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Gast

  • #1

Ich fühl mich nicht...

Hört sich komisch an, doch seit ich mit meinem Freund glücklich zusammen bin (1 Jahr) habe ich immer öfter das Gefühl, dass ich Beobachterin meines Lebens werde. Wir heiraten bald und ich habe den Wunsch, schnell zu heiraten mit vorangetrieben. Doch mit den (stressigen) Vorbereitungen für die Hochzeit wird dieses Gefühl, dass meine Seele nicht meinem Körper innewohnt, verstärkt. Auch vor den Hochzeitsplanungen war das präsent. Versteht das hier irgendwer?
Wie kann ich dem entgegenwirken oder ich mich selbst wieder richtig wahrnehmen?
Für Tipps und Ratschläge wäre ich wirklich sehr dankbar.

w 35
 
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Gast

  • #2
Liebe FS, Du sagst es schon selbst, dass Deine Seele abhanden gekommen ist. Du bist 35 und seit einem Jahr glücklich. Höre ich da ein bisschen Torschlusspanik, biologische Uhr? Du hast Hochzeit selbst vorangetrieben? Meine Frage ist, was war denn der Auslöser, dass Du die Hochzeit so schnell wolltest? Hochzeit mit allem Drum und Dran kann organisatorisch sehr stressig sein, aber wenn man sich die Hochzeit sehr sehr wünscht und man sich sicher ist, dass man diesen Partner unbedingt will, dann dürfte selbst der größte Stress eher ein positiver sein!
Du solltest wirklich ganz arg in Dir forschen, was Deine Beweggründe sind, dass Du die Hochzeit unbedingt so schnell wolltest und willst Du diesen Mann wirklich? Zum Heiraten? Für immer? Familie gründen? Ist er es? Könntest Du Dir auch vorstellen mit ihm zusammenzubleiben ohne Heirat? w/48
 
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Griet

  • #3
Eat - pray - love.
Wann ist die Hochzeit? Und wieso muss es so ein pompöses Fest sein? Mein Rat: rede mit deinem Verlobten und wünsche dir eine (zumindest kurze) Auszeit - ganz für dich alleine - und fühle in dich, ob das was du da gerade planst wirklich das ist was du willst.
Du kannst dich jetzt natürlich den ganzen Vorbereitungen verpflichtet fühlen, und in wenigen Wochen heiraten..
Es gibt dann 2 Möglichkeiten:
nämlich, dass du dir dann entweder sagen wirst, dass es die Mühe wert war, die Bedenken unbegründet, du keinen Grund zum Zweifeln hattest, sondern einfach nur kalte Füsse.. "Und so lebten sie glücklich und zufrieden......"
Aber was wenn nicht? Eine Ehe ist eine Entscheidung für ein Leben.
Mir würde an deiner Stelle eine kurze Auszeit wohl nicht genügen, ich wollte ganz sicher sein, das richtige zu tun, und um sich selbst wieder zu fühlen, dazu braucht es manchmal viel Zeit.
Eat - pray - love.
Viel Glück!
 
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Gast

  • #4
Kann es die relativ schnell sich ändernde Situation sein? Ich kenne das Gefühl, dass man sich selbst in einer Beziehung anders wahrnimmt als allein. Je nachdem, wie dominant der Partner ist, kann das sogar so weit gehen, dass man sich selbst kaum noch wahrnimmt. Vielleicht musst Du Dich langsamer an das Zusammensein gewöhnen, oder ist etwa die Freiheit für Dich etwas, womit Du Dich sehr stark identifizierst?
Unabhängig davon benötigt jeder Mensch unbedingt seine Freiräume und Ruhepole - auch ganz für sich allein. Dies solltet Ihr Euch beide so oft wie möglich zugestehen, wenn der Wunsch hierzu da ist. Sensible Menschen können Druck fühlen, auch wenn er tatsächlich nicht ausgeübt wird: allein die Gegenwart des Anderen kann das Gefühl hervorrufen, dass man sich ständig erklären muss, dass man viell. sogar kontrolliert wird und dass einfach nicht mehr alles so entspannt ist. Aber ich denke, in einer guten Beziehung sollte das mit der Zeit zu bewerkstelligen sein, dass sich beide 100%ig wohlfühlen. Wenn dem nicht so ist, stimmt wohl etwas nicht....
 
  • #5
Ja ich verstehe dich sehr gut.

Es ist so ein Gefühl als ob man ein falsches Leben lebt, als ob das was man ist oder wer man ist nicht ausreicht um das zubekommen was man gerne haben will, dann verändert man sich halt so, dass man das bekommt was man will aber dadurch dass man es nicht als das eigene ICH bekommen hat, sondern als das verbesserte ICH fühlt sich das so fremd an und man will dieses Leben dann doch nicht so wirklich aber man kann auch nicht mehr zurück.

Das Leben hat halt nicht unzählige Möglichkeiten und man kann nicht immer wieder auf 0 zurück, wenn das Ergebnis doch nicht so toll ist. Du hast jetzt nicht viele Möglichkeiten und ob ein Ende der Beziehung dich wieder zu dir führt ist fraglich.

Du bist wahrscheinlich einer von den Menschen, die lieber unglücklich sind und lieber nach dem Perfektem suchen. Du schreibst ja selber vor der glücklichen Beziehung hast du dich gespürt und dann nicht mehr. Du kannst nicht beides haben.
 
  • #6
Sehnsucht nach der Hochzeit - unbewußt Angst oder Unsicherheit vor der Ehe ?

Wenn Jemand "neben sich selber" steht, dann m.E. aus Angst und Vorsicht.
Salopp gesagt:"Wenns mich trifft, dann nur den neben mir - nicht meine Seele"

@FS: Prüfe dich selber. Wenn es zutrifft, wovor genau die Angst ?

"Wer die Quelle des Übels findet, kann die Ursache erkennen und bekämpfen."
(stammt von mir)
 
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Gast

  • #7
Das ist Angst vor der Endgültigkeit und dass man dann nur schwer wieder weg kann. Das hat mit dem betreffenden Mann wenig zu tun. Ich weiß wovon ich rede, ich habe schon zweimal einen Mann nach mehrjähriger Beziehung kurz vor der Hochzeit (Gäste waren schon eingeladen, Hochzeitsreise gebucht) sitzenlassen.
 
G

Gast

  • #8
"Wer die Quelle des Übels findet, kann die Ursache erkennen und bekämpfen."
(stammt von mir)
Meine Interpretation dazu ist das mit sich selber `kämpfen` schon der Grund war nach `außen` gehen zu müssen. Dankbar sein wenn eine Ursache erkannt werden konnte, sich trotz allem liebevoll annehmen, und erst mal schauen was sich dadurch ganz von alleine neu einreihen kann. Den Rest selbstkritisch unter die Lupe nehmen, doch stets liebevoll sich selber gegenüber.

Kämpfen kann ich um auszuhalten, oder um mein Leben zu verteidigen. Friede kann sich dort ausbreiten, wo Liebe (auch sich selbst gegenüber) `wohnen` darf. Egal was die Gründe dafür sind.

rein-spüren, annehmen, sich trösten (in der Situation bleiben), Zusammenhänge erkennen, in sich arbeiten und dankbar sein für diese Gelegenheit sich selber besser kennen zu lernen. Leider weiß ich was es bedeutet jahrelang seiner Seele zur Flucht zu verhelfen, damit nicht auch noch der letzte Rest, der noch übrig ist, getötet wird. Es hat tiefe Gründe, liebe FS, warum du so handeln musst. Ich wünsche dir, dass du einen Weg daraus finden kannst. Wenn du in dem Zustand jahrelang weiterlebst, spürst du nicht mal mehr, dass du eigentlich wie tot - lebst. Noch merkst du das etwas nicht stimmt. Nutze unbedingt diese Gelegenheit.
 
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Gast

  • #9
Hier die FS:

Ich denke, es liegt einfach daran, dass alles sehr schnell geht und unter dem Stress alles zu viel wird. Als wir unsere Beziehung locker und gelöst lebten, bestand dieses Problem nicht.
Meine Seele kommt dem Ganzen nicht so schnell nach... Doch eines ist sicher, ich liebe diesen Mann über alles und er tut mir sehr gut. Ich will ihn heiraten und mein Leben mit ihm verbringen. Ich lerne daraus, dass ich mir mehr Zeit für mich nehmen muss, um mir über mein Glück klarzuwerden, nach dem ich mich mein Leben lang gesehnt habe. Und in der Beziehung gesund egoistisch bleiben. Auch an mich selbst denken, bei sich bleiben und sich nicht endgültig etwas/ wem hingeben, im Sinne von Selbstaufgabe.

Ihr habt mir wichtige Denkanstöße gegeben. Vielen Dank.
Euch auch alles Gute!
 
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Gast

  • #10
habe ich immer öfter das Gefühl, dass ich Beobachterin meines Lebens werde.
Ja, das kenne ich. Es hat wohl damit zu tun, daß ein Lebensabschnitt zu Ende geht, in welchem die Seele sich eingerichtet und mit dem sie sich identifiziert hatte. Das fällt nun plötzlich weg, ohne daß das neue Leben und die Seele sich in gleicher Weise miteinander verbandelt hätten. Aber das kommt schon noch. Wo sich eine Tür schließt, tut sich immer eine andere auf.