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Gast

  • #1

Immer wieder nur in die Idee vom "Verliebtsein" verliebt?

w/28
Immer wieder passiert es mir, dass ich mich in jemanden verliebe (oder mich sehr stark von jemandem angezogen fühle), den ich nur sehr flüchtig kenne - und außerdem in den meisten Fällen nicht haben kann, aus welchen Gründen auch immer.
Früher als Schülerin waren es Lehrer, dann an der Uni Professoren, im Büro nun ein Kollege. Irgendwann müsste das doch endlich mal aufhören! Ich bin doch mittlerweile durchaus "erwachsen" und habe schon einige Beziehungen hinter mir. Auffällig oft verliebe ich mich, wenn eine Beziehung gerade nicht mehr so gut läuft und ich mit dem Gedanken spiele, diese zu beenden.

Aktuelle Situation:
-Meine Beziehung war nur noch unbefriedigend; ich verliebte mich daraufhin in einen, mir nur weitläufig bekannten, Kollegen, mit dem ich aber auf gar keinen Fall etwas anfangen könnte;
distanzierte mich zunehmend von meinem Partner und beendete es (nicht der spontanen Verliebtheit wegen, das war schon eine durchdachte Entscheidung).

Nun denke ich wirklich nur noch an den Mann (andauernd, träume sogar von ihm), weiß aber gleichzeitig, dass es einfach nichts werden kann und sehe das auch vollkommen realistisch. Aber wieso geht er mir, trotz dieser klugen Erkenntnis, nicht aus dem Kopf?

Ich phantasiere mir ein ganz tolles Bild von diesem Menschen zurecht und stelle mir vor, wie es wäre mit ihm zusammen zu sein, ihn zu berühren, mit ihm zu schlafen etc. Diese Tagträume lassen mich einfach nicht in Ruhe. Wenn ich ihn sehe, schlägt mein Herz bis zum Hals und ich bekomme weiche Knie. (Sexuelle Gedanken kommen mir natürlich auch)
Ich kenne ihn ja noch nicht mal!

Bin ich einfach nur, sozusagen, verliebt in den Zustand des "Verliebtseins" oder süchtig nach Glücksgefühlen bzw. der damit einhergehenden Enttäuschung?

Geht es auch anderen so?
 
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  • #2
Na ja, das Verliebtsein an sich finde ich sehr aufregend. Schwierig wird es, wenn man mit demjenigen, in den man verliebt ist, auch zusammen sein möchte. Dann ist dieses Gefühl natürlich mit Qualen verbunden.

Wenn Du die Verliebtheit aber einfach als das genießt, was sie ist, nämlich ein wenig rosaroter Farbanstrich auf Deinem Alltagsleben, dann ist das doch sehr schön.
 
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Gast

  • #3
w/28
Bin ich einfach nur, sozusagen, verliebt in den Zustand des "Verliebtseins" oder süchtig nach Glücksgefühlen bzw. der damit einhergehenden Enttäuschung?
Geht es auch anderen so?
Ich kenne das als Mann auch, und ich geniesse es. Ich bin auch süchtig nach Glücksgefühlen, und ich bin ein Glückspilz weil ich das steuern kann. Am liebsten bin ich immer verliebt und bin dann den ganzen Tag gut drauf. Tief enttäuscht bin ich nicht wirklich wenn die Gefühle nicht erwidert werden, weil ich mir selber nicht weh tun möchte und Melancholie nicht schön finde. Viel lieber verliebe ich mich dann erneut.
 
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  • #4
Hey FS,

ich muss sagen du sprichst mir aus der Seele!
Mir geht es leider ganz genau so und ich leide wirklich darunter... Ich verliebe mich in jemanden den ich gar nicht wirklich kenne und weiß genau wie du, dass ich ihn eh nicht kriegen kann. Bin dabei aber trotzdem so verliebt, dass ich gar keine anderen Männer angucke und dadurch mir selbst die Chance nehme mich mal wieder in eine reelle Person zu verlieben anstatt in so einen Mann meiner Träume...
 
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  • #5
Die FS:

Hallo #3,
irgendwie beruhigend, dass nicht nur ich darunter leide... Die Glücksgefühle sind zwar toll, aber wenn es länger anhält, kommen dann eben doch die unerfüllbaren Hoffnungen und Frustration ins Spiel und es sieht nicht mehr alles rosarot aus. Sich in eine reelle Person zu verlieben, scheint mir auch fast unmöglich. Leider...
 
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  • #6
Liebe FS,

mir geht es fast genau so! Ich finde, daran ist weder etwas Komisches noch Schlimmes. Gefühle sind nun mal größtenteils irrational und es ist konstruktiver, sie auszuleben, anstatt sie einer Kontrolle unterwerfen zu wollen.
Genieße es einfach! Es gibt doch kaum was Schöneres, als selbst bei Regen und Sturm mit einem Lächeln im Gesicht herumzulaufen, weil man so beschwingt durch die Liebe ist!
 
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  • #7
Genieße es einfach! Es gibt doch kaum was Schöneres, als selbst bei Regen und Sturm mit einem Lächeln im Gesicht herumzulaufen, weil man so beschwingt durch die Liebe ist!
Ich verstehe nicht, was man bzw. frau an unerfüllter Gegenliebe genießen kann.

Kann es sein, daß du nur das Verliebtheitsgefühl suchst, weil du Angst vor Zurückweisung hast?
Kann es sein, daß du dich dementsprechend auch viel zu häufig viel zu wahllos verliebst?

Dann würde ich versuchen, mehr Gleichmaß und Zufriedenheit in dein Leben zu bringen.
Vielleicht hilft das. Alles andere erscheint mir ziemlich kindisch.
 
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  • #8
Sie hat eben eine platonische Beziehung zu ihm aufgebaut. Das muß nichts Schlechtes sein. Ich lag oft im Krankenhaus mit schlechter Prognose. Einen mentalen Hoffnungsschimmer und auch Stimmungsaufbau brachte da immer wieder die Erinnerung an ein Mädchen, in das ich mich verliebte, als ich 17 war. In sie hatte ich auch viel projeziert, aber nie ein Wort mit ihr geredet. Sie ist in bitterer Not meine schöne Erinnerung und Ablenkung.

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, sie nach 19 Jahren wiederzusehen. Ich tat es nicht, weil ich Angst habe, daß durch ihre Zurückweisung oder ihr völlig anderes Wesen mein "Talisman" für schlechte Zeiten entzaubert wird. Mir ist diese psychische Hilfe für Notfälle mittlerweile wichtiger als die reale Person.

m, 38
 
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  • #9
FS:
Liebe #5: Ja, am Anfang ist das wirklich immer ein Stimmungsaufheller...Aber danach wird es halt oft komplizierter.

Mittlerweile scheint in meiner momentanen Verliebtheit der Punkt gekommen zu sein, an dem ich emotional sehr schnell aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann, wenn er auch nur einen Blick von mir nicht so erwidert, wie ich das gerne hätte, mir mal nicht zuzwinkert oder ich (fachlich) von ihm kritisiert werde (arbeiten leider gerade am selben Projekt)... Das Problem scheint zu sein, dass ich überhaupt nicht in der Lage bin, damit irgendwie professionell umzugehen, obwohl ich eigentlich sehr viel Wert auf Professionalität lege. Es ist wirklich in diesem Fall nicht mehr zu genießen, dennoch komme ich von dem Gedanken nicht los.

#6: Hm..Dieses Mal ist es ja "passiert", während ich noch in einer Beziehung war, in der ich auch keine Angst vor Zurückweisung hatte und mich, abgesehen von den Problemen, die zur Trennung führten, durchaus geborgen gefühlt habe.
Möglicherweise trifft es aber teilweise zu: In einen Mann, der mir sowieso nur als Projektionsfläche dient, da ich genau weiß, dass es nichts werden kann, verliebe ich mich eventuell einfach stärker und unkontrollierter, eben ohne jegliche Schutzhaltung, als in einen "reellen" Mann.
 
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Gast

  • #10
Mir geht es gerade genauso (seit gut einem Jahr um genau zu sein). Ich bin auch inzwischen stimmungsmäßig total abhängig von jedem Blick und jedem Zuzwinkern. Das schlimmste ist, dass ich mir durchaus Hoffnungen mache, dass mal was draus werden könnte. Wenn ich die nicht hätte, könnte ich das Ganze auch besser loslassen. -
Ich würde so gerne mal mit ihm darüber sprechen, dann wüsste ich wenigstes woran ich bin. Aber das geht leider (noch) nicht.
Ich ärgere mich auch darüber, dass ich mich so selbst blockiere für eine lebbare Partnerschaft. - Ich glaube im übrigen nicht, dass der Grund dafür Beziehungsangst ist oder Angst vor Nähe, denn ich hatte vorher auch bereits mehrere langjährige Beziehungen und da war das nie ein Thema. Ich war auch absolut nicht unglücklich oder unausgeglichen, bevor ich diesen Mann kennen gelernt habe. Und zu Anfang habe ich unseren Flirt auch einfach nur geniessen können. Aber inzwischen macht mich das nur noch fertig....
 
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Gast

  • #11
#9, mir gehts genauso, seit etwas über einem Jahr. Ich leide fürchterlich darunter, finde keinen Ausweg. Ich habe viel mit Freunden unternommen, mir sogar ein neues Hobby gesucht, aber ich denke ständig nur an diesen Mann. Habe sogar schon an eine Therapie gedacht. Nach außen hin und auch ihm gegenüber kann ich das problemlos überspielen, ich würde mir niemals anmerken lassen, dass ich total in ihn verliebt bin. Vielleicht liegt hier genau das Problem? Ich bin mittlerweile abhängig von seiner Aufmerksamkeit. Wenn ich sie bekomme ist alles super, wenn nicht, könnte ich nur noch heulen. Das ist doch total krank, oder!?
w, 36
 
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  • #12
Ist ja interessant, wie viele Menschen das selbe Problem haben. Mir geht das auch so. Habe eine sehr attraktive und wundervolle Kollegin. Mir ist vor knapp einem Jahr aufgefallen, dass sie mich immer mal wieder "unbemerkt" beobachtete wenn ich nicht hin schaute. Meist blickte sie mir im Gespräch in die Augen (sehr oft sogar tief und mit solch glänzenden Augen) und wenn ich kurz meinen Blick abwandte, wanderte ihrer auf meinen Oberkörper und als ich zurückschaute blickte sie fast wie erschrocken wieder nach oben (das fällt mir immer mal wieder noch auf. Oder deute ich es womöglich so, weil ich es gerne hätte?). Sehr oft schaut sie meine Hände an. "Unbeobachtet" versteht sich. Anfangs hat mir das nichts ausgemacht. Im Gegenteil, ich fand es sehr schön. Dies hat sich gesteigert zu gegenseitigen kleinen Flirts, kurze Berührungen meiner Hände (ich hatte die Maus am PC in der Hand und wenn sie mir was zeigen wollte, berührte sie meine Hand und nahm sie von der Maus um diese selbst zu bedienen. Das ist öfter vorgekommen). Da hat es bei mir total gefunkt. Bei meinem Kollegen hat sie das nicht gemacht, weshalb ich komplett verwirrt bin. Wir verstehen uns wirklich sehr gut. Lachen viel zusammen. Necken uns auch ab und zu, was richtig Spaß macht. Wie es Verliebte sonst eben tun. Ich deutete in ihrem Verhalten sehr viele weibliche Signale und meinte, dass sie eventuell in mich verliebt wäre, oder sich zumindest stark für mich interessiert. Vor ein paar Tagen hatte ich den Eindruck, dass sie meine Nähe suchen würde und schwebte danach regelrecht. Es war während eines geschäftlichen Gesprächs, als wir beinahe Schulter an Schulter standen. Das Gefühl des Verliebtseins ist echt schön. Nur wird es eben zur Qual wenn mal an einem Tag keine Signale rüberkommen. Ich nicht beobachtet werde. Es zu keinem Gespräch kommt, weil einer von uns beiden zu sehr beschäftigt ist, und so weiter und so fort. Wir können nicht zusammenkommen, weil sie in einer Beziehung lebt. Ich ebenfalls. Ich will meine Beziehung definitiv nicht beenden und will auch keinen Seitensprung, aber es stellt sich mir immer wieder die Frage, ob zwischen uns etwas hätte werden können, wenn wir beide Single gewesen wären. Es gibt Tage, an denen ich mir sicher bin, dass sie mehr als nur Freundschaft für mich empfindet. Dann hänge ich aber wieder absolut in den Seilen, wenn sie von ihrem Freund erzählt. Für "nur" Freundschaft halte ich ihre Signale für zu stark. Normalerweise ist sie eher zurückhaltend oder distanziert gegenüber anderen Kollegen. Kenne ein solches Verhalten von anderen guten Freundinnen aus meiner Clique nicht. Mich hat es, wie man so schön sagt, voll erwischt. Wir Männer merken nicht, wenn jemand in uns verliebt ist, hat mal jemand zu mir gesagt. Wie würdet ihr das Verhalten meiner Kollegin deuten?
 
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  • #13
mir, w 28, gings auch oft so. Ich hab mich zwar nicht in Männer die unerreichbar sind verliebt, aber in welche die einfach so in meinem Leben rumschwirrten und nicht erst als ich diese durch Dating näher kennen gelernt hätte.

Das Problem das ich an der Sache sehe ist: die Wahrscheinlichkeit das sich jemand der sich einfach so um Umfeld befindet und der noch kein Interesse signalisiert hat, auch heimlich verliebt hat ist einfach sehr gering. Ich sehe darin die Ursache für mein Single Dasein. Es ist bisher nur ein einziges mal vorgekommen, dass beide heimlich ineinander verliebt waren. Ansonsten war ich Monate oder sogar Jahre verliebt und hab rumgeschwärmt obwohl der jenige mir schon längst nen Korb gegeben hat.

Ich habe das Gefühl normale Leute verlieben sich erst wenn schon gedated wird und nicht in jemand der einfach so in ihrem Leben rumschwirrt, wo überhaupt nicht klar ist ob der jenige überhaupt Interesse hat. Ich werde mein Verhalten jetzt dahingehend ändern
 
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  • #14
Ich finde diese Diskussion ums heimliche Verliebtsein wirklich amüsant und muss jetzt auch noch meinen Senf dazugeben:
Ich habe mich mit 17 in meinen Zahnarzt verliebt :)). Er hatte in der gleichen Strasse, in der ich wohnte, seine Praxis und ich wusste genau (habe alles beobachtet) wann er kam und ging und war jedesmal am Fenster, nur um ihn zu sehen. Ich war auch seine Patientin und hoffe im Nachhinein, er hats nicht gemerkt. Es war eine herrliche Zeit und mir gings super dabei.
Oh, wär ich nur heute mit 60 auch noch in meinen Zahnarzt verliebt! Dann wär ich bestimmt oft dort.
Aber es kostet mich jedesmal Überwindung.
 
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  • #15
Nein, amüsant finden kann ich diese Sucht auf das Gefühl des Verliebtseins nicht. Es ist, wie alle anderen Süchte, der Versuch, sich aus dem grauen Alltag und der enttäuschenden Realität, die in nichts den Träumen unserer Jugend entspricht, auszuklinken, und in eine glitzernde Phantasiewelt abzudriften.
Diese Sucht birgt aber auch Gefahren. Es kann zu einem Realitätsverlust kommen oder dazu, das an uns völlig uninteressierte Objekt unserer Leidenschaft mit unseren Zuwendungen zu belästigen mit Gewalt auf uns aufmerksam machen zu wollen, sogar zu stalken! Erniedrigende Tätigkeiten, für die man sich schrecklich schämt, an denen man sich aber nicht hindern kann. Ich habe sie immer mit Briefen und Geschenken überhäuft, bis sie mich zum Teufel schickten und landete dann jedesmal- meist nach einem Überkonsum von Alkohol und Tabletten, oder Selbstmordversuch, in der Psychiatrie, wo es bis hin zur Diagnose "Erotomanie" kam. Das trifft meine Pathologie aber nicht genau, da ich nie annahm, das Objekt meiner Besessenheit erwidere meine Leidenschaft . Ich war einfach süchtig auf den Zustand des Verliebtseins und bin an diesem Leben beinahe zerbrochen. Mein Selbstwertgefühl existierte nicht mehr, ich war nur mehr erniedrigt, von Scham über mein eigenes Verhalten besudelt. Extreme Depressionen, Alkoholmißbrauch, Mißbrauch von diversen Psychopharmaka, um die künstlichen Paradiese, die das Erschaffen einer Phantasiewelt vorübergehend erzeugt, zu verlängern , die Realität so lang wie möglich auf Distanz zu halten. Das extreme Leid, das diese Anhäufung von Zurückweisungen- denn nach jeder Zurückweisung suchte ich mir sofort das nächste "Opfer"- zwangsläufig hervorruft, durch Suchtmittel abzumildern. Mein Leben wurde durch diese Sucht auf das Verliebtsein beinahe zerstört. Ich konnte keiner geregelten Arbeit nachgehen, keine Familie gründen, keine Freundschaften aufbauen Diese Sucht nach einem Zustand, der nicht der Realität entspricht, kann oft zu anderen Süchten führen, um den ewigen Mangel, das Unbefriedigtsein, zu kompensieren. (Kaufsucht, Lesesucht, Magersucht, Selbstverletzung ...)
Oder dass man die Phantasiewelt als realer erlebt, als die wirkliche Welt, und Wahnvorstellungen sind Symptom einer Psychose.
"Genieß es einfach" ja, solange man über das Gefühl des Verliebtseins die Kontrolle behält. Aber eine Sucht unter Kontrolle ist keine Sucht.
Tatsache ist, dass Tagträume im Gehirn dieselben euphorischen Glücksgefühle hervorrufen, wie wirklich Erlebtes. In Ermangelung von wirklich Erlebtem alles durch Tagträume ersetzen, weil uns die banale Wirklichkeit einfach nicht genügt. Ich kann nur warnen davor und dazu aufrufen, die Gefahren, die die Sucht nach dem Verliebtsein birgt, nicht zu unterschätzen. Nach jedem Ende eines solchen virtuellen Erlebnisses steht auf jeden Fall das existenzielle NICHTS.
 
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  • #16
Hallo FS,
wenn du mit 27 eine klare Tendenz bei dir erkennst, den "Kick" des Verliebtseins immer wieder zu suchen...würde ich jetzt mit einer "Innenschau" beginnen. Irgendein Objekt der Begierde findet sich immer und zack - bist du plötzlich 40 Jahre alt, hast dich immer wieder aus "unbefriedigenden" Beziehungen gelöst, Familienplanungen verpasst, bist Expertin für überaus romantische, aufregende (und dramatische) Affären oder Liebesgeschichten, die jedoch nichts als vage Erinnerungen sind. Wie bereits in anderen Posts hier erwähnt, kann die Suche nach dem "Kick" in eine veritable Sucht ausarten - hoher Leidensfaktor und viel vergeudete Zeit.
Robin Norwood hat in den 80er Jahren den Klassiker zum Thema "Sucht nach Verliebtsein" verfasst. Ihre These: Damit lenken sich viele Frauen (und Männer) von innerer Leere oder sehr gut verdeckten Depressionen ab - es wird mit den Jahren meistens nicht besser, sondern schlimmer. Die Lektüre lohnt sich, auch wenn man sich selbst nicht den teilweise hochdramatischen Fallbeispielen zuordnen kann und will. Die Psychologen Stahl, Woinoff, Mary und Onken haben ebenfalls kluge Selbsthilfebücher (es gibt nicht nur Blödsinn in dieser Abtlg.) zum Thema "Partnersuche" geschrieben.

Betonen möchte ich, dass ich nichts von vorschnellen Schlußfolgerungen und der Pathologisierung der eigenen Person halte ("Hilfe, ich bin süchtig"). Mache doch mal den Test, wie es dir ohne den "Kick" gehen würde. Du sagst von dir, dass du sehr wohl realistisch handeln kannst, das ist der Teil von dir, dem du jetzt die "Teamleitung" im Bezug auf dein größtes Projekt - dein Leben - geben könntest. Ein anderer Teil von dir, der sich nach Überhöhung des eigenen Lebens sehnt, nach Romantik, Fantasien, Abenteuer, wird wahrscheinlich ordentlich "revoltieren". Das ist dann die große Herausforderung - diesem Teil langfristig Alternativen zum "Kick" zu bieten (zu diesem psychologischen Konzept siehe F.v. Thun "Das innere Team/Das innere Kind", ist mittlerweile Mainstream-Bestandteil der meisten Coaching/Verhaltenstherapie-Ansätze).
"Nichts ist dazu verdammt, so zu bleiben wie es ist": Aus eigener Erfahrung - denn mir ging es mit 27 so wie dir und auch jetzt habe ich manchmal noch mit der Suche/Sucht nach dem "Kick" zu kämpfen - kann ich nur sagen, "Innenschau" hilft. Je eher, desto besser.
W/42
 
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  • #17
Bin auch so, und finde es schön. Kann mich schnell begeistern und verlieben in irgendwen und irgendwas... Schaffe mir sozusagen eine Projektionsfläche die ich dann mit meinen Phantasien und ganz nach meinen Wünschen ausschmücke.
Klar hatte ich auch schon Beziehungen, aber das ist mir bald zu viel Alltag, und die Männer ja auch nie so toll und grossartig wie ich sie mir ausmalte. Eigene Kinder kann ich mir auch nicht wirklich vorstellen, von daher drängt mich keine Uhr.
Ich geniesse mein Leben fast ausschliesslich als Single, aber sehr grossem, guten Freundeskreis. Und Sexualität ist in meiner Phantasie so viel besser.
Einsam war ich noch nie, alleine bin ich mittlerweile immer lieber.
Schon als Kind lebte ich in einer Traumwelt und liess niemanden wirklich emotional an mich heran.
Das hat sich bis heute nicht geändert. Bin dennoch authentisch und spiele keine Rolle, da ich einfach alles sein kann - je nach Lust und Laune. Vor allem entzückend liebreizend und werde gerne gemocht. Männer mit denen ich liiert war und Therapeuten diagnostizierten mir jedoch liebevoll mehrere Persönlichkeitsstörungen. Am liebsten bin ich der weibliche Peter Pan.
Aktuell wünsche ich mir aber gerade mal wieder ein bisschen Alltag. So lange bis es/er mich wieder langweilt. Erwachsen werde ich im nächsten Leben. Vielleicht.