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  • #1

Eure Theorien, weshalb "Bindungsbereitschaft" oft nicht ...

... auf Gegenseitigkeit beruht.

Es scheint häufig vorzukommen, dass "A" sich gerne mit "B" binden würde, "B" jedoch "C" bevorzugt, "C" sich dann wiederum doch zu "D" hingezogen fühlt etc. Verkürzt ausgedrückt: Woran liegt es Eurer Meinung nach, dass viele Partnersuchende sich eine Beziehung mit jemandem vorstellen können/anstreben, die Person sich jedoch wiederum nicht für diese/n bestimmte/n Interessenten/die Interessentin ernsthaft und dauerhaft erwärmen kann.

Liegt es (u.a.?) daran, dass viele von uns sich für Menschen begeistern, die weit oberhalb des eigenen "Marktwertes" angesiedelt sind und diese eher "ihresgleichen" bevorzugen? (Der Begriff "Marktwert" ist bei manchen verpönt, ich weiß, aber mir fiel kein anderes griffiges Wort ein.)

Danke für Eure Meinungen und ein schönes Wochenende.

w/51
 
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  • #2
Na ja, das ist doch relativ normal. Wenn Du mich fragen würdest mit wem ich gerne zusammen wäre, würde ich Dir antworten: Michelle Hunziger (Optisch). Und wenn Du alle Männer fragen würdest, was Sie gerne für ein Auto hätten, würden 80% sagen: Porsche o Sportwagen. Die meisten fahren aber einen Kombi. Das eine was man will, das andere was man kann :) man muss halt Kompromisse machen im Leben u auch bei der Partnerwahl.
 
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  • #3
Das hat mit dem Marktwert nichts zu tun, sondern mit den eigenen Vorlieben. Jeder hat ein Idealbild von seinem Partner in den Tiefen seines Hirns gespeichert, entstanden durch Erfahrungen (oft sogar frühkindliche) und je mehr der Betreffende diesem entspricht, desto verliebter fühlt man sich. Deshalb gibt es ja das Phänomen der Liebe (Verliebtheit) auf den ersten Blick, ohne den Namen oder irgend etwas von demjenigen zu kennen.
Das wird doch schon in den Dramen der Antike beschrieben, dass A für B brennt, B für C usw.

Es ist ja auch logisch nachvollziehbar, dass es nicht so häufig vorkommt, dass A genauso dem Idealbild des Partners von B entspricht wie umgkehrt, deshalb liebt in Beziehungen einer ja auch fast immer mehr als der andere.

Man schaue sich mal manche unscheinbaren, nichtssagenden Personen an in die irgend jemand leidenschaftlich verliebt ist, der einen hohen Marktwert hat, so etwas gibt es öfter als man annimmt.
 
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  • #4
Liebe w/51,

warum auch immer, darüber haben sich die Menschen immer schon den Kopf zerbrochen - und vermutlich keine Lösung gefunden.
Anton Pavlovič Čechov hat dieses Problem in dem großartigen Theaterstück "die Möwe" verarbeitet.
 
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  • #5
Liebe FS

ich denke solche Menschen weichen erstmal aus, schieben es auf die lange Bank, indem
sie sich in dem Moment, in dem sie die Chance hätten sich einem bestimmten Menschen
zuzuwenden ein halbes Dutzend andere appetitliche Alternativen in den Blick nehmen.
Zerstreuung ist das Gegenteil von Konzentration. Es ist ein subtiles Weglaufen vor dem Erstimpuls, denn zunächst wollte der/diejenige ja den/diejenige(n) kennenlernen. Nun ist er/sie da, hat sich eingelassen doch der Himmel hängt damit nicht voller Geigen. Plötzlich sind andere interessanter.
Mögliche Gründe: das Gras in Nachbars Garten ist immer von Ferne viel saftiger als das eigene.
Jagdlust: solange du frei warst warst du interessant. Sobald du dich einlässt wirst du uninteressant. Krank aber war.
Strategisch Suchende werden mit der Anzahl der Möglichkeiten der Portale konfuser. Sie glauben sie müssen erst 1000 mögliche Profile "checken" ehe sie sicher sein können dass du geeignet bist. So etwas zeugt von Unkenntnis in Bezug auf die eigenen Bedürfnisse. Die richten sich nach dem Markt. Der Markt aber bietet heute mal dies und morgen mal das.
 
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  • #6
Hallo liebe FS,

ich weiß, was Du meinst, und mir scheint da tatsächlich ein Körnchen Wahrheit darin zu liegen, dass man oder frau sich öfter zum Gegenüber angezogen fühlen, der/die im Bezug auf das Aussehen, den Beruf oder Status "eine Liga höher spielt" als man selber..... Das meintest Du wohl mit dem "Marktwert", oder? Ein Hauch der Unerreichbarkeit macht einen Menschen auch noch etwas interessanter..
Viele sehen in ihrem Partner ihren eigenen "Wert" gespiegelt, da ist ein psychologischer Mechanismus im Spiel, der nicht (gern) bewusst wahrgenommen wird. Kaum eine(r) mag zugeben, dass er sich durch den Partner aufgewertet fühlen möchte, oder es ist ihm wirklich nicht bewusst, warum er sich zu manchen mehr angezogen fühlt als zu anderen.
 
  • #7
a.) weil "C" "D" eigentlich gar nicht kennt und ihm/ihr Eigenschaften zuspricht die er/sie gar nicht hat.. Idealisierung geht besonders gut wenn man jemanden hat, der eigentlich gar nicht erreichbar ist, da läuft man nicht Gefahr das einem dieser Traum zerstört wird..

b.) weil: "gerne Sportwagen fahren, aber Kombi kaufen" weder Widerspruch noch mangelnde Möglichkeiten sein müssen, sondern schlicht eine nüchterne Kosten/Nutzen Rechnung.

c.) simpel Pareto/Kaskadeneffekt: 80% wollen 20% haben.. von diesen wollen aber wiederum 80% die Top 20% haben.. wobei mittlerweile erschwerend hinzu kommt das die top 4% eigentlich gar nicht existieren und erst durch Medien/Chemie/Chirurgie "erstellt" worden sind..
 
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  • #8
Hi FS
wie bei fast allen Themen, gibt es sicher auch hier keine einfache Antwort.
Ich denke es ist eine vielschichtige Mischung aus allem Möglichen:
1) Manche wollen/können gar nicht jem. an sich ranlassen
Somit verlieben sie sich in Desinteresierte und wer ihnen nachläuft wird weggestossen.
Diese Leute verursachen rundum sichtbar für uns Beobachtende immer wieder seelischen Flächenbrand bei immer wieder neuen bindungswilligen und potentiellen Partnern ( in der Stadt wird man von diesen leider auch kaum gewarnt, es kennt sie keiner)
2) manchmal passt das Timing bei einem nicht ( z. B ist der eine potentielle Part ist noch nicht über einen anderen hinweg) ,oder sucht nach Traumbildern, ist emotional durch die Arbeit gefangen ( paar Monate oder Jahre später könnten diese / manchmal wird es auch/ ein Paar werden.
3) Manche wollen sich mit einem Partner profilieren, eigene Schwächen kompensieren, oder wissen schlicht weg nicht wer sie sind und wer zu ihnen passen würde, vielleicht wollen sie auch nach "oben"daten
4) stimme Gast von heute ,( 15.6 um 13: 29 ) voll zu
5) manche Leute vertragen es nicht wenn es zu unkompliziert wird, es macht ihnen Angst oder sonstige schlechten Gefühle
Trotzdem:
Es finden sich immer wieder Paare, es ist Gott lob nicht nur so ;-))
 
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  • #9
Meiner Meinung will man einen Partner/Partnerin, der mindestens den gleichen Marktwert besitzt oder höher.
Wenn sich nun Mann unf Frau treffen, hat wahrscheinlich einer von beiden einen höheren Marktwert als der andere (bzw. glaubt das).
Da somit das obere Kriterium für mindestens eine Person nicht zutrifft, kommt keine Beziehung zustande.
Eine Beziehung kommt nur dann zustande, wenn beide Personen folglich den gleichen Marktwert besitzen, was von der Wahrscheinlichkeit her selten zutrifft.
Natürlich gibt es Ausnahmen (zB findet man etwas am anderen besonders reizvoll, was andere kaum schätzen).
 
  • #10
So Manche schätzen ihren eigenen Marktwert (Aussehen, Ausstrahlung, Alter, etc.) falsch ein, und versuchen es "in einer anderen Liga." Die wundern sich aber über so Jemand, und suchen lieber Ihresgleichen.

Oder man schätzt sich selber richtig ein, aber der Andere liegt falsch.

Manche hegen Idealvorstellungen. Aber wenn sie dann konkret Menschen kennenlernen, sind sie unsicher. Sie haben Angst vor Entscheidung für einen Menschen + Partnerschaft, aus Angst dabei ihre Idealvorstellungen im Leben zu verpassen.
 
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  • #11
Es gibt nicht DEN "Marktwert".

"Marktwert" ist ein Konstrukt, eine Vorstellung, ein Modell vielleicht, um komplexe Prozesse bei der Partnerwahl ein Stück weit zu simplifizieren. Oder vielleicht, um ein paar Mechanismen zusammenzufassen und in eine Schublade zu schieben.

Ein Beweis dafür ist, dass Attraktivität (Einkommen, Bildung, Aussehen, etc.) stets im Auge des Betrachters liegt und somit relativ ist. "Viel" Geld ist relativ, "Schönheit" ist relativ etc..
Individuell unterschiedlich ist auch, wie die verschiedenen Komponenten der Attraktivität gewichtet sind.

Wir verlieben uns (immer!) in eine Vorstellung, ein Traumbild. Es fragt sich dann, wie weit weicht der Partner von diesem Traumbild ab.

Wie unser "Traumbild" beschaffen ist, warum und wie wir uns also in jemanden verlieben, hängt ab von:

a) Der eigenen Sozialisation (Kindheitserfahrungen);
b) Erfahrungen in früheren Beziehungen und
c) der aktuellen Lebenslage (Alter, Gesundheit, etc.)

ab.

Mit der Zeit wird es immer schwerer, eine langfristige Beziehung aufzubauen, weil einerseits die (schlechten?) Erfahrungen einen prägen (= Ängste, selbsterfüllende Prophezeiungen, passive Beziehungsvermeidung etc.), andererseits aber auch die Vorstellungen vom "Idealpartner" immer genauer werden.
Die Verliebtheit braucht aber genau das Gegenteil: Unschärfe, Unwissen, Lockerheit.

m40
 
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  • #12
Rein biologisch argumentiert handelt es sich bei diesem Phänomen um Gen-Egoismus, eine anerkannte, wenngleich auch umstrittene Theorie. Die Suche nach Schönheit (welcher der Suchende nicht entspricht) resultiert aus der Decodierung der Überlebensstärke und Sicherung der eigenen Nachkommen. Ein muskulöser Mann mit flachem Profil, über 1,80 groß, schlank und gebildet, strahlt Gesundheit und langes Leben aus, ein Untersetzter eben nicht. Die Paarungsbereitschaft ist beim ersten erfolgsversprechender und verbessert die eigene Gen-Hälfte. Es hilft der Durchschnittsfrau nicht, sich auf den Untersetzten einzulassen, weil sie instinktiv einfach keine Erbkrankheit (Fettleibigkeit) auf ihre Kinder übertragen möchte. Sie wird also nicht "scharf" auf so jemanden. Landet sie erfolgreich bei dem Schönen, pflanzt sie sich fort, tut sie es nicht, pflanzt sie sich nicht fort, faule Kompromisse kennt die Natur nicht.
Blaumeisen lösen das Problem so, dass das Weibchen den Zeuger wählt, der besser singen kann (also schon drei Winter überlebt hat) und die Eier mit einem risikoreicheren, jüngeren Männchen ausbrütet. Das jüngere Männchen ist vitaler und garantiert mehr Sicherheit für die Aufzucht im Frühjahr, das ältere Männchen hat schon die bereits vergangene Vitalität bewiesen und vererbt diese auch in den mortalen Winter hinein, wenn das junge Männchen nicht mehr gebraucht wird und vielleicht schon tot ist.
In der menschlichen Praxis sind durchaus Anhaltspunkte für den Gen Egoismus zu finden: Viele kleine-, oder/und zierliche Frauen mit gutem Aussehen haben einen eigentlich zu großen oder sehr muskulösen Mann. Der Mann hat dann seinen Vorteil in einem Gesicht, das ihn normalerweise nicht zweimal anschauen würde und die Frau korrigiert ihre Kleinwüchsigkeit/Zierlichkeit mit der überdurchschnittlichen Größe/Maskulinität des Mannes, ihre Kinder haben eine bessere Chance auf normale Größe/Körperbau. Die weit verbreitete Klage, es gäbe nur nette Frösche und arrogante Prinzen, lässt sich ebenfalls mit dieser Theorie verbinden. Gebildete Menschen suchen ein Regal zu hoch, eingebildete gleich fünf Regale höher. Auf Augenhöhe sucht niemand, sonst würden Millionen Singles von heut auf morgen verschwinden und die Partnerbörsen wären insolvent, das Angebot an Suchenden ist und bleibt aber riesig groß.
Es gibt eigentlich nur einen Trost, der ist aber sehr selten: Ein Durchschnittsmensch verliebt sich "ein Regal höher" und der höher angesiedelte Mensch empfindet sich als "ein Regal unter diesem". Beide blicken aus ihrer eigenen Sicht "nach oben", der eine merkt es nicht und der andere verschweigt seinen Gewinn geflissentlich. Ich kenne ein Beispiel!
 
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