• #1

Ist er ein Workaholic?

Hallo zusammen,

ich (w, 26) bin jetzt seit 2 Jahren mit meinem Partner (m, 27) zusammen.

Mein Freund arbeitet in einem Industrieunternehmen auf Basis von Vertrauensarbeitszeit. Er ist seit 2 oder 3 Jahren bei der Firma. Von seinen Kollegen (selbe Abteilung) bzw. deren Frauen, weiß ich, dass diese häufig gegen 17/18 Uhr Feierabend machen. Selbstverständlich gibt es auch Ausnahmen, aber in beide Richtungen. Wenn ganz viel los ist an der Arbeit, bleiben sie auch bis spät abends im Büro (21/22 Uhr), es gab aber auch mal eine Zeit, da sind manche schon um 15/16 gegangen, weil es einfach nichts zu tun gab und sie dann lieber Zeit mit der Familie verbringen.

Mein Freund hat keine leitende Funktion. Trotzdem arbeitet er aber immer bis mindestens 19/20 Uhr. Eine zeitlang kam er sogar erst gegen 22 Uhr nach Hause (Nein, er hat keine heimliche Affäre).

Da wir zusammen wohnen, uns jeden Abend und auch an den We (Sa und So hat er frei) sehen, empfand ich es bisher nie als schlimm oder störend, dass er so viel arbeitet. Ich war auch stolz darauf, dass er etwas in seinem Leben erreichen will und deshalb habe ich ihn stets dabei unterstützt. Als Info muss ich auch noch hinzufügen, dass er damals auf einer Elite-Universität (Stipendium) im Ausland war und sein Studium (Bwl) mit Auszeichnung bestanden hat. Was ich damit sagen will, mir war bewusst, dass ihm Karriere auch wichtig ist und er einen Job braucht, der in fordert und fördert. Bis zu einem gewissen Punkt ist das für mich auch völlig in Ordnung. Allerdings finde ich bestimmte Aussagen/Verhaltensweisen von ihm sehr merkwürdig, weshalb ich das Gefühl nicht los werde, dass er ein Workaholic ist.

Als es damals z.B. diese Flaute gab und all seine Kollegen um 15/16 Uhr Feierabend gemacht haben, habe ich ihn natürlich darauf angesprochen. Er meinte daraufhin zu mir, dass er es "merkwürdig fände und mit seinem Gewissen nicht vereinbaren könnte, wenn er den Arbeitsplatz so früh wieder verlässt." Wörtliches Zitat: "Ich würde nie vor 16:00 Uhr nach Hause gehen. Ich finde so ein Verhalten peinlich. Kann meine Kollegen auch nicht verstehen. Würde ich einfach nie machen." Ist er auch noch nie. Er sucht sich dann sogar lieber Arbeit (irgendwas gibt es ja immer zu tun), als das er nach Hause geht. Selbst, wenn ich an den Tagen frei/Urlaub habe und wir was zusammen unternehmen könnten (Nein, es liegt nicht daran, dass er keine Zeit mit mir verbringen möchte.).
 
  • #2
Ja, klingt so. Es gibt Menschen, die leben für ihre Arbeit. Das wirst du wohl auch nicht ändern können. Da ist es die Frage, ob man das akzeptieren kann auf Dauer oder nicht. Nach zwei Jahren ist ja oft der Punkt, wo man sich vorstellt, die Beziehung bis ans Lebensende zu führen und prüft, ob es wirklich passt. Die Verliebtheit ist abgeflaut. Nur du kannst wissen, wie sehr es dich stört, dass er so ist. Am Wochenende scheint er ja nicht zu arbeiten, sondern mit dir Zeit zu verbringen? Die Frage wäre, ob sich das auch noch ändert, wenn er z.B. eine höhere Position erreicht. Oder ob es sich ändert, wenn ihr z.B. Kinder hättet, oder ob es bei einer traditionellen Rollenverteilung bleiben würde - der Mann arbeitet, du kümmerst dich um die Kinder. Das ist bei vielen Ingenieuren so, die ich kenne. Die sehen ihre kleinen Kinder unter der Woche dann halt praktisch nicht. Für die Frauen ist es aber in Ordnung so. Es muss halt passen.

Ich selbst habe gern einen Partner, der seinen Job gern und recht gut macht, ihn aber nicht als Lebensmittelpunkt ansieht, sondern auch gern Freizeit hat. So ein Mittelding. Karriere hat mich nie interessiert und meinen Partner jetzt auch nicht. Das finde ich sehr angenehm. Dafür haben wir trotzdem genug Geld um uns unsere Hobbys leisten zu können und genug Zeit für Freunde, Ausruhen, Paar-Zeit usw.

w, 36
 
  • #3
Liebe mokuyobi,

vielen Dank für deine Rückmeldung! Also er hat zwar am Sa und So frei und ich weiß, dass das zum Teil ein echter Luxus ist! Da er Freitag aber i.d.R. auch immer lange arbeitet, ist er Sa oft sehr müde und schläft manchmal auch tagsüber. Am So ist er dann nervös/aufgeregt, weil es Mo wieder los geht.

Im Urlaub hat er immer sein Arbeitshandy dabei. Mein Ex-Freund hat das zwar auch gemacht, aber er hat dann zum Beispiel nach 4 Tagen 1x drauf geschaut und es ansonsten ausgemacht. Mein jetziger Partner schaut im Urlaub eigentlich jeden Tag drauf. Zudem wird er richtig nervös, unruhig und sogar unfreundlich, wenn er es nicht tut bzw. Ich ihn darum bitte, es zu lassen.

Ich war bisher selbst noch Studentin und meine Ex-Freunde hatten ganz andere Jobs. Deshalb fällt es mir schwer, einzuschätzen, ob das durchaus auch "normal" ist und ich übertreibe oder er wirklich ein Workaholic ist?

Wir gehen langsam auf die 30 zu und ja genau ich wünsche mir nichts mehr als eine Familie zu gründen. Ich habe selbst 5 Jahre lang studiert (Master) und möchte keine bzw. nicht nur Hausfrau sein. Aber ich habe mich immer bewusst für Jobs entschieden (bin noch in der Findungsphase, habe mehrere Praktika absolviert, mich jetzt auf verschiedene Stellen beworben und am Do ein Vorstellungsgespräch) von denen ich weiß, dass sie mich ausfüllen, ich trotzdem aber Zeit habe für Partner, Familie und Freunde.

Vielleicht noch was aktuelles. Er war jetzt auch eine Zeitlang im Home Office. Ich konnte nicht mal 5 Minuten lang mit ihm reden. Er war unglaublich nervös die ganze Zeit und meinte "Sorry, aber ich habe unglaublich viel zu tun." Er bat mich dann, ob ich Essen machen kann, weil er dafür schlichtweg keine Zeit hat. Er hat das Essen dann in 10 Min in sich reingeschlungen und saß wieder vorm PC... Ist das wirklich normal? Er will ja noch aufsteigen, und eigentlich wird es dann doch tendenziell mehr Arbeit, wie du schon gesagt hast...

Das führt natürlich auch dazu, dass er alle anderen Dinge als unwichtig empfindet. Haushalt sowieso. Ich mache alles alleine. Er sagt dann immer "Wir holen uns einfach eine Putzfrau". Er will alle Probleme mit Geld aus der Welt schaffen, aber ich fände es ehrlich gesagt schön, wenn er auch mal für mich kocht, den Tisch eindeckt etc. pp. Und wie soll das dann aussehen, wenn man Kinder hat? Nanny? Putzfrau? Koch?
 
  • #4
Meine Erfahrungen mit meinen umfangreichen Erkenntnissen sagen mir extrem was anderes:
würde er wirklich sehr gerne mit dir zusammen sein, so würde er das tun, für mich sind seine Aussagen, Ausreden und Vorwände, dafür es nicht zu tun!
 
  • #5
Ich arbeite auch in einem Industrieunternehmen, im Büro. Bei uns ist selten einer länger als 18 Uhr im Büro. Wir können früh anfangen (6:30 Uhr frühstmöglicher Arbeitsbeginn) wir stempeln.
Ich finde es Quatsch aus Solidarität länger zu bleiben, wenn man mit seinem Aufgabengebiet durch ist und nur da bleiben würde um die Kollegen nicht im Stich zu lassen, wenn er über seine Aufgaben hinaus, die Kollegen noch unterstützt und entlastet ist das etwas anderes. Es gibt Gesetze, Überstunden sind erlaubt, doch auch dafür gibt es eine zeitliche Frist (man darf zb nicht jeden Tag Unmengen an Überstunden leisten). Bei Vertrauensarbeitszeit kann man dies nicht kontrollieren, das ist doof, gut für den AG.

Eine Stelle sollte so ausgerichtet sein, dass man weder Däumchen dreht, noch nicht weiß wo vorne und hinten ist vor Arbeit!

Ich finde es unmöglich, dass dein Freund so lange arbeiten geht, für Familie etc. ist kaum Zeit.

Ich handhabe es so, dass ich dann Überstunden mache wenn es mein Arbeitsplatz erfordert und diese abbaue wenn wieder weniger los ist (in unserer Branche so um den Herbst herum). Meine Kollegen und ich fangen früh an und können dementsprechend auch um 17 Uhr spätestens gehen. Bis 17 Uhr ist unser Büro immer besetzt. Freitags nur bis 14 Uhr.
Deinem Freund scheint die Arbeit wichtiger zu sein, dauerhaft Überstunden zu schieben über einen längeren Zeitraum ist nicht normal oder er hat einen nicht so tollen Arbeitgeber...

Komisch ist das Kollegen teilweise früher gehen als er, er aber nie.

w 26
 
  • #6
Ich fürchte sehr, ihr passt überhaupt nicht zusammen. Er will vermutlich Karriere machen strengt sich deshalb an wie verrückt und du möchtest gerne heile Welt und mit deinen Freunden und deinem Freund chillen. Das passt überhaupt nicht zusammen. Ich bin seit 30 Jahren selbständig und wenn mir mit Anfang 30 jemand sowas gesagt hätte, ich glaube ich hätte das Schloss ausgewechselt. Das Geld fällt halt nur nicht von den Bäumen und wenn man ein Ziel hat, muss man darauf hin arbeiten. Mit ich schaue mal oder vielleicht will ich mal oder das füllt mich aus, das nicht, kann man nur auskommen, wenn irgendjemand das richtige Geld verdient. Tue ihm und dir einen Gefallen und trenne dich.
 
  • #7
Ein guter Freund von mir ist mit einer Frau verheiratet, die ähnliche Verhaltensweisen zeigt. Sie hat schon einen ganz anderen Tonus, freudige Spannung, wenn sie auf dem Weg zur Arbeit ist. Sie kommt werktags abends spät nach Hause (22:00 bis 23:00) und ist stark abgearbeitet. Dann verkündet sie, noch "den Jahresabschluss" haben machen zu müssen. Sie arbeitet aber in einem Bereich, in dem das pillepalle ist. Sie ist weder Leiter eines Konzernrechnungswesens oder Geschäftsführer, sondern leitet einen kleinen Träger im sozialen Bereich. Wenn sie krank ist, meldet sie sich morgens zwar krank, das hält aber oft nur bis 11:00 an, bis sie gegen Mittag wieder in die Arbeit stürzt. Sie hat sogar schon einmal Fahrerflucht begangen, weil sie auf den Weg zur Arbeit nicht auf die Polizeit warten wollte.

An den Wochenende ist sie platt wie ein Käfer und liegt große Teile des Tages im Bett. Sie kann nicht kochen und hat auch keine Zeit dafür. Die in der Pubertät befindliche gemeinsame Tochter kocht nun ab und zu, da sie das als Hobby entdeckt hat.

In der Zeit der Corona-Heimarbeit konnte er ihren Arbeitsstil aus der Nähe beobachten. Sie ist ständig unter Strom, telefoniert hektisch von Pontius zu Pilatus und rast im Haus auf und ab, so agitiert ist sie dabei. Die Hochspannung hält mehr oder weniger ihren ganzen Arbeitstag an, wobei für ihn nicht erkennbar ist, was an ihren trivialen Arbeitsinhalten eine derartige Enervierung rechtfertigen könnte.

Sie verschleißt im Jahr an die fünf Smartphones, weil sie sie an die Wand klatscht, wenn in der Arbeit etwas nicht nach ihren Kopf geht, oder er sie nicht bei genug "untersützt". Unter Unterstützung versteht sie, er solle ihr im Privaten alles Mögliche abnehmen, um ihre Arbeitszeit ausdehnen zu können. Sie ist an sich in Teilzeit beschäftigt und verdient schlecht. Sie leistet dabei aber unentgeltliche Überstunden, deren Ausmaß jeder Beschreibung spotten.

Er sagt, sie sieht manchmal so abgespannt aus wie eine Crack-Nutte. Ihre Neurodermitis blüht mit ihren Arbeitsschüben auf.

Er hält sie für psychisch krank, mag sich aber ob der gemeinsamen Tochter noch nicht trennen. Zur Psychotherpaie waren sie auch schon. Sie versteht darunter, er solle zur Räson gebracht werden, sie besser zu "unterstützen". Wenn die Sitzungen nicht in diese Richtung laufen, geht sie nicht mehr hin.

Sex haben die beiden seit Zeugung der Tochter nicht mehr. Er hat nur gelegentlich eine andere Frau, obwohl die Situation eigentlich nach Verstetigung und Intensivierung von anderen Kontakten schreit.

Für mich besteht kein Zweifel daran, dass es sich bei Deinem Freund um ein Workoholic-Szenario handelt. Das ist eine nicht-stoffliche Sucht. Man muss sich das analog zur Spielsucht vorstellen. Es geht darum, bestimmte Lagen an Hirnbotenstoffen herbeizuführen. Ich hatte mal eine Freundin, die sportsüchtig war. Er steht erst am Anfang seiner Suchtkarriere und Du bist noch jung. Ich rate zur Trennung.
 
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  • #8
Für mich klingt das durchaus nach einem Workaholic. Das ist ja ein regelrechter Tunnelblick auf seine Arbeit. Und ich finde es auch alles andere als schön, wie Du euer Leben beschreibst.
Kinder sehe ich da gar nicht, und zwar nicht nur, weil Du alles machen müssen wirst und dann doch Deinen Master vielleicht nur irgendwann gebrauchen kannst als Nachweis für einen Abschluss, aber nicht für eine Karriere in Deinem Beruf. Nein, auch wird es wahrscheinlich so kommen, dass Dein Partner nichts tun wird, was mit irgendwas anderem als seinem Job zu tun hat, Familie, Beziehung, Haushalt. Und er wird ungehalten sein, denke ich, wenn die Kinder laut sind und ihn stören.

Mein jetziger Partner schaut im Urlaub eigentlich jeden Tag drauf. Zudem wird er richtig nervös, unruhig und sogar unfreundlich, wenn er es nicht tut bzw. Ich ihn darum bitte, es zu lassen.
Und wie erholsam ist das für Dich?

Nicht mal Deine WEs klingen schön.
Er sucht sich dann sogar lieber Arbeit (irgendwas gibt es ja immer zu tun), als das er nach Hause geht. Selbst, wenn ich an den Tagen frei/Urlaub habe und wir was zusammen unternehmen könnten (Nein, es liegt nicht daran, dass er keine Zeit mit mir verbringen möchte.).
Naja, aber unterm Strich kommt es ja dabei raus, was in den Klammern steht - er ist lieber auf Arbeit, als mit Dir Zeit zu verbringen. Ich würde das mal ganz nüchtern betrachten, was real passiert, und nicht, was ich hineindeute. Ich bin sicher, dass er die Zeit mit Dir nicht ablehnt als solche, er wählt nur immer anders als er könnte, wenn er wollte. Mag sein, er hat ein hohes Ziel (woraufhin dann noch mehr Arbeit und vielleicht Dienstreisen folgen). Aber ich sehe das schon so, dass einer, der mit seiner Arbeit verheiratet ist und sie zum Lebensinhalt macht, eben mit seiner Arbeit verheiratet ist und sie zum Lebensinhalt macht. Da ist nichts mehr an Zeit, Platz und Energie für Partnerin und Familie.

Die Frage ist jetzt, was Du tun kannst, wenn Dein Ziel wirklich Kinder und Beziehung mit richtiger Beziehung ist. Denn mit diesem Mann ist ja abzusehen, dass es nicht nach einem bestimmten Zeitpunkt weniger wird, sondern eher noch mehr. Und zu Hause bitte bedienen, damit er sich erholen kann.
Du bist noch jung, aber ich finde nicht, dass man bis über 30 sowas mitmachen sollte, um sich dann doch zu trennen. Das kannst Du auch gleich tun, weil Du ja abschätzen kannst, was passieren wird die nächsten Jahre. Und vielleicht auch mal drüber nachdenken kannst, wie er sein könnte, wenn er durch irgendwelche Umstände nicht mehr so viel arbeiten kann bzw. seine Pläne nicht aufgehen. Gesundheitlich ist dieses Schlingen des Essens und das im Urlaub nicht mal abschalten können sowie das WE-Verschlafen doch eine Grundlage für irgendwelche Krankheiten. Ich denke, so jemand geht die Wände hoch zu Hause, wenn er eine Zwangspause einlegen muss.
 
  • #9
FS,

ich teile Deine Bedenken aus eigener leidvoller Erfahrung.

Es gab eine Zeit in der ich 11-12h gelernt und später (nur) gearbeitet habe zuzüglich einem Fahrweg von 3h, alle Arbeitsthemen zu meinen gemacht habe, Urlaub gab es nur nach den Vorstellungen und Belangen der Firma und Dienstreisen ontop. Das ging 7 Jahre "gut", dann nicht, gar nicht, mehr. "Gut" insofern, dass man sehr gerne mein Knowhown (weiter) genutzt hätte, aber mich gabs nicht mehr. Ich habe Partnerschaft, Familie, Job und, das Dämlichste, mich selbst verloren.

Heute fahre ;) ich ein Gegenprogramm. Die 3h Stunden Fahrweg sind geblieben, nun mit Rad, penibel maximal 35h-Woche und ich bin nun tatsächlich "Leiter".

Mir ist bewusst, und das ist der riesengroße Unterschied zu früher, dass das auch eine krasse Reaktion ist, aber ich fühle mich dabei am wohlsten, bearbeite meine Themen, habe eine Reise begonnen, die noch viel Raum und Platz lässt und werde und kann reagieren, wenn gewünscht und notwendig.

Die Situation Deines Freundes, und damit auch Deine, liest sich nicht gut. Handlungsalternativen sind deinerseits solange keine Selbsterkenntnis oder der Zusammenbruch Deines Freundes erfolgt kaum bis nicht vorhanden.

Alles was ich als Erwachsener getan habe und tue ist ohne die Erkenntnis meiner Prägung purer Aktionismus und Hilflosigkeit und nur Symptom statt Ursache.

Ich fürchte der Weg Deines Freundes wird noch sehr steil und steinig sein und Deiner auch, wenn Du ihn begleitest, wünsche ich keinem und hoffe von Herzen, dass es gut geht.

Deine Frage ist gut für mich: Zeit zum Innehalten, Hinschauen und Wahrnehmen.
 
  • #10
Puuh...Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, das er sich nicht ändern wird. Mein Ex war auch Ingenieur und war immer für die Firma erreichbar. Tag und Nacht. Arbeitszeiten bis weit nach 23 Uhr waren normal. Dienstreisen kamen dann noch dazu. Ein Familienleben hat nie stattgefunden. Meine Tochter habe ich alleine großgezogen. Auch er war am WE müde und erschöpft und hing nur auf der Couch. Alles andere machte ich und sollte dafür noch dankbar sein. Immerhin hatte er ja mit seinem Job gutes Geld verdient. Am Ende hatten wir auch eine Putzfrau, weil ich durch meinen Vollzeitjob, Kind, Garten etc. nicht dazu kam, das Haus nach seinen Vorstellungen sauber zu halten. Die Rechnung dafür musste aber ich bezahlen.

Sag mal, arbeitet er für eine große deutsche Firma, die mit dem Buchstaben S anfängt?

Überlege dir gut, ob dich dieses Leben glücklich macht. Er wird nie Zeit haben. Ich würde rennen...
 
  • #11
Ich finde man sollte unterscheiden: arbeitet er wirklich oder dreht er sich nur im Kreis, weil er so ineffektiv ist und redet sich ein schwer zu arbeiten, weil er sonst mit sich selbst nichts anzufangen weiß oder oder das für sein Ego braucht?

Ich sehe täglich beides. Für den echt arbeitenden hätte ich Verständnis.

Für den anderen nicht, denn dann ginge seine persönliche Macke zu Lasten der Beziehung. zB. vertrödelt er seine Zeit lieber im Büro obwohl nicht wirklich etwas zu tun ist, hat er in diesem Moment keine Zeit für euch oder kann sich insbesondere nicht an Hausarbeiten beteiligen, weil er ja "arbeiten" muss.

Solange man zu zweit allein ist, mag sich das schleichen, da kann man auch seinen eigenen Interessen nachgehen...aber wenn dann Kinder da sind, es darum geht, wer die Kinder vom Kindergarten abholt oder mit ihnen Hausaufgaben macht oder sich um außerschulisches kümmert, dann würde ich sauer werden wenn mein Partner solche unnötigen beruflichen Prinzipien auslebt, wie der deinige, ohne dass dafür irgend etwas rumkommt.

Bei einem echten Workaholic, also jemand, der tatsächlich ständig arbeitet und nicht abschalten kann oder kein Ende findet, sähe das Problem eher dann, wenn er gleiches von mir erwarten würde.
 
  • #12
Das führt natürlich auch dazu, dass er alle anderen Dinge als unwichtig empfindet. Haushalt sowieso. Ich mache alles alleine. Er sagt dann immer "Wir holen uns einfach eine Putzfrau". Er will alle Probleme mit Geld aus der Welt schaffen, aber ich fände es ehrlich gesagt schön, wenn er auch mal für mich kocht, den Tisch eindeckt etc. pp. Und wie soll das dann aussehen, wenn man Kinder hat? Nanny? Putzfrau? Koch?
Genauso wird es aussehen.

Garantiert ist er als Kind darauf konditioniert wurden, dass seine Leistung nie genügt und er sich daher immer anzustrengen hat.

Als Führungskraft würde er sich als Kontrollfreak entpuppen der allen Arbeitsergebnissen misstraut die er nicht höchstpersönlich selbst durchgerechnet hat.

Entweder legt sich das mit der Zeit weil er sich doch noch weiter entwickelt oder er kollabiert irgendwann. Burnout o.ä.

Im Grunde hat er permanent Angst nicht zu genügen.

Du spielst entweder noch lange Zeit mit um dich dann relativ spät zu trennen oder trennst dich jetzt relativ schnell. Es empfiehlt sich im Grunde ein ähnlicher Umgang wie mit einem Alkoholiker o.ä.

Selbstverständlich kannst du ihm auch vorher eine gemeinsame Paartherapie vorschlagen.
 
  • #13
Das Geld fällt halt nur nicht von den Bäumen und wenn man ein Ziel hat, muss man darauf hin arbeiten. Mit ich schaue mal oder vielleicht will ich mal oder das füllt mich aus, das nicht, kann man nur auskommen, wenn irgendjemand das richtige Geld verdient. Tue ihm und dir einen Gefallen und trenne dich.
Das ist doch Quatsch. Die meisten Leute um mich herum arbeiten ganz normal fünf Tage die Woche Vollzeit und verdienen nicht schlecht dabei (je nach Beruf natürlich), machen sich aber nicht für den Job total tot oder sind ständig angespannt. Es gibt Leute, die gern und viel arbeiten, und das ist auch völlig okay. Manchen ist Geld auch extrem wichtig. Aber tu nicht so, als wär das unbedingt nötig. Da tickt jeder anders und da gibt es kein richtig oder falsch. Es muss nur dann eben einfach passen zwischen den Partnern.
Für mich ist "das richtige Geld" halt nicht so viel wert wie Zeit für Familie, Freunde, Hobbys. Ich arbeite 38 Stunden die Woche, bei Bedarf auch mal Überstunden, die ich dann, wenn weniger los ist, wieder abbaue und fertig. Mein Freund auch. Wir verdienen beide ganz gut, nicht übermäßig, aber wir können uns große Urlaube leisten und auch mal schöne Dinge, mehr brauchen wir gar nicht.

Liebe FS, das klingt irgendwie danach, als könne er den Stress auch nicht auf der Arbeit lassen und steht ständig unter Anspannung, ist nervös. Das klingt irgendwie nicht sehr gesund. Ein Freund von mir, dem es auch so ging, hatte mit Mitte 30 dann einen Nervenzusammenbruch, andere Burn-out. Das ist natürlich nicht unbedingt immer der Fall, aber es klingt nicht so, als würde er die Arbeit direkt genießen oder lieben, sondern sich extrem Druck machen. Vielleicht ist das aber auch nur deine Wahrnehmung.
Wenn du jetzt schon alles im Haushalt erledigst, dann wird sich das mit Kindern mit Sicherheit nicht ändern. Natürlich kannst und solltest du mit ihm da mal ein langes Gespräch drüber führen, wie er das so sieht und wie er sich das in Zukunft vorstellen würde. Aber im Endeffekt wirst du entscheiden müssen, ob du damit leben kannst. Für mich wäre das gar nichts. Ich schau auch im Urlaub (bei drei Wochen) zwei, dreimal in meine Mail, wenn ich weiß, da kommt was wichtiges. Mein Freund überhaupt nicht. Wenn man so gar nicht abschalten kann, selbst wenn man frei hat - das ist schon bedenklich. Jedenfalls als Angestellter. Wenn man eine eigene Firma aufbaut, geht es ja nicht anders, das wär aber halt auch nix für mich. Es ist ja auch gut, dass die Menschen da verschieden sind, denn wenn alle nur Chefs und Firmenbetreiber sein wollen, gäbe es keinen mehr, der die normalen Jobs erledigt.
 
  • #14
Es gibt auch Menschen, die haben eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung. Davon hatten wir auch schon einen Kollegen, der sich und uns das Leben schwer gemacht hat.

Nur ist die Abgrenzung zwischen Arbeitssucht und Zwanghaftigkeit vielleicht gar nicht so einfach, aber in beiden Fällen ungesund.
 
  • #15
Ob er ein workaholic ist kann ich nicht sagen -

Aber er wird sich nicht ändern, er wirkt stark unter Druck gesetzt, also kann auch ich nur zur Trennung raten, oder schrittweise getrennte Wohnungen und schauen wieviel Zeit er sich dann für die Beziehung nimmt, hör auf die Putzfrau und Zugehfrau für ihn zu spielen, die Beziehung hat nicht den Stellenwert für ihn die sie haben sollte!

Ich würde ihm raten sich einen anderen Job mit normalen Vertrag zu suchen, er ist überfordert mit dieser Vertrauensarbeitszeit, niemand macht freiwillig mehr, entweder glaubt er nicht genug getan zu haben oder nicht gut genug zu sein und muss es mit Zeitaufwand wett machen. Ich denke er kann mit dieser quasi freien Zeiteinteilung nicht umgehen, so arbeitet er einfach drauf los und weiß nicht wanns genug ist.

Er muss wohl auch ein Selbstwert oder Selbstbewusstseinsproblem haben, Coaching würde ihm sicher nicht schaden....oder aber er versucht beim Arbeitgeber aufzufallen oder ihm/ihr zu gefallen und dafür lässt er auch die Beziehung auflaufen, so eine Art Springer das gibt es auch.

Alles Gute!
 
  • #16
Er scheint durchaus viel zu arbeiten. Seine Arbeitsmoral finde ich auch nicht komisch. Wenn er vor 16 Uhr nicht nach Hause gehen würde ist das seine Sache. Ich finde sein Engagement bemerkenswert. Ich weiß gar nicht warum du diese frage überhaupt stellst. Sagen wir er ist Workaholic. Du hast es schon früher erahnt und es hat dich nicht gestört. Außerdem siehst du ihn jedes Wochenende...
 
  • #17
Nun das nervöse Verhalten halte ich für Überforderung.

Einige Bekannte sind nach dem Studium bei den großen Unternehmensberatungen eingestiegen. Dort waren sie die ersten Jahre nur am Rödeln.

Irgendwann sollte sich das aber wieder etwas beruhigen.

Versuche doch bei Deinem Freund die Motivation herauszufinden (Wertschätzung erhalten, Überforderung, Interesse fürs Thema, Karrierechance etc).
Sprich mit ihm darüber, ob er das so die nächsten Jahre beibehalten will und sage ihm, wie Du es Dir vorstellst.
 
  • #18
Na dann, fröhlichen Burnout für deinen Partner in naher Zukunft.

Das Gemeine daran ist ja eigentlich, dass solche Kollegen wie dein Partner im Betrieb die Norm versauen und sämtliche Arbeitszeitgesetze ad absurdum führen. Sowas finde ICH eher peinlich, nicht das Verhalten der Kollegen, die bestimmt, selbst wenn sie 18:00 Uhr gehen, immer noch Überstunden machen.

Ich kann null verstehen, wie man seinen ganzen Tag auf der Arbeit, bei der man seine Arbeitskraft an jemanden anderen gegen Lohn verkauft, zubringen kann. Dieser Käufer meiner Arbeitskraft bestimmt dann über mein ganzes Leben, wie ich meine Zeit verbringe, wann ich wo zu sein habe, etc. Ich glaub, da fehlt mir ein Gen.

Ich find so einen Typen wie deinen Partner überhaupt nicht attraktiv, der will ja gar nicht Leben. Wer weiß, was er sich davon verspricht, ewige Jugend und Schönheit wahrscheinlich nicht, eher ewigen Reichtum. Nuja, wenn ihn das glücklich macht, lass ihn einfach ziehen.

So eine Beziehung brauchst du ja eigentlich nicht, er ist ja mit seiner Arbeit verheiratet. Das ist doch stinkendlangweilig, da kannst du am Ende auch alleine bleiben, eh du dich dauernd darüber ärgerst.

Einzig: Eine Putzfrau finde ich prinzipiell eine gute Idee. Es gibt nun mal Leute, für die ist putzen als Tätigkeit eine Zeitverschwendung, und andere lieben das. Ich bin Pro - Putzfrau.
 
  • #19
Ich verstehe Deine Frage so, dass es nicht darum geht, ob er das Etikett "Workoholic" verdient, sondern dass eher die Frage ist, wie sich das auf die Beziehung auswirkt. Du schreibst ja selbst, Du möchtest Familie, fühlst Dich aber alleine gelassen dabei.
Ich gehe davon aus, dass sich das nicht ändern wird. Deine Entscheidung ist also im Kern: ist das der Mann mit dem ich unter diesen Randbedingungen leben möchte oder nicht.
"Normal" oder nicht ist dafür relativ unerheblich. Es ist für ihn normal. Ich arbeite auch gerne und ein Job, der einen erfüllt, ist etwas bereicherndes. Wer aber den Sinn seines Lebens nur im Job sieht, der muss das eben gegenüber Partnerin oder Partner vertreten können und es gibt ja genügend Frauen, die dann die finanziellen Annehmlichkeiten geniessen und sich ansonsten einen Liebhaber zulegen...
 
  • #20
Ich fürchte sehr, ihr passt überhaupt nicht zusammen. Er will vermutlich Karriere machen strengt sich deshalb an wie verrückt und du möchtest gerne heile Welt und mit deinen Freunden und deinem Freund chillen. Das passt überhaupt nicht zusammen. Ich bin seit 30 Jahren selbständig und wenn mir mit Anfang 30 jemand sowas gesagt hätte, ich glaube ich hätte das Schloss ausgewechselt. Das Geld fällt halt nur nicht von den Bäumen und wenn man ein Ziel hat, muss man darauf hin arbeiten. Mit ich schaue mal oder vielleicht will ich mal oder das füllt mich aus, das nicht, kann man nur auskommen, wenn irgendjemand das richtige Geld verdient. Tue ihm und dir einen Gefallen und trenne dich.
Der Mann ist weder ein leitender Angestellter noch ist seine längere Anwesenheit berufsbedingt notwendig. Also nix von Karriere oder Ziele erreichen. Ausserdem bin ich zwar kein Wirtschafter, kenne aber den Unterschied zwischen arbeiten und Geld verdienen. Wer hart oder lang arbeiten muss, der ist entweder inkompetent oder Ineffektiv oder im falschen Beruf. Die 20/80 - Regelung besagt, dass 80 % Einkommens mit 20% der Arbeit erreicht werden, alles andere ist quasi nur Zeitvertreib mit unwichtigen Sachen.
 
  • #21
Die Antworten auf die Eingangsfrage finde ich ziemlich seltsam, muss ich sagen. Es wird dem jungen Mann quasi eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, ein Burn-out prognostiziert und praktisch schon die Trennung nahegelegt.
Ich finde, liebe @Watermelon92, dass dein Freund normal ist. Es ist völlig logisch, dass ein junger Hochschulabsolvent in den ersten Berufsjahren aufs Gas tritt - er ist der Neue, hat noch kein Netzwerk, kein wirkliches Fachwissen, muss sich ein gewisses Standing erst erarbeiten, hat aber Lust darauf, sich mächtig reinzuknien und dazu noch Energie ohne Ende. Er will beweisen, dass er hart arbeiten kann. Deswegen ist er auch der, der auf dem Heimweg der Dienstreise im Zug noch hektisch Mails beantwortet, Protokolle und Berichte tippt - während sich die Silberrücken bereits im Bistro Biere reinkippen oder einen Film anschauen. Wer war denn bitte die ersten paar Jahre nach dem Start nicht so???

Mich würde eher das Gegenteil fertigmachen, nämlich wenn er direkt mit "Dienst nach Vorschrift" loslegen würde, nach 8h den Kuli fallenließe und der erste wäre, der das Büro verließe.

Insoweit ist alles in Ordnung mit ihm. Lass ihn diese Phase des sich Findens durchlaufen - sie endet entweder mit 35-40 in der Führungsebene oder aber bei einem zufriedenen Mann, der bewusst auf Karriere verzichtet, weil er weiß, was es heißt, dauerhaft performen zu müssen.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #22
Dein Freund ist 27, arbeitet seit 2 oder drei Jahren, hat also mit ca. 24 sein BWL-Studium an einer Eliteuni im Ausland mit Auszeichnung bestanden ? Hut ab !
Er hat also gezeigt, dass er es drauf hat, denn das hätte ich ohne diese Information nicht angenommen.
Das was du ansonsten beschreibst, hört sich für mich nicht danach an, dass er gut und effizient und zielgerichtet arbeitet, sondern dass er vor allem Schiß hat.
Dein Freund hat die Hosen sogar gestrichen voll würde ich sagen.
Wie sieht es denn in dieser Firma aus ? Was sind seine Aufgaben ? Wie sind seine Aufstiegschancen ? Und wie groß die Gefahr, dass er entweder rausfliegt oder mit Sachbearbeitung in die Ecke gestellt wird ? Wie ist das Renommee der Firma ? Und wie das Miteinander ? Team oder Ellenbogen ?
Ich tippe, das alles ist nicht so tiptop und er merkt es.

Guck dir mal auf youtube 'Spiegel' von Tictactoe an, da kommt dein Freund drin vor ( laß beim Vergleichen aber bitte unbedingt das Ende weg ! DAS meine ich überhaupt nicht, bitte nicht falsch verstehen ). Guck dir vor allem die Szene an, in der jemand das Licht ausmacht, weil er nicht merkt, dass dein Freund da noch am Kopieren ist. Das ist erschütternd.

Ich finde arbeiten toll.
Ich liebe meine Arbeit, ich brenne regelrecht dafür, wenn der ein oder andere sie auch sicher langweilig findet.
Ich arbeite immer 50-60 Stunden / Woche, es können in Projektphasen aber auch durchaus deutlich mehr sein, aber ich bin immer entspannt. Ich schlafe immer gut. Ich war noch nie nervös, weil ich morgen wieder zur Arbeit musste, nie angespannt bei der Arbeit und ich hatte noch nie das Bedürfnis, mich am WE zu erholen.
Weil ich keine Erholung brauche, weil meine Arbeit nicht anstrengend ist.
Ich fiebere nie auf den Feierabend hin, nicht aufs WE, nicht auf den Urlaub, nicht auf die Rente.
Wenn dein Freund so angespannt ist, wie du beschreibst, ist er überfordert.

Was macht das mit dir ?
Was hast du von dieser Beziehung ? Hört sich so an, als sei es nicht viel.
Ich denke, das, was du von ihm willst, wirst du nicht bekommen. Er wird sein Arbeitsleben so verbringen und zwar unabhängig davon, ob er eine gute Stelle bekommt oder zeitlebens Zuarbeit macht.
Oder er klappt zusammen, arbeitet nicht mehr und dann hast du einen psychischen Pflegefall.
Oder er steigt irgendwann aus ( das dauert aber sicher noch richtig lange ), kauft sich eine Harley und fährt die Route 66 entlang, dann hast du auch nichts von ihm.

w 53
 
  • #23
Ich denke auch ihr passt nicht zusammen. Wenn er dich wirklich lieben würde, dann würde er kürzer treten.
Im Urlaub hat er immer sein Arbeitshandy dabei.
Das ist ein absolutes Nogo. Urlaub ist Urlaub. Da würde ich darauf bestehen, dass er sein Arbeitshandy aus macht.
Kannst du wirklich deine Hand für ihn ins Feuer legen?
 
  • #24
Wer war denn bitte die ersten paar Jahre nach dem Start nicht so???

Insoweit ist alles in Ordnung mit ihm. Lass ihn diese Phase des sich Findens durchlaufen - sie endet entweder mit 35-40 in der Führungsebene oder aber bei einem zufriedenen Mann, der bewusst auf Karriere verzichtet, weil er weiß, was es heißt, dauerhaft performen zu müssen.
Hier, ich! Und alle meine Freunde, bis auf den, der dann den Nervenzusammenbruch hatte mit Ende 30 und jetzt nicht mehr so viel arbeitet, und ein paar Ingenieuren, deren Traum es immer war, bei einer der großen Autofirmen zu arbeiten, und die so begeistert bei der Sache sind, dass sie da gern jeden Tag 10-12 Stunden arbeiten. Aber die haben auch damit jetzt nicht aufgehört, sondern eine Frau geheiratet, die daheim alles managt, und die sie nur am Wochenende sehen. Sie brennen für ihren Job, find ich toll. Aber: Da passt es halt mit dem Partner.
Hier sagt die FS aber, dass er immer nervös und unruhig ist, schon den ganzen Sonntag angespannt. Das hältst du für normal? Das finde ich gruselig. Das spricht eher für Überforderung oder Angst vor dem Job. Und wie gesagt, sich darauf verlassen, dass sich das später mit 35-40 ändert, ist riskant. Man sollte sich nie darauf verlassen, dass sich der Partner in die Richtung entwickelt, die man gern hätte (später will er mal Kinder, später hat er mal mehr Zeit für mich, später stellt er nicht den Job auf die erste Stelle, später behauptet er sich gegen seine Eltern...). Er kann nämlich auch genauso bleiben. Das ist weitaus häufiger der Fall, nehme ich an.
Außerdem scheinen seine Kollegen (nicht der Boss) ja früher zu gehen, also er scheint der einzige (?) zu sein, der da ständig so lange hockt. Bei uns in der Firma wär das eher ein Zeichen dafür, dass jemand seine Arbeit in der Zeit, die er dafür hat, nicht erledigen kann. Da würde ihn keiner für befördern.
 
  • #25
Und wie gesagt, sich darauf verlassen, dass sich das später mit 35-40 ändert, ist riskant.
Nein, es ist genau umgekehrt: Es ist riskant zu glauben, dass man für immer so bleibt, wie man mit Mitte 20 ist. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass sich fast alle Menschen mit Anfang dreißig ändern - ab dann wird man erwachsen. Die einen ein paar Jahre früher, die anderen ein paar Jahre später. Ab dann hat man beruflich Fuß gefasst, trägt (vielleicht auch schon privat) Verantwortung und bewertet vieles anders, als zu Beginn seines Berufslebens.
 
  • #26
Er ist das ja. Workaholicer.
Und die können nicht zu ihrer Haut raus.

Der Ursprung ist leider keine schöne Geschichte: Geltungsdrang nach Anerkennung. Sie bekamen zu wenig Liebe in Kindheit, sehr grosses mangelndes Selbstbewusstsein das so kaschiert wird.
Und Angst vor finanziellen Verlusten.

Es braucht sehr, wirklich sehr viel bis sie sich das eingestehen!!!

Ob es sich je ändert oder abmildert braucht aber viel Arbeit an sich selbst. Kann sein dass die Vaterrolle etwas Selbstbewusstsein gibt, aber die Chancen sind größer, dass er erst recht das Gefühl hat die Finanzen müssen stimmen und er muss gegen außen was darstellen wie Eigenheim und so weiter.
Wenn Du gern Hausfrau bist und Kindererziehung Dich erfüllt ist das okay und es kann funktionieren weil Du ihn nicht brauchst. Die Kindererziehung wird aber an Dir hängen!!
Wenn Du später wieder arbeiten wirst, würde eine Fremdbetreuung da sein müssen.

Oft sind solche Menschen sehr treu und loyal.

Prüfe also gut, ob es das ist wo Du willst.
 
  • #27
Workaholic, keine Ahnung. Solche Leute gibt es halt, gerade unter den BWLern und Juristen. Allerdings kenne ich das eher aus den Beratungsgesellschaften. Ich arbeite selber in einer. Meine Ansprechpartner unterhalb der Geschäftsführerebene aus den Unternehmen die wir beraten, arbeiten alle nur bis 17/18 Uhr. Insofern sehe ich für mich keinen Zwang länger als diese zu arbeiten. Bei uns arbeitet keiner länger als bis 18 Uhr. Das sind dann schon Überstunden, wenn man gegen 8.00 Uhr anfängt. Selten ist eine nachmittägliche Anfrage so eilig, dass die Antwort nicht bis zum nächsten Morgen Zeit hat.

Dein Freund soll sich mal entspannen. Karriere macht man nicht, indem man sich totschuftet, sondern indem man gute Ergebnisse liefert und diese entsprechend darstellen kann.
Unter den Kollegen wird er vermutlich schon den Status des Sonderlings haben. Das ist eher wenig förderlich für seine Karriere.

Dauerhaft hält man das Leben im Hamsterrad sowieso nicht durch. Ich denke mal in ein bis zwei Jahren wird er das selbst so sehen. 3-5 Jahre ist der Zeitraum, den viele in den Beratungsunternehmen durchhalten und dann in eine kleinere Einheit wechseln oder sich selbständig machen. Diese Zeit kannst du ihm ja noch geben. Sollte er sich danach nicht ändern, musst du für dich überlegen, ob du dir so dein Privatleben vorgestellt hast. Selbst wenn ihr eine Putzfrau anstellt, wirst du immer diejenige sein, die ihm privat den Rücken freihält. Gehe davon aus, dass er nicht einmal die 2 Monate Elternzeit nehmen wird, sondern die Kindererziehung komplett bei dir liegt.
Das muss man mögen. Ich hätte keine Lust drauf.

W34
 
  • #28
@frei @GröKaz Ich habe absolut nichts dagegen, wenn jemand gerne arbeitet. Ganz im Gegenteil. Und ja, natürlich ist es auch in Ordnung, wenn der Partner mal Überstunden macht oder mal vom Urlaub aus arbeitet usw., um seine Karriere voranzutreiben. Bei meinem Freund habe ich jedoch das Gefühl, dass sich das nie ändern wird und das alles schon sehr extrem ist...

Nochmal zu den Arbeitszeiten/Überstunden. Mein Freund ist sehr gut in dem, was er tut. Er hat zwar keinen leitenden Posten, aber erhält von seinem Chef einfach mehr und anspruchsvollere Projekte als seine Kollegen. Er hat auch schon 2x eine Gehaltserhöhung erhalten... Zudem arbeitet er viel mit Kollegen aus dem Ausland zusammen, wo auch Zeitverschiebung eine Rolle spielt. Deshalb geht er erst gegen 9 ins Büro und bleibt auch länger. Das kann ich auch alles nachvollziehen. Was ich jedoch nicht nachvollziehen kann oder problematisch finde ist das, was @mokuyobi gesagt hat, wenn er Dinge aus Solidarität tut bzw. es einfach maßlos übertreibt.

Er könnte die Mail von seinem Chef zum Beispiel auch am nächsten Tag beantworten, beantwortet sie aber lieber im 22 Uhr, weil er ihm beweisen möchte (Hey, ich bin immer noch im Büro!). Ja, er wurde zwar 2x befördert, aber er wird auch oft ausgenutzt!!! Und er kann halt nie nein sagen (wozu seine Kollegen aber in der Lage sind).

Er ist nie krank, arbeitet jeden Tag mit vollem Einsatz. Und dann sind wir im Urlaub und auch da schaut er jeden Tag nach? Genau, er ist So immer schon aufgeregt vor Mo... Beispiel: Wir haben kurzfristig eine Fernbeziehung geführt. Für mich war es kein Problem am We (So) bis spät abends bei ihm zu bleiben, und den letzten Zug zu nehmen. Obwohl mir auch eine lange Woche bevorstand (habe bei dem Unternehmen teilweise von 10-22 gearbeitet). Er hingegen ist immer schon um 12 Uhr früh gefahren. Er ist definitiv auf Arbeit fixiert und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das mit dem Alter legt
 
  • #29
Liebe FS,
ich glaube nicht, dass er ein Workaholic im eigentlichen Sinne ist. Ein echter Woraholic arbeitet mit großer Begeisterung und anderes interessiert ihn herzlich wenig.

Bei Deiner Beschreibung sehe ich nichts davon, sondern einen ängstlichen, getriebenen Mann, der ein Bild im Kopf hat, dem er entsprechen will und wovon er genau weiß, dass er die benötigten Skills nicht hat - kann er nur nciht zugeben und arbeite sich daran ab - direkt in den Burnout.

Dein Partner hat eine Eliteuni besucht und ein Bild von sich aufgebaut, was ihm eine brillante Zukunft garantiert. Nun stellt er nun im real existierenden Berufsleben fest, dass er mit seinen für die schulische Bildung exquisten Fähigkeiten im Berufsleben keinen Zug aufs Gleis bringt.
Trotz aller (überschätzen) formalen hervorragenden Bedingungen ist er in keinem Führungsprogramm und keiner Führungsposition sondern wie so viele junge Leute mit formal hoher Qualifikation nur ein qualifizierter Sachbearbeiter.
Das macht ihm Angst und diese versucht er mit Präsentismus und "Allzeit erreichbar" zu kompensieren. Ihm fehlen die Fähigkeiten, eine große Nummer zu werden, denn er tut das Falsche und verbrennt nur die Energien, die er braucht, um das Richtig auf dem Weg zum Erfolg zu tun.

- Ein Workaholic sitzt keine unproduktiven Stunden im Büro ab und meint, es wirft ein schlechtes Bild auf ihn, wenn er um 16 Uhr geht. So agiert ein Angsthase.
- Ein Workaholic zeigt keinen Präsentismus, sondern geht um 16 Uhr und macht zuhause in der gewonnen Freizeit Onlineschulungen oder ähnliches, um den Kollegen noch mehr zu enteilen. Keiner soll seine Geheimnisse des Erfolgs kennen.
- Ein echter Workkaholic gräbt sich nicht zuhause ein und arbeitet weiter, sondern der geht raus, um seine beruflichen Netzwerke zu schmieden - sollte er eigentlich an der Eliteuni gelernt haben, dass das wichtiger für beruflichen Erfolg ist, als Präsentismus. das ist ein Zeichen mehr, dass Deinem Partner die Skillls für Erfolg fehlen.

Fazit: Dein Partner ist der Falsche für das gemeinsame Leben, welches Du Dir vorstellst und was für einen fähigen, beruflich erfolgreichen Menschen durchaus möglich ist, wenn er nicht die falsche Strategie wählt und noch andere Fähigkeiten hat, als sich Schulwisssen anzueignen.
Dein Partner will ein anderes Leben (Angestellte, die ihm den Alltag abnehmen, damit er sich nur der Arbeit widmen kann), für das ihm die Fähigkeiten fehlen und rennt versagensangstgetrieben durchs Leben - in den Burnout.

Du möchtest jeden Tag Partnerschaft, happy Family mit Kindern, trotz Beruf. Das geht sehr gut, aber nicht mit einem Mann wie ihm.
 
  • #30
Mein Freund ist sehr gut in dem, was er tut. Er hat zwar keinen leitenden Posten, aber erhält von seinem Chef einfach mehr und anspruchsvollere Projekte als seine Kollegen. Er hat auch schon 2x eine Gehaltserhöhung erhalten...
Er steht am Anfang seiner Karriere. Irgendwann wird er so automatisch "Chef". Die Frage ist schlicht, ob Du damit glücklich wirst. Das ist nicht ausgeschlossen, aber bedeutet eben, dass er weniger Zeit für Dich hat.