• #1

Gibt es Liebe ohne Verliebtheit?

Nach meinem relativ kurzen und halbherzigen Ausflug in das Thema aktive Partnersuche, habe ich eine Frage, die mich beschäftigt.
Gibt es diesen einen Menschen, bei dem es einfach "Zoom" macht? Wo alles passt und das "Zoom" so stark ist, dass man die unpassenden Dinge überwindet? Wo der Kopf kein Mitspracherecht mehr hat?!
In der Vergangenheit, habe ich mich niemals so verliebt.
Bei mir waren das Prozesse. Ich habe einen Menschen kennengelernt, zunächst war da Sympathie, die dann wuchs und daraus entwickelte sich dann Liebe.
Das hat sich auch nie falsch angefühlt. Ich war froh, nicht diese verzerrende rosarote Brille aufzuhaben. Ich habe immer das Gefühl gehabt, den Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen, auch ein bewusstes Ja zu haben, zu den nicht so attraktiven Seiten.
Letztes Jahr habe ich einen Mann gedatet, mit dem es schräg lief. Waren wir zusammen, war es sehr harmonisch und sehr nah. Gefühlt, als würden wir uns schon Jahre kennen. Waren wir getrennt, interpretierte er jedes meiner Worte völlig verzerrt. Er torpedierte (in meiner Wahrnehmung) nachträglich dieses besondere Gefühl von Nähe. Auf meine Frage nach dem Warum, bekam ich eine Antwort, die bis heute nachwirkt. Er erklärte mir, er wäre überrascht wie nahe wir uns in so kurzer Zeit wären. Das würde bei ihm normalerweise sehr lange dauern. Damit käme er nicht gut klar. Er fühle sich um das Verliebtheitsgefühl, die Schmetterlinge betrogen. Er hätte das Gefühl, schon seit Jahren mit mir "verheiratet" zu sein. Ihm würde das "Zoom"-Gefühl fehlen. Er wolle sich aber nach dem Scheitern seiner Ehe unbedingt mal wieder richtig verliebt fühlen.
Seitdem frage ich mich: "Habe ich nie geliebt, weil ich dieses "Zoom" nicht kenne?"
Liebe wie in Hollywood gibt es sie wirklich? Daran habe ich bisher nicht geglaubt. Ich merke aber, dass ich nach dieser Erfahrung hinterfrage, was ich vorher unvoreingenommen einfach hingenommen habe.
Wie denkt ihr darüber?
 
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  • #2
Ein "Zoom"-Gefühl hatte ich auch nie. Aber ganz so abgeklärt wie bei dir war es bei mir dann doch nicht.

Bei mir waren das Prozesse. Ich habe einen Menschen kennengelernt, zunächst war da Sympathie, die dann wuchs und daraus entwickelte sich dann Liebe.
So ähnlich würde ich es bei mir auch beschreiben. Aber trotzdem ist der Anfang, nach der Sympathie, Verliebtheit. Mit Herzklopfen und Schmetterlingen. Die klingen dann nach einer Weile ab und der Blick auf die eventuell weniger attraktiven Seiten wird realistischer. Außer aus der Liebesgeschichte wird nichts, dann kann das auch länger anhalten, weil die Projektion nicht durch noch näheres, besseres Kennenlernen abflaut.

Menschen sind unterschiedlich - ist halt so. Davon würde ich mich an deiner Stelle nicht beeinflussen lassen. Wenn das für dich bisher immer so funktioniert hat, dann ist das eben deine Art, jemanden lieben zu lernen.
 
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  • #3
Für mich sind Liebe und Verliebtheit zwei verschiedene Dinge, die unabhängig voneinander existieren können.

Verliebtheit ist eher eine biochemischen hormonelle Reaktion und hat viel mit Projektion zu tun. Mit dem Bild, das man sich von der anderen Person macht, bevor man sie wirklich kennt. Dieser Hormonrausch kann sehr extrem sein und Suchtcharakter haben. Man ist besessen von der anderen Person. Es gibt Menschen, die in diesem Rausch für ihre Droge alles opfern, ihre Gesundheit, ihre Familie, ihren Beruf. Das ist jetzt der Extremfall der Verliebtheit, Limerenz genannt.

Liebe empfindet man ohne rosa Brille für einen Menschen, so wie er ist. Ein tiefes, wahrhaftiges, stabiles aber ruhigeres Gefühl.

Im Idealfall geht Verliebtheit in Liebe über. Bei manchen knallt es auch nach Jahren noch (hast du das nicht berichtet @Vikky ?), beneidenswert.

Manchmal verkümmert jede Zuneigung wenn der Verliebtheitsrausch geht, weil man dann die Person kennen- aber nicht lieben gelernt hat.

Manchmal lernt man eine Person lieben und "überspringt" dabei die Verliebtheitsphase, das Zoom- Gefühl.

Jeder entscheidet selbst, was für ihn wichtiger ist. Eine stabile Liebe (auch wenn diese sich langweilig anfühlen kann) oder die Suche nach dem Kick, wozu aber leider oft immer wieder neue Partner nötig sind.
 
  • #4
Gibt es diesen einen Menschen, bei dem es einfach "Zoom" macht?
Ja, so eine Beeziehung habe ich.

Wo alles passt und das "Zoom" so stark ist, dass man die unpassenden Dinge überwindet?
Was denn nun? Alles passt oder unpassende Dinge müssen überwunden werden?
Bei mir war ganz viel unpassend und wurde trotzdem überwunden - alles eine Frage von Wollen.

Nee, bei aller Verliebtheit konnte ich immer noch denken. Wie sonst soll man Unpassendes überwinden? Wollen ohne Denken führt selten zu was Gutem.

In der Vergangenheit, habe ich mich niemals so verliebt.
Bei mir waren das Prozesse. Ich habe einen Menschen kennengelernt, zunächst war da Sympathie, die dann wuchs und daraus entwickelte sich dann Liebe.
Ich habe mich per "Zoooom" verliebt, die Kennenlernphase lief dann aber trotzdem so, wie Du sie beschreibst.

Im Idealfall geht Verliebtheit in Liebe über. Bei manchen knallt es auch nach Jahren noch (hast du das nicht berichtet @Vikky ?), beneidenswert.
Ja, 15 Jahre nach der ersten Begegnung keinerlei Abnutzungserscheinungen. Zum "Zooom" ist eine tiefe innere Verbindung hinzugetreten.
 
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  • #5
Natürlich gibt es Liebe ohne Verliebtheit. Es gibt auch Verliebtheit ohne Liebe und dann gibt es noch diese Situation, wo Liebe und Verliebtheit ein und das Selbe ist. Es ist eher eine Typ-Frage. Ich bin auch in der Zoom Fraktion 🤩 aber gleichzeitig bin ich nicht für Gefühlsanalyse. Wer weiß wirklich warum wir jemanden lieben und mehrere Jahre später eine und die gleiche Person nicht mehr ausstehen können bzw. nicht mehr lieben. Wenn wir es wüssten, dann könnten wir unser Leben anders gestalten. Vielleicht gelingt es uns eines Tages die hormonellen und genetischen Faktoren und die Zusammenhänge zwischen diesen besser zu verstehen. Bis dahin bleibt uns nichts anderes übrig als unsere Intuition und Konditionierungen zu folgen und darauf hoffen, dass alles gut wird.
 
  • #6
Das ist eine Charakterfrage: Man kann lernen, Dinge zu akzeptieren, was ein fremder Mensch mitbringt und nicht so wie andere heutzutage, die Freundschaft kündigen, weil der andere eine andere Politik wählt oder andere Meinung hat oder ein anderes Ess-Verhalten hat.

In so einer Liebe hat der Kopf erst Recht Mitspracherecht. Ein gescheiter Mensch beendet keine Beziehung oder Freundschaft, nur weil ihm was nicht passt, das machen nur psychisch labile Menschen, die irrationale Angst vor Verletzungen haben oder sich gestört fühlen, wenn es mal nicht nach ihrer Tyrannei läuft.

Übrigens, der Mann, über den du da sprichst, klingt krank.
Er:
- verzerrt deine Worte (hat also keine Empathie oder sucht Schuld bei dir)
- fühlt sich gestört, wenn die Schmetterlinge fehlen
- kommt nicht damit klar, dass man sich so nah ist.

Und das erzählt er dir auch noch? Ist das dein Ernst?

Das ist nicht dein Traummann, das ist eine Katastrophe. Liebe ist was ganz anderes.
 
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  • #7
Bei mir waren das Prozesse. Ich habe einen Menschen kennengelernt, zunächst war da Sympathie, die dann wuchs und daraus entwickelte sich dann Liebe.
Das hat sich auch nie falsch angefühlt. Ich war froh, nicht diese verzerrende rosarote Brille aufzuhaben.

Ich denke, dass das der "beste" Weg ist, allerdings kann man sich so etwas nun einmal nicht aussuchen und es muss einem einfach passieren. Hatte ich einmal. Wir haben uns über ca. 12 Monate kennengelernt und so nach und nach angenähert. Hatten eine stabile Basis und uns später vernünftig getrennt. Aber das große "Zooooooom" gab es hier für mich nicht.

Natürlich gibt es Liebe ohne Verliebtheit. Es gibt auch Verliebtheit ohne Liebe und dann gibt es noch diese Situation, wo Liebe und Verliebtheit ein und das Selbe ist. Es ist eher eine Typ-Frage.

Denke auch, dass es alles gibt, aber neben der Typ-Frage ist es auch ein Frage des Zufalles, wer Dir gerade über den Weg läuft. C. entsprach gar nicht meinem Beuteschema, aber ich war vom Erstkontakt an interessiert. Verliebt war ich natürlich, aber dieses rosarote vernebelte Zeug, dass einen blind für alles macht, gab es nicht. Das war schon real.

Verliebtheit ist eher eine biochemischen hormonelle Reaktion und hat viel mit Projektion zu tun. Mit dem Bild, das man sich von der anderen Person macht, bevor man sie wirklich kennt. Dieser Hormonrausch kann sehr extrem sein und Suchtcharakter haben. Man ist besessen von der anderen Person.

Das ist manchmal dieses toxische Zoom.
Reine Projektion, Beuteschema, Erwartungshaltung. Man verliert einfach die Kontrolle, lernt die "schlechten" Seiten des anderen gar nicht wahrzunehmen.
Meine 23: MustHave + Retter + Ghosting/fehlende Absolution. Passiert mir hoffentlich nicht noch einmal.

Habe mich gerade gestern mit einer Freundin darüber unterhalten. Sie mag es auch nicht, wenn sie emotional die Kontrolle verliert, wenn sie zu stark verliebt ist. Sie meinte sie könne es steuern, hat es mir erklärt.
Potzblitz, ich habe es nicht verstanden, wie sie es macht.
 
  • #8
C. entsprach gar nicht meinem Beuteschema, aber ich war vom Erstkontakt an interessiert.
Naja, das ist vielleicht auch nur eine Frage der Interpretation. Es gibt eben Menschen, die nie zugeben wollen, dass sie einfach vom ersten Moment verliebt waren. Du nennst es eben einen Prozess ohne rosa rote Brille und ich sage dir, du warst geflascht und verliebt😊. Im übrigen, ich verfolge deine Geschichte ein wenig und erinnere mich an deine sehr gefühlvollen Posts über diese Frau (C.). Manchmal möchte ich dich in den Arm nehmen und dich trösten. Bitte achte auf dich und lass nicht zu, dass diese Geschichte zu viel Macht bei dir hat.
 
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  • #9
Gibt es diesen einen Menschen, bei dem es einfach "Zoom" macht?
Ja. Dann, wenn man sie gleich als erstes trifft. Oder sich darauf einlassen kann und das Risiko der damit möglicherweise verbundenen Enttäuschung bereit ist zu tragen.
Nein. Weil man sie in der Regel nicht als erstes trifft und die eine oder andere Enttäuschung erlebt und es dann oft vorsichtigerweise „langsam angehen“ lässt.
Ich habe einen Menschen kennengelernt, zunächst war da Sympathie, die dann wuchs und daraus entwickelte sich dann Liebe.
Kenne ich auch nur so. Funktioniert also grundsätzlich.
Er erklärte mir, er wäre überrascht wie nahe wir uns in so kurzer Zeit wären. Das würde bei ihm normalerweise sehr lange dauern. Damit käme er nicht gut klar. Er fühle sich um das Verliebtheitsgefühl, die Schmetterlinge betrogen.
Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Eigentlich aus Angst vor dem Leben.
Wenn daran eine Beziehung scheitert, ist das traurig, aber absurd. Wenn die Kommunikation verzerrt ist, stimmt aber sowieso etwas nicht.
Wenn jemand mit Glück und Erfolg im Leben nicht umgehen kann, ist das auch irgendwie eine Störung.
 
  • #10
Um es kompliziert zu machen: Es gibt ja auch verschiedene Auffassungen, was "zoom" ist.

Bei Deinem Kandidaten denke ich, dass er selbst viel dazu beitrug, genau so eine Frau auszuwählen, also Dich, die ihm Sicherheit gab und mit der es sich solide und gut anfühlte. Aber er wollte Schmetterlinge. Er wollte sich verlieben. Vielleicht ging das in seiner Verfassung aber gar nicht, weil er noch im "Ehemodus" war?

Gibt es diesen einen Menschen, bei dem es einfach "Zoom" macht? Wo alles passt
Hm, nee, Zoom ist jetzt nicht ein Garant dafür, dass alles passt. Ich halte "Zoom" für unterschiedlich empfundene Zustände. Die Leute, die per Projektion durch Verliebtheit Erkenntnisse über sich gewinnen, werden sich öfter zoomig verlieben können, aber auch unglücklicher. Denn ihr "Zoom" ist ja nicht als Partnerschaftseinstieg "gedacht", sondern nur ein Aufwachimpuls, die eigenen Probleme der Reifwerdung anzugehen.
Genauso wie sich Leute in langjährigen Beziehungen außerhalb verlieben, wenn ihre Beziehung schlecht wurde oder einschlief. Das bedeutet eher nicht, dass der Mensch, in den sie sich total verliebten, ein idealer Partner ist. Er gibt ihnen nur das oder verheißt das, wonach sie sich schon lange sehnen, und dieser Lebens- oder Beziehungs- oder Liebesaspekt wird riesengroß für sie. So dass dann alles andere, was unpassend ist und was man schon sehen könnte, aber erstmal in den Hintergrund tritt.


Dann war das super für Dich und ich würde daran null zweifeln.

Ich habe immer das Gefühl gehabt, den Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen, auch ein bewusstes Ja zu haben, zu den nicht so attraktiven Seiten.
Das ist was total Schönes und es klingt auch für mich nach echter Liebe.
Das hat aber mit Schmetterlingen und dem Wunsch danach nichts zu tun. Schmetterlinge garantieren gar nichts. Und es kann viel Liebesleid entstehen, wenn sie aufgehört haben zu flattern.
 
  • #11
Sie meinte sie könne es steuern, hat es mir erklärt.
Potzblitz, ich habe es nicht verstanden, wie sie es macht.
Es ist eine grundsätzliche Einstellungsfrage. Wenn ich gezoomt bin, dann weiß ich auch, dass es richtig wehtut, wenn ich mich so drauf einlasse wie ich fühle und es dann schiefgeht.

Mit der Einstellung, dass nicht meine Gefühle mein Handeln bestimmen sondern mein Verstand, kann ich es genau so steuern - tu nur das, was klug ist und schau genau hin was passiert.
Mein vorsichtiges Handeln ändert aber nichts an meinen Gefühlen, also ganz anders als @Lebenslust es annimmt.
 
  • #12
Er hätte das Gefühl, schon seit Jahren mit mir "verheiratet" zu sein.
Naja, und das hatte er schon. Deswegen war das mit euch nicht das Richtige. Ich denke, er war noch komplett so drauf, dass "Partnerin" den freigewordenen Platz der Exehefrau bedeutete. Und genauso wählte er die Frau, genauso verhielt er sich, genauso fühlte es sich dann für ihn an.

Seitdem frage ich mich: "Habe ich nie geliebt, weil ich dieses "Zoom" nicht kenne?"
Auf jeden Fall hast Du geliebt, würde ich sagen. Das, was Du beschrieben hast, klingt doch total so. Die Verliebten mit dem Zoom müssen sich später erst damit auseinandersetzen, dass der Partner vielleicht Seiten hat, die sie in ihrem "Zoom - ich habe den idealen Partner gefunden"-Gefühl stören.

Je nachdem, wie gut die beiden wirklich passen und wieviel Illusionen einer hat, wird die Zoom-Beziehung dann eben Liebe wie Deine oder es wird Liebeskummer oder Enttäuschung im wahrsten Sinne des Wortes und erneutes Erwachen der Sehnsucht, richtig glücklich mit einem Menschen, mit dem es "zoom" machte, zu werden.

Keine Ahnung. Ja, in manchen Fällen? Nee, weil ja nach dem Happy End, als sie sich kriegten, immer Schluss ist und es nie um Streit, Müllrausbringen, Sockenliegenlassen, Dekoartikel, Kinderbetreuung, Schwiegerelternkaffeetrinken, ... geht?

Ich will keinen Beziehungseinstieg ohne Verliebtheit. Aber ich kann mich halt verlieben. Für mich wäre es auch nicht glücklichmachend, so wie Du in die Beziehungen gingst.
Jeder muss sich selbst gut finden und es mit sich selbst aushalten. Dein Weg ist eben anders, deswegen ist keiner falsch, sondern eben passend für die jeweilige Person.

Für den Mann Deines Beziehungsversuches wird es vielleicht eine Frau geben, mit der es "zoom" macht, die aber nicht passt. Dann stellt er fest, dass "zoom" kein Beweis ist, und lernt sich besser kennen, was an seiner Ehe zu ihm passte und was nicht. Wenn er dann wieder eine Beziehung will, wird er diese Nähe und Sicherheit wieder schätzen können, und es wird sich nicht anfühlen, als würde man was verpassen. Vielleicht wird es auch ein anderes "zoom", das er bei seiner neuen Partnerin empfindet, als das, was er jetzt sucht. Eins MIT diesem Sicherheitsgefühl hinterher. Oder er kennt Zoom schon von früher und hat so seine Frau gefunden. Dann funktioniert es ja für ihn, darauf zu hören und es entstehen für ihn gute Beziehungen daraus.
Weiß man nicht. Auf jeden Fall denke ich, dass es für ihn einfach nicht gepasst hat und er noch im "Ehemodus" war, und nicht, dass Du nie geliebt hast. Er hat halt was anderes erwartet oder gesucht.
 
  • #13
Naja, das ist vielleicht auch nur eine Frage der Interpretation.

Natürlich ist es immer schwierig Gefühle in Worte zu fassen.

Du nennst es eben einen Prozess ohne rosa rote Brille und ich sage dir, du warst geflascht und verliebt😊.

Ja, aber ich hatte die Kontrolle. Ich war da nicht so geflascht, dass ich da die Kontrolle verloren habe. So meine ich das.
Das ist mir zweimal in meinem Leben passiert bei einer Frau. Dann konnte ich nicht mehr reden. Furchtbar.

Im übrigen, ich verfolge deine Geschichte ein wenig und erinnere mich an deine sehr gefühlvollen Posts über diese Frau (C.). Manchmal möchte ich dich in den Arm nehmen und dich trösten. Bitte achte auf dich und lass nicht zu, dass diese Geschichte zu viel Macht bei dir hat.

Ich denke, dass Menschen, die emotionaler sind (und dazu zähle ich mich) auch gerne etwas im Leben geben wollen.
Da gibt es so viele Möglichkeiten: Kinder in Deutschland, Schwarzafrika. Natur, kirchliche Träger, Integration von Migranten etc.

Und mein Thema ist durch C. Borderline geworden.
Sind wir ehrlich. Viele machen was, sicher auch hier im Forum. Und die wenigsten hängen das an die große Glocke. Ein ehemaliger Kollege, dessen Frau an Krebs erkrankte, hat sich dann in der Krebsgesellschaft engagiert. Ein Freund von mir (selbst mit Migrationshintergrund, aber als Chefarzt in der Gesellschaft voll integriert) engagiert sich sehr für Migranten, ist eh' ein Philantroph und Vorbild für mich als Mensch. Andere sind mit anderen Dingen in Berührung gekommen. Und mein Ding ist Borderline. Ich weiß aber, dass ich das für mich mache. Dadurch habe ich auch einen besseren Blick auf meine Mitmenschen und - ganz nebenbei - auch auf mich selbst gewonnen. Man lernt sich selbst auch besser kennen, wird ja auch mal Zeit.
 
  • #14
Menschen sind unterschiedlich - ist halt so. Davon würde ich mich an deiner Stelle nicht beeinflussen lassen. Wenn das für dich bisher immer so funktioniert hat, dann ist das eben deine Art, jemanden lieben zu lernen.
Ja, ganz generell würde ich dir beipflichten. Ich frage mich halt nur ob es die Ratio ist, die da so die Oberhand hat oder ob ich niemals das "Glück" hatte, wirklich zu lieben. Diesen Menschen, den du siehst und von dem du sofort weißt, DER ist es!
Jeder entscheidet selbst, was für ihn wichtiger ist. Eine stabile Liebe (auch wenn diese sich langweilig anfühlen kann) oder die Suche nach dem Kick, wozu aber leider oft immer wieder neue Partner nötig sind.
Danke für deinen Beitrag. Also, wenn ich wählen müsste, würde ich immer die stabile Liebe wählen. Ich habe es nie als langweilig empfunden. ABER ich kenne halt dieses "Zoom" Gefühl nicht, habe also keinen Vergleich. Ich glaube aber auch, das Verliebtheit kein zwangsläufiger Garant für Liebe ist. In meinem Umfeld habe ich es jedenfalls öfter erlebt, dass diese vermeintlich großen Lovestorys viel mit Drama und Gefühlsachterbahnen einhergehen. Damit würde ich mich nicht wohl fühlen.
Was denn nun? Alles passt oder unpassende Dinge müssen überwunden werden?
Bei mir war ganz viel unpassend und wurde trotzdem überwunden - alles eine Frage von Wollen.
Ich meinte es etwas anders. In Hollywood gibt es doch all diese Lovestorys, in der es die Liebe alles überwindet.
Daran glaube ich nicht. Ich glaube Beziehung ist immer Arbeit an sich selber, am Beziehungsgefüge, an den Bedürfnissen des anderen und der eigenen. ABER es wird ja suggeriert, das es in den Zoom Beziehungen die Liebe ist, die alle noch so katastrophalen Unwägbarkeiten überwindet. Ist dieses Zoom vielleicht das Zünglein an der Waage? Haben gezoomte Paare einen stärkeren Willen oder haben sie es einfacher?
 
  • #15
Übrigens, der Mann, über den du da sprichst, klingt krank.
Er:
- verzerrt deine Worte (hat also keine Empathie oder sucht Schuld bei dir)
- fühlt sich gestört, wenn die Schmetterlinge fehlen
- kommt nicht damit klar, dass man sich so nah ist.

Und das erzählt er dir auch noch? Ist das dein Ernst?

Das ist nicht dein Traummann, das ist eine Katastrophe. Liebe ist was ganz anderes.
Ich habe ihn gefragt. Es war mir einfach wichtig, zu verstehen.
Vermutlich hatte er schon eine Art Bindungsstörung. Am Ende wusste er vermutlich nicht, was er eigentlich wirklich wollte. Als Traummann habe ich ihn übrigens nie gesehen. Ja, Liebe definiere ich auch völlig anders.
Ich denke, dass das der "beste" Weg ist, allerdings kann man sich so etwas nun einmal nicht aussuchen und es muss einem einfach passieren. Hatte ich einmal. Wir haben uns über ca. 12 Monate kennengelernt und so nach und nach angenähert. Hatten eine stabile Basis und uns später vernünftig getrennt. Aber das große "Zooooooom" gab es hier für mich nicht.
Hat dir das "Zoom" gefehlt? Glaubst du das du wirklich verliebt warst?
Das ist manchmal dieses toxische Zoom.
Reine Projektion, Beuteschema, Erwartungshaltung. Man verliert einfach die Kontrolle, lernt die "schlechten" Seiten des anderen gar nicht wahrzunehmen.
Meine 23: MustHave + Retter + Ghosting/fehlende Absolution. Passiert mir hoffentlich nicht noch einmal.

Habe mich gerade gestern mit einer Freundin darüber unterhalten. Sie mag es auch nicht, wenn sie emotional die Kontrolle verliert, wenn sie zu stark verliebt ist. Sie meinte sie könne es steuern, hat es mir erklärt.
Potzblitz, ich habe es nicht verstanden, wie sie es macht.
Das ist auch meine Wahrnehmung. Ganz oft beobachte ich, dass das "Zoom" eher eine ungesunde Wiederholung von toxischen Beziehungsmustern ist. Je mehr "Hollywood" desto mehr Drama und sich selber im Wege stehen. Bei eurem Gespräch wäre ich gerne Mäuschen gewesen. Danke für das Teilen deiner Erfahrung!
 
  • #16
Ja. Dann, wenn man sie gleich als erstes trifft. Oder sich darauf einlassen kann und das Risiko der damit möglicherweise verbundenen Enttäuschung bereit ist zu tragen.
Nein. Weil man sie in der Regel nicht als erstes trifft und die eine oder andere Enttäuschung erlebt und es dann oft vorsichtigerweise „langsam angehen“ lässt.
Das ist ein sehr Interessanter Gedanke. Ich habe wohl von Haus aus ein vorsichtiges Bindungsverhalten. Wenn ich in mich hinein spüre, dann halte ich Kausalitäten für wahrscheinlich. Möglicherweise vermeide ich unbewusst den "Zoom"?! Je mehr Erfahrungen ich sammele, um so weniger Lust habe ich auf oberflächliche Beziehungen jeglicher Art. Da bleibe ich lieber alleine. Ich lasse mich zwar gerne, tief ein, aber nicht unbefangen. Das betrifft nicht nur Liebesbeziehungen, sondern auch die zu Freunden.
Aber vielleicht bin ich im Bezug auf einen Partner mittlerweile zu selektiv geworden? Darüber muss ich mal grübeln.
Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Eigentlich aus Angst vor dem Leben.
Wenn daran eine Beziehung scheitert, ist das traurig, aber absurd. Wenn die Kommunikation verzerrt ist, stimmt aber sowieso etwas nicht.
Wenn jemand mit Glück und Erfolg im Leben nicht umgehen kann, ist das auch irgendwie eine Störung.
Danke für diese Gedanken. So habe ich das auch beurteilt. Er definiert Glück vermutlich einfach anders. Er hat mir geholfen mir ein paar Fragen über mich selber zu stellen, die nötig waren. Dafür bin ich ihm dankbar. Dafür war er in meinem Leben.
 
  • #17
Je mehr Erfahrungen ich sammele, um so weniger Lust habe ich auf oberflächliche Beziehungen jeglicher Art. Da bleibe ich lieber alleine.
Das ist grundsätzlich sicher auch richtig. Auf der anderen Seite beginnen Beziehungen oft unbefangen. Damit auch oberflächlich. Es könnte sein, dass Du die aussortierst, die erstmal unbefangen schauen wollen. Damit meine ich nicht die, die gezielt nur eine Affäre mitnehmen wollen.
Ich lasse mich zwar gerne, tief ein, aber nicht unbefangen.
Damit _könntest_ Du anfällig werden für diejenigen, die Dir gleich nach 2 Stunden erzählen, sie wollten mit Dir zusammen alt werden.
Aber vielleicht bin ich im Bezug auf einen Partner mittlerweile zu selektiv geworden? Darüber muss ich mal grübeln.
Für mich ist das weniger eine Frage von "zu selektiv". Es ist ja richtig, selektiv zu sein. Es ist aber eine Frage der Kriterien.
Er hat mir geholfen mir ein paar Fragen über mich selber zu stellen, die nötig waren. Dafür bin ich ihm dankbar. Dafür war er in meinem Leben.
Das ist doch die Hauptsache. Wenn man dazulernt, sind selbst Fehler halb so wild.
 
  • #18
Bei Deinem Kandidaten denke ich, dass er selbst viel dazu beitrug, genau so eine Frau auszuwählen, also Dich, die ihm Sicherheit gab und mit der es sich solide und gut anfühlte. Aber er wollte Schmetterlinge. Er wollte sich verlieben. Vielleicht ging das in seiner Verfassung aber gar nicht, weil er noch im "Ehemodus" war?
Das ist ein interessanter Gedanke. Einer der Gründe, warum ich generell keine frisch getrennten gedatet habe.
Ich wollte vermeiden, Übergangsfrau, Seelentröster oder Aufarbeitungskrücke zu sein. Dieser Mann war aber bereits 2 Jahre getrennt. Die Vermutung, dass er es trotzdem nicht verarbeitet hatte, liegt nahe.
Hm, nee, Zoom ist jetzt nicht ein Garant dafür, dass alles passt. Ich halte "Zoom" für unterschiedlich empfundene Zustände. Die Leute, die per Projektion durch Verliebtheit Erkenntnisse über sich gewinnen, werden sich öfter zoomig verlieben können, aber auch unglücklicher. Denn ihr "Zoom" ist ja nicht als Partnerschaftseinstieg "gedacht", sondern nur ein Aufwachimpuls, die eigenen Probleme der Reifwerdung anzugehen.
Magst du das noch mal etwas näher ausführen, ich bin mir nicht sicher ob ich das richtig verstanden habe?
Ganz generell glaube ich, dass all unsere Beziehungen quasi als Spiegel gesehen werden sollten. Sie zeigen uns, was wir selber, in uns nicht sehen möchten/können.
Genauso wie sich Leute in langjährigen Beziehungen außerhalb verlieben, wenn ihre Beziehung schlecht wurde oder einschlief. Das bedeutet eher nicht, dass der Mensch, in den sie sich total verliebten, ein idealer Partner ist. Er gibt ihnen nur das oder verheißt das, wonach sie sich schon lange sehnen, und dieser Lebens- oder Beziehungs- oder Liebesaspekt wird riesengroß für sie. So dass dann alles andere, was unpassend ist und was man schon sehen könnte, aber erstmal in den Hintergrund tritt.
Da bin ich völlig bei dir. Ich sehe das an meinem EX- Mann. Er ist warm gewechselt, in der Hoffnung jetzt endlich an seine Traumfrau geraten zu sein. Die Frau, mit der er endlich die große Liebe erleben darf.
Von Außen betrachtet, lebt er jetzt das selbe in Grün. Jedenfalls, wenn ich den Erzählungen meines Sohnes und gemeinsamen Freunden Glauben schenken darf. ABER er scheint es bei dieser Frau völlig anders zu bewerten. "Wenn zwei das selbe tun, ist es nicht das gleiche." Liegt das am "Zoom"?
 
  • #19
Naja, und das hatte er schon. Deswegen war das mit euch nicht das Richtige. Ich denke, er war noch komplett so drauf, dass "Partnerin" den freigewordenen Platz der Exehefrau bedeutete. Und genauso wählte er die Frau, genauso verhielt er sich, genauso fühlte es sich dann für ihn an.
Du meinst er hat quasi projiziert, das Nähe gleichbedeutend mit all dem negativen einhergeht, das ihre Ehe ausgemacht hat?
Auf jeden Fall hast Du geliebt, würde ich sagen. Das, was Du beschrieben hast, klingt doch total so. Die Verliebten mit dem Zoom müssen sich später erst damit auseinandersetzen, dass der Partner vielleicht Seiten hat, die sie in ihrem "Zoom - ich habe den idealen Partner gefunden"-Gefühl stören.
Das würde ich auch so beurteilen. Jedenfalls wenn ich mir ansehe, wie aus dem vermeintlichen Seelengefährten, plötzlich der schlimmste Feind wird.
Keine Ahnung. Ja, in manchen Fällen? Nee, weil ja nach dem Happy End, als sie sich kriegten, immer Schluss ist und es nie um Streit, Müllrausbringen, Sockenliegenlassen, Dekoartikel, Kinderbetreuung, Schwiegerelternkaffeetrinken, ... geht?
Ich glaube da kommen wir näher an den Kern meiner Frage. Haben gezoomte es einfacher, diese typischen Streitthemen zu überwinden? Sind sie kompromissfähiger, weil sie so "gezoomt" sind? Wird aus Problemen mit dem Zoom ein Problemchen? Trägt das Zoom besser?
Auf jeden Fall denke ich, dass es für ihn einfach nicht gepasst hat und er noch im "Ehemodus" war, und nicht, dass Du nie geliebt hast. Er hat halt was anderes erwartet oder gesucht.
Das glaube ich auch! Dieser Mann war nicht mein Mann. Das habe ich nie bezweifelt. Ich denke, wenn es gepasst hätte, wären wir heute ein Paar. Er war für eine Lektion über mich selber in meinem Leben.

Vielen Dank, an alle die sich beteiligt haben!
 
  • #20
Das ist grundsätzlich sicher auch richtig. Auf der anderen Seite beginnen Beziehungen oft unbefangen. Damit auch oberflächlich. Es könnte sein, dass Du die aussortierst, die erstmal unbefangen schauen wollen. Damit meine ich nicht die, die gezielt nur eine Affäre mitnehmen wollen.
Ich denke mal drüber nach! Diese Frage habe ich mir bisher nicht gestellt. Ich habe die letzten Jahre genutzt um meine Ehe aufzuarbeiten und war selber nicht vollumfänglich bereit, meine neugewonnene Freiheit wieder aufzugeben. Ich genieße den Zustand des alleine seins. Für mich war es ein riesen Ding. Ich dachte immer über mich, ich kann und will nicht alleine sein. Ich habe immer Einsamkeit und Alleine sein verwechselt. Diese Freiheit würde ich nur aufgeben, wenn es wirklich passt. Das bedeutet nicht, das ich nicht auch Sehnsucht nach einem Partner hätte. Dieses Ambivalente Gefühl, habe ich auch (in anderer Verkleidung) an den Männern entdecken können, die ich gedatet habe. Ich habe immer beklagt, dass sie kein richtiges "JA" für mich hatten. Mittlerweile ist mir klar, ich hatte kein "JA" für das Thema Beziehung.
Damit _könntest_ Du anfällig werden für diejenigen, die Dir gleich nach 2 Stunden erzählen, sie wollten mit Dir zusammen alt werden.
Das schließe ich aus. Bei Lovebombing, nehme ich die Beine in die Hand. Das gibt mir das Gefühl beliebig zu sein. Da kann es nicht um mich gehen, sondern lediglich um die Projektion.

Für mich ist das weniger eine Frage von "zu selektiv". Es ist ja richtig, selektiv zu sein. Es ist aber eine Frage der Kriterien.
Da könntest du Recht haben!
 
  • #21

Gefehlt? Weiß nicht, es ergab sich halt so.


Ja natürlich, klar war ich verliebt.
Nur dieses Peng - Bum - Bam mit ganz viel Kribbeln war nicht da, da es so peu a peu ging.

Ich glaube Beziehung ist immer Arbeit an sich selber, am Beziehungsgefüge, an den Bedürfnissen des anderen und der eigenen.

Arbeit würde ich es nicht nennen, eher Entwicklung beider Protagonisten (=Persönlichkeitsentwicklung), gerade in jungen Jahren (20-35).

ABER es wird ja suggeriert, das es in den Zoom Beziehungen die Liebe ist, die alle noch so katastrophalen Unwägbarkeiten überwindet. Ist dieses Zoom vielleicht das Zünglein an der Waage? Haben gezoomte Paare einen stärkeren Willen oder haben sie es einfacher?

Ja, weil Du so unkontrollierbar verliebt bist, unbedingt die Nähe haben willst und bereit bist (fast) alles für den anderen zu tun, eben weil Du so verknallt bist.
Das ist ja auch dieses Rosarot. Da bist Du so gepusht und auch so stark. Musst nicht mehr schlafen, alles geht und dann überwindet man auch größere Hürden gemeinsam.
Aber das Gefühl hält ja nicht ewig.

Verliebt sein ist schon toll. Möchte ich mal wieder haben.
Aber unglücklich verliebt sein ist natürlich sch... und das hatte ich zweimal in den letzten Jahren :cool:
 
  • #22
Ja, ganz generell würde ich dir beipflichten. Ich frage mich halt nur ob es die Ratio ist, die da so die Oberhand hat oder ob ich niemals das "Glück" hatte, wirklich zu lieben. Diesen Menschen, den du siehst und von dem du sofort weißt, DER ist es!
Was hat das mit "wirklicher" Liebe zu tun? Ich könnte so einen Gedanken gar nicht haben. Ich kenne diesen Menschen doch überhaupt nicht. Ich sehe nur seine Oberfläche. Wie kann ich da den Gedanken haben "der ist es!"?

Ich gebe aber zu, ich habe mir eine Weile ähnliche Gedanken gemacht wie du. :) Bin aber zum Schluss gekommen, dass das einfach nicht "meine" Art von Verlieben ist. Mein Verlieben kommt immer auf leisen Sohlen daher und auf einmal ist es da und dann macht es "peng". ;)
 
  • #23
Magst du das noch mal etwas näher ausführen
Ich versuche es mal mit einem eigenen erlebten Beispiel, als ich Mitte/Ende 20 war. Ich hatte schwere Themen im Privatleben (psychische Krankheiten von Familienangehörigen), eine neue Situation, was die berufliche Orientierung angeht. Widerstand von der Familie, extrem unsichere Lebenssituation, auch gesundheitliches Angeschlagensein. Außerdem war ich ängstlich, was kommen wird, ob ich alles schaffen werde usw., überzogene Perfektheitsansprüche auch noch. Ich hätte mir jemanden gewünscht, der mich ein bisschen leiten könnte durch diese absolute Krisenzeit. Und so verliebte ich mich in einen Mann, der 14 Jahre älter war. Er wirkte sicher im Leben stehend, es war schön zu merken, dass er mich auch anziehend fand. Etwas Schönes in meiner Lebenssituation (das sich aber noch entpuppte als eitles Getue seinerseits. Hat ihm einfach nur geschmeichelt, deswegen hat er so aufgedreht. Er hat mit Sicherheit NIE daran gedacht, dass wir eine Beziehung haben könnten).
Ich sah in ihm aber was, das er überhaupt nicht war. Das habe ich aber erst später gesehen durch die Entwicklung der Situation. Das, was ich mir von ihm gewünscht hatte, musste ich in mir selbst finden, selbst wenn er mir geholfen hätte, mich besser mit der Situation zurechtzufinden. Und wenn sowas, also das "Helfen, Anleiten, Vorbild sein", was ja eigentlich bedeutet, dass man denjenigen "einspannen will" für ein Bedürfnis, dann nur der einzige Grundstein ist, auf dem die Beziehung aufbaut, naja, dann ist sie zum Scheitern verurteilt, wenn die bedürftige Person sich weiterentwickelt hat.

Ich bin davon überzeugt, dass in vielen Beziehungen solche Aspekte wirken. Und dass sich Partner gegenseitig an Entwicklung hindern können. Der eine will sich persönlich reifemäßig weiterentwickeln und aus seiner Rolle raus, die er für den anderen lange einnahm, der andere will das nicht, er will sich nicht von allein um sich kümmern. Und er stellt vielleicht auch die Frage, was ihm die Beziehung dann noch soll. Wenn er sich nicht weiterentwickelt, ist seine nächste Partnerin/der nächste Partner genauso wie "der Alte" VOR seinem Entwicklungsschritt. Bis der sich dann auch emanzipiert hat von der Projektion.
 
  • #24
"Wenn zwei das selbe tun, ist es nicht das gleiche." Liegt das am "Zoom"?
Kann sein, dass es in manchen Fällen so ist. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass es einen Machtkampf in der vorigen Beziehung gab, denke ich.
Also angenommen, sie kommen mit Mitte 20 zusammen, Frau weiß, sie will heiraten und Kinder, Mann ist sich nicht sicher, ob er das will und fühlt sich unter Druck allein dadurch, dass sie das so rigoros ausgesprochen hat, dass sie das haben will oder weitersuchen will. Also denkt er, er MUSS, sonst würde sie gehen, und denkt nicht mehr, "ich WILL irgendwann". Das kriegt man nicht mehr raus aus der Beziehung, glaube ich. So ziehen die Jahre dahin, sie wird bei dem Thema immer mauliger, weil sie sich zurecht vertröstet auf den St. Nimmerleinstag fühlt. Er findet dieses Thema immer stressiger. Dann trennen sie sich. Er fühlt sich befreit, aber eigentlich wollte er ja auch eine verbindliche Beziehung. Es war nur der Druck, der ihn ständig dagegenarbeiten ließ. Dann ist er wieder bereit und verliebt sich neu. Auf einmal keine Blockade mehr, sein Wunsch nach Heirat und Kindern ist befreit.

Ich glaube, es geht vielen so: Unter Druck und mit Erpressungsgefühl weiß man oft selbst gar nicht mehr, was man wollte, weil über das Thema das Damoklesschwert schwebt, dass man nur noch EINE Wahl hat. Zumal man ja auch will, dass die Beziehung erhalten bleibt.
Ist der Druck weg, kommt wieder zurück, was man aus freiem Willen für sich entscheiden würde.

Du meinst er hat quasi projiziert, das Nähe gleichbedeutend mit all dem negativen einhergeht, das ihre Ehe ausgemacht hat?
Nee, ich meinte, dass er innerlich noch Ehemann ist und von einer Beziehung das erwartet, was er hatte. Das ist noch sein Suchraster und er hat es nicht gemerkt.
Das ist so ähnlich, als hätte man stets NUR wegen des Partners abends um 7 gegessen. Dann ist man getrennt und könnte das tun, was man will, vor 7, nach 7, gar nicht essen. Aber man ist so eingeschliffen, dass man gar nicht merkt, dass man nicht mehr bräuchte, immer noch in Hektik zu verfallen, damit um 7 das Essen fertig ist. Und wenn man schnell genug ne andere Partnerperson kennenlernt, muss die dann auch um 7 mit am Tisch sitzen, bis einem mal auffällt, was man da tut und das gar nicht dem eigenen Wunsch entspricht.

Dein Bekannter will sich ja richtig verlieben. Also muss er bereit dazu sein und sich öffnen dafür und kann nicht mehr "eingeschliffen auf Ehe" als Mann in Aktion treten. Vielleicht kann er es nicht mehr oder konnte es nie.
 
  • #25
Haben gezoomte es einfacher, diese typischen Streitthemen zu überwinden? Sind sie kompromissfähiger, weil sie so "gezoomt" sind?

Naja ... Hm. Ich würde sagen: Nur dann, wenn das "Zoom" nicht irgendeine Projektion ist, sondern aus wirklichen Liebesgefühlen entstanden ist. Dann ist ja automatisch mehr Wille da, Konflikte lösen zu wollen, statt das Ganze gleich zu beenden, weil man "sowieso skeptisch war" oder "sowieso wusste, dass es irgendwie nicht passt".

Sind sie kompromissfähiger ... Denke ich eigentlich nicht. Man könnte aber so rangehen: Wirklich lieben kann nur einer, der sich selbst liebt und respektiert, und das geht automatisch einher damit, dass er auch andere respektiert. Also wird er seinen Partner respektieren und wissen, dass der nicht sein "Erfüllungsgehilfe zum Glück" zu sein hat. Dh. man ist sich bewusst, dass man Kompromisse machen sollte, weil der andere auch automatisch welche machen wird. Die unreife Haltung wäre, zu denken wie ein Kind: ICH bin dein Mittelpunkt und du musst alles tun, damit ich glücklich bin.
Da ist ja NUR vom Partner Kompromiss verlangt, man selbst will keine machen.

Also wenn wirkliche Liebesgefühle entstanden sind beim Zoom, dann werden auch einfacher Kompromisse gemacht, ohne aber aus den Augen zu verlieren, dass man manches einfach nicht so tun kann, dass es dem anderen passt. Und ohne zu verlangen, dass der andere sich für Kompromisse zu verleugnen hat.

RICHTIGE Kompromisse, nicht: "erstmal nachgeben, bis die Partnerschaftssituation gesichert ist", um sich dann wieder so zu verhalten, wie man es vorher tat.
Deswegen ist wohl auch immer die Rede davon, dass man nach 1,5 Jahren rausfindet, ob man wirklich für länger zusammenbleiben will. Da sind die Masken gefallen, die noch aufgrund von Schmetterlingen im Bauch vorm wahren Gesicht saßen. Die Kompromisse, die keine echten sind, fangen irgendwann an zu nerven, weil man ja nicht dahintersteht.
 
  • #26
Nach meinem relativ kurzen und halbherzigen Ausflug in das Thema aktive Partnersuche, habe ich eine Frage, die mich beschäftigt.
Gibt es diesen einen Menschen, bei dem es einfach "Zoom" macht? Wo alles passt und das "Zoom" so stark ist, dass man die unpassenden Dinge überwindet? Wo der Kopf kein Mitspracherecht mehr hat?!
In der Vergangenheit, habe ich mich niemals so verliebt.
Natürlich gibt es den Menschen, allerdings kannst du davon ausgehen, es ist so ungefähr, wie die einzige Nadel im großen Heuhaufen zu fnden, oder wie ein Sechser mit Zusatzzahl und so weiter im Lotto, da muss man schon genau schauen, aufmerksam und besonders sehr geduldig sein, nicht unter Druck stehen, was die meisten sind, deswegen finden sie diesen passenden Partner nicht. ich hatte das große Glück, so einer Partnerin begegnet zu sein, mit der ich seit Jahren die echte und wahre Liebe beidseitig lebe!
Übrigens in der echten und wahren Liebe gibt es keine unpassenden Dinge, es kann über alles gesprochen werden, das gesamte Paket, wie Seele, Geist und Körper in Balance haben natürlich beidseitig Mitspracherecht und zwar immer!
Er erklärte mir, er wäre überrascht wie nahe wir uns in so kurzer Zeit wären. Das würde bei ihm normalerweise sehr lange dauern. Damit käme er nicht gut klar.
Ausrede pur!
Er fühle sich um das Verliebtheitsgefühl, die Schmetterlinge betrogen. Er hätte das Gefühl, schon seit Jahren mit mir "verheiratet" zu sein. Ihm würde das "Zoom"-Gefühl fehlen. Er wolle sich aber nach dem Scheitern seiner Ehe unbedingt mal wieder richtig verliebt fühlen.
Unsinn pur!
Seitdem frage ich mich: "Habe ich nie geliebt, weil ich dieses "Zoom" nicht kenne?"
Liebe wie in Hollywood gibt es sie wirklich? Daran habe ich bisher nicht geglaubt. Ich merke aber, dass ich nach dieser Erfahrung hinterfrage, was ich vorher unvoreingenommen einfach hingenommen habe.
Von Liebe wie in Hollywood, halte ich nichts, das ist nur für die Geldindustrie gespielt, sich bewusst werden, über Dinge die zuvor unbewusst abgelaufen sind, ist immer positiv, das nenne ich Persönlichkeitsentwicklung!
 
  • #27
Was hat das mit "wirklicher" Liebe zu tun? Ich könnte so einen Gedanken gar nicht haben. Ich kenne diesen Menschen doch überhaupt nicht. Ich sehe nur seine Oberfläche. Wie kann ich da den Gedanken haben "der ist es!"?
Das ist eben meine Frage;) Ich kenne das auch nicht. Daher meine Neugierde. Was ist am Zoom anders, welche Vorteile hat es, lohnt es sich darauf zu warten oder ist es wirklich nur eine Typfrage?
Was ist mit den Menschen, die auf ein Zoom warten und sich damit um die Chance bringen die Liebe auf anderen Wegen zu finden? Oder bin ich auf dem Holzweg, weil ich nie auf das "Zoom" gewartet habe?
 
  • #28
Ich sah in ihm aber was, das er überhaupt nicht war. Das habe ich aber erst später gesehen durch die Entwicklung der Situation. Das, was ich mir von ihm gewünscht hatte, musste ich in mir selbst finden, selbst wenn er mir geholfen hätte, mich besser mit der Situation zurechtzufinden. Und wenn sowas, also das "Helfen, Anleiten, Vorbild sein", was ja eigentlich bedeutet, dass man denjenigen "einspannen will" für ein Bedürfnis, dann nur der einzige Grundstein ist, auf dem die Beziehung aufbaut, naja, dann ist sie zum Scheitern verurteilt, wenn die bedürftige Person sich weiterentwickelt hat.
Liebe Void, vielen Dank für deine sehr privaten und sehr reflektierten Gedanken! Ich glaube auch das du Recht hast. Wir suchen unbewusst jemand, der unsere Defizite ausgleicht. Ein Mensch der uns ein Stück weit "rettet". Wenigstens jemand, der uns das Gefühl gibt uns so zu lieben wie wir sind. Oft wiederholen wir unbewusst Bindungsmuster unserer Vergangenheit und damit die der Eltern.
Dabei vergessen wir unbewusst, was für einen Preis wir dafür möglicherweise bezahlen. Die Schattenseiten machen wir uns selten klar. Es hat zu viel mit uns zu tun. Mit den blinden Flecken in uns, die wir eigentlich vermeiden wollen. Es ist bequemer Schuldfragen zu wälzen, als sich seine Anteile aufrichtig anzugucken.
Ich bin davon überzeugt, dass in vielen Beziehungen solche Aspekte wirken. Und dass sich Partner gegenseitig an Entwicklung hindern können. Der eine will sich persönlich reifemäßig weiterentwickeln und aus seiner Rolle raus, die er für den anderen lange einnahm, der andere will das nicht, er will sich nicht von allein um sich kümmern. Und er stellt vielleicht auch die Frage, was ihm die Beziehung dann noch soll. Wenn er sich nicht weiterentwickelt, ist seine nächste Partnerin/der nächste Partner genauso wie "der Alte" VOR seinem Entwicklungsschritt. Bis der sich dann auch emanzipiert hat von der Projektion.

Das was du beschreibst sieht man oft, wenn ein Partner in Kur oder Therapie geht. Dann verändern sich die Systeme und das rüttelt am Fundament und stellt die eigentlichen Motive der Beziehung in Frage. Nach meiner Erfahrung wäre, das der Moment in dem sich beide Partner grundehrlich gegenüber treten könnten. Masken runter, Fassaden weg. Das ist die größte und wertvollste Chance in der Krise, der Moment in denen Heilung möglich wäre. Statt dessen treibt es die meisten Menschen aber in die Flucht. Sie wenden sich anderen Partnern zu oder verweigern sich den nötigen Prozessen.
 
  • #29
Kann sein, dass es in manchen Fällen so ist. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass es einen Machtkampf in der vorigen Beziehung gab, denke ich.
Danke für diesen Aspekt. Bei uns war es anders herum! Er wollte Heiraten und Kinder.....ABER es ging bei uns viel um Macht.
Es tut mir immer noch Leid, das ich all das nicht viel eher erkannt habe.
Ich glaube, es geht vielen so: Unter Druck und mit Erpressungsgefühl weiß man oft selbst gar nicht mehr, was man wollte, weil über das Thema das Damoklesschwert schwebt, dass man nur noch EINE Wahl hat. Zumal man ja auch will, dass die Beziehung erhalten bleibt.
Ist der Druck weg, kommt wieder zurück, was man aus freiem Willen für sich entscheiden würde.
Ein wichtiger Gedanke!
Nee, ich meinte, dass er innerlich noch Ehemann ist und von einer Beziehung das erwartet, was er hatte. Das ist noch sein Suchraster und er hat es nicht gemerkt.
Das ist so ähnlich, als hätte man stets NUR wegen des Partners abends um 7 gegessen. Dann ist man getrennt und könnte das tun, was man will, vor 7, nach 7, gar nicht essen. Aber man ist so eingeschliffen, dass man gar nicht merkt, dass man nicht mehr bräuchte, immer noch in Hektik zu verfallen, damit um 7 das Essen fertig ist. Und wenn man schnell genug ne andere Partnerperson kennenlernt, muss die dann auch um 7 mit am Tisch sitzen, bis einem mal auffällt, was man da tut und das gar nicht dem eigenen Wunsch entspricht.

Dein Bekannter will sich ja richtig verlieben. Also muss er bereit dazu sein und sich öffnen dafür und kann nicht mehr "eingeschliffen auf Ehe" als Mann in Aktion treten. Vielleicht kann er es nicht mehr oder konnte es nie.
Danke! Du bringst wirklich Ideen ein, auf die ich noch nicht gekommen bin. Ich habe ihn nicht so analysiert. Dazu war er mir vermutlich am Ende nicht wichtig genug. ABER es sind sehr spannende Gedanken.
Die Männer die ich so kennen gelernt haben, sind sich oft nicht wirklich darüber im Klaren was sie wollen. Oft passten die Ansprüche die sie an eine Frau hatten, nicht mit dem überein was sie selber zu investieren bereit waren. Mal davon abgesehen, dass ich manche Maßstäbe nicht nachvollziehen konnte oder vielmehr wollte. Aber Fakt ist, es gibt kein Licht ohne Schatten....es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. In meiner Wahrnehmung wird das gerne verdrängt.
 
  • #30
Also wird er seinen Partner respektieren und wissen, dass der nicht sein "Erfüllungsgehilfe zum Glück" zu sein hat.
DAS!
Dh. man ist sich bewusst, dass man Kompromisse machen sollte, weil der andere auch automatisch welche machen wird. Die unreife Haltung wäre, zu denken wie ein Kind: ICH bin dein Mittelpunkt und du musst alles tun, damit ich glücklich bin.
Da ist ja NUR vom Partner Kompromiss verlangt, man selbst will keine machen.
Aber das sehe ich ganz häufig! Der eine "liebt" mehr wird dann oft gesagt. Das ist aber auch keine Liebe!

Und ohne zu verlangen, dass der andere sich für Kompromisse zu verleugnen hat.
Das ist dann das viel zitierte bedingungslos. Ich liebe dich auch wenn du nicht so "funktionierst" wie ich es jetzt gerade brauche.
RICHTIGE Kompromisse, nicht: "erstmal nachgeben, bis die Partnerschaftssituation gesichert ist", um sich dann wieder so zu verhalten, wie man es vorher tat.

Deswegen ist wohl auch immer die Rede davon, dass man nach 1,5 Jahren rausfindet, ob man wirklich für länger zusammenbleiben will. Da sind die Masken gefallen, die noch aufgrund von Schmetterlingen im Bauch vorm wahren Gesicht saßen. Die Kompromisse, die keine echten sind, fangen irgendwann an zu nerven, weil man ja nicht dahintersteht.
Das ist eben dieser Selbstbetrug, denn man dann als Grabenkämpfe um die "nicht zugedrehte Zahnpastatube" austrägt?! Der Moment an dem man begreift, der andere hat wenig mit der ursprünglichen Projektion gemein...Aber statt sich selber in die Verantwortung zu nehmen, ist der andere "Schuld".
 
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