• #1

"If it hurts, it isn't love"?

Hallo Forum,

mal wieder so eine allgemeine Frage... aber natürlich nicht ohne persönlichen Bezug. Würdet ihr dieses Mantra so unterschreiben - wenn es weh tut, ist es keine Liebe?

Irgendwie kommt es mir mitunter so vor, als könnte man auch das genaue Gegenteil behaupten... die Argumentation für diesen Satz lautet meistens, dass Liebe frei sein muss, dass man den anderen gehen lassen muss,... aber das ist doch genau das Gegenteil von dem, was man normalerweise empfindet? Will man sich da nicht nur etwas einreden? Geht es darum, sich gegen Gefühle abzuhärten, so dass einem irgendwann einfach gar nichts mehr weh tut?

manchmal
 
  • #2
Schwierige Frage. Es gibt ja auch den Spruch, Liebe und Hass liegen eng beieinander.
Entweder ist es eine Typfrage oder Unreife?
Warum will jemand eine Beziehung?
Typfrage: Wenn es darum geht, sich ein Hinterland zu schaffen, also finanziell abgesichert zu sein und eine Rolle einzunehmen, die eher nicht individuell ist, sondern vom traditionellen Empfinden getragen wird (bei der Frau: Kinder wollen, Ehe wollen, keine Ambitionen anderer Art, beim Mann: Karriere in einem gewinnversprechenden Beruf machen, Familie haben und versorgen können), dann nimmt man sich einen Partner nach diesen Kriterien und nicht danach, irgendwelche anderen Projektionen auszuleben. Projektionen sind das ja auch: Der Mann spielt den Versorger und Papi für die Frau, die Frau ist ihm die zweite Mutter. Die können ganz ohne sich groß wehzutun leben bzw. sie tun sich ein bisschen weh, wenn sie sich abreagieren oder sauer sind, aber nehmen es hin. Kannte ich ein Paar, war für mich schlimm zu sehen, wie sie sich abwechselnd rächten durch kleine Gemeinheiten.

Unreife (das Wort ohne negativen Klang gesagt): Wenn man aber das heilbringende emotionale Paradies sucht in einem anderen, dann mitunter durch Leiden, das man Liebe nennt, um daran zu wachsen. Eine Beziehung, die nur harmonisch ist und in der man richtig glücklich wäre, erzeugt dann nicht die Sehnsucht danach, irgendwelche Muster nachzuleben, die man in der Seele hat.

dass Liebe frei sein muss, dass man den anderen gehen lassen muss
Ich denke, das stimmt. Aber dafür muss man schon sehr weit sein mit dem im Reinen sein mit sich, damit das nicht eigentlich Gleichgültigkeit ist, dh. wenn man nach nicht-emotionalen Kriterien einen Partner gewählt hat und sich anderweitig sein "Drama" holt oder den Partner nur aushält, bis endlich die Traumperson kommt (oder den Eindruck erweckt, Traumperson zu sein).
Wenn man den anderen nicht gehen lassen kann, hat man instrumentalisiert und fragt nicht mehr, was er will, sondern braucht ihn. Sobald man aber jemanden braucht, GEbraucht fürs eigene Seelenleben, ist zumindest dieser Teil des Gefühls für den anderen keine Liebe, sondern Abhängigkeit, die Manipulationen nach sich ziehen wird, damit der andere mir gibt, was ich brauche, auch wenn er das Bedürfnis gar nicht hat.
 
  • #3
Geht es darum, sich gegen Gefühle abzuhärten, so dass einem irgendwann einfach gar nichts mehr weh tut?
Nein, es geht darum, dass man den anderen als Individuum begreift und versteht, dass man allein ist und bleiben wird, auch wenn man einen Partner hat. Er wird es nicht abdecken können, dass sich Menschen, die den Partner brauchen, wirklich befriedigt fühlen.
Ich hatte eine Phase vor einigen Jahren, in der ich dachte, wenn ich mir sowieso mein Seelenheil allein verschaffen muss, was überhaupt soll ich mit einem Partner (außer Sex und ein paar Unternehmungen)? Meine Motivation bei der Partnersuche war wohl geprägt davon, mir ein emotionales Paradies zu schaffen, in dem alles passt. Wer soll das bieten?
Den Grund einer Partnerschaft musste ich mir neu definieren. Ich bin noch nicht fertig mit dem Prozess, es hat aber auf jeden Fall mit der Fähigkeit zu tun, sich selbst und dadurch auch andere lieben zu können. Auf jeden Fall habe ich im Kopf den Wunsch, mit einem Mann richtig Spaß zu haben und nicht dauernd irgendwelche Bedürfnisse erfüllen zu müssen, die ich nicht erfüllen kann und will (in meiner Exbeziehung war das ziemlich belastend). Daher muss ich ihm umgekehrt auch zugestehen, dass er vielleicht bestimmte Dinge nicht will. Das heißt nicht, den anderen in Krisen hängen zu lassen oder untreu und egoistisch zu sein.
Das Wichtige wäre, Kompromisse zu finden, was man meines Erachtens nur kann, wenn man begriffen hat, dass der Wunsch des Partners genauso viel bedeutet, wie der eigene. Also kann ich wieder nicht rangehen mit "ich brauche dich". Da gibt es allerdings Grenzen, wo man sagen muss, hier muss es passen, z.B. zusammenziehen, oder einer wird auf Dauer wirklich unglücklich.
 
  • #4
"Liebe muss...."
Tatsächlich legt doch jeder selbst fest wiee sich Liebe für ihn anfühlen "muss".
Jeder Mensch definiert Liebe an seiner eigenen Bedürfnisstruktur. Wie will ich geliebt werden? Wie kann oder will ich lieben?
Sämtliche Definitionen der Liebe, welche sich an Allgemeingültigkeit versuchen sind schwammig. Zurecht.
Ich möchte zum Beispiel ausschließlich, umsorgend, verbindlich, bedingungslos aber keinesfalls einschränkend geliebt werden.
Selbst kann ich jedoch nur unter Bedingungen lieben, keinesfalls uneigennützig (zumindest nicht partnerschaftlich).
Ist das fair? Nein.
Wer sagt, dass Liebe fair sein muss? Wichtig ist doch nur, dass man selbst weiss wie man lieben bzw. geliebt werden möchte und einen Partner findet, dessen Bedürfnisstruktur, diesbezüglich, die eigene ergänzt.

All diese Aussagen welche mit: "Würdest Du mich lieben, dann..." beginnen, bringen doch nur zum Ausdruck, wie man selbst geliebt werden möchte.
Manchmal sind wir nicht in der Lage zu erkennen, dass uns jemand all die Liebe schenkt, zu der er nur fähig ist, weil wir in der Liebe eine andere Sprache sprechen.
Das ist auch nicht schlimm, wenn wir Glück haben finden wir irgendwann einen Menschen, welcher unseren ureigensten Liebesdialekt versteht.

Größere Chancen haben wir allerdings wenn wir multilingual lieben können. Allerdings bedeutet dies, sich von Dogmen und unzureichenden Definitionsversuchen zu lösen und akzeptieren lernen, dass jeder Mensch seine eigene Vorstellung davon hat und haben darf, was Liebe "sollte".

Ein Mensch welcher nicht nur den eigenen Partner sexuell begehrt liebt nicht wirklich?
Eine Frau für die Leidenschaft erst durch einen gewissen Schmerz spürbar wird ist eine DramaQueen und liebt nicht wirklich?

Wirklich?
Oder nur in der uns verfügbaren Vorstellungswelt nicht?
 
  • #5
Ich erfahre gerade, dass eine gute Liebesbeziehung nicht weh tut. Dass es ohne Streit, Eifersucht, Misstrauen geht. Dass man einfach füreinander da ist und ein Auge aufeinander hat. Und das tut überhaupt nicht weh. Deshalb von mir eine klare Negation des Mantras.
 
  • #6
dass Liebe frei sein muss, dass man den anderen gehen lassen muss,... aber das ist doch genau das Gegenteil von dem, was man normalerweise empfindet?
Es gibt ja kein "normalerweise".
Jeder liebt auf seine Weise und jeder möchte eine Beziehung nicht immer aus denselben Gründen.
Ich möchte mich auch in einer Beziehung frei fühlen, weil ich es umgekehrt schon erlebt habe.
Klammern, Eifersucht "Du gehörst mir".
Es tat weh, zu sehen, wie er sich gequält hat, mich nicht zu verlieren.
Völlige Abhängigkeit, die ich nicht mehr ertragen konnte.
Das ist zwanzig Jahre her.
Heute lebe ich in einer Beziehung, in der wir uns beide frei fühlen können. Rücksicht, Kompromisse ja. Aber keine Zwänge mehr.
 
  • #7
die Argumentation für diesen Satz lautet meistens, dass Liebe frei sein muss, dass man den anderen gehen lassen muss,... aber das ist doch genau das Gegenteil von dem, was man normalerweise empfindet?
Dieser Satz sollte auf eine gesunde gleichberechtigte Beziehung zutreffen, natürlich nicht auf akuten Liebeskummer wie du es meinst.
Trennung und der damit verbundene Schmerz gehört zu den schlimmsten, eventuell sogar traumatischen Erfahrungen die man machen kann. Daß man hier nicht engelsgleich und freundlich den anderen ziehen lassen kann, sondern mit all den verschiedenen Gefühlen wie Trauer, Wut, Verzweiflung umgehen muss, ist ja wohl klar.
 
  • #8
@Amaryllis: du wolltest wohl eher sagen, dass du das Mantra zutreffend findest, im Sinne von "man kann ja auch Glück haben und eine Beziehung kann einfach gut funktionieren".

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das damit gemeint ist... sondern tendiere eher zu void's Auffassung, dass es um eine innere Haltung geht, mit der man sich unabhängig von glücklichen Zufällen, vom Verhalten des Partners macht... denn wie es so schön heißt
"wherever there is comfort there is pain - only one step away" (Crowded House).

manchmal
 
  • #9
Ich würde den Satz anders interpretieren: Wenn sich der andere immer wieder so verhält, dass es mir weh tut, dann liebt er mich nicht. Oder wenn ich mich immer wieder so verhalten würde, dass es dem anderen weh tut. Oder beides, immer abwechselnd. Dann kann es keine Liebe sein. Denn wer liebt will ja auch, dass es dem anderen gut geht. Daher ist das dann eine Ausnahme, dass einer dem anderen weh tut, und wird so schnell wie möglich sowie absolut ehrlich bereinigt durch gute Kommunikation, Entschuldigung, liebevolle Gesten - das ist für mich Liebe.
Aber nicht solche Dinge wie: ständige Streitereien wg Kleinigkeiten, Machtspiele, emotionale Kälte, falscher Stolz, tyrannisches Gehabe,....das zeugt alles von mangelnder Liebe. Und es tut weh.
 
  • #10
Daß man hier nicht engelsgleich und freundlich den anderen ziehen lassen kann, sondern mit all den verschiedenen Gefühlen wie Trauer, Wut, Verzweiflung umgehen muss, ist ja wohl klar.
...doch, ich vermute, (auch..., genau...?) das ist mit dem Mantra gemeint. Ich kann den andern ja nicht nur dann innerlich gehen lassen, wenn ich mir ganz sicher bin, dass er auf jeden Fall bleiben wird...

manchmal
 
G

Ga_ui

  • #11
Hinter dem Spruch steckt, dass (wie in dem Buch "Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest" sehr gut beschrieben) Liebe niemals von außen kommen kann, sondern mit dem eigenen Kern zu tun hat. Wer glücklich ist, der kann alles lieben. Wer zufrieden mit sich ist, der zieht auch Menschen an, die das wohlwollend empfinden und einen bewundern.

Wenn es schmerzt, dann ist emotional abhängig von einer Person. Man macht sich ganz klein in seinem Selbstwert, man ist ein nichts und man fühlt sich als nichts. Man erwartet, dass der Gegenüber einem mit Liebe überschüttet. Wofür? Dabei muss man sich selber doch die meiste Liebe und Respekt geben, damit andere das wertschätzen können.
 
  • #12
...doch, ich vermute, (auch..., genau...?) das ist mit dem Mantra gemeint. Ich kann den andern ja nicht nur dann innerlich gehen lassen, wenn ich mir ganz sicher bin, dass er auf jeden Fall bleiben wird...

manchmal
Ja wenn du es als Gegenteil von Klammern meinst, gut, aber ich würde nie von mir selbst verlangen, jemand der mich verläßt liebevoll und engelsgleich nachzuwinken ... Trauerarbeit in all ihren Ausprägungen muß geleistet werden zur Verarbeitung. Alles andere wäre ja unmenschlich.
 
  • #13
Wenn es schmerzt, dann ist emotional abhängig von einer Person.
Es gibt allerdings noch viele, viele andere Gründe, warum Liebe auch schmerzen kann. Und die sind so vielfältig und groß wie die Liebe selbst. Für mich ist die Liebe "frei flottierend", sie ist nicht an Konventionen gebunden, sie kommt einfach so und immer unerwartet. Und manchmal tut sie auch weh, weil
-sie z.B. nicht auf Gegenliebe trifft, vom geliebten Menschen nicht in gleicher Weise oder gar nicht empfunden werden kann
- sie nicht lebbar ist, weil diverse Lebensumstände dagegen stehen, die Liebe in einem Bindungswunsch zu verwirklichen und auszuleben
- sie zu starken Gegenkräften ausgesetzt ist und nicht zum Zuge kommt, sie "verkümmert" dann
- sie trotz ihrer Existenz manchmal auf allzu harte Proben gestellt wird, indem der geliebte Mensch Dinge tut, die nicht auf seine Liebe schließen lassen (manchmal fast paradox entgegengesetzt zu dem, was ein Mensch EIGENTLICH fühlt), das tut dann auch sehr weh
 
  • #14
Ich bin hier ganz bei Foristen, die genauso sagen, dass eine Beziehung bereichern soll.
Wenn in einer Beziehung man gedemütigt, beleidigt und abgewertet wird, ist es keine Liebe.
Manche Menschen verwechseln gern Leiden mit Liebe und verharren in selbstschädigenden und unglücklichen Beziehungen.
Auch insbesondere ist dies bei Affären zu anzutreffen. Da leidet der verliebte Part Höllenqualen (als auch der Selbstwert) und trotzdem verbleibt die Person in dieser destruktiven, abhängigen Beziehung.
Wenn in einer Beziehung das Schmerzvolle überwiegt, hat dies weder mit (Fremd-)Liebe, noch mit Eigenliebe zu tun.
Liebe ist frei, vertrauensvoll, macht glücklich, schafft positives und beflügelt (mal einfach gestrickt gesagt).
 
  • #15
Sehe ich auch so, wahre und glücklich machende Liebe ist frei von Zwängen, Schmerz, Druck und dergleichen, Kompromisse muss man überall im Leben eingehen, aber in der richtigen Beziehung macht man das gerne und empfindet dies nicht als Verzicht oder Verlust.
M31
 
  • #16
wahre und glücklich machende Liebe ist frei von Zwängen, Schmerz, Druck und dergleichen
Ich habe den Eindruck, dass Ihr hier ein Ideal beschreibt, dass es höchstens augenlicksweise gibt.
Fragt doch mal ein Paar, das 30 Jahre oder mehr in einer Partnerschaft lebt und von sich sagen würde, sie lieben sich (immer noch). Meint Ihr, dass sie niemals gegeneinander Bitterkeit, Enttäuschung oder Enge empfunden haben?
So, wie Ihr die Liebe beschreibt, würde ich sie als unerreichbar empfinden.

Oder ist dieses Idealisieren eine Altersfrage? ;-)
 
  • #17
Hallo manchmal,

eine sehr feine Frage.

Es gibt dieses Lied von Nena; ich hab nur ein paar Zeilen vom Chorus noch im Kopf... Liebe will nicht. Liebe ist.

Liebe ist nicht dazu da, einen Mangel auszugleichen. Sie kann Dich also gar nicht von Schmerz befreien. Sie kann auch keinen Schmerz auslösen. Mangel lässt Sehnsucht lässt Schmerz entstehen.

Also stimmt es, wenn gesagt wird "Wenn es weh tut, ist es keine Liebe".

Liebe tut auch nicht weh.

Liebe macht das Herz weit, den Kopf auch.

Ich weiß es noch ganz genau, wie ich mich beim letzten Mal fühlte, als diese Liebe mich erfasste... Ich war mit meinem damaligen Freund im Rewe; er stand an der Wursttheke *lach* Ich stand ein Stück entfernt, sah seinen Rücken an und auf einmal wurde ich von ner Welle erfasst, die mir die Augen und Ohren klar machte. Er und ich hatten sehr viel Stress miteinander, emotionalen Stress. Und in diesem besonderen Moment wurde mir dieses eine klar: Egal, was er macht - ich liebe ihn. Er ist ganz tief in meinem Herzen und alle Verletzungen und alle Zärtlichkeiten wiegen nichts gegen diese Gewissheit.

Das erste Mal, dass ich diese Liebe spürte, war es einfach eine Feststellung *lach* Vor 18 Jahren (wir sind jetzt 20 Jahre befreundet) war ich damals mit dem "Liebemann" im Kino und wir redeten und sahen uns an und ich musste total ernst auf einmal einfach sagen "ich will dich ja gar nicht haben, aber ich liebe dich"

Das hat sich bis heute nicht geändert.

Liebe will nicht.

Wenn es weh tut, ist es Mangel. An was auch immer.

Seesturm (w, 39)
 
  • #18
... die Argumentation für diesen Satz lautet meistens, dass Liebe frei sein muss, dass man den anderen gehen lassen muss,...
Dazu ist mir noch etwas eingefallen...

Das ist ja der erste Teil eines Sprichworts, das schon mal den Indianern oder auch den Ägyptern oder den Seefahrern welcher Nation auch immer zugesprochen wird. Ist ja auch egal, von wem...

Eigentlich heißt es ja "Wenn du etwas liebst, lass es los. Wenn es nicht wiederkommt, hat es nie zu dir gehört. Wenn es wiederkommt, bleibt es für immer bei dir."

Wir haben die Liebe und den einen Menschen dazu nicht für uns gepachtet. Und wir haben kein Recht darauf, dass wir "zurück"geliebt werden. Ich kann nicht sagen "ich liebe dich, also lieb du mich auch"...

Liebe lässt einen vergnüglich glucksen (also mich zumindest, wenn ich an die Liebe für die Männer denke, die in meinem Herzen sind und dort niemals irgendwelches "Unheil" anrichten können). Ich hab drei Mal geliebt. Und alle drei sind körperlich nicht (mehr) bei mir. Sie haben mit ihrer Liebe, dieser großartigen, nicht zu mir gehört. Ich hab sie alle gehenlassen - und es zieht sie mit einer kleinen Liebe, einer Zärtlichkeit, die einfach immer wieder mal ein "hej ich mag dich" mitbringen, zu mir. Den "Liebemann" (ich schrieb eben schon kurz von ihm) schon seit 20 Jahren.

Warum wir (ich auch, ich nehme mich da nicht aus) dieses Drama brauchen, diese Sehnsucht, den Schmerz, den Hunger, die Not und das Leid, wenn wir an einen anderen denken, weiß ich auch nicht *seufz*

Bin somit froh um meine Herzenslieben und immer, wenn das Drama mir das Herz zerreißen will, zieh ich mich gedanklich dahin zurück, wo ich verstehe, dass Drama und Liebe nicht zusammengehören.

Alle, die man mit Schmerz, Mangel, Leid, bei sich halten will, sind gegangen, gehen oder werden immer wieder gehen... Das kennt sicher beinahe jedeR hier. Oder?
 
  • #19
Ich tue mich generell schwer mit solchen kurzen, griffigen, pauschalen Sprüchen. Sie sind eingängig aber oft halt zu vereinfachend und damit zuweilen schlicht falsch in bestimmten Situationen.
Ich halte diesen (wenn's weh tut ist es keine Liebe) für einen völlig lebensfremden new-age Blödsinn.
Was ich stattdessen gelten lassen würde, wäre: "Das, WAS wehtut (im Sinne von: das, was den Schmerz letztlich konkret in uns auslöst und ihn am Leben hält), ist keine Liebe. Oder im englischen "That, what hurts, isn't love."

Was den Schmerz verursacht, sind ja oft Abhängigkeitsgefühle, sich verloren oder verlassen fühlen, Sorgen, wie es einem selbst und dem anderen künftig ergehen mag u.ä. Und die haben mit Liebe tatsächlich wenig zu tun.
Der von dir zitierte und ja weithin gebrauchte Satz suggeriert aber , dass keine Liebe im Spiel sei, wenn etwas weh tut. Und das ist einfach mal Unsinn im Quadrat.

Ich lasse diesen Satz für mich nur insofern gelten, als das etwas, das aus Liebe zwischen Menschen geschieht, diesen nicht weh tun sollte - jedenfalls nicht ständig oder über lange Zeiträume und vor allem nicht als das dominierende Gefühl in einer Beziehung. Im Beziehungs- und Liebesalltag wird es aber immer mal Situationen geben, in denen Schmerz entsteht. Das, was diesen Schmerz auslöst, das ist in der Tat nicht die Liebe. Gerade, wenn Liebe zwischen den beteiligten besteht, kann der Schmerz aber sogar besonders groß sein.
Wir sind nun mal alle nicht vollkommen. Und dass es fast immer ungeheuer schmerzt, wenn man einen geliebten menschen gehen lassen muss oder aus Liebe heraus gehen lässt, ist normal und menschlich. Aber wie gesagt, die Liebe ist nicht das, was wehtut dabei. Aber Liebe ohne Schmerz ist nicht zu haben - jedenfalls nicht solange wir noch im nicht-erleuchteten Vor-Buddha-Stadium leben. ;-)
m/43
 
  • #20
Fragt doch mal ein Paar, das 30 Jahre oder mehr in einer Partnerschaft lebt und von sich sagen würde, sie lieben sich (immer noch). Meint Ihr, dass sie niemals gegeneinander Bitterkeit, Enttäuschung oder Enge empfunden haben?
Denke ich nicht. Aber - WENN sie sich wirklich lieben, und davon gehe ich mal aus, gab es viel mehr Glücksempfinden als Negatives in ihrer Beziehung und es war nie so, dass einer den anderen nicht respektierte (Liebeskiller). Wenn verschiedene Bedürfnisse aufeinander prallen und man sich liebt, dann geht man ohne Verletzung auseinander (habe ich so erlebt). Oder man schafft es eben, einen Kompromiss zu finden. Alle Paare, bei denen einer dominiert und der andere sich fügt, halte ich für nicht Liebe, egal, was sie behaupten. Aber ich kann mir nicht anmaßen, denen vorzuschreiben, wann sie sich glücklich zu fühlen haben. Vielleicht gefällt es ihnen ja besser, wie früher in der Kindheit behandelt zu werden, als Eigenverantwortung zu übernehmen. Vielleicht unterliegen sie auch dem Irrglauben, eine lange Beziehung sei eine Leistung im Gegensatz zu Trennungen. Ich finde eher Trennungen eine Leistung, weil man hier riskiert, sein Leben zu verändern.

Es ist für mich ein Irrtum zu denken, dass Glücklichsein ohne Krisen abgeht. Insofern sieht das Zitat von Dir so aus, als würdest Du schwarz-weiß-Denken unterstellen, weil...? Du entweder das Geschriebene anders als vielleicht gemeint auffasst oder selber ein Interesse hast, eine schlechte Beziehung gut finden zu müssen und Dir nicht vorstellen kannst, dass es Menschen gibt, die eine "leichte" Beziehung führen und trotzdem lange zusammen sind, Krisen haben und die meiste Zeit glücklich sind? (unterstelle ich Dir nicht, nur weiterführende Interpretation)

Je nachdem, wie sehr man leiden kann/will, denkt man, es sei eine Wahnsinnsleistung, eine schlechte Beziehung trotzdem aufrecht zu erhalten, und wenn sie 80 sind, sind sie endlich mit sich im Reinen und freuen sich, dass sie sich nicht vor 40 Jahren verlassen haben.
Ich kenne ältere Menschen, die auflebten nach dem Tod des Ehepartners und trotzdem von glücklicher Beziehung sprechen. Die reden sich ihre Vergangenheit einfach schön, weil nichts schlimmer ist als die Erkenntnis, viele Jahre vergeudet zu haben, weil man von falschen Ansichten ausging, statt auf sein Gefühl zu hören.

Die Frage ist, wer hier an seinen Ansichten zu zweifeln hätte.
 
  • #21
dass Liebe frei sein muss, dass man den anderen gehen lassen muss,... aber das ist doch genau das Gegenteil von dem, was man normalerweise empfindet?
Lieber FS,
Du gehst davon aus, dass Gefühl und Verhalten aufeinander abgestimmt sind. Das muss aber nicht so sein.
Ich hatte 2 Beziehungen unter deren Ende ich sehr darunter gelitten habe. Ich habe die Männer trotzdem nicht mehr kontaktiert, keine Dramagespräche oder sonstwas geführt, sondern sie gehen lassen, weil für mich zu Liebe auch der Respekt gehört, eine Trennung zu akzeptieren.
Mit meinen Gefühlen, meiner Traurigkeit und meinem Schmerz muss ich dann eben selber fertig werden und konnte ich auch schon mit 18 Jahren. Allerdings habe ich mir keine Launenhaftigkeiten des Mannes mehr bieten lassen. Ende ist dann auch Ende und ich lasse nicht in meinem Schmerz rumbohren und irgendwas mit "lass' uns Freunde beliben" veranstalten.

Geht es darum, sich gegen Gefühle abzuhärten, so dass einem irgendwann einfach gar nichts mehr weh tut?
Nach meiner Erfahrung geht es nicht um Abhärtung. Ich bezweifel auch, dass das geht. Ich bin z.B. in einen Schutzmodus gefallen und nur noch Beziehungen eingegangen, in denen es keine echte Liebe gab, d.h. ich nicht verletzlich war.
Aus der der Außenansicht war es eine Beziehung, von meinem Empfinden her Freundschaft plus. So eine Trennung macht mir dann herzlich wenig aus und ich kann gut "Freunde bleiben", war ja nie was anderes. Es fällt dann nur der Sex weg und man lebt nicht mehr in einem Haushalt.

wahre und glücklich machende Liebe ist frei von Zwängen, Schmerz, Druck und dergleichen
Das sehe ich anders, hat wahrscheinlich auch was mit differenzierter Wahrnehmung von Gefühlen zu tun. Schmerz kann ich sehr wohl in einer gut laufenden Liebesbeziehung ohne emotionale Abhängigkeit, ohne Zwang, Druck, Eifersucht etc empfinden.
Ich hatte das Problem in einer Fernbeziehung, die frei von Verletzungen, Demütigungen etc. war.
Der Schmerz wurde ausgelöst, durch: sich immer wieder trennen müssen und das wurde vom Zeitschema bestimmt, nicht von den persönlichen Bedürfnissen beider. Es ging ihm damit übrigens ähnlich wie mir, er konnte es nur besser handeln. Bei mir führte der starke und häufige Schmerz dazu, dass ich es nicht mehr aushalten wollte und mich trennte.
 
  • #22
Sehe ich auch so, wahre und glücklich machende Liebe ist frei von Zwängen, Schmerz, Druck und dergleichen, Kompromisse muss man überall im Leben eingehen, aber in der richtigen Beziehung macht man das gerne und empfindet dies nicht als Verzicht oder Verlust.
M31
Liebe ist nicht da, um dich von einem Mangel zu befreien und schon gar nicht, dich (24/7, sonst ist es ja keine richtige Liebe, nicht wahr?) glücklich zu machen. Die wunderschöne, immer willige, warmherzige, fleißige Frau, die den Mann umsorgt, ihm alles verzeiht und für alles, was er tut bewundert ist nichts weiter, als kindlich-männliche Projektion einer grenzenlos liebenden, grenzenlos verfügbaren Mutter, die gleichzeitig auch die Partnerinnen-Rolle einzunehmen hat. Versuche, dich von dieser Vorstellung zu befreien. Es ist niemals die Aufgabe eines Partners, einen selbst glücklich zu machen.
 
  • #23
Oder ist dieses Idealisieren eine Altersfrage? ;-
....ich gehöre zu den Oldies, die Liebe noch idealisiert, auch wenn ich weiß. dass es nur lebbar ist mit einem Menschen, der auf dem gleichen Level, ich nenne es Liebesmelodie, schwingt. Das schließt für mich aber nicht aus, dass es in Beziehungen Tiefpunkte gibt, Missverständnisse, Enttäuschungen und auch Leidensphasen. Wichtig ist für mich, dass man immer wieder in Liebe zusammenfindet und dazu gehören immer zwei.
Die Aussage einer sehr alten Inderin vor vielen Jahren **dass, was du dir an Liebe vorstellen kannst, gibt es, sonst könntest du es dir nicht vorstellen**, hat mich mein ganzes Leben begleitet und lässt mich die Liebe, wie ich sie in meinem Herzen trage, beständig idealisieren und diese niemals mehr zu hinterfragen. Es wäre Verrat gegen mich selbst.
 
  • #24
Mir ist noch ein Gedanke gekommen, abgesehen von dem Lernenwollen durch Leiden in einer Beziehung. Für jemanden zu sorgen, sei es Kind oder Partner, kann einem einen Lebenssinn geben. Warum das? Weil man sich für jemanden unentbehrlich machen will für Gegenleistung Liebe (hat einen traurigen Hintergrund von Eltern, die nur liebten, wenn das Kind Bedingungen erfüllte, genau falsch rum), weil es nicht reicht, wenn man für sich selber gut sorgt, oder weil man jemanden gefunden hat, den man wirklich liebt und deswegen für ihn "alles" tut, ohne Selbstverleugnung? ("alles" ist ein Gummibegriff. Einer würde jemanden sogar bei einem Verbrechen decken, andere nicht. Frauen opfern ihre Kinder ihren neuen Partnern bis hin zu schwerem Missbrauch)

Ich komme darauf, weil ich ältere Frauen kenne, die von ihrem Ex betrogen wurden und trotzdem bei dem noch kochen und saubermachen, während der schon ne neue Freundin hat, die, mit denen sie betrogen wurden. Wer so handelt, hat der Mitleid oder behauptet zu lieben oder kann es nicht ertragen, unentbehrlich zu sein? Hat diese Frau kein Selbstwertgefühl?
Und es gibt bestimmt auch Männer, die noch Computer warten von Exen, die sie abserviert haben.
 
L

Lisachen

  • #25
Ich denke, dass bei dem Satz die einseitige Liebe gemeint ist:" Wenn eine Seite leidet, liebt die andere Seite nicht". Nur eine gegenseitige Liebe tut nicht weh sondern bereichert uns und lässt uns wachsen.
 
N

nachdenkliche

  • #26
Ich denke, dass bei dem Satz die einseitige Liebe gemeint ist:" Wenn eine Seite leidet, liebt die andere Seite nicht". Nur eine gegenseitige Liebe tut nicht weh sondern bereichert uns und lässt uns wachsen.
Auch wieder wahr! Aber dann müsste man fragen, was ist selbstlose Liebe, zu lieben oder geliebt zu werden?
Geht es uns darum Lieben zu können ohne zurück geliebt zu werden. Ist dieser Schmerz, wenn einer aufgehört hat zu lieben, nicht einfach nur Egoismus? Schönes Thema....manchmal...
 
  • #27
Einen fröhlichen guten Morgen

@nachdenkliche....

Ich verstehe unter selbstloser Liebe, zu lieben und Liebe empfangen zu können. Eine selbstlose Liebe kann ohne diesen Austausch nicht funktionieren. Eine Rose kann nicht erblühen, wenn sie kein Wasser bekommt. Geben und Nehmen, anders kann es nicht funktionieren.
Trennungsschmerz ist eine gesunde, körperliche Reaktion und so gesehen eine egoistische Form, um Stress abbauen zu können und gesund zu bleiben. Ich lasse mich als selbstlos liebender Mensch ja auch nicht verprügeln, sondern suche egoistisch das Weite.
Liebe ist Zuwendung, Hinwendung, Reaktion und selbstlos, wenn man sie nicht einsetzt, um Vorteile für sich zu erzwingen.
Leiden kann es trotzdem geben, weil auch nicht jeder Liebe annehmen, oder aufgrund von unverarbeiteten Enttäuschungen, Liebe nicht mehr geben kann. Das wäre egoistisch, weil man dem anderen, der liebt, eine Enttäuschung aufzwingt.
 
N

nachdenkliche

  • #28
Liebe @Pia62 , das ist für mich eine ganz große Kunst diese Liebe. Mich fragte mal jemand, was ist dir wichtiger, zu lieben oder zurückgeliebt zu werden? Ich wusste keine Antwort. Ich verstehe Dich schon...Abschiedsschmerz, das ist ja ein Mangel, der plötzlich aufgetreten ist, ein Entzug. Aber einen geliebten Menschen gehen zu lassen, ohne Groll und Zorn, weil er mit mir nicht mehr glücklich ist mit mir, das bedeutet ein Kraftakt. Aus Schutz vor dem Gehenden sollte man diesen Schmerz ganz alleine für sich durchstehen...Ich will ja, dass es diesem Menschen gut geht.
 
L

Lisachen

  • #29
Liebe nachdenkliche,
Meines Erachtens ist deine Frage nur bei einer gegenseitigen Liebe relevant. Bei der einseitigen Liebe hat man eigentlich keine andere Wahl als die Person los zu lassen. Das ist der einzige Weg, um die Demütigung und den Schmerz zu entkommen. Man kann schließlich die Liebe nicht erzwingen und somit bleibt uns nur den Abschied und es tut verdammt weh aber es gibt einfach keine andere Möglichkeit. Nur eine gegenseitigen Liebe kann selbstlos sein, weil man genau weiß, nichts auf dieser Erde nicht einmal der Tod kann diese Liebe zerstören und die liebenden auseinander bringen und jeder soll sich glücklich schätzen jemals so ein Gefühl gehabt zu haben, auch wenn es nur für einen einzigen Moment.
 
  • #30
Ich denke, der Spruch soll eher aufzeigen, dass, wenn es weh tut einer von beiden nicht liebt, weil Liebende sich nicht verletzen.
Wenn es also weh tut, weil der Mann, den Du liebst, dich verletzt hat, dann liebt ER DICH NICHT. Selbst wenn er es behauptet.
Du liebst schon und ja, es tut weh, WEIL Du ihn liebst. Aber es ist keine gegenseitige Liebe.
So zumindest würde ich das Mantra verstehen.
Männer, die mich wirklich geliebt haben, haben mich nicht verletzt.