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  • #1

Ich kann seinen Vater nicht leiden - was nun?

Guten Abend zusammen,

seit einem 3/4-Jahr bin ich nun mit meinem Freund zusammen (er 31, ich 28), wir haben uns über EP kennengelernt. Wir verstehen uns sehr gut, er ist sehr einfühlsam und in seiner Gegenwart fühle ich mich wie eine Göttin.

Nun habe ich seine Eltern inzwischen viermal gesehen und ab und zu erzählt er von ihnen. Ihm ist selbst aufgefallen, dass er noch nie etwas Positives über seinen Vater gesagt hat. Der dadurch entstandene Eindruck hat sich bei den Treffen mit den Eltern bestätigt.

Um es auf den Punkt zu bringen:
In meinen Augen hat sein Vater ein Alkoholproblem. Jedes Mal trinkt er Wein, Bier und/oder Wodka in großen Mengen. An sich nicht verwerflich, aber er hat sich dann nicht unter Kontrolle. Erst ist er nur redselig, erzählt alles Mögliche, aber führt keine Konversation. Das heißt, er stellt keine Fragen und lässt einen nicht zu Wort kommen. Dann kam es aber vor, dass er immer lauter spricht und nicht merkt, dass er schreit. Er tobte durchs Zimmer und schimpfte über "Gott und die Welt" und gab alles und jedem Schuld an seiner Misere. Obwohl er nicht handgreiflich wurde, hab ich plötzlich Angst verspürt, als er wild fuchtelnd vor mir stand und rumschrie.

Ich hingegen komme aus einer ruhigen Familie, in der es quasi verboten war zu schreien. Ein Grundsatz meines Vaters lautete: "Wir können über alles reden, aber ich lasse mich nicht anschreien." So bin ich halt aufgewachsen und kenne es nicht anders, umso schockierter war ich vom Verhalten des Vaters meines Freundes.

Im Moment würde ich sagen, ist dies noch kein Problem. Aber da er mir bisher nur unangenehm auffiel, denke ich, ich würde ihn z.B. nicht bei meiner Hochzeitsfeier dabei haben wollen, wenn er sich so wenig unter Kontrolle hat. Genauso würde ich, sollten wir mal Kinder kriegen, meine Kinder nicht allein bei ihm lassen. Und spätestens da wird es zum Problem.

Mein Freund meint, sein Vater hätte kein Alkoholproblem, das sei normal (sie kommen aus Osteuropa). Ihm gefällt es auch nicht, wenn sein Vater so laut wird. Aber er ist zu schüchtern, das Thema bei seinem Vater anzusprechen.

Noch übermannt mich das Problem, das ich mit dem Vater habe, nicht, da ich ihn selten sehe. Aber da es mir mit meinem Freund ernst ist, möchte ich, dass auch mit der Familie alles läuft. Vor allem, um meinen Freund nicht in eine Zwickmühle zu bringen.

Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen mit Schwiegereltern gemacht und kann mir Tipps geben, wie ich mich auf den Vater am besten einlassen kann? Was kann ich tun?

Vielen Dank!
 
  • #2
Da kannst du gar nichts machen und auch gar nichts verändern! entweder du akzeptierst das, so wie es ist, oder aber du ziehst dich zurück oder aber du suchst dir einen anderen Freund. Andere Möglichkeiten kann ich dir mit meinen reichhaltigen Erfahrungen nicht nennen. Sprechen und Diskussionen bringen in diesem Fall überhaupt nichts, auch wenn hier ein paar Unerfahrene dir nur gut zureden wollen! m
 
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  • #3
liebe fs,

du kannst dich auf diesen vater gar nicht einlassen. es ist nicht deine aufgabe, ein ungehöriges verhalten eines schwiegervaters zu kompensieren. das wäre der anfang vom ende.

wie du es schreibst, hat er sicher ein heftiges alkoholproblem, ganz klassisch. wenn dein freund das nicht so sieht und ihn in schutz nimmt, ist das bedenklich. er scheint die vogel-strauß-methode hier zu praktizieren.

mache dir selbst klar, was du willst. eine durch ausfälliges schwiegervaterverhalten versaute hochzeit, hätte ich auch nicht gewollt. die kinder dem aussetzen auch nicht.

du kannst an ihm gar nichts ändern. dein freund vermutlich auch nicht. das einzige, was ihr machen könnt, ist klarheit schaffen. dem schwiegervater muss gesagt werden, dass du ihn 4x gesehen hast und er jedesmal sich völlig daneben benommen hat. du willst das nicht und wenn das nochmal vorkommt, kommst du nicht mehr und willst ihn auch sonst nicht sehen. die chancen sind wahrlich gering, aber was du lernen wirst, ist, wie dein freund, den du als zukünftigen mann siehst dazu steht. diskutiere nicht, ob der vater alkoholprobleme hat oder nicht. ggf. besorge literatur, die kann dein freund dann selbst durchlesen und selbst entscheiden. sage deinem freund nur ganz klar, was du gar nicht willst: die gegenwart eines schreienden, besoffenen mannes zu ertragen, auch nicht wenn es sein vater ist. frag deinen freund, ob er es dem vater sagt oder ob du das selbst tust. ggf. kannst du auch einen brief schreiben. selber direkt klar und freundlich sagen ist zwar das schwierigste, aber vielleicht das wirksamste. vermutlich wirst du beschimpft werden, stell dich drauf ein, dann zu gehen und sage deinem freund klipp und klar, wo die grenze ist. dann siehst du, wie er zu der sache steht. es hat keinen sinn, das hinaus zu zögern. dein freund braucht etwas zeit, dazu eine haltung zu finden, gib sie ihm, aber lass dich nicht auf faule kompromisse ein.

mit meinem schwiegervater hatte ich auch so eine situation. er hat mich provoziert, wurde laut und im ton und inhalt beleidigend (so ging er auch mit seiner frau um). ich war geschockt, weil ich das gar nicht kannte, habe zu heulen angefangen, weil ich wirklich getroffen war und dann habe ich die schultern durchgedrückt und laut, deutlich klipp und klar gesagt, dass ich nicht mehr komme, wenn das noch einmal passiert. das ganze ohne rücksprache mit meinem verlobten. ich erlaube niemanden mich anzuschreien und zu beleidigen, auch keinem schwiegervater in spe. ich kann dir nur raten, das sofort zu klären.

dein freund wird sich auf deine seite stellen. schau dir an, wie die mutter in der familie behandelt wird, so ähnlich wird es dir auch gehen. das sich-wie-eine-göttin-fühlen kann sehr schnell vorbei sein, sobald du vor dem altar ja gesagt hast....

ich wünsche dir alles liebe und eine glückliche beziehung.

w55
 
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  • #4
Ich konnte meinen Ex-Schwiegervater auch nicht leiden. Ich war höflich zu ihm und habe geschaut, dass ich so wenig wie möglich mit ihm zu tun hatte.
Du kannst Dich nicht zwingen ihn zu mögen.
Trotzdem noch einen Rat, das Elternhaus färbt auch auf Deinen Freund ab. Ich hoffe, das kommt nicht irgendwann doch durch.
 
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  • #5
Überlege dir einfach, ob du einen Partner haben möchtest, der osteuropäische Wurzeln hat. Ob du mit dieser Mentalität leben willst und kannst. Immerhin ist dein Partner eben in diesem Elternhaus mit dieser Art der Demonstration von Mannesmacht aufgewachsen.
 
  • #6
Manchmal mögen wir den Schwiegervater auch deshalb nicht, weil wir bei ihm Verhaltensweisen und Anlagen sehen, die wir bei unserem Liebsten auf gar, gar keinen Fall ertragen könnten!

Sogar dann, wenn der zukünftige Partner der FS selbst der größte Kritiker seines Vaters wäre (ist er aber nicht!) , bedeuten die gemachten Beobachtungen eventuell (!) doch auch einen kleinen Blick in die Zukunft.

Natürlich wollen wir es meistens überhaupt nicht, dass wir in den weniger schönen Dingen so werden, wie unsere Eltern - schrecklich wäre das! Papa mit einem Alkoholproblem und mangelnder Selbstbeherrschung, und schrecklich, diese kugelrundem Bierbauch! Mama, die schon mit 40 Falten wie eine 60- Jährige hat und immer die beleidigte Leberwurst spielt - niemals würden wir es so weit kommen lassen...

Machen wir uns nichts vor:
Mit ziemlicher Sicherheit werden wir alle tatsächlich vieles ertragen müssen, wobei uns durch die eigenen Eltern ein Blick in die Zukunft gewährt wurde. Erziehung, Vorbilder und genetische Gegebenheiten lassen sich nicht einfach abstreifen, wie ein altes Hemd.
Außerdem wollen wir ja gar nicht alles ablegen, was wir an Familiengegebenheiten mitbekommen haben: Den Ehrgeiz der Mutter, zum Beispiel, die Freundlichkeit des Vaters, dessen robuste Gesundheit , die Gastfreundschaft, und prima außerdem, wenn Mama auch noch mit 50 sportlich und fit ist, da können wir uns freuen, mit weniger Aufwand das selbe zu "erben".

So nebenbei: Ich werde auch immer mehr wie meine Mutter...
 
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  • #7
Euer unterschiedliches Elternhaus werdet ihr nicht mehr ändern können. Aber bitte achte genau darauf, ob dein Freund seinem Vater nicht doch in wesentlichen Punkten sehr ähnelt. Ich werde hellhörig bei Begriffen wie "Göttin". Pass auf, dass dieses Verhalten nicht nur zum Eroberungsritual gehört und du dann ganz schnell in die traditionelle Schiene geschoben werden würdest. Wie spricht er von seiner Mutter, wie offen ist sie im Umgang mit dir?

Ich habe zwei ähnlich gelagerte Familien mit ähnlichem Hintergrund bei mir im Haus wohnen. Nach vielen Jahren des Zusammen-Wohnens haben sich fast alle Klischees als wahr erwiesen.
 
  • #8
Schon meine Eltern sagten mir in meiner Jugend folgender alter weiser Spruch:
Wenn du an einer Frau interessiert bist, guck dir zuerst ihre Mutter an. Wahrscheinlich wird sie später auch einmal so sein und auch so ähnlich aussehen. Aufgrund dieser Weisheit konnte ich verschiedene Kontakte nicht mehr aufrecht erhalten! Genauso kann man diese Erkenntnis bei der Frau ebenso anwenden. Ein Apfel fällt nicht weit vom Stamm. So wie die Alten so zwitschern die Jungen usw. usf. Ich wäre sehr skeptisch und sehr wach an deiner Stelle! M
 
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  • #9
Die Tatsache, dass du ein Problem mit dem unmöglichen Verhalten seines Vaters hast (das hätte wohl jeder) sehe ich zunächst mal nicht als Problem für eure Beziehung.
Eher wie dein Freund damit umgeht:

Mein Freund meint, sein Vater hätte kein Alkoholproblem, das sei normal (sie kommen aus Osteuropa). Ihm gefällt es auch nicht, wenn sein Vater so laut wird. Aber er ist zu schüchtern, das Thema bei seinem Vater anzusprechen.

Ich habe eine ähnliche Erfahrung hinter mir.
Ein Sohn, der sich nicht traut seinem Vater klar zu sagen:
"Wenn du nicht einsiehst, dass du nicht das Recht hast uns und unser Leben mit unsozialem und respektlosen Verhalten zu belasten, dann mußt du auch mit den entsprechenden Konsequenzen leben."

Für diesen Vater war keine Frau gut genug für seine Söhne.
Frauen waren überhaupt alle schlecht, auch die eigene.
Beleidigungen Frauen gegenüber, also seiner Frau und den Freundinnen seiner Söhne, kamen immer wieder vor.

Nun hatte ich ja keine Beziehung zu seinem Vater, sondern mit dem Sohn. Entsprechend konnte ich mich vom Vater bzw. diesen aus meinem Leben fern halten. Dachte ich.

Mein damaliger Freund traute sich jedoch (genauso wie seine Mutter) nicht, sich gegen den Vater aufzulehnen, tat ich es war es ihm unangenehm.
Also hielt ich mich fern von ihm, mein Freund mochte ihm jedoch nicht verweigern uns im gemeinsamen Haus (welches der Mutter seines Vaters gehörte) zu besuchen. Was zwischen uns natürlich zu Streit führte.
Ich bin der Meinung ich muß mich nicht in meinem Zuhause verbalen Angriffen und Beleidigungen aussetzen. Also habe ich mich grundsätzlich zurück gezogen, wenn sein Vater kam.

Dummerweise wohnten wir nicht weit voneinander entfernt, also traf man sich gelegentlich auf der Strasse. Ich wollte unbedingt weg ziehen, mein Freund wollte sein Heimatdorf jedoch nicht verlassen, wir wohnten für eine lächerliche Miete in einem tollen Haus welches eben seiner Oma gehörte. Das wollte er auf keinen Fall gegen eine kleine Mietwohnung tauschen (zu mehr hätte es für uns auf dem freien Markt nicht gereicht, waren beide noch in der Ausbildung).

Ich habe ihn mal sehr geliebt, aber diese ständigen Reibereien wegen seinem Vater, dass er sich nie traute ihn endlich mal in seine Schranken und nötigenfalls auch aus dem Haus zu weisen, das hat meine Gefühle für ihn mit der Zeit immer mehr erkalten lassen.
Nach 2 Jahren bin ich dann gegangen.

Die beiden Brüder meines Ex-Freundes waren da übrigens anders, beide hatten so gut wie nur noch Kontakt zur Mutter, haben sich vom Vater und seinem Verhalten ihren Partnerinnen gegenüber klar distanziert und sind weit weg gezogen.

w(42)
 
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