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Gast

  • #1

Interreligiöse Heirat! Warum sollte das ein Problem sein?

Meine Freundin äußerte letztens Bedenken wegen der bevorstehenden Ehe eines Freundes (Moslem) und seiner Verlobten (Protestantin). Glaubt ihr dass es wegen verschidenen kulturellen/religiösen Hintergründen später zu Spannungen kommen kann?
 
  • #2
Absolut ja! Gerade Moslems sehen, so modern sie auch sein mögen, manche Dinge einfach grundlegend anders. Ich rate ganz strikt von solchen Ehen ab, das wird auf Dauer nie glücklich.

Hinzukommt die Teilnahme an den entsprechenden Riten der Religion: Wird weiterhin Weihnachten gefeiert? (würde ich ohne nicht wollen!) Muß der Sohn unbedingt beschnitten werden? (würde ich furchtbar finden!) Wie wird mit Ramadan umgegangen? Wir streng wird der Mann später zu Töchtern sein?

Ich bin fest überzeugt, daß auf lange Sicht kulturelle Spannungen auftreten werden!
 
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Gast

  • #3
Es kann zu Spannungen kommen, muss es aber nicht. Es kommt doch immer auf das Individuum an, man kann doch nicht generell solche krassen Schlussfolgerungen ziehen.
Bis vor nicht allzulanger Zeit waren "interreligiöse" Ehen zwischen Protestanten und Katholiken verpönt - heute alles Schnee von gestern! Genauso Ehen zwischen Juden und Katholiken/Protestanten. Auch Schnee von gestern!
Spannungen kann es immer geben, auch in einer gleichreligiösen Ehe.
 
  • #4
ich seh da nichts schlimmes. die beiden wissen ja dass es da unterschiede gibt und haben da sicher schon oft darüber gesprochen.

die kinder sind hoffentlich in der glücklichen lage selbst zu entscheiden wenn sie alt genug sind und bis dahin zeigt man ihnen beides. Beschneiden kann man sich mit 16 auch noch lassen.
wenn die frau moslem ist, ist das gar nicht so schlimm ( ein wunder, dass sie eltern einverstanden sind). Mehr probleme gibt es wenn der vater moslem ist.
Mein vater ist moslem und für einen moslem bin ich jetzt automatisch auch moslem obwohl ich total christlich erzogen bin und nur sehr wenig weiß über die kultur.
 
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  • #5
Ich sehe auch bei Religionen mit so großen unterschieden ganz deutllich Spannungspotential. Es kann natürlich gut gehn aber auch genauso eben nicht. Die Gefahr ist da und die kann man auch nicht klein reden. Ob die Partner in der Lage sind, die mit sicherheit auftretenden Probleme zu meistern wird hier aber niemand beantworten können.
 
  • #6
@#2: Ne, das siehst Du, glaube ich, zu einfach. Katholiken/Protestanten-Mischehen sind nur dann kein Problem, wenn in Wirklichkeit beide die Religion nicht ernst nehmen. Was nicht ausgeübt wird, ist natürlich egal! Zum Glück ist dieser Fall heute häufig, gerade in Großstädten. -- Es gibt aber durchaus erhebliche Spannungen, die ich sogar bei einem befreundeten Paar erlebt habe, wenn es plötzlich darum geht, dass die Kinder Kommunionsunterricht erhalten und Gewissenserforschung betreiben sollen und so weiter. Da war die evangelische Mutter dann plötzlich extrem gegen, wollte ihren Kindern kein schlechtes Gewissen einreden und keine anachronistischen Bräuche beibringen lassen. Das gab richtig Ärger!

Zufällig kenne ich auch ein jüdisch-evangelisches Pärchen, das gut zurecht kommt, aber nur weil er (Jude) mit den anachronistischen Bräuchen abgeschlossen hat und nicht auf koscheres Essen und getrennte Topfsets und so besteht. Seine Familie ist darüber extrem erbost! Ne, ohne Spannungen geht so etwas meistens nicht ab!
 
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  • #7
Ich kann von meiner eigenen Erfahrung her sagen, dass man es so pauschal wirklich nicht sagen kann. In meinem Bekanntenkreis habe ich 3 Ehen von deutschen Frauen mit türkischen Männern; diese laufen alle harmonisch und gut, eben wie in jeder normalen Ehe mit kleinen Höhen und Tiefen.

Meine Ehe mit einem türkischen Mann hingegen entspricht voll und ganz dem vorherschenden Vorurteil. Zuerst war er super verständnisvoll und lieb, aber während der Ehe bis jetzt ist er kalt, aggressiv und still auf Wut ausgerichtet. Er hatte mich mal geschlagen, will mich finanziell ruinieren, umbringen und unseren gemeinsamen Sohn in die Türkei entführen, um ihn seine Familie zu übergeben, weil er ihn nicht will. Für ihn sind alle Deutschen Schweine (Schweine sind bekanntlich extrem unbeliebt bei der Religion) und sein Sohn daher auch.
Seine Eltern und Geschwister hingegen lieben mich noch immer.

Fazit: man kann pauschal nicht für oder gegen diese Ehen sein, auch ich musste die Erfahrung machen, denn sonst hätte ich mich mein Leben lang gefragt, ob es nicht vielleicht doch geklappt hätte. Ich musste und muss für meinen Fehler schwer bezahlen, aber hätte ich diesen Fehler nicht gemacht, wäre mein wundervoller Sohn nicht da. Alles hat zwei Seiten! Und wenn sich beide über längere Zeit hinweg kennen und vielleicht im Vorfeld Spannungsthemen miteinander besprechen oder sogar per Ehevertrag Kindererziehung etc. regeln, so können sie sich später viel Ärger ersparen.
 
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  • #8
@#5: Immer wieder nett wie Du meinst, dass andere Menschen Dinge sehen: zu einfach, bzw. falsch. Nicht jeder erlebt die Welt aus Deinem sehr speziellen Blickwinkel. Ich kann Dir aus meinem eigenen Freundeskreis bestätigen, dass zumindest deren religiöse Mischehen harmonisch ablaufen, auch in der Kindererziehung. Allerdings bin ich auch eher in der Grossstadt unterwegs.
 
  • #9
@#7: Und, wie ernst nehmen die Menschen die Religion? Wenig wahrscheinlich, oder? Falls ja, habe ich Dir da voll zugestimmt. Mich würde es nach meiner doch recht reichhaltigen Erfahrung überraschen, wenn Personen, die ihre Religion sehr ernst nehmen, keine Probleme mit religiösen Mischehren hätten. Ausnahmen gibt es da bestimmt. Wie immer.
 
  • #10
An die FS:
Das kann ein Problem sein, muss es aber nicht. Die Statistik sagt aber, dass multikulturelle Ehen einfach häufiger von Scheidung bedroht sind.
 
  • #11
Die politisch korrekte Antwort ist natürlich- kein Problem.

Nur ist das Leben anders. Es ist sehr naiv anzunehmen daß das kein Konfliktpotential birgt. Natürlich ist ein gläubiger Muslimischer Mann oder einer der nach den Gesetzten des Islams erzogen wurde mit einer Emanziperten, Selbstbewussten Protestantin nicht kompatibel. Einfach weil es grundsätzliche Unterschiede im Rollenverständnis gibt.

Es gibt natürlich auch Christinnen die sich voll dem Manne unterordnen, dann kann das Wunderbar funktionieren.

In einer solchen Konstellation muss man genau hinschauen- auch auf die Familie! "Es kann der frömmste nicht in Frieden Leben wenns der böse Nachbar (oder Onkel) nicht will".
 
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  • #12
Der Thread ist zwar uralt.

Aber an Frederika (reichhaltige Erfahrungen womit? Meines Wissens nach bist du nicht gläubig, du hast also mit Sicherheit keine Erfahrungen in einer Gemeinde gemacht, und ganz sicher nicht in verschiedenen Gemeinden) und an Menschen, die ähnlich denken:
Es sei euch bzgl. Protestanten/Katholiken-Ehen gesagt, dass es in Deutschland und anderswo tatsächlich Ökumene-Bestrebungen gibt und der Ökumenetag in München letztes Jahr kein Fake war sondern tatsächlich stattgefunden hat. Und: so zu tun, als wären alle Katholiken erzkonservativ und papsttreu geht an der Realität definitiv vorbei. Gibt unter uns durchaus auch progressive.

Ich gebe als gläubige Christin aber zu, dass ich mir nicht sicher bin, wie ich eine "andersreligiöse" Ehe für mich empfinden würde. Ich glaube, es wäre schwierig, schon allein deswegen weil mir "meine" Feiertage wichtig sind, also Karwoche, Ostern etc. - und eine Ehe mit einem Moslem wäre schwierig, weil dabei auch die kulturellen Unterschiede und natürlich besonders das Frauenbild oft, nicht immer, die Dinge schwierig machen.

Ein Mensch mit anderer Religion oder ein Agnostiker kommt für mich aber hypothetisch betrachtet zehnmal eher in Frage als ein Kampfatheist bei dem ich mich ständig rechtfertigen muss (und der anhand meiner theologischen Kenntnisse auch meist den kürzeren in Diskussionen zieht) - hatte ich schon. Kampfatheisten sind genauso schlimm in Diskussionen wie religiöse Fundamentalisten.

w25
 
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  • #13
Ich bin Buddhist und mit eine deutsche glücklisch verheiratet. (In eigentlischen Sinne Buddhismus gelt nich als ein Religion)
 
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  • #14
Es kann zu Spannungen kommen, muss aber nicht.

Ich als moderate, aber praktizierende Muslima bin mit einem sehr moderaten Protestanten verheiratet, der, wie er sagt, nach christlichen Grundsätzen lebt. Daran habe ich nichts auszusetzen.

Weihnachten? Warum nicht? Was ist falsch daran, an dem Tag den Geburtstag des Propheten Isa (Jesus) zu feiern?
Den Ramadan halte ich ein, mein Mann macht mehr oder weniger mit. Er hat sowieso abends die meiste Ruhe zum essen und den größten Appetit.
Wenn er sich vorher mal ein Brot machen will - von mir aus gern.

Und zum Thema Alkohol und Schweinefleisch, auch außerhalb des Ramadans:
Ich nehme beides nicht zu mir, aber wenn der einen Drink will - meinetwegen.
Wenn er ein Schweineschnitzel essen möchte, mache ich es ihm sogar.
Und mir eins vom Kalb. In der anderen Pfanne.
Wenn er Schinken aufs Brot möchte, kauf ich ihm den sogar.
Ich esse ihn nicht, aber meinetwegen kann er auf dem Tisch sein, auf einem
seperaten Teller.

Ich kenne - naturgemäß - etliche interkonfessionelle Partnerschaften. Die meisten gehen gut. Voraussetzung: keiner von beiden ist fanatisch, beide haben gute Kenntnis von der Religion des Anderen. Beide sind tolerant und respektvoll. Beide sind fähig und willens, die Gemeinsamkeiten der Religionen zu sehen und nicht vor allem die Unterschiede.
 
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  • #15
Natürlich ist ein gläubiger Muslimischer Mann oder einer der nach den Gesetzten des Islams erzogen wurde mit einer Emanziperten, Selbstbewussten Protestantin nicht kompatibel.
Eine Freundin von mir, Protestantin, Pfarrerstochter, promoviert, Naturwissenschaftlerin und zugleich selbst Predigerin, sehr religiös, äußerst emanzipiert und selbstbewusst, ist seit vielen Jahren mit einem sehr gläubigen, praktiziernden Muslim verheiratet, der aus Algerien stammt. Es funktioniert, wahrscheinlich deswegen, weil beide religiöse Menschen sind.

Übrigens: es ist nicht der Islam, der frauenfeidlich ist - ganz im Gegenteil. Jeder Orientalist uns jeder Islamwissenschaftler kann das bestätigen. Alles andere ist Stammtischphilosophie.
Richtig ist, dass in bestimmten KULTUREN die Rechte der Frauen mit Füßen getreten werden. Ja, das sind leider zur Zeit vorwiegend orientalische Kulturen. Dafür kann der Islam nichts.
 
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  • #16
Religiöse Menschen untereinander verstehen sich meiner Meinung nach, unabhängig davon, welcher Religion sie anhängen, besser, als ein religöser Mensch und ein Atheist.

w/50
 
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  • #17
Ich schließ mich da den Vorredner an, dass es auf die Persönlichkeit des Individuums ankommt. Glaube das diese interreligiösen Ehen nicht mehr oder weniger scheitern als andere auch. Wegen der Ernährung. Es kann ja auch sein, dass ein Partner Veganer oder Vegetarier ist und der andere bevorzugt Fleisch. Da würde ich persönlich auch nicht abwerten und sagen, dass der andere mich deswegen ekelt oder so und gefälligst keine Lederschuhe tragen darf. Man lernt sich doch erstmal kennen und sieht dann wie der andere ist und muss halt überlegen, ob man damit leben kann. Meines Erachtens führen Religionen nur zu problematischen Verhältnissen, wenn man sie als Ausrede für sein eigenes Fehlverhalten benutzt und jede Problematik auf "Gott" abwälzt. Jeder Mensch hat seine eigene Art zu leben. Der eine ist vielleicht Fußballer und richtet sein ganzes Leben nach dem Sport aus hinsichtlich Ernährung, Bewegung usw. (und schiebt auch seine Kinder in die Richtung) und der andere hat mit Fußball gar nix am Hut. Und wegen Kindererziehung ist mir das eh etwas unklar. Muslime behaupten zwar, dass man freiwillig an den Islam glauben soll, aber wie kann man das als Kind entscheiden. Welcher Religion man angehören will kann ein Mensch eh erst selbst entscheiden, wenn er überhaupt versteht was Religion überhaupt ist. Und das ist erst ab einem bestimmten Alter möglich. Also wenn man das so sieht, sollte man mit dem ganzen Religionsgedönse bei Kindern warten bist sie es verstehen. Das heißt nicht, dass man ihnen nicht davor schon erzählen kann, wer "Gott" sein soll.
 
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