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Gast

  • #1

Fernbeziehung - andere Form des Singlesleben ?

Ich habe in meinem Umfeld ( alle so zwischen 45 und 55 Jahre ) vermehrt festgestellt, dass bewußt nach Fernbeziehungen gesucht wird und diese dann auch eingegangen werden.
Es handelt sich dabei um Beziehungen die so zwischen 150 und 300 Km Entfernung liegen, um wie gesagt wird ein plötzliches "Rüberrutschen" relativ ausgeschlossen ist.
Die Leute leben von Mo bis Fr. ihr Sololeben mit Freunden und Bekannten, Job und Freizeit und am WE, den Feiertagen und die Urlaube mit ihren Partnern.
Nun frage ich mich, ist diese freiwillig gewählte Form des " Singlesdasein" eine Form von - habe meine Ruhe und doch einen Partner für Liebe, Sex und schöne Stunden -? Oder will/ kann man sich in dem Alter nicht mehr fest binden und hat keine Lust auf die gemeinsame Alltagsbewältigung und die Fernbeziehung bringt mir eine schöne Zeit in der Zeit den Zusammenseins ?
Mich würden die Meinungen der Leute interessieren, die freiwillig eine Fernbeziehung auf längere Zeit unterhalten oder unterhalten haben.
 
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Gast

  • #2
...ich habe auch diesen Eindruck gewonnen, allerdings auch bei jüngeren Leuten. Interessant ist deine These, dass es eine "From des Singlelebens" ist. Da könntest du auch Recht haben.

Eine Fernbeziehung wird m.E. von einigen bewusst gewählt, um den "Partner" aus dem eigenen Leben besser draussen halten zu können. Es ist DAS bevorzugte Modell für Menschen, die sich nicht binden wollen! Sicherlich, manchmal geht's nicht anders in dem Sinne "wo die Liebe hinfällt" - wenn man sich zufällig total in jemanden verknallt, der weiter weg wohnt. Aber wie gesagt: viele suchen bewusst danach und wählen eine Fernbeziehung und zwar OHNE verliebt zu sein (denn wenn man verliebt wäre, wäre es ohnehin sehr quälend sich nicht auch mal spontan sehen zu können).
Traurig aber wahr.
w,41
 
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Gast

  • #3
Führe seit ca. 1,5 Jahren eine Fernbeziehung (300km) und war am Anfang über die Distanz nicht "traurig".

Wir hatten vor unserem Kennenlernen beide fast ein Jahrzehnt keine festeren Beziehungen
(unsere letzten waren mit sehr negativen Erlebnissen und Erfahrungen behaftet)
und mussten uns erst in einem langsamen Prozess wieder an Zweisamkeit und Miteinanderleben gewöhnen. Wäre ohne die Entfernung wahrscheinlich schiefgegangen!

Jetzt ist geplant (eine neue Arbeitstelle für mich vorrausgesetzt) zu ihr zu ziehen. Eine (vorläufige) Fernbeziehung kann auch durchaus Vorteile haben.

M
 
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Gast

  • #4
Ich (w 45) finde Fernbeziehungen super. Allein schon die Vorfreude, wenn man sich wiedersieht. Unbezahlbar! Das hat man in einer normalen Alltagskiste einfach nicht.
Die Liebe bleibt länger frisch. Die Nähe ist trotzdem da, weil Internetleitung und Telefon glühen und die Post gibt es ja auch noch.
Als eine meiner Fernbeziehungen sich in eine Nahbeziehung verwandelt hatte (er zog in meine Stadt), wurden die kleinen Aufmerksamkeiten und auch die Kommunikation immer spärlicher (Motto: wozu denn? Man sieht sich doch eh ...).
 
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Gast

  • #5
Nee auch wenn sich die Befürworter es sich selber schön reden, Eine Fernbeziehung hat nichts mit einer richtigen Beziehung zu tun. M.m. nach sind das Leute die angst vor nähe haben und beziehungsunfähig sind. Oder anders ausgedrückt, reine Egoisten die sich nur die Rosinen raus picken. Schönwetter Beziehungen. Hier von Beziehung zu sprechen ist reichlich übertrieben. Bestenfalls Freundschaft mit Sonderleistungen.

Ist so schön unverbindlich. Und ich bin mir auch nicht sicher ob er oder sie nicht doppelgleisig fährt. Unter der Woche habe ich ja sturmfreie Bude und kann auch mal was abschleppen. Meine Partnerin erfährt es ja nicht. Und ich weis auch nicht was meine Partnerin so unter der Woche alles abschleppt. Und kommt mir jetzt nicht mit vertrauen. Da ist schon so mancher auf die Nase gefallen.

Und ein anderer Punkt ist das ich meinen Partner niemals richtig kennenlernen werde. Am WE zeigt er/sie sich natürlich immer von seiner/ihrer besten Seite. Die Macken entdeckt man nur im Alltag. Der ja nicht vorhanden ist.

Klar kann man Täglich Kommunizieren per Webcam, Telefon. Aber da fehlt die nähe.
 
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Gast

  • #6
-Körperliche Nähe ist nicht alles.
-Doppelgleisig fahren kann jeder. Wer in einer FB weniger vertrauen kann, hat ein Kontrollproblem.
-Nein, ist nicht unverbindlich. Man ist durch Gefühle verbunden. Wenn räumliche Nähe dafür eine Rolle spielen würde, wären alle Nachbarn beste Freunde ..

Was heißt für manche "richtig" kennenlernen? Eine Beziehung durch zuviel Nähe so an die Wand fahren, bis die Trennung unausweichlich ist?
 
  • #7
Hach ja, schonmal auf die Idee gekommen dass man zwar nicht gezielt danach sucht aber eben halt die Frau derart umwerfend ist dass man den Aufwand halt betreibt. Für eine gewisse Zeit halt.

Wir haben das fast 3 Jahre so machen müssen, war aber auch irgendwie schön eine langsamere Annäherung, ein gewissenhafteres prüfen seiner gefühle etc. War so falsch nicht.

Schräg wirds nur wenn man gezielt danach sucht und unter keinen Umständen zusammen ziehen möchte. Dann ist in der tat ein Singleleben mit Wochenendextra.
 
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Gast

  • #8
Ich bin unfreiwillig in einer "Fernbeziehung von 35 Kilometern" gelandet.
Erst große Gefühle und sich 3-5x die Woche sehen und dann nach 6 Monaten pendelte es sich so langsam aus in Richtung Wochenendbeziehung!
Er wohnte nur 35 Kilometer entfernt und nach anfänglichen inneren Kämpfen habe ich mich damit arrangiert.
Im Gegensatz zu mir genoß er das "teils Single sein" und teils " doch Beziehungsleben führen"!
Er wollte NIE eine echte Beziehung und schon gar nicht mit gemeinsamer Wohnung!

Ich merkte jedoch, dass durch dieses Arrangement sehr viel Nähe verloren ging.
Irgendwann war es nur noch eine Freundschaft und ich hatte dermaßen künstlich meine Gefühle für ihn töten müssen um das alles überhaupt zu ertragen!

Die Urlaube waren dann immer schön und man hat die Nähe des Anderen genossen. Um so schlimmer war dann wieder die Trennung, wenn die Fernbeziehung wieder startete und man sich wieder umstellen musste auf 1-2x pro Woche sehen.
Er fand das alles perfekt, denn er hatte ein Problem mit Nähe und war im Grunde genommen bindungsunfähig!
Das lag vielleicht auch am Alter, denn er war 10 Jahre älter als ich w.(42)!
Ganze 3 Jahre habe ich das ausgehalten, war permanent unglücklich und habe sogar die Menschen im Supermarkt beneidet, die gemeinsam ihr Essen eingekauft hatten!

Irgendwann lief mir im Supermarkt ein Mann über den Weg, der mich nach einem Rezept für frischen Spinat fragte, mit einem umwerfenden Lächeln im Gesicht.
Das Rezept bekam er und ich einen Cappuccino und einen super lieben neuen Partner, der bald bei mir einziehen wird!
NIE mehr eine Fernbeziehung, wenn man eigentlich Nähe sucht und eine normale Beziehung führen möchte.
NIE mehr seine eigenen Gefühle verleugnen!
 
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Gast

  • #9
Nee auch wenn sich die Befürworter es sich selber schön reden, Eine Fernbeziehung hat nichts mit einer richtigen Beziehung zu tun. M.m. nach sind das Leute die angst vor nähe haben und beziehungsunfähig sind. Oder anders ausgedrückt, reine Egoisten die sich nur die Rosinen raus picken. Schönwetter Beziehungen. Hier von Beziehung zu sprechen ist reichlich übertrieben. Bestenfalls Freundschaft mit Sonderleistungen.

Ist so schön unverbindlich. Und ich bin mir auch nicht sicher ob er oder sie nicht doppelgleisig fährt. Unter der Woche habe ich ja sturmfreie Bude und kann auch mal was abschleppen. Meine Partnerin erfährt es ja nicht. Und ich weis auch nicht was meine Partnerin so unter der Woche alles abschleppt. Und kommt mir jetzt nicht mit vertrauen. Da ist schon so mancher auf die Nase gefallen.

Und ein anderer Punkt ist das ich meinen Partner niemals richtig kennenlernen werde. Am WE zeigt er/sie sich natürlich immer von seiner/ihrer besten Seite. Die Macken entdeckt man nur im Alltag. Der ja nicht vorhanden ist.

Klar kann man Täglich Kommunizieren per Webcam, Telefon. Aber da fehlt die nähe.
100% Zustimmung!!!

Wenn an die Stelle eines gemeinsamen Alltags und gemeinsamer Zukunftsplanung die Rolle der Wochenendattraktion rückt, wenn man sich am Wochenende als Gast fühlt an einem Ort, der "Heimat" sein soll (die Wohnung des Partners) weil die vielen Freunde und Bekannten viel präsenter sind als man selber. Wenn man Nähe und Geborgenheit braucht, einem aber nur die Stimme am Telefon bleibt (so der Partner das Klingeln des Telefons überhaupt hört). Wenn man am Samstag Abend schon wieder traurig wird, weil in nicht mal 24 Stunden wieder ein Abschied auf dem Plan steht. Wenn man am Montag aufsteht und weiß, dass bis zum nächsten TREFFEN (wie mit einem Kumpel) eine ganze Arbeitswoche liegt. Wenn die Partnerschaft statt ein fester Bestandteil des Alltags zu sein, zu einem Planungsakt verkommt und Wochenendattraktionen regelmäßig abgesagt werden müssen...dann nennt man das wohl "Fernbeziehung". Ich nenne es die Pest. Und der Ausgang ist für mich auch klar.

Emotional bringt es Herbert Grönemeyer in seinem Song "Unterwegs" ideal auf den Punkt:

"Ich liege nur noch wach
Du rennst in meinem Kopf umher
Es wird schlimmer Nacht für Nacht
Von Liebesentzug aufgezehrt
Ich kann anstellen
Was ich will
Mein Verlangen nach dir wird immer mehr
Die Sehnsucht hält nicht still

Ich will dich hier bei mir
Ich brauche dich hier bei mir
Los, komm doch her
Sei jetzt einfach hier
Machs mir nicht so schwer
Beruhige mich in mir
Alles läuft völlig verquer
Ich vermiss dich"
 
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Gast

  • #10
Da könnte etwas dran sein.
Mein bindungsängstlicher Ex-Freund hat sich nach dem Ende unserer Beziehung eine Freundin gesucht, die 600 km weit weg wohnt.
Und schon in unserer Beziehung hatte er aufgrund meiner Schichtarbeit extrem viel freie Zeit für sich.

Schwierig wird es dann, wenn die Frage nach dem Zususammenziehen aufkommt.

w
 
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Gast

  • #11
Ich glaube auch, dass die gezielte Suche nach einer Fernbeziehung eine Form von Bindungsschwierigkeiten ist. Wenn man sich jemanden an seine Seite wünscht sucht man im Umfeld. Wenn man die Ferne sucht reduziert man den Umgang und will eigentlich sein eigenes Leben weiter leben.
Ich kann es ja noch verstehen wenn man in einer Gegend wohnt wo das Angebot relativ gering ist, aber gerade in Ballungsgebieten besteht ein riesiges Angebot an Singles und da es für mich eine Form von " bin vergeben suche weiter"
 
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Gast

  • #12
Genau das ist mir auch schon aufgefallen. Größere Entfernungen werden ohne weiteres in Kauf genommen (mit stundenlanger Anreise). Aber eine Beziehung vor Ort hin und her abgewogen und dann schließlich doch gelassen. Das ist eine Art von Bindungsangst, ja. Hier ist das Flüchten nicht mehr so leicht und man muss sich viel viel öfter sehen.

Bei mir ist es umgekehrt. Ich hätte gern jemanden, bei dem die Entfernung so gering wie möglich ist.

Und @Kalle: Es geht hier nur um die, die gerade gezielt nach sowas suchen.