ehe zu beenden, wenn die Liebe nicht mehr da ist oder wenn es Streit gibt oder oder oder... Das mag man gut oder schlecht finden. Ich selber habe eine lange Ehe beendet, weil ich meinen Mann nicht (oder nicht mehr) geliebt habe. Wäre ich finanziell von ihm abhängig gewesen, hätte ich es vielleicht nicht getan und mich meinem Schicksal gefügt. Doch so konnte ich meinen Bedürfnissen nachgehen und noch ein bisschen mehr vom Leben verlangen als eine Bruder-Schwester-Gemeinschaft. Man kann mich dafür verurteilen. Ich tue es nicht und kann noch gut in den Spiegel schauen.
 
P

Provence

  • #18
In meinem Umfeld gibt es ungezählte Paare, die 30 oder 40 Jahre zusammen sind; und überwiegend glücklich. Mindestens genauso viele haben sich getrennt, wieder gebunden, teilweise ein weiteres Mal getrennt. »Früher« waren die Trennungen schwieriger, die Versorgungslage (besonders) der Frauen ließ das oft nicht zu. Heute sind die meisten Frauen wieder berufstätig, nachdem ihre Kinder erst Schulkinder, dann Studenten wurden und aus dem Haus gingen.

… das hat ja die Vergangenheit bei den ganzen Paaren, die gemeinsam aus der ehemaligen DDR geflüchtet sind gezeigt. Da war die Trennungsrate sehr gering und wahrscheinlich lag dies daran, dass das Zusammenerlebte einen Zusammengeschweißt hat
Das war ganz und gar nicht so. Ich habe mich vor der Wende schon immer gewundert, wie locker in der damaligen DDR geheiratet und wieder geschieden und wieder geheiratet … wurde. Was sich (auch) damit erklärte, dass fast alle Frauen berufstätig (also selbständig) waren und ihre Kinder den Tag in der Kita/Schule/Hort verbrachten. Im Westen waren Kita-Plätze rar und gute Jobs für Frauen meist auch. Dass die Trennungsrate in der DDR u.a. deshalb gering war, weil das zusammen Erlebte (damit ist wohl »das Leben in der DDR« gemeint) sie zusammen geschweißt hätte - auch das ist eine Mär: die Menschen, mit denen ich damals Kontakt hatte und die ich in »Ost«Berlin besuchte, wollten gar nicht alle »raus« aus ihrem Land.

Ich glaube, dass Trennungen in Entwicklungs-Wellen erfolgen: oft wenige Jahre, nachdem man zusammengekommen ist = weil man erkannt hat, dass es doch nicht so passt. Also zwischen 1 und 5 Jahren Gemeinsamkeit.
Oder, nachdem ein neuer Lebensabschnitt eingetreten ist, die Kinder sind aus dem Haus, beide Partner voll im Beruf: Nach etwa 20 bis 25 Jahren Ehe.
Oder, nachdem beide eine Art Midlife-Crisis durchlebt haben, jeder in der Beziehung in eine neue Richtung denkt und schwebt; vielleicht eine neue mögliche Verbindung für sich entdeckt. Das passiert dann nach 35-45 Jahren Gemeinsamkeit. Die Trennung geht dann nicht unbedingt vom Mann aus - mindestens genauso oft ist es die Frau, die sich ein neues/anderes Leben wünscht. Für den Rest der zur Verfügung stehenden Zeit.
 
L

Lisachen

  • #19
Die Kunst ist wahrscheinlich zu akzeptieren, dass das Leben manchmal auch unglückliche Phasen hat. Ich glaube, dass die Paare, die es geschafft haben, haben nie aufgehört miteinander zu kommunizieren und hatten sich immer etwas zu erzählen gehabt. Sie konnten Rücksicht aufeinander nehmen und waren geduldig. Eine ewig glückliche Liebesbeziehung kann ich mir nicht vorstellen aber vielleicht schaffen Menschen eine glückliche Ehe, wenn die grundsächliche Sachen da sind und diese sind meines Erachtens gegenseitige Treue und Respekt und Aufrichtigkeit.
 
  • #20
Ich kenne mehrere Paare, bei denen das seit Jahrzehnten so ist. Mit Aufs und Abs, aber grundsätzlich sind sie glücklich. Auf der anderen Seite ist es aber nicht bei allen Paaren so. Also - es ist möglich, aber es muss nicht so sein.
 
  • #21
Klar ist es möglich, es ist halt eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Je größer du den Zeithorizont wählst, desto unwahrscheinlicher wird es. In einer hedonistischen Gesellschaft wie hierzulande ist es natürlich auch etwas ganz anderes als dort, wo man aus der Not zusammenlebt. In Deutschland ist eine Beziehung Spaß, Luxus und etwas das man sich gönnt, in anderen Ländern ist es eine Wirtschaftgemeinschaft die zum Überleben beider notwendig ist. Dort gibt es auch keine großen Fragen nach Emanzipation denn die bedeutet zwangsläufig eine Gefahr für das Überleben der Partner als auch der Kinder.
Dort wo es aber nur ein Spiel um Gefühle ist, wird eine Beziehung auch schnell mal beendet, denn sie bedeutet keinem der beiden mehr als ein paar verletzte Gefühle.
 
  • #22
Gründe, warum Paare lange zusammen sind.

Man hat den passenden Partner/in gefunden, oder ist zufrieden mit ihm = man ist froh, nicht mehr weiter suchen zu müssen.

Langjährige Paare sagen:"Abends nie im Streit zu Bett"
"Die Ehe läuft gut, weil wir uns nicht so oft sehen." (Beruflich bedingt, oder persönliche Freiheiten "trotz" Ehe)

Viele Paare sind aber nur noch aus Bequemlichkeit zusammen.
Also eine Art Wohngemeinschaft. Der Mann will nicht auf seine "Haushälterin" verzichten. Denn ohne sie wäre er aufgeschmissen.

Ansonsten Statistik: 50 % aller Ehen mit Trauschein werden geschieden. 25 % bleiben notgedrungen zusammen. Nur 25 % sind immer noch glücklich oder zufrieden.

50 % aller Ehemänner gehen fremd. Und auch viele Ehefrauen.
Aber die Ehefrauen stellen es raffinierter an, damit man es nicht erfährt.

Die Liebe ist wie eine Pflanze, die man ständig pflegen muß, sonst verkümmert sie. Eine Ehe ist nicht Trauschein und zwei Ringe. Sondern jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung. So dass der Partner/in stets "Ja" sagen kann.
 
  • #23
Man kann heute ältere Paare nicht mehr vergleichen mit der jungen Generation. Unsere Eltern und Großeltern lebten vielfach noch eine Ehe, die auch eine Versorgergemeinschaft war und ist. Die meisten Frauen waren nicht berufstätig, sie konnten sich nicht trennen und können es selbst im hohen Alter nicht. Ihr finanzieller Absturz wäre beispielhaft.
Heutige junge Paare stehen beide auf eigenen Füßen und könnten im Zweifel sich und die Kinder auch alleine durchbringen. Das bedeutet, dass man eher bereit ist, eine Ehe zu beenden, wenn die Liebe nicht mehr da ist oder wenn es Streit gibt oder oder oder... Das mag man gut oder schlecht finden. Ich selber habe eine lange Ehe beendet, weil ich meinen Mann nicht (oder nicht mehr) geliebt habe. Wäre ich finanziell von ihm abhängig gewesen, hätte ich es vielleicht nicht getan und mich meinem Schicksal gefügt. Doch so konnte ich meinen Bedürfnissen nachgehen und noch ein bisschen mehr vom Leben verlangen als eine Bruder-Schwester-Gemeinschaft. Man kann mich dafür verurteilen. Ich tue es nicht und kann noch gut in den Spiegel schauen.
Diese Argumentation liest man oft und sie stimmen nicht.
Es gab auch damals Frauen, welche einen Beruf hatten oder Vermögen und sich jederzeit vom Gatten trennen konnten und in der eigenen Familie wieder aufgenommen werden konnten.
Auch in ganz alten Zeiten konnten sie Erzieherin werden oder - aus einer Not heraus - in ein Kloster.

Dieses -ausharren und sich mit Gatten wegen Versorgeransprüchen - herumquälen ist eine gern beliebte Rechtfertigung "moderner" Frauen, welche eine stabile Ehe oder Beziehung nicht auf die Reihe bekommen.

Die finanzielle Abhängigkeit vom Gatten gibt es auch heute noch, es ist kein Relikt aus "alten" Zeiten einer damaligen Ehe.
Wieviele Frauen suchen den "gutverdienenden" Alphamann, warum wohl? Wenn sie selbst doch sooo selbständig, finanziell abgesichert und unabhängig sind

Sorry, aber viele Frauen sind auch in 2016 finanziell abhängiger von "Männern" als die super Emanzipation es sich träumen lässt.
 
  • #24
Liebe FS,
Du solltest Dein Umfeld überdenken, denn ich kenne das Phänomen in der Ausgeprägtheit nicht.
Ich war über 20 Jahre verheiratet und nicht besonders glücklich damit, aber in meinem Umfeld bin ich eine kaum wahrnehmbare Minderheit. Außer mir fällt mir ad-hoc nur eine Freundin ein, die ebenfalls geschieden ist.

Die meisten Verwandten unde Freunde leben in langjährigen, zufriedenstellenden Ehen oder waren als gebildete Frauen überwiegend Singles.

Ich kenne nur eine Ehe (Hausfrauenehe), die aus materiellen Gründen aufrechterhalten wurde - seit mehr als 35 Jahren und mittlerweile im Rentenalter ohne Alltagsstress scheint das Paar sich wieder anzunähern, der Umgangston ist freundlicher geworden.

Zwei Schwestern sind seit mehr als 30 Jahren verheiratet, läuft sehr harmonisch zwischen ihnen. Natürlich gab es mal schwierige Zeiten, aber die Probleme wurden gemeinsam gelöst, statt sich zu trennen, fremdzugehen o.ä.

Im Freundeskreis sind alle mehr als 30 Jahre verheiratet, die Ehen laufen gut. Gemeinsames Kennzeichen dieser gut laufenden Ehen ist:
- beide Partner kommen aus Familien in denen die Ehen ebenfalls Bestand hatten
- es war von beiden Seiten eine echte Liebesheirat
- beide Partner wollten Familie und teilten sich die Familienarbeit
- beide Partner waren berufstätig, die Frauen mit geringerer Qualifikation Teilzeit und das war von beiden Partnern so gewollt. Die hochqualifizierten Frauen arbeiteten viel, hatten zur Entlastung Haushaltshilfen, Kinderbetreuung etc. sowie auch einen Partner, der für die Familie da war.
Auch in den Familien gab es mal Zeiten, die nicht so leicht waren - auch diese wurden gemeinsam gelöst.

Selbst die wenigen zweiten Ehen, die ich kenne, haben die Silberhochzeit mittlerweile hinter sich.

Es gibt bei allen stabile Familienbande in die Stammfamilien beider Partner, wo man miteinander kommuniziert, wenn Probleme anstehen. Und es gibt stabile Freundeskreise, in denen man sich ehrlich die Meinung sagt.
Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg bei allen funktionierenden Familien, sowie Belastbarkeit, Frustrationstoleranz, Problemlösungswillen und -kompetenzen in saure-Gurken-Zeiten, statt gelebte Egomanie.
 
  • #25
Das war ganz und gar nicht so. Ich habe mich vor der Wende schon immer gewundert, wie locker in der damaligen DDR geheiratet und wieder geschieden und wieder geheiratet … wurde.
Ich spreche hier nicht von Paaren, die in der DDR gelebt haben, sondern von Paaren, die aus der DDR geflüchtet sind. Hier hat man sein eigenes Leben gefährdet und ein großes Vertrauen gehabt. Ich kenne so ein Paar, das Mitte der 80er Jahren geflüchtet ist und man ein gegenseitiges Vertrauen aufbaute. Dasselbe gilt auch für die Paare, die aus EX-Jugoslawien vor den Bürgerkrieg flüchteten oder ganz aktuell aus Syrien. Ich bin zwar nicht aus der DDR, aber ich hätte wahrscheinlich dort niemand für so eine Aktion vertraut. Man weiß ja nie, ob man an einen IM geraten ist. Das ist was unter "zusammengeschweißt" definiere.

Das Paar, das aus DDR geflüchtet ist meinte einmal zum Thema Traumpartner: Es gibt vielleicht einen oder zwei bessere Partner, aber sicherlich auch Millionen, die schlechter als der jetziger wären.
 
P

Provence

  • #26
Ich spreche hier nicht von Paaren, die in der DDR gelebt haben, sondern von Paaren, die aus der DDR geflüchtet sind.
Also schon vorher in der DDR gelebt haben.
… geflüchtet ist und man ein gegenseitiges Vertrauen aufbaute … aber ich hätte wahrscheinlich dort niemand für so eine Aktion vertraut. Man weiß ja nie, ob man an einen IM geraten ist.
Dass es so viele »IM’s« gab, das wissen wir heute. Damals, schon gar nicht Mitte der 80iger, ahnte das kaum jemand.

Wo du sicher recht hast: gemeinsam überstandene Gefahren/Probleme o.ä. bauen Vertrauen zueinander auf. Und Vertrauen schweißt zusammen. Nicht immer, aber oft.
 
E

Elissa

  • #27
Diese Argumentation liest man oft und sie stimmen nicht.
Es gab auch damals Frauen, welche einen Beruf hatten oder Vermögen und sich jederzeit vom Gatten trennen konnten und in der eigenen Familie wieder aufgenommen werden konnten.
Auch in ganz alten Zeiten konnten sie Erzieherin werden oder - aus einer Not heraus - in ein Kloster.
Das stimmt nur so zum Teil. Nach einer Scheidung waren die Frauen in der Regel gesellschaftlich geächtet. Stammten sie aus reichen Familien, waren sie zwar finanziell versorgt, aber vom gesellschaftlichen Leben abgeschnitten.
Erzieherinnen konnten sich nur die ganz Reichen leisten und die stellten keine geschiedene Frau ein, sondern eine unverheiratete, aus einer ähnlichen gesellschaftlichen Schicht (die unverschuldet verarmt war und arbeiten musste). Auch an den wenigen höheren Mädchenschulen unterrichteten keine geschiedenen Frauen, sondern unverheiratete. Und selbst die Klöster nahmen eher unverheiratete Frauen auf, die noch dazu eine ordentliche Mitgift mitbrachten. Ein Kloster war kein Zufluchtsort für Geschiedene.
Deswegen stimmt es schon, dass noch in der Generation meiner Großeltern viele Ehepaare aus Versorgungsgründen und vor allem auch aus gesellschaftlichen Gründen zusammenblieben. Nur die allerwenigsten Frauen hatten einen ordentlichen Beruf gelernt und hätten sich selbst durchbringen können. Die älteren Schwestern meiner Großmutter hatten nur "Haushalt" gelernt. Nach der Volksschule besuchten sie so eine Art Handarbeitsschule und danach lernten sie in einer wohlhabenderen Familie für ein oder zwei Jahre Haushalt. Nur meine Großmutter (die jüngste) hat eine Ausbildung in einem Büro gemacht. Ihre Brüder dagegen lernten ganz normal einen Beruf mit Aufstiegschancen. Und das war kein Einzelfall. Nur ein ganz minimal kleiner Prozentsatz der Mädchen machte Abitur und durfte studieren, selbst in reicheren Familien war es einfach unüblich.
 
  • #28
In meiner Familie haben sich alle Paare sehr früh, teilweise im Teenie-Alter, kennen gelernt und diese sind immer noch verheiratet (nun sind alle Personen so 45-55). Ob sie glücklich sind oder ob das nur aus Gewohnheit so ist, weiß ich nicht. Meine Eltern, die auch zu dieser Gruppe gehört, sind es jedenfalls.

Ich selbst bin Mitte 20 und habe seit ein paar Jahren eine glückliche Beziehung. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass wir es ein Leben lang "packen" könnten. Mir fällt bei meinen Freunden - also eine Generation unter der von dir beschriebenen- immer wieder auf, dass viele Pärchen irgendwie gar nicht zusammenpassen, trotzdem aber länger zusammenbleiben. Die streiten dann ständig über belanglose Themen, über die mein Freund und ich uns nie Gedanken machen würden. Diese Personen sind sehr Ich-Bezogen und missgönnen ihren Partner teilweise auch vieles. Es ist mehr ein nebeneinander leben als ein Miteinander, was ich so einfach nie leben könnte. Es ist also sicherlich auch Charakterfrage.
 
  • #29
Die meisten heiraten nach meinen Kenntnissen so mit Mitte 30 und scheiden sich dann irgendwann wieder, weswegen ich auch zu meiner Entscheidung gekommen bin, nie zu heiraten; zu viel Aufwand für etwas, was anscheinend sowieso ein Verfallsdatum hat.Ist meine Schlussfolgerung falsch?
Du wirst vermutlich etliche Beziehungen in deinem Leben führen, in die du viel Kraft, Liebe und auch Arbeit und Herzblut steckst und sie werden möglicherweise früher oder später auseinandergehen. Warum "sparst" du dir diesen Aufwand nicht auch gleich? Und "investierst" von Anfang an nur in die "richtige" Beziehung? ;-)

Versteh mich nicht falsch, es ist allein an dir, zu entscheiden, ob du heiraten willst oder nicht. Nur liest sich das bei mir so, als wenn du gar nicht grundsätzlich dagegen bist, sondern versuchst, statistisch/mathematisch abzuwägen, ob sich das "rechnet" bzw. "lohnt" für dich. Finde ich eine traurige und ehrlich gesagt, beklemmende und auch selbstbeschränkende Herangehensweise an das Thema Liebe und Leben. Wenn man vorher immer wüsste, was am Ende rauskommt... Diese Sicherheit gibt's aber nicht; das kontrollieren zu wollen, ist Illusion. Gut möglich, dass du dir vielleicht sogar DIE Liebesbeziehung deines Lebens verbaust, nur weil du den Aufwand scheust, zu heiraten? Wer will das vorher wissen?
Vielleicht werden deine Ängste (die du dir als "Realitätssinn" rationalisierst) dadurch auch geschürt, weil du in Foren wie diesem hier natürlich fast ausschließlich Problemfälle präsentiert bekommst. Das kann die Wahrnehmung der Realität sehr verzerren. Denn auf 10 Problemthreads hier kommen vielleicht 60-70 gut gelingende Ehen/Langzeitbeziehungen im realen Leben?!
m/43
 
  • #30
Warum sollte man denn etwas nicht tun, nur weil es ein Verfallsdatum hat?

Als ich heiratete habe ich das getan, weil ich idealistisch war und mir keinen Gedanken über ein Verfallsdatum machte. Und heute finde ich das auch gar nicht schlimm.

Ich habe kürzlich gelesen, dass viele Ungereimtheiten im Leben nichts anderes als die Angst vor dem Tod sind. Das passt auch hier, finde ich.

Unser Leben selbst hat ein Verfallsdatum, weshalb sollte ich mir dann in diesem Zeitraum etwas für die Ewigkeit erschaffen wollen? Aus irgendeiner diffusen Angst heraus wahrscheinlich.