• #1

Früh in der Beziehung schon Zweifel

Hallo,


ich bin erst seit kurzem mit meinem Freund zusammen, inzwischen sind es ca. 4 Monate.

Und obwohl es erst eine kurze Zeit ist, plagen mich schon jetzt Zweifel an der Beziehung. Ich denke, dass es vor allem an den Umständen liegt, unter denen ich ihn kennengelernt habe und die Beziehung eingegangen bin.


Zu dem Zeitpunkt kam ich gerade erst aus einer sehr schwierigen Geschichte/ Affäre raus, war enttäuscht und verletzt worden und stürzte mich wohl zu schnell in die Beziehung mit ihm. Ich weiß inzwischen, dass ich mir mehr Zeit hätte geben müssen, um die alten Wunden zu überwinden.

Aber als ich ihn kennenlernte, half es mir einfach die Schmerzen zu vergessen, ich habe die Zeit mit ihm genossen und wollte ihn nicht so einfach wieder wegschicken. Was die Überwindung der alten Geschichte angeht, hat er mir auch viel geholfen und ich verspüre auch überhaupt kein Bedürfnis zu diesem vorherigen Mann zurückzukehren.


Aber inzwischen plagen mich eben Zweifel, ob mein jetziger Freund der Richtige ist oder ich die Sache doch überstürzt angegangen bin und in meinem Schmerz eine Beziehung eingegangen bin, die vielleicht doch nicht passt.

Ich schätze viele Dinge sehr an ihm. Seine Art mit mir umzugehen, seine Geduld, sein Verständnis, seine Zärtlichkeit, der Sex, dass wir Interessen teilen, oft den gleichen Geschmack haben, dass ich vor ihm zu 100 Prozent ich selbst sein kann, seinen Humor usw.

Aber ich merke eben auch, dass es einige grundlegende Dinge gibt, die mich stören. Zum Beispiel ist er sehr introvertiert, wenn ich ihn irgendwohin mitnehme und manchmal fehlen mir diese Gespräche über „Gott und die Welt“ bzw. eine andere Form der „intellektuellen Stimulation“, da ich insgesamt das Gefühl habe, ihm intellektuell überlegen zu sein. Zudem nervt mich manchmal, dass er sich schon sehr stark nach mir ausrichtet. Was zwar nett gemeint ist, aber eben auch zu wenig Eigeninitiativen seinerseits und einem Verantwortungsgefühl meinerseits führt.


Dazu kommt, dass es für mich die erste richtige Beziehung ist und ich somit keinen Referenzrahmen habe, ob solche Zweifel so früh „normal“ sind. Zudem ist es aber auch vielleicht ein weiterer Grund für meine Unsicherheit bezüglich der ganzen Sache.

Muss ich solche Zweifel also als Zeichen nehmen, dass es langfristig doch nicht passt? Oder ist es einfach normal, dass sich nach so einer Zeit eben auch mal Zweifel einstellen, weil man dann die nicht so schönen Seiten des Partners kennenlernt?
 
  • #2
Muss ich solche Zweifel also als Zeichen nehmen, dass es langfristig doch nicht passt? Oder ist es einfach normal, dass sich nach so einer Zeit eben auch mal Zweifel einstellen, weil man dann die nicht so schönen Seiten des Partners kennenlernt?
Ja, nimm deine Zweifel als Zeichen, dass es nicht passt! Auf dein Bauchgefuehl zu achten ist wichtig, dein Bauch weiß es! Würdest du bleiben, was ich dir nicht rate und du wirst sehen, die Zweifel nehmen zu und wachsen! Die meisten Probleme in Beziehungen werden zu lange schoengeredet und haetten schon viel früher angegangen werden.sollen!
Aber ich merke eben auch, dass es einige grundlegende Dinge gibt, die mich stören.
Es fehlt hier an Liebe und an Kompatibilität! Unerfahrene werden.dir sagen bleib in dieser Beziehung, es wird sichj schon noch mit der Zeit positiv aendern, ich sage NEIN! Die beziehungsprobleme sind sehr früh hausgemacht und aus bequemlichkeitsgruenden läßt man es solange laufen, bis es dann nicht mehr geht!
 
  • #3
Nach 4 Monaten? Ein bisschen zweifelt man immer. Aber es klingt fuer mich sehr stark als ob du ihn auch benutzt hast um der Einsamkeit und damit der Trennungsverarbeitung zu entkommen. Nehm mir diese Einschaetzung bitte nicht uebel. Aber Trauerarbeit ist heftig und ich weiss aus eigener Erfahrung und durch das lesen von wissenschaftlicher Literatur das Frauen dazu neigen sich schnell einen "Lueckenbuesser" zu suchen.

Maenner haben ganz andere Verarbeitungsmechanismen, fahren lieber viel zu schnell Auto, machen viel Party, trinken oft zuviel und machen sonst auch sehr viel scheiss wenn ihnen das Herz gebrochen wurde.

Du musst in dich gehen. Was ist der neue kerl fuer dich??
Wenn es ein Lueckenbuesser ist, ist das (noch) nicht schlimm. Aber wenn du ihm das nicht sagst finde ich das persoenlich schlimm. Wenn er nicht zu dir passt, dann sag es ihm. Vielleicht verlierst du ihm, aber wenn du ihn beluegst, spielst du mit ihm. Du verletzt ihn. Und wenn du Empathie hast, verletzt du dich damit letztendlich selbst.

Zusammengefasst: Ich kann dir nicht sagen ob er ein Ernstzunehmender Partner ist. Aber meiner Erfahrung nach, sollte man in den ersten 6 Monaten nicht zuviele Zweifel haben. Erst danach, sieht man die Fehler seines Partners.

Wenn man aber schon nach wenigen Wochen/Monaten starke Zweifel hat, ist das meiner Meinung nach ein Zeichen dafuer, das man nicht mit demjeigen Partner zusammen sein will, sondern nur nicht alleine sein will. Zwischen den Zeilen lese ich du findest ihn "dumm" und er nervt dich. Benutzt du ihn nur weil du nichts besseres im Moment hast?

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Ich hoffe du findest zur richtigen Entscheidung.

M 29
 
  • #4
Muss ich solche Zweifel also als Zeichen nehmen, dass es langfristig doch nicht passt? Oder ist es einfach normal, dass sich nach so einer Zeit eben auch mal Zweifel einstellen, weil man dann die nicht so schönen Seiten des Partners kennenlernt?
Dein Bauchgefühl ist richtig. Wärest du verliebt, hättest du diese Zweifel nicht. Immer aufs Bauchgefühl hören, das irrt sich selten.
 
  • #5
Hallo, Madeleine!

Zweifel an der Beziehung können immer wieder auftreten und sind normal. Vor allem, wenn man der Typ ist, der auch in anderen Bereichen gerne mal was hinterfragt ... Nach vier Monaten ist es auch ein typischer Zeitpunkt: die Beziehung ist nun keine Affaire mehr, man fragt sich: ist es jetzt ernst? Bleibt das alles jetzt so für IMMER?
Bei Euch klingt es nach einen Nähe-Distanz Problem. Er "hockt dir zu sehr auf der Pelle", und nun stellst du alles andere auch gleich mit in Frage.
Lass mal locker! Geniess das, was mit ihm schön ist. Ein Mann kann nicht alle deine Wünsche/Interessen zu 100% "bedienen". Er ist letztlich immer ein anderer Mensch. Bleib auch du ein eigener Mensch und verfolge deine eigenen Interessen, genauso wie als du noch Single warst.
Ich habe ein tolles Buch zu dem Thema gelesen: "Ich lieb dich Dich nicht, wenn Du mich liebst"
Darin wird "Nähe auf Probe" für den aktiveren Partner und "Distanz auf Probe" für den passiveren Partner empfohlen. Vielleicht lohnt es sich für Euch?
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #6
Was ich noch sagen wollte: was du alles an positiven Punkten aufzählst, klingt wirklich toll und ist mehr, als es in vielen Partnerschaften gibt. Ihr habt wirklich eine tolle Beziehung, es lohnt sich, ein wenig darin zu investieren.
 
  • #7
Liebe kommt nie zum richtigen Zeitpunkt! Würde alles nach Plan verlaufen, würde man es nicht wertschätzen, was man hat!

Das Problem ist nicht dein Freund, sondern du. Warum zum Teufel hast du Probleme mit introvertierte Menschen? Jeder Mensch ist unterschiedlich, jeder Partner hat seine Macken. Dir fehlt die Beziehungserfahrung, um zu wissen, dass es keinen perfekten Partner gibt. Frage dich das mal selber, warum das für dich so problematisch ist? Er ist nun mal so! Und Introvertierte sind angenehmer als laute Menschen! Ich würde einfach mal was ertragen lernen. Weil das sind keine grundlegend wichtigen Eigenschaften. Wichtig ist, dass man sich verteht.
Wenn dein Partner nicht intellektuell mit dir reden kann, frage dich, ob das Problem nicht deine Gesprächsart ist? Vielleicht bist du ihm zu laut, zu aufgedreht. Da haben introvertierete Menschen keine Lust, sich zu äußern und lassen die lauten eben laut sein, weil es nervt.

Ich würde es schätzen, was ich jetzt habe, denn wer weiß, ob dein Freund immer bei dir bleibt?

Jammern gilt nicht. Trenn dich, wenn du deinen Zustand als so miserabel erachtest. Aber vergiss nicht, auch dankbar zu sein, dass dich nach deiner Affärezeit jemand so schnell aufgefangen hat!
 
  • #8
Liebe FS,

ich hatte selbst noch keine ernsthafte Beziehung und somit keine Ahnung, was da "normal" ist und was nicht. Dennoch maße ich mir hier an, zu sagen: ich glaube, der Mann ist es nicht für dich.

Die Situation, die du hier schilderst, ist ein absoluter Klassiker. Ich schrieb es heute schon in einem anderen Thread: nach einer Enttäuschung in Liebesangelegenheiten (verlassen worden, beim Schwarm abgeblitzt) stürzen sich viele Menschen in halbherzige Trostbeziehungen. Auch ich wäre dieser Versuchung fast schon einmal erlegen.

Man ist einsam und verletzt; das Selbstwertgefühl liegt am Boden. Da tut es gut, jemanden zu haben, der einem uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Zuneigung zuteil werden lässt - der einen will und damit den Beweis erbringt, dass man doch nicht so unattraktiv ist, wie man sich gerade noch gefühlt hat. Man hat vielleicht auch das kindische Bedürfnis, dem Ex zu zeigen: "Schau her, es gibt Männer, die mich wollen!", gerade wenn eine andere Frau der Grund für die Trennung war (war bei meiner Affäre damals so).

Fair gegenüber dem Partner ist es nicht, wenn er hauptsächlich als Seelenmülleimer und Egostreichler gewollt ist und nicht als Mensch mit all seinen Facetten.
 
  • #9
Liebe Madelaine, ich bin seit über 20 Jahren verheiratet. Glücklich verheiratet. Überglücklich verheiratet.

Aber auch ich stellte mir anfänglich ähnliche Fragen wie Du.

Frag die User, welche Dir hier zur Trennung raten, weil nicht ALLES 100% so ist, wie Du es Dir wünschen würdest, und weil Du nicht Hals über Kopf verliebt bist, wie lange deren -glückliche- Beziehungen so hielten, bzw. wie oft die Liebe auf dem ersten Blick zu bösen Trennungen führte.
Alles was Du über Deine Beziehung schreibst klingt toll.
Er ist introvertiert und Dir intellektuell ein wenig unterlegen.
Ersters kann in manchen Situationen sehr, sehr angenehm sein... zweiteres: eventuell liegen seine Kernkompetenzen auf anderen Gebieten. Meinen intellektuellen Austausch lebe ich mit Freunden... für die muss ja auch noch was übrig bleiben.. ;-)
Also lass Dich hier nicht verrückt machen, vor allem nicht von Dauersingles, mehrfach Beziehungsgescheiterten und denen, deren Ansprüche an den passenden Partner so umfassend sind, dass ihnen seit Jahrzehnten kein passendes Exemplar den Hof machte.
Keep calm.....
 
  • #10
Ich werde hellhörig bei der Formulierung "intellektuell überlegen". Das finde ich dauerhaft schwierig für ein Beziehung. Mein jetziger Partner und auch der vorherige sind im Gegensatz zu mir keine Akademiker, trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass ich ihnen intellektuell überlegen bin, weil sie trotz fehlendem Uni-Abschluss gebildet sind und politisch und kulturell interessiert.
Wenn das nicht der Fall wäre, würde mich das auch stören. Ich persönlich brauche die intellektuelle Augenhöhe in einer Beziehung.

Allerdings kann dein Partner auch an dir wachsen, neue Sichtweisen kennenlernen, seinen Horizont erweitern. Du selber kannst am besten wissen, ob das möglich wäre.
 
  • #11
Liebe Madeleine!

Wenn du dich mit ihm gut fühlst, und das was ihr habt genießt, dann genieße es doch noch weiter.
Wenn die Zweifel und schlechten Gefühle, dein genervt-sein von der intellektuellen Ungleichheit etwa, überhand nehmen, dann lass es mit ihm.
Ich bin auch schon kurze Zeit nach einer Trennung in etwas Neuem, das aber gerade erst anfängt. Klar, bist du vorsichtig, willst nicht "Alles geben" und das Risiko eingehen, erneut enttäuscht und verletzt zu werden. Aber die Möglichkeit gibt es immer.
Finde für dich heraus, was stärker ist. Die guten Gefühle mit ihm zusammen, oder die Zweifel. Dann triff eine Entscheidung mit Bauch und Herz und nicht aus dem Kopf heraus...sagt sich leicht, ich weiß...
 
  • #12
Natürlich solltest du nicht bei jemandem bleiben, nur aus schlechtem Gewissen heraus, der überhaupt gar nicht zu dir passt.

Andererseits sehe ich es schon so, wie viele Mitforisten: man kann nicht alles in einer Beziehung haben. Ich bin eine Freundin von weniger Idealismus und mehr Realismus in der Liebe. Sprich, alle Idealistischen Erwartungen streichen und den anderen annehmen, wie er ist. Und Mensch sein lassen, genau wie man selbst. Und auch die Erwartung, dass DAS jetzt der Richtige für immer, bis An das Lebensende sein muss, halte ich grundsätzlich für unrealistisch. Wenn es eintreten sollte, dann ist das super, aber es ist nicht schlimm, wenn das nicht passiert. Wenn man sich so von seinen Erwartungen lösen kann, dann lebt man ziemlich stress- und angstfrei, und es passieren in der Partnerschaft Dinge, die man erst nicht für möglich gehalten hat.

Wenn sich allerdings beim Gedanken daran, die Beziehung zu ihm aufrecht zu erhalten, der Magen umdreht, dann solltest du darauf hören.

Diese Entscheidung kannst aber nur du alleine treffen.
 
  • #13
Was ich noch sagen wollte: was du alles an positiven Punkten aufzählst, klingt wirklich toll und ist mehr, als es in vielen Partnerschaften gibt. Ihr habt wirklich eine tolle Beziehung, es lohnt sich, ein wenig darin zu investieren.
Ich stimme dir zu und die FS hat überhaupt keine Gedanken an die vorherige Affäre und kein Bedürfnis zum anderen Mann zurück zu gehen. Das ist völlig logisch und normal, denn wer möchte sozusagen in eine Hölle gehen, wo man mehr gelitten hat, als das man glücklich war und immer wieder verletzt wurde.

Ich sehe es so, dass ihr diese Mann zumindest zur Zeit sehr gut tut und sie sich mit ihm fast immer wohl fühlt. Was sie stört ist seine Introvertiertheit und seine Passivität und ich kann auch verstehen, dass sie sich Gedanken darüber macht, wie es wohl in Zukunft wird? Die Frage ist auch, wird sie damit leben können die aktivere in der Beziehung zu sein und selbst zum grössten Teil die Beziehung am Leben zu halten und auch die Freizeit aus Eigeninitiative zu gestalten?

Ich kenne beides, ich kenne Männer mit denen ich Beziehung hatte und diese aktiv waren, keine Stubenhocker und die immer Ideen und Vorschläge hatten, was man zusammen machen könne aber auch Männer, welche passiv waren und zu meinen Ideen und Vorschläge immer ja und amen sagten und sehr anhänglich waren und ich mir dann mehr als der Mann in der Beziehung vorgekommen bin, welcher die Richtung vorgibt.

Ich denke es gibt keine ideale Beziehung und keinen idealen Partner, dass das alles nur eine Vorstellung in unserem Kopf ist. Wir alle Menschen haben bestimmte Vorstellungen und Ideen, wie wir uns eine Beziehung wünschen und wie der Traumpartner sein soll aber Fantasie und Realität sind immer zwei paar verschiedene Schuhe.

@madeleine natürlich kannst du diese frühe Beziehung schon jetzt beenden in der Hoffnung, einen passenden Partner zu finden, denn die Hoffnung hat man ihm immer aber keine Garantie, dass es mit dem nächsten besser wird als mit dem jetzigen. Diese Hoffnung hatte ich auch immer, wenn ich eine Beziehung beendete aber einmal starb der nächste viel zu früh und heute weiss ich, dass es auch mit ihm nicht leicht wäre.

Vielleicht kannst du dir drei oder vier Wochen Auszeit nehmen, um dir klar zu werden, was du wirklich möchtest, denn du bist eindeutig viel zu früh in diese Beziehung gestürzt. Wenn man Glück hat dann ist/war gerade dieser Übergangsmann sogar der richtige!
 
  • #16
Ich bin in einer ganz ähnlichen Situation wie du und hätte hier ähnlich posten können - nun liegt die Trennung von meinem Mann schon etwas länger zurück, aber ich meinte, ich bräuchte vielleicht mehr Zeit. Nun habe ich es aber doch einfach gewagt, weil ich mich verliebt hatte - und ich habe nach 4 Monaten mit ihm Zweifel hier und Zweifel da. Gleichzeitig kann ich aber auch genau die wunderbaren Dinge über meinen Partner sagen, die du aufgezählt hast. Und spannend finde ich, dass du schreibst, du kannst 100 Prozent du selbst sein, wenn du mit ihm zusammen bist. Das ist erstens eine wunderschöne Sache, die man nicht so einfach wegschmeißt. Zweitens sagt mir der Satz, dass du das normalerweise nicht kannst. Ich kann das auch nicht - aber ich weiß inzwischen, dass das MEIN Problem ist. Ich lerne jetzt erst, "bei mir" zu sein, egal mit wem ich zusammen bin, auch wenn ich mit Menschen umgehen muss, die ich nicht mag, die schwierig sind, die mir fremd sind usw. Wenn du das "bei dir sein" nicht beherrschst, wirst du immer zweifeln, weil du nicht gelernt hast, deine Gefühle richtig wahrzunehmen und zu respektieren. Du klingst danach, deine Probleme eher mit dem Kopf zu lösen, als mit einer gesunden Mischung aus Herz und Verstand. So etwas wie ein gesundes Bauchgefühl, das ja angeblich nie lügt, hast du vermutlich gar nie gelernt zu haben, deshalb kannst du auch nicht drauf hören. Du hast ja keins. Deswegen ist dir wohl auch nicht damit geraten, den Zweifel als Bauchgefühl zu nehmen, denn bestimmt zweifelst du auch am Zweifel (bei mir ist das so). Nun fehlt dir die intellektuelle Ebene mit deinem Freund etwas. Bist du vielleicht auch ein Kopffüßler? Und hattest als Kind auch Leistungsdruck und hast ihn vielleicht noch? "Darfst" vielleicht gar niemals etwas falsch machen?

Du willst es jetzt "richtig" machen - deswegen denkst du schon an Trennung, wenn du ihn noch gar nicht richtig kennst - und kennen kannst du ihn auch deswegen nicht richtig, weil du ja dauernd mit dir selbst und deinen Zweifeln beschäftigt bist - obwohl er dir gut tut.

Wie ich damit umgehe: ich trage meine Zweifel auf die Couch und lerne da, dass ich ruhig auch dem ganzen mal eine Chance geben kann, wenn ich es nicht genau weiß. Irgendwann werde ich es schon wissen - und wenn ich dann feststelle, ich will wirklich nicht mehr, dann ist das so und nicht schlimm. So lange du es einfach nicht weißt, schick die Zweifel in die Wüste, nicht ihn.
 
  • #17
Hm, irgendwie klingt es so, als sei das nur ein Trostmann für Dich und sonst stehst Du auf die Typen, die Dich rotieren lassen und nicht so anhänglich sind oder sonstwie "fordern". Ich vermute das, weil Du schriebst, dass Du aus einer schwierigen Geschichte/Affäre raus kamst. Also anscheinend hast Du keine glückliche Hand damit, Dir Beziehungen zu verschaffen, die ohne Drama abgehen. Darüber würde ich mal nachdenken - was für Typen reizen Dich und sind die gut für Dich oder hast Du im Kopf ein Programm "ich muss für Liebe=Selbstbestätigung arbeiten/leiden/Konkurrenz aus dem Weg räumen"?

Aber als ich ihn kennenlernte, half es mir einfach die Schmerzen zu vergessen, ich habe die Zeit mit ihm genossen und wollte ihn nicht so einfach wieder wegschicken.
So wie Du schreibst, siehst Du ihn Dir sehr unterlegen. "Wegschicken" und "half mir" klingt weder nach Liebe noch nach sexueller Erfüllung, sondern einfach nur nach "ich brauchte und nun brauch ich nicht mehr".
Seine Art mit mir umzugehen, seine Geduld, sein Verständnis, seine Zärtlichkeit, der Sex, dass wir Interessen teilen, oft den gleichen Geschmack haben, dass ich vor ihm zu 100 Prozent ich selbst sein kann, seinen Humor usw.
Das ist eigentlich genau das, was man sich wünscht. Aber: das ist bei weitem ja nicht alles. Wenn Du ein Programm im Kopf hast, was Du in Beziehungen empfinden "musst" (dazu gehören Dinge wie "ich werde herabgesetzt" oder "ich muss mich beweisen"), dann ist Deine Beziehung reizlos.
Ich denke, sobald einer vorbeikommt, der die "Knöpfe" bei Dir drückt, wirst Du Deinen Freund "wegschicken". Ich denke auch, dass er meint, wenn er Trost und Halt bietet für eine Frau, die aus einer schwierigen Beziehung kommt, reicht das als Basis. Das ist aber eher was für Freundschaften.
Mich irritiert, dass Dir der Sex so gefällt. Irgendwie hätte ich gedacht, dass Dir der Kick fehlt.
Überdenke, was Du in Beziehungen willst. Ich finde, Deine Zweifel und die fehlende intellektuelle Stimulanz sind schon ein Zeichen, dass es nicht passt. Aber vielleicht ist er nur unsicher und nicht Dir unterlegen oder seine Qualitäten liegen eben nicht auf dem intellektuellen, sondern dem gefühlsmäßigen Gebiet. Das kannst Du dann lange suchen bei manchen verkopften Akademikern, wo Du betteln musst, dass sie doch mal die Beziehung und Dich über ihre Arbeit stellen, über die sie ihr Selbstwertgefühl beziehen und sich deswegen DIR überlegen fühlen müssen.
 
  • #18
Hallo Madeleine,

vielleicht passt es einfach nicht.
Ich stimme einigen hier zu, den perfekten Mann/die perfekte Frau gibt es nicht und es gibt sicher einige, die genau danach suchen und nie fündig werden.
Allerdings ist eben nicht jeder nette, humorvolle, attraktive Mann dein potenzieller Freund. Es ist schön, dass du deinen Kopf mitentscheiden lässt, aber dein Herz und dein Bauchgefühl haben eben auch ein Wörtchen mitzureden.
Ich glaube, du bist zu wenig verliebt. Die "grundlegenden" Dinge, die du aufzählst, müssen jetzt nicht unbedingt KO-Kriterien sein, wärst du wirklich verliebt, dann wäre dir manches einfach egal.
 
  • #19
Zudem nervt mich manchmal, dass er sich schon sehr stark nach mir ausrichtet. Was zwar nett gemeint ist, aber eben auch zu wenig Eigeninitiativen seinerseits und einem Verantwortungsgefühl meinerseits führt.
Hi madeleine,

als jemand, auf den eine Beschreibung früher auch mal zugetroffen hätte (mit Ausnahme des intellektuell unterlegen sein), ist das für mich das stärkste Warnsignal. Aber noch nicht zwangsläufig ein K.O.-Kriterium. Es wäre aber gut wenn du ihm das liebevoll und sanft, aber doch klar sagst: Dass du nicht möchtest, dass er dir alles recht mach und sich in allem nach dir richtet, weil er dann früher oder später aufhört, als Partner zu existieren und nur noch ein nie greifbares Anhängsel sein wird. Übrigens killt das irgendwann auch die erotische Anziehung, weil der Mann dann nicht mehr präsent ist.
Er wird das evtl. nicht so ohne weiteres verstehen und wird vielleicht meinen, er wolle dich doch nur besonders gut behandeln und ein lieber Mann für dich sein. Sag ihm, dass liebevoll nicht bedeutet, sich ständig an dich anzupassen und zu verbiegen und nimm ihm bestimmte Entscheidungen nicht ab. Lass ihn zum Beispiel öfter mal vorschlagen und auch entscheiden, was ihr macht und wo ihr hingeht. Gib ihm nichts vor - er soll es in die Hand nehmen. Ich weiß nicht, ob es damit klappen wird, aber einen Versuch wäre es wert.
Wenn dein Unbehagen aber weiter wächst, dann ignoriere das nicht. m/44
 
  • #20
Madeleine, noch ein Punkt, der nicht in meinen ersten Post passte: komischerweise habe/hatte ich bei meinem Freund auch dieses Gefühl, er zeige weniger Eigeninitiative als mir lieb ist, obwohl er es war, der ursprünglich hinter mir her war - so ein bisschen so, jetzt wo er mich hat, kann er mich ja machen lassen (ebenfalls ein Grund, weshalb mich dein Post ansprach). Spannend jetzt für mich, dass @AufdrSuche diesen Aspekt hervorhebt. Spannenderweise ist dies für mich auch der größte Knackpunkt gewesen, um den meine Zweifel kreis(t)en und ich habe ihn deswegen vor ein paar Tagen angesprochen. Seitdem kommt wieder mehr von ihm!

Wenn du mir tatsächlich irgendwie ähnlich bist und dein Freund meinem, dann musst du ihm tatsächlich auch Raum geben, dass mehr kommen darf - nicht gleich alles an dich reißen. Du möchtest zwar, dass er Initiative ergreift, aber dein unbewusstes Beuteschema hat dir womöglich auch einen Menschen serviert, der sich deine Vorstellungen (und davon hast du wohl eine Menge) auch bereitwillig anpasst, weil du es (unbewusst) so möchtest. Wenn du immer alles durchdenkst, versuchst du Situationen vielleicht auch zu kontrollieren, indem du alle erdenklichen Parameter irgendwie versuchst abzuchecken, damit nichts "schiefgeht". Das geht natürlich nicht und geht auch am Gefühl vorbei.

Also pass auf, nicht jetzt zu Beginn gleich zupacken und alles regeln. Und ihm sagen, dass es dir wichtig ist, dass er seine Bedürfnisse kennt und kommuniziert. Dass du nicht willst, dass er es dir andauernd rechtmacht. Wenn er das kapiert und versucht umzusetzen, ist er intellektuell / verständig genug - es gibt kaum wichtigere Voraussetzungen für eine gute Beziehung! (Ich sage das auch, weil ihr ja durchaus gemeinsame Themen und Interessen habt... )