• #1

Geschenk zum Muttertag ja oder nein?

Hallo zusammen,
ich habe bisher jedes Jahr meiner Mutter etwas zum Muttertag geschenkt. Meistens aus dem Grund "weil man es eben so macht". Sie erwartet auch immer ein Geschenk. Leider ist es so, daß ich seit ich zurückdenken kann unter der emotionalen Kälte meiner Mutter leide. Sie ist schon immer ein sehr Ich-bezogener Mensch gewesen und das ist mit zunehmendem Alter nicht besser geworden. Nun habe ich mich wieder sehr über ein aktuelles Verhalten von ihr geärgert und dieses auch angesprochen. Sie meint wie immer alles richtig zu machen und sieht keine eigenen Anteile an Problemen zwischen uns. Nun habe ich mich entschlossen, ihr dieses Jahr aus diesem Grund kein Muttertagsgeschenk zu machen. Ich will einfach nicht ihr oft schlechtes Benehmen noch mit einem Geschenk belohnen. Reagiere ich hier übertrieben? Wie würdet ihr entscheiden? Gibt es hier ähnliche Erfahrungen mit Müttern? Danke für eure Sichtweisen. LG Therese123
 
  • #2
Nun habe ich mich entschlossen, ihr dieses Jahr aus diesem Grund kein Muttertagsgeschenk zu machen. Ich will einfach nicht ihr oft schlechtes Benehmen noch mit einem Geschenk belohnen.

Puhh, die Mutter wie ein ungezogenes Kind zu bestrafen und die "glückliche Fügung" liefert grad eine passende Gelegenheit - das ist für mich neu. Würde ich so nicht machen.

Ich hatte ein extrem problematisches Verhältnis zu meiner Mutter, sie war auch sehr egoistisch und gefühlskalt.
Aber auf solche Feiertage legte sie immer sehr viel Wert, besonders auf den Muttertag - die Erhöhung des Mutterseins stammte für diese Generation aus einer anderen Zeit.

Ich glaube, das habe ich mit Augenmaß behandelt und sauber getrennt: sie hat bestimmte Sachen als Mutter gut richtig gemacht - alles was die reine Versorgung anging und das mit vielen Kindern unter schwierigen Bedingungen. Das allein legitimierte, dass ich den Muttertag nie habe ausfallen lassen, selbst wenn sie unmittelbar vorher einen 12-Ender erlegt hatte. Da stand ich einfach drüber.

Auch ihre emotionale Kälte, die oft mit Streitlust einherging hatte nachvollziehbare Gründe in ihren Lebensbedingungen (Nazizeit, Krieg, Flucht, ihre Mutterbeziehung). Mir war immer wichtig, das Gesamtbild zu sehen, nicht nur was aktuell ist, sondern woher das kommt.

Erst (als Jugendliche) bin ich innerlich auf Distanz zu ihr gegangen, sodass ihre Ausbrüche mich nicht mehr so getroffen haben.
Ein paar Jahre nachdem ich ausgezogen war, habe ich den Kontakt sukzessive immer weiter reduziert, habe mir dann auch weiter entfernte Arbeitsplätze gesucht, damit ich gut begründen konnte, warum ich selten komme.
Regelmäßige Anrufe, die auch immmer schwierig mit ihr waren (sehr angriffslustig) weil ich nie richtig war, funktionierten für mich ganz gut. Dabei konnte ich die innere Distanz aufrecht halten.

Meine Strategie war also nicht offener Konflikt in einer schweigenden Familie - schon garnicht zu Feiertagen, sondern geschicktes über die Zeit auf immer größere Distanz gehen (innerlich, zeitlich, räumlich) und natürlich auf die eigenen Grenzenn auchten und komplett den Kontakt verweigern (damals: ausgeschalteter Anrufbeantworter) wenn es mir nicht gut ging.

Das hat recht gut für beide funktioniert.

Statt anlassbezogen so einen neuen Konfliktherd aufzumachen der auch Dich stresst, würde ich eher nach einer langfristig wirkenden und konfliktärmeren Strategie gucken.
 
  • #3
Ich finde es schlimm, wenn Schenken zur lästigen Pflicht wird. In meiner Familie wurde vor langer Zeit kollektiv beschlossen, dass sich Erwachsene zu besonderen Anlässen/Feiertagen nichts schenken, einfach um den Druck rauszunehmen. Und meistens bekommt man ja doch nur Schrott, Geschenke sind auch eine Last und werden oft nach dem "Do, ut des"-Prinzip ("Ich gebe, damit du gibst") gegeben. Als Kind habe ich noch ausnahmsweise Geschenke bekommen, aber es hat dann sowieso aufgehört, dass ich mir Dinge wünsche. Wir schenken uns trotzdem manchmal was, aber dann einfach zwischendurch ohne besonderen Grund, wenn wir zufällig was entdecken, was der anderen Person bestimmt gefällt, oder um den anderen zu überraschen und ihm spontan eine Freude zu bereiten. Aber einem Menschen, den ich nicht mag, würde ich nicht nur aus Pflichtgefühl was schenken, nur weil es alle machen. Diese Feiertage sind doch auch vor allem Konsum-Tage, da wird einem von der Werbung eingeredet, man müsste ganz viele Geschenke kaufen. Geschenke sollten von Herzen kommen und dem Schenkenden Freude bereiten, nicht nur aus Pflichtgefühl oder Mitläufertum gegeben werden und an Bedingungen und Gegenleistungen geknüpft sein.
w26
 
  • #4
Nun habe ich mich wieder sehr über ein aktuelles Verhalten von ihr geärgert und dieses auch angesprochen. Sie meint wie immer alles richtig zu machen und sieht keine eigenen Anteile an Problemen zwischen uns. Nun habe ich mich entschlossen, ihr dieses Jahr aus diesem Grund kein Muttertagsgeschenk zu machen.

Ja, musst du ja auch nicht.
Du wirst ja wissen wie sie reagiert und dann kannst du das Thema noch einmal ansprechen.

Wenn das in der Vergangenheit nicht angekommen ist, dann wird es wahrscheinlich auch weiterhin schwer sein ihr Deinen Standpunkt und ihrerseits Einsicht zu vermitteln.

Vielleicht versteht sie diese Botschaft besser.
 
  • #5
Wenn dir deine Mutter nicht gut tut, den Kontakt stark reduzieren, ihr vorher die Gründe mitteilen. Erst danach würde ich Geschenke einstellen, jedoch zu besonderen Anlässen eine Karte/ Nachricht schreiben.

Normal Kontakt halten, als ob nichts wäre, aber plötzlich nichts mehr schenken, würde ich nicht machen.

Ich könnte meine Mutter manchmal auch auf den Mond schießen, aber mir hilft es immer zu wissen, dass sie aufgrund einer lieblosen Kindheit so ist und es nichts mit mir zu tun hat. Sie mir irgendwo auch leid tut. Vielleicht ist es bei deiner ähnlich und es hilft dir auch, wenn du ihr Verhalten nicht allzu persönlich nimmst?!
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #6
Meine Mutter legt überhaupt keinen Wert auf diesen Tag und schon gar nicht will sie beschenkt werden. Wahrscheinlich ist sie damit die Ausnahme.

Was für eine Reaktion erwartest du denn von deiner Mutter? Bist du bereit, dass in Kauf zu nehmen also ist es dir das wert? Würdest du ihr denn ehrlich antworten, wenn sie dich fragt warum du ihr nichts schenkst?
 
  • #7
Ich würde ihr das Muttertagsgeschenk nicht ganz streichen, denn sie würde es nicht verstehen oder verstehen wollen. Sie ist sich keiner Schuld bewußt. Aber ich würde es auf eine Kleinigkeit reduzieren.
 
  • #8
Man muss seine Mama nicht einfach über alles lieben, nur weil es die Mutter ist. Gut ist erst mal das Du das wahrnimmst, da bist Du auf jeden Fall ehrlich zu Dir. Was macht man also in so einer Situation. Hast Du schon mal darüber nachgedacht ihr das passende zu schenken. Zum Beispiel einen edlen Kaktus. Das würde sie bestimmt verstehen und evtl würde so ein kleiner Wink dieses Problem, zu einem Gespräch führen. Deine Mama darf so sein wie sie ist, Du sollst das akzeptieren, weil Du ja auch so bist wie Du bist. Wenn Du das einzige Kind bist, können da einige Antworten zu finden sein.
 
  • #9
Ich würde mich da auch grundsätzlich mal fragen, ob und was für eine Beziehung ich zu meiner Mutter will und dann in Zukunft versuchen, konsequent zu sein. Allerdings würde ich damit nicht ausgerechnet am Muttertag anfangen, sondern ihr erst beim nächsten Streit sagen, dass es besser ist, wenn ihr weniger Kontakt habt.

Jetzt habe ich aber gerade mal in deinen anderen Thread geguckt, du bist schon Ü50 und lebst in dieser komischen Wohnsituation mit einem Partner, der es ebenfalls nicht schafft, sich von seiner Familie abzugrenzen.

Und du scheinst in der Nähe deiner alten Eltern zu leben, die so langsam Hilfe brauchen. Da solltest du dich dringend emotional von deiner Mutter distanzieren, damit du dich nicht zu sehr aufreibst.

Aber einer alten Mutter nichts zum Muttertag zu schenken, weil sie "böse" war, finde ich mit Verlaub kindisch.
 
  • #10
Ich könnte @Vikky jetzt zustimmend, komplett zitieren.

Es geht nicht darum ob man sich grundsätzlich nichts schenkt oder Menschen die man nicht leiden kann, nicht beschenkt.
Das sind dann Dinge die: schon längst gelaufen und entschieden wären.

Hier wurde es immer getan, der Kontakt ist bis heute da und Sonntag ist Muttertag.
Da wird es zur trotzige Bestrafung und keine grundsätzliche Änderung angeleiert.

Jetzt habe ich das Glück, das ich zwar blöde Väter hatte aber keine blöde Mutter.
Einzig ihr Kontrollwahn, mit dem Standpunkt: wie ich denke ist richtig und so muss es laufen!
Wird im Alter immer größer und nervt ziemlich.
Aber das kontrolliere ich mittlerweile, in dem wir zb telefonieren, wenn ich die Nerven dafür habe und nicht alles persönlich nehme.
Ja ja denke...

Aber wie auch @Vikky schreibt:
Ich kenne ihren Konflikt mit meiner Großmutter und auch sonst alles was sie durchgemacht hat...da kann ich nicht die große Empathie von ihr verlangen. Kann sie vorallem nicht mehr und sie wäre in ihrem Leben wahrscheinlich "kaputt " gegangen, wenn sie alles emotional genommen hätte.

Grenzen setzen, vielleicht auch zu überlegen, brauch ich genau hier die Anerkennung und warum?
Kann ich mir diese nicht ggf selbst geben?
Lass ich sie wie sie ist ( alt ändert sich nicht) und mach mich unabhängig innerlich.

Das sind gesunde Prozesse aber die brauchen Zeit und das hat nichts mit: Bestrafung am Muttertag zu tun.

Blümchen schenken mit: danke Dir dafür das ich lebe...Würde ich tun aber dann in Ruhe meine Abgrenzung planen.
 
  • #11
Ich habe mal einen Spruch gehört, der ging in etwa so: 'man erzieht (Kinder) nicht zu Weihnachten, sondern im Rest des Jahres'

So halte ich es im Allgemeinen.
Ich habe auch eine schwierige Beziehung zu meiner Mutter, sie ist vor allem extrem übergriffig und auch ziemlich narzisstisch.

Ich halte es wie @Vikky, versuche die Gesamtsituation zu betrachten, sachlich zu bewerten und habe über die Jahre den Kontakt sukzessive zurückgefahren.

Meiner Mutter bedeuten materielle Geschenke nicht viel, aber Zeit mit mir. Also lade ich sie am Sonntag zum Essen zu uns ein und kauf ihr ein paar Blümchen für ihren Garten.

Ich ertrage es halt hin und wieder einfach und versuche mich nicht aufzuregen.

Ich werde auch meinem Chef zum runden Geburtstag gratulieren, obwohl er mir gekündigt hat. Auch einfach aus Anstand. Von Herzen kommt es dann jedoch nicht...
 
  • #12
Ich mochte diese »Werbegeschenktage« (Muttertag, Valentinstag) nie, sie scheinen mir fast willkürlich gesetzt zu sein. Deshalb übersehe ich sie auch bewusst.

Als meine Großmutter noch lebte, bekam sie am Muttertag eine Karte von mir (ich schrieb ihr aber ohnehin ca 1 x wöchentlich). Für sie war das noch ein wichtiger Tag, vielleicht, weil zu ihrer Zeit »Ehrerbietung« eben so aussah.
Meiner Mutter hatte ich schon im Teenie-Alter beigebracht, dass für mich der besonders zählende »Ehrentag« im Leben eines Menschen sein Geburtstag sei = da gab es immer ein Geschenk. Muttertag war außerhalb unserer Vorstellung. Sie verstand das immer - so wie ich, irgendwann selbst Mutter, auch.
Die Liebe (manchmal auch Wut) zu meiner Mutter zeigte ich ihr »zwischendurch«, nicht datumsgebunden.

Genauso habe ich das an meine Kinder weitervermittelt, mir bliebe die Spucke weg, wenn da plötzlich jemand (gezielt am Muttertag) mit Blumen vor der Tür stünde. Umso mehr freuen mich Blumen an jedem anderen Tag - das wissen sie.
 
  • #13
Meine Mutter ist schon seit einigen Jahren verstorben, aber ich habe ihr nie etwas zum Muttertag geschenkt, auch nicht zum Geburtstag, das war einfach ein schwieriges Feld. Ein paar Blumen mit Fleurop und gut ist. Die kamen halbherzig von Herzen, aber ich habe mich dann schon der Konvention gebeugt. Des lieben Friedens willen. Ich musste ja nicht hin, da ich tausend Kilometer entfernt wohne, so ähnlich würde ich es an deiner Stelle auch halten. Aber nicht zu Geschenken erpressen lassen, oder zu irgendwelchen Dingen, die ich nicht machen möchte, weil ich die Person eigentlich gar nicht mag, egal ob es Deine Mutter ist oder irgendjemand. So zu schenken, es zu müssen, finde ich nicht in Ordnung. Es ist auch für alte Menschen nie zu spät zu lernen, dass sie ihre Kinder schlecht behandelt haben.
 
  • #14
Das sehe ich genauso, ich mache nichts, wovon ich nicht überzeugt bin und nur weil es andere machen, mache ich es erst recht nicht, was meine Mutter betrifft liefen die Dinge anders, meine Mutter wollte nicht am Muttertag ein Geschenk, nur weil es im Kalender steht und deshalb es alle machen!
 
  • #15
Ich finde diesen Muttertag nicht so wichtig. Wenn ich meine Mutter spreche möchte oder ein Geschenk ihr geben möchte, dann gibt es noch weitere 365 Tage im Jahr dafür. Nur zu Weihnachten, Geburtstag usw. ist relativ sehr wenig. Für den Vatertag gilt das Gleiche, obwohl wir in Österreich den Vatertag am 2. Sonntag im Juni feiern. Da können ja die Väter in Bayrisch Gmain den Vatertag am 13.05 feiern und 3 Km südlich in Großgmain am 13.06.
 
  • #16
...ich habe bisher jedes Jahr meiner Mutter etwas zum Muttertag geschenkt. Meistens aus dem Grund "weil man es eben so macht".
Aber Du hast es immer gemacht.

Nun habe ich mich entschlossen, ihr dieses Jahr aus diesem Grund kein Muttertagsgeschenk zu machen. Ich will einfach nicht ihr oft schlechtes Benehmen noch mit einem Geschenk belohnen. Reagiere ich hier übertrieben?
Ja. Für mich klärt man Probleme unter Erwachsenen dadurch, dass man sie anspricht. Oder sich gegen übergriffiges Verhalten wehrt. Hier klingt das so nach "Stubenarrest".

Ich finde völlig ok, wenn man Geschenke irgendeiner Art zu irgendeiner Gelegenheit abschafft. Dass man es aber macht, weil man sich gerade mal ärgert, finde ich nicht passend. Ich würde mir überlegen, wie ich das Problem grundsätzlich angehen kann.
 
  • #17
Ich habe ja das Glück, eine sehr liebe Mutter zu haben.
Bei uns fing das früh an - Muttertag hiess als kleiner Bub, Frühstück zu machen, Erdbeertorte zu kaufen und ein kleines Geschenk. Natürlich zunächst unterstützt vom Vater .... der die Einladung zum Restaurantbesuch übernahm. Blumen durften natürlich auch nie fehlen.
Dann kam die Zeit, als Mutter zum Muttertag neben Blumen eine kleine Reise, ein Wellnesswochende o.ä. bekam.
Jetzt fällt schon zum 2. Mal der Restaurantbesuch aus. Nicht so schlimm, ihr Lieblingsrestaurant wird liefern ....Blumen gibt es noch immer, inzwischen ist aber Käsesahnetorte angesagt.

Für meinen Bruder und mich ist das einfach ein Tag, um Danke zu sagen. Und V möchte meiner Mutter auch etwas schenken .... die beiden und Blumen, Pflanzen, Garten .......
V s Mutter ist sehr traditionell, sie erwartet ihre beiden Töchter zum Frühstück. Und auch von den jeweiligen Männern der beiden ein Geschenk. ich mache mit - nicht wie bei meiner Mutter aus dem Bedürfnis heraus, sondern um V eine Freude zu machen. Der Mann der Schwester weigert sich .....

Ich denke, solche Traditionen sind gewachsen und irgendwie auch wertvoll. Ich führe das gerne weiter. Und ja - ich denke, ein Bruch beschwört mehr Ärger herauf, als es der Familie gut tut. Solange es meine Mutter gibt - solange werde ich ihr eine Freude am Muttertag machen. Weil sie es verdient hat und ich es will.
 
  • #18
Vielen Dank für eure bisherigen Antworten.
Ich habe mich schon so gut wie möglich von meiner Mutter und meinem Vater (leider ist auch er sehr schwierig) abgegrenzt, abgrenzen müssen, um den Kontakt irgendwie auszuhalten. Wären es nicht meine Eltern, hätte ich den Kontakt schon gänzlich abgebrochen.
Allerdings verstehen sie es nicht und es kommen ständige Vorwürfe warum ich mich so selten melde bzw. vorbeikomme.
Sie sind nicht in der Lage, mal zu sehen warum das so ist.
Versuchte Klärungsgespräche haben nichts genützt. Sie haben ihre konservativen festen und starren Ansichten, wie das Leben und auch ihre Kinder zu funktionieren haben.
Ich habe noch einen jüngeren Bruder. Der ist aber das Lieblingskind und macht alles gut und richtig. Er ist zwar auch schon fast fünfzig, aber immer noch sehr elternhörig 🤦‍♀️ Naja muss er selbst wissen.
Ich will meine Mutter auch nicht bestrafen, indem ich ihr nichts schenke. Aber vielleicht hoffe ich, daß sie die Sprache eventuell versteht und mal darüber nachdenkt.
 
  • #19
Ich hatte ein extrem problematisches Verhältnis zu meiner Mutter, sie war auch sehr egoistisch und gefühlskalt.
Aber auf solche Feiertage legte sie immer sehr viel Wert, besonders auf den Muttertag - die Erhöhung des Mutterseins stammte für diese Generation aus einer anderen Zeit.

Ich glaube, das habe ich mit Augenmaß behandelt und sauber getrennt: sie hat bestimmte Sachen als Mutter gut richtig gemacht - alles was die reine Versorgung anging und das mit vielen Kindern unter schwierigen Bedingungen. Das allein legitimierte, dass ich den Muttertag nie habe ausfallen lassen, selbst wenn sie unmittelbar vorher einen 12-Ender erlegt hatte. Da stand ich einfach drüber.

Auch ihre emotionale Kälte, die oft mit Streitlust einherging hatte nachvollziehbare Gründe in ihren Lebensbedingungen (Nazizeit, Krieg, Flucht, ihre Mutterbeziehung). Mir war immer wichtig, das Gesamtbild zu sehen, nicht nur was aktuell ist, sondern woher das kommt.
Ich versuche auch zu verstehen, warum meine Mutter so kalt ist und auch narzisstische Züge hat. Sicher hatte sie auch keine leichte Kindheit (bösartiger Vater, Mutter hat immer im Schichtdienst gearbeitet, hatte wenig Zeit) aber kann man nicht versuchen, es bei den eigenen Kindern besser zu machen?
Na klar hat sie sich auch gekümmert und mich als Kind versorgt, aber nicht mehr. Ist das nicht die Mindestpflicht von Eltern?
 
  • #20
Deine Mutter hat sich bis jetzt nicht geändert; die Wahrscheinlichkeit, dass die sich noch ändern wird, ist gering. Eure Beziehung kann ja von außen keiner wirklich bewerten. Du kannst ja mal Kälte mit Kälte beantworten. Du hast ja nichts zu verlieren. Das musst du dann aber beim nächsten Treffen auch durchstehen.
 
  • #21
Erst (als Jugendliche) bin ich innerlich auf Distanz zu ihr gegangen, sodass ihre Ausbrüche mich nicht mehr so getroffen haben.
Ein paar Jahre nachdem ich ausgezogen war, habe ich den Kontakt sukzessive immer weiter reduziert, habe mir dann auch weiter entfernte Arbeitsplätze gesucht, damit ich gut begründen konnte, warum ich selten komme.
Regelmäßige Anrufe, die auch immmer schwierig mit ihr waren (sehr angriffslustig) weil ich nie richtig war, funktionierten für mich ganz gut. Dabei konnte ich die innere Distanz aufrecht halten.
Wie gelingt dir das mit der innerlichen Distanz?
Da ich ein sehr sensibler Mensch bin, nehme ich mir vieles im Leben sehr zu Herzen und es ist für mich auch mit Ü50 immer noch "schwere Arbeit" das nicht zu tun.
 
  • #23
Sie meint wie immer alles richtig zu machen und sieht keine eigenen Anteile an Problemen zwischen uns. Nun habe ich mich entschlossen, ihr dieses Jahr aus diesem Grund kein Muttertagsgeschenk zu machen
Ok. Meinst du, dass deine Mutter es dann begreifen wird? Eher nicht.
Mache dich unabhängig davon, wie deine Mutter sich verhält. Sonst bist du wie sie. Viele Mütter der älteren Geberation sind durch harte Zeiten gegangen und früher waren Liebe etc. in deren eigenen Elternhaus Mangelware.
Überleg mal, wie man so um 1930 mit Kindern umgegangen ist.
Dh nicht alles hinzunehmen. Wie vorher schon geschrieben wurde, den Kontakt dosieren.
 
  • #24
Ich versuche auch zu verstehen, warum meine Mutter so kalt ist und auch narzisstische Züge hat.
aber kann man nicht versuchen, es bei den eigenen Kindern besser zu machen?
Du beschreibst Dich ja als sensibel, also eher warm.
Sie als narzisstisch, eher kalt.

Das ist dann so. Du hast sie nie erreicht. Das wird m. M. n. immer so bleiben. Das ist ihr Muster. Fest mit ihr verankert.
 
  • #25
Deine Mutter hat sich bis jetzt nicht geändert; die Wahrscheinlichkeit, dass die sich noch ändern wird, ist gering. Eure Beziehung kann ja von außen keiner wirklich bewerten. Du kannst ja mal Kälte mit Kälte beantworten. Du hast ja nichts zu verlieren. Das musst du dann aber beim nächsten Treffen auch durchstehen.
Erfahrungsgemäß nimmt einem auch die eigene Mutter erst ernst wenn man standing hat und sich nicht alles gefallen lässt. Erprobt, empfohlen. Meine Schwester hat das nie hingekriegt, sie leidet noch immer.
 
  • #26
Ich versuche auch zu verstehen, warum meine Mutter so kalt ist und auch narzisstische Züge hat. Sicher hatte sie auch keine leichte Kindheit (bösartiger Vater, Mutter hat immer im Schichtdienst gearbeitet, hatte wenig Zeit) aber kann man nicht versuchen, es bei den eigenen Kindern besser zu machen?
Na klar hat sie sich auch gekümmert und mich als Kind versorgt, aber nicht mehr. Ist das nicht die Mindestpflicht von Eltern?
Hi,
gerade wenn die eigenen Eltern schon den Zenit überschritten haben und auch du selbst, ist es leichter, niemanden mehr verändern zu wollen und mit dem Status Quo klarzukommen. Das sagen die Foristen hier ja recht einstimmig.
Meine Eltern haben zum Glück nur Macken, nichts Gravierendes, aber auch bei ihnen bin ich, seit sie 60 sind, dazu übergegangen, sie so zu akzeptieren, wie sie sind, anstatt ihnen die Welt erklären zu wollen. Sie leben in ihrer eigenen Welt, da hilft es mir, zuzuhören, statt selbst zu reden.
Da deine Eltern ja anscheinend viele Defizite in eurer Erziehung hatten, fällt das sicher sehr viel schwerer. Aber auch ich halte die Bestrafung am Muttertag für kindisch.
Tatsächlich beginne auch ich dieses Jahr, nichts mehr zum Muttertag zu schenken, aber bei mir ist das eher so, dass auch ich diesen Werbehype total doof finde. Dann schenke ich ihr halt nächste Woche Blümchen, wo sie halb so viel kosten. Selbst wenn das ihre Erwartungshaltung so enorm stören würde wie deine Mutter: DU bist eine erwachsene Frau, ihr seid jetzt auf Augenhöhe. Sie muss dich nicht mehr erziehen.
Ich denke, dass dir das grundsätzlich helfen könnte:
Versuche, aus der Rolle "Kind" auszubrechen.
Das tat ich vor ein paar Jahren, das tat mir und der Beziehung zu meinen Eltern total gut.
Darauf gebracht hat mich mein Freund, der als Außenstehender mein Rollenverhalten mit meiner großen Schwester hinterfragte. Darauf wäre ich von selbst NIE gekommen!
Seit diesem Tag begann ich, uns nicht mehr in der alten Familienkonstellation zu sehen, sondern als Erwachsene auf Augenhöhe. Seitdem kann ich mich mit meiner Schwester wunderbar wie mit einer guten Freundin unterhalten, wo ich vorher immer die kleine Schwester gab und ihr Verhalten und ihre Aussagen nur in diese Richtung interpretierte, obwohl sie das nicht so meinte.
Seit ich das Gleiche bei meiner Mutter anwende, kommen wir viel besser klar, weil schon von meiner Seite eine viel bessere Trennung von Alltagskonversation und Gefühlen funktioniert. Probier's aus!
W37
 
  • #27
... hoffe ich, daß sie die Sprache eventuell versteht und mal darüber nachdenkt
Gib es auf, denn es führt zu nichts. Deine Eltern sind alt. Die ändern sich nicht mehr und die verstehen auch nichts mehr, denn sie waren immer in ihrem Film und werden die restlichen Jahre auch darin bleiben - egal wie vermeiintlich fit sie sonst noch sind.
Du musst Deinen für Dich verträglichen Umgang finden und wenn das noch weniger Kontakt ist, dann ist das so - egal was sie dazu sagen. Weil sie sich nicht ändern musst Du gucken, welche Giftdosis Du Dir zumuten kannst.

Sicher hatte sie auch keine leichte Kindheit ... es bei den eigenen Kindern besser zu machen?
Offensichtlich konnten es sowohl Deine wie auch meine Eltern nicht. Ich habe mit 18 Jahren einfach akzeptiert, dass sie sind wie sie sind und solche Fragestellungen aufgegeben, den Ist-Zustand hingenommen.
Das hat es einfacher gemacht, als weitere 40 Jahre rumzuhadern, warum ich so lieblose Eltern habe.
Irgendwann habe ich dann geguckt, warum sie so sind - Fachliteratur, denn Gespräche hätten nichts gebracht.

Na klar hat sie sich auch gekümmert und mich als Kind versorgt, aber nicht mehr. Ist das nicht die Mindestpflicht von Eltern?
Ach weißt Du, man muss das alles in Relation zu den Möglichkeiten setzen. Pflichten muss man auch erbringen können. Und da kann die persönliche Geschichte der Eltern dem Ganzen im Weg stehen. Das ist der Maßstab, den man anlegen sollte, statt auf etwas zu beharren was ihnen nicht möglich ist.

Wie gelingt dir das mit der innerlichen Distanz?
Es war radikale Akzeptanz:
1. Sie sind wie sie sind und ändern sich nicht mehr.
2. Es gibt Gründe, warum sie so sind und nicht anders sein können.
und Handling:
3. Maximaler Rückzug. Wann immer es mir schlecht ging, machte ich mich unerreichbar.
4. Garnicht rumstreiten, sondern es in buddhistischer Grundhaltung wie Wolken am Himmel vorbeiziehen lassen
5. Du kannst Dich mit mir nicht streiten wenn ich mich nicht streiten will, sondern gebe den Wackelpudding, in dem alles versinkt "ja, denke ich mal drüber nach..." - den Teufel werde ich tun.

Meine Eltern sind beide Mitte Siebzig, gesund und stehen noch mitten im Leben. Also keineswegs alt und gebrechlich.
Deswegen haben sie trotzdem altersstarres Denken. Schmeiß Deine Maßstäbe weg und benutz ihre wenn es um ihr Verhalten geht, denn sie tun das auch. Anders raspelst Du Dich ergebnislos dran auf.
Deine Maßstäbe sind nur für Dein Verhalten.
 
  • #28
Aber vielleicht hoffe ich, daß sie die Sprache eventuell versteht und mal darüber nachdenkt.
Sehen wir es mal nüchtern: sie wird es nicht verstehen. Und deswegen verbesserst Du damit nichts.
Es ist auch für alte Menschen nie zu spät zu lernen, dass sie ihre Kinder schlecht behandelt haben.
Manchmal meinen Menschen, sich für die Erziehung ihrer Eltern revanchieren zu müssen. Andere Menschen erziehen zu müssen, kann dann auch zur Lebensaufgabe werden. Mir tun irgendwie deren Kinder leid, denn eigentlich haben sie dann aus dem wenig gelernt, das sie lautstark kritisieren. Und sich auch nicht erwachsen von ihren Eltern gelöst. Sie halten nur Abstand.
 
  • #29
Sehen wir es mal nüchtern: sie wird es nicht verstehen. Und deswegen verbesserst Du damit nichts.

Manchmal meinen Menschen, sich für die Erziehung ihrer Eltern revanchieren zu müssen. Andere Menschen erziehen zu müssen, kann dann auch zur Lebensaufgabe werden. Mir tun irgendwie deren Kinder leid, denn eigentlich haben sie dann aus dem wenig gelernt, das sie lautstark kritisieren. Und sich auch nicht erwachsen von ihren Eltern gelöst. Sie halten nur Abstand.
Hm, du meinst vermutlich mich. Meine Haltung hat dazu geführt, dass sich meine Mutter mir gegenüber anständig benommen hat. Auch mit 95. Gegenüber meiner Schwester, die sich nie positioniert hat, war sie ganz anders. Mich hat sie respektiert, meine Schwester weiterhin nicht. So löst man sich, standing. Sag ich doch. Man bleibt zwar weiter das Kind, aber man muss sich ja nicht so benehmen.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #30
Wie gelingt dir das mit der innerlichen Distanz?
Das Wichstigste um zur inneren Distanz zu kommen ist: die eigenen Grenzen kennen - was kann und will ich aushalten (wobei es mir immer noch gut geht) und warum (eigenes Wertesystem).

Wer sehr sensible (verletzlich?) ist, kann vermutlich weniger aushalten. Wer erkennen kann, warum das Gegenüber so ist, kann auch mehr aushalten, selbst wenn er deren dahinterliegendes Wertesysteme nicht teilt. Da helfen dann die Grenzen ungemein und natürlich trickreiches Bedienen der Muster der Eltern, damit man selber unbeschadet da raus kommt.

Ich habe, wenn ich nicht kommen wollte, gezielt Bälle ins Spiel gebracht, mit denen sie sich beschäftigen und auf mir rumhacken konnten - stört mich nicht, ich war ja nicht da.
Bei uns in der Familie war z.B. Arbeit immer ein hoher Wert. Auch wenn meine Eltern meinen Berufsweg immer abgewertet haben, waren sie doch stolz darauf. Also habe ich immer Arbeit und Weiterbildungen vorgeschoben, wenn ich keine Lust auf einen unerfreulichen Besuch bei ihnen hatte.
Machmal habe ich sogar gesagt, "zu viel Arbeit in der Woche gehabt, muss mal ausruhen" - geht garnicht bei meinen Eltern. So was machte ich absichtlich, denn dann wusste ich, dass mein Vater seinen Furor jetzt an mir austobt und meine Mutter in Ruhe lässt. Im Gegenteil: sie haben sogar ein gutes WE, weil sie ja über mich, meine Abgeschlafftheit, die leistungsschwache junge Generation herziehen konnten und somit auf einige Zeit ein richtig gutes Gesprächsthema für jeden, der sich bei ihnen meldet.

Meine Geschwister waren manchmal schockiert, dass ich sowas unverfroren sagte, statt mich rauszumogeln.Aber ich wusste doch, dass ich sie damit auch aus dem Fokus nahm und für die Eltern sowieso unerreichbar war weil ein paar hundert km entfernt.
Denn das war mein Vorteil: ich habe schon ganz jung verstanden: ich muss da ganz weit weg, wenn ich ein selbstbestimmtes Leben haben will.

In ganz hohem Alter meinte mein Vater mal, dass es nicht richtig war, wie er uns Kinder behandelt hat, aber da lag sein Fokus auch, auf den, was ihm widerfahren ist und dass er deswegen nicht anders konnte. Hat mich gewundert, dass er überhaupt so weit gekommen ist, aber egal, was eh nicht mehr zu ändern.
 
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