• #1

Entschuldigungen - immer verbal oder auch stumm?

Hallo, liebe Mitschreiber,

mal wieder eine Frage von mir. Bei der Rubrik hätte ich auch "Beziehung" nehmen können, aber es betrifft eigentlich auch Freunde und Familie.
Wenn euch jemand verletzt hat, wie entsteht für euch das Gefühl, er hätte sich damit auseinandergesetzt und es ist ihm bewusst. Also wie muss es sein, damit es wieder "gut" für euch?

Es geht mir darum: Wenn dann nichts gesagt wird, sondern der andere am nächsten Tag einfach freundlicher ist als sonst oder ne Schokolade mitbringt und wieder zur Tagesordnung übergeht, kommt es mir so vor, als fehlte was.

Ich bin nun ein verbaler Typ, aber ich weiß, dass manche Liebe und Gefühle NUR über Tun ausdrücken und nie drüber reden. Vielleicht können sie nichts dazu sagen, wenn sie sich schlecht fühlen, weil sie wen verletzt haben? Oder bricht ihnen dann ein Zacken aus der Krone und sie können es weder vor sich noch vor dem anderen VERBAL zugeben mit einer Bitte um Verzeihung?
Sind FÜR JEDEN Worte möglich? (Verletzt wurde ja immerhin auch mit Worten.)

Gibt es hier auch Menschen (obwohl Forenschreiber ja an sich schon verbale Typen sind), die nicht um "Verzeihung bitten" können? Wenn ja, warum - wegen des "erniedrigenden Gefühls" oder weil ihr was anderes tut und das - wichtig - auch als Bitte um Verzeihung ankommt und nicht als Großzügigkeit, den ersten Schritt für "wieder gute Laune" zu machen.

Gibt es hier Menschen, die non-verbale Bitten um Verzeihung genau verstehen und sie gleichwertig mit verbalen empfinden?
 
  • #2
Es gibt ja auch das Gegenteil: Menschen, die der Meinung sind "reden kann man viel, aber nur Taten zählen"
 
  • #3
Liebe void,

Mir geht es wie Dir.
Ich brauche die direkte Kommunikation. Sowieso generell, denn nonverbal würde bedeuten, dass ich das Verhalten des anderen als Entschuldigung interpretiere. Stimmt vielleicht gar nicht? Wie bei so vielen Interpretationen?

Sich entschuldigen, bzw. auch Entschuldigungen annehmen, ist ähnlich wie das Kapitel Kritik, etc.

Fehler können passieren, ich unterstelle mal keine Absicht. Danach dafür einzustehen gehört dazu - ich hatte da auch meine Schwierigkeiten.
Man zeigt sich vermeintlich schwach, angreifbar, auch da triggert es wieder ein Muster aus der Kindheit, man fühlt sich klein, rechtfertigt sich...
Und manche nehmen durchaus die Entschuldigung des Anderen als Anzeichen von Schwäche.

Fehler - Entschuldigung - Akzeptanz - Haken darunter.
Niemals nachkarten.
Außer, es wiederholt sich, dann ist die Entschuldigung eine Worthülse. Ernst gemeint sollte sie sein.

Fazit -
Verbal, ernst gemeint - Absender
Akzeptanz, sachlich, auch verbal -Adressat
In allen Bereichen des Lebens, Beruf, Freunde, Familie, Partner.
 
  • #4
Liebe Void,

Du hast aber eine schwierige Frage gestellt, je länger ich darüber nachdenke.
Eine nonverbalen "Entschuldigung" ist für mich keine. In meinen Augen ist das Feigheit und mangelnde Souverenität. Es kommt allerdings auch hier auf die Größe der Verletzung, dem Kontext und wie nah ich mit dieser Person stehe an.

Im Kollegenkreis habe ich meist das Problem noch mal angesprochen, da kommt es auf die Form der gegenseitigen Abhängigkeit an und in den meisten Fällen kam zu einer gegenseitigen Einigung.
In meiner Ehe bin ich mit Gesprächen gescheitert. Da habe ich mit einer ruhigen Aussprache keinen Kompromiß oder Einigung finden können.

Im Gegenzug bin ich jemand der eigene Fehler eingestehen kann und das auch äußern kann, wenn ich es einsehe. Das ist ja auch nicht immer der Fall. Deshalb kommt es auch auf den Kontext an.
 
  • #5
Es ist bekannt, dass einen Unterschied zwischen "aufrichtige Entschuldigung von sich aus" und "Entschuldigung auf Befehl oder Manipulation gibt".
Sonst kann dir ja jeder was erzählen und du glaubst es!

Und nein, ich lasse mich durch Geschenke oder Geld nicht manipulieren. Es ist nicht "ok".
 
  • #6
Mein Exmann bittet generell nie um Verzeihung -bei mir auf jeden Fall nicht - besonders nicht, als es mit unserer Beziehung stetig bergab ging. Das hat mich so unendlich traurig gemacht. Ich hätte ihm alles Inder Welt verziehen. Aber er war hart wie Stein (mit Samtfassade anderen gegenüber) .
 
P

proudwoman

Gast
  • #7
Hallo liebe @void , ein sehr interessantes Thema, finde ich.
Ich selber habe ziemliche Antennen dafür, wenn ich etwas falsches gesagt habe oder etwas nicht getan habe, oder den anderen vielleicht verletzt habe. Das nagt an mir, bereitet mir eine schlaflose Nacht. Dann aber versuche ich das aus der Welt zu schaffen und spreche kurz meine Entschuldigung aus. Sage, dass es mir leid tut, dass ich schlecht drauf war oder ähnliches. Ich verletze keinen mit Absicht, das ist klar.
Umgekehrt genügt es mir, wenn der andere dann wieder freundlich ist und zur Tagesordnung über geht. Ich denke mal, dass das auch mit dem Altersunterschied zu tun hat. Ich rede da von meinen Kolleginnen.
Man sollte schon den Mut haben, das nochmal kurz anzusprechen. Dann kommt es auch darauf an, wie der beleidigte auf die Entschuldigung reagiert. Nicht so, dass sich der andere gedemütigt oder wie ein begossener Pudel fühlt.
Ich lächele, winke ab und sage "alles gut", fertig! Ist etwas gravierendes vorgefallen, sollte man schon nochmal sachlich darüber reden.
 
  • #8
Liebe Void,

ich finde es immer wieder schön von Dir zu lesen, so ausführlich und mit Tiefgang. Es macht Mut und fühlt sich sehr gut an wie weit Du auf Deinem Weg gekommen bist und doch liegt da scheinbar und nachvollziehbar ebenso ein weiterer vor Dir.

Ich bin überzeugt, dass Du im Grunde die Antwort kennst, weil Du weißt wie wichtig es ist die richtige für sich selbst zu finden, sich mit ihr wohl zu fühlen und mit sich achtsam sowie aufmerksam zu sein. Natürlich kann man sich über diesen Sachverhalt erkundigen und hoffen, dass die Summe der Bäume wieder als das wahrgenommen wird was sie sind und einen das Forum nicht tiefer in selbigen führt.

Kurz und gut:

Bei Menschen, die mir wichtig sind und am Herzen liegen, entschuldige ich mich für mein Fehlverhalten immer, wenn ich die Grenzen des Anderen missachtet und überschritten habe. Unausgesprochen zur Tagesordnung überzugehen, mit oder ohne Bestechung, empfinde ich als respekt- und empathielos, auch mir und meinen Grenzen, die ich ebenso eingehalten wissen möchte, gegenüber.

Kommunikation ist das A und O.

Einen Lern- und Erfahrungsprozess wiederum setze ich unausgesprochen voraus.
 
  • #9
Ich halte nichts von „stummen“ Entschuldigungen. Kein Mensch bricht sich einen Zacken aus der Krone, wenn er die Worte „Sorry, Entschuldigung oder Es tut mir leid“ ausspricht. Meine Eltern haben mir schon früh beigebracht, dass eine Entschuldigung das normalste der Welt ist. Genau so gebe ich es auch an meinen Sohn weiter.

Mit ist das ausgesprochene Wort lieber als nach einem Disput der dicke Blumenstrauß ohne einen Ton. Auf den kann ich gut und gerne verzichten. Wenn ich Blumen möchte gehe ich in den nächsten Blumenladen…
 
  • #10
Wieder eine interessante Fragestellung aus dem Hause void.

Ich selbst bin weder besonders empfindlich, noch nachtragend, auch nicht leicht zu verletzen. Es ist zum Glück noch nicht allzu häufig in meinem Leben vorgekommen. Und wenn, stets nur aus folgendem Sachverhalt: hatte mich auf jemanden verlassen, geglaubt, ich sei ihm/ihr wichtig, meine Gefühle und Bedürfnisse seien wichtig, wir hätten eine Bindung. Hatte auf Loyalität und Wohlwollen mir gegenüber vertraut, und bin nachhaltig enttäuscht worden.

Keiner von diesen Menschen hat es je wieder "gut gemacht". Nicht, weil ihnen Entschuldigungen schwer fielen. Sie sahen einfach keinen Grund dafür, hatten aus ihrer Perspektive nichts Unrechtes getan. Ich hatte mich schlichtweg geirrt - es gab diese Bindung, dieses Wohlwollen mir gegenüber einfach nie wirklich. Letztlich waren sie sich selbst doch die Nächsten.
Darauf angesprochen, verteidigten alle ihren Standpunkt, teilweise mit absurden Rechtfertigungen, bis aufs Blut. Meine Perspektive, meine Gefühle, waren für sie irrelevant. Alles war nur Schönwetter-Fake und nicht real.

Was ich mir gewünscht hätte: den Perspektivenwechsel.
Wenn ich die Perspektive eines anderen Menschen einnehme, dann fühle ich seine Gefühle, verstehe seine Reaktionen, weiß um seine Bedürfnisse und dass ich ihn verletzt habe. Dann tut es mir automatisch leid, und ich werde mich dergestalt entschuldigen, dass er merkt, dass ich darüber reflektiert habe, und/oder mein verletzendes Verhalten nicht mehr an den Tag legen, achtsamer werden. Die wunden Punkte meines Gegenübers achten.

Ich glaube, dazu sind nur sehr wenige Menschen in der Lage (oder vielmehr willens), weil sie in diesem Fall Abstriche von ihren eigenen Bedürfnissen machen müssten.
Die eigenen Bedürfnisse opfern Menschen nur, wenn ihnen ein anderer Mensch enorm wertvoll ist - de facto war ich nicht wertvoll genug. Ihre Bedürfnisse standen klar über meinen. Das war auch der Kern meiner Enttäuschung.
Das beste Mittel ist Totschweigen, den Konflikt vermeiden, um seine eigenen Bedürfnisse zu wahren. Ist ein Konflikt unvermeidbar, hilft es, dem Gegenüber ein schlechtes Gewissen zu machen oder es abzuwerten.
Leider ist rücksichtsloser Egoismus in unserer Gesellschaft salonfähig und weit verbreitet. Ich hab's aufgegeben, mich mit solchen Menschen zu streiten. Das bringt nichts, kostet mich nur Kraft.

Die wenigen Menschen in meinem Leben, mit denen es seit langer Zeit klappt, sind anders. Wir benötigen keine ellenlangen Diskussionen, Verletzung muss nicht einmal thematisiert werden. Diese Menschen sind achtsam, erfühlen Spannungen von sich aus, sprechen sie eigenständig an oder ändern ihr Verhalten aus eigenem Antrieb, noch bevor irgendetwas eskaliert. Solche Menschen sind leider selten, aber sehr wertvoll.
 
  • #11
Ich finde es kommt auf den Grund an für den man sich entschuldigt.
Für mal schlechte Laune und zicken, motzen, brummen etc reicht im allgemeinen eine Geste.

Man sagt für einen bösen Schlag der seelisch komplett getroffen hat, braucht die Seele 7 Wiedergutmachungen.
Ich zähle zwar nicht mit aber ich kann das in Mediationen oft als wahr unterstreichen. Die Seele klebt sonst Rabattmarken.

Der der sich entschuldigt muss selbst auf den " Verletzten " zu kommen, sich entschuldigen, erklären und vorallem dem anderen zeigen, dass seine Trauer gesehen und akzeptiert wird.
Danach müssen Taten und zeichen folgen die zeigen, ich meine das ernst.
 
  • #12
Deine Frage regt zum Nachdenken an, liebe @void.

Natürlich hätte jeder gern eine angemessene, ehrliche Entschuldigung in dem Sinne: "tut mir leid, ich wollte dich nicht kränken..."Und natürlich sollten dem auch Taten folgen.

Aber das ist gar nicht so einfach. Wenn es nur eine Kleinigkeit und der Fehler eindeutig auf meiner Seite war, mach ich das und es ist schnell aus der Welt geräumt. Was aber, wenn ich den Eindruck habe, beide haben etwas zur "Eskalation" beigetragen? Oder es so heftig war, dass es mit ein paar Worten nicht aus der Welt geräumt werden kann? Oder es öfter passiert, weil ich mich in bestimmten Situationen nicht im Griff habe, jedoch glaube, trotz guten Willens nichts daran ändern zu können?

Beispiel:
Ich bin nicht die Allerpünktlichste. Zum einen, weil ich ein schlechtes Zeitmanagement habe, zum anderen, weil ich es teilweise albern finde, wegen drei Minuten Verspätung ein Fass aufzumachen. Immerhin gebe ich Bescheid, wenn es ein paar Minuten später wird. Wer bei bis zu 10, maximal 15 Minuten zu spät kommt, braucht hat volles Verständnis, zumindest wenn er Bescheid gesagt hat, kein Zug abfährt oder nicht noch weitere zwanzig Mann auf diesen einen Bummelanten warten müssen. Aber ich habe gemerkt, dass viele Menschen, die ich sehr schätze, Unpünktlichkeit regelrecht hassen, schlechte Laune kriegen oder sich angegriffen fühlen, wenn es auch nur eine Minute später wird. Es ist für sie wohl eine Frage des Respekts und der Höflichkeit, ein paar Minuten eher da zu sein, allerspätestens aber mit dem "Gongschlag". Da kam es durchaus schon zu Streitigkeiten, zumal ich auch noch die schlechte Laune in Person bin, wenn ich unter Zeitdruck stand, den Termin nicht halten konnte und mein Gegenüber auch noch säuerlich reagiert. Ich hab doch extra angerufen und mich so beeilt...

In dem Moment kann ich mich schwer entschuldigen, sondern suche lieber nach einer Ausrede. Nach dem Motto: tut mir leid, alle sind doof, die Schranke war zu, ich kann nichts dafür und jetzt reg dich wieder ab. Es hat eine Weile gedauert, bis mir bewusst geworden ist, dass ich einfach viel eher losfahren muss, um pünktlich und entspannt anzukommen. Ich habe dabei gemerkt, wie es schön es sein kann, zeitig da zu sein, alles fertig zu haben, alle begrüßt, einen Überblick verschafft, vielleicht schon Startnummern oder einen Kaffee abgeholt zu haben und zu beobachten, wie die anderen mehr oder weniger gehetzt eintrudeln.

Bis ich nicht gewährleisten konnte, dass ich den Fehler nicht wiederholen werde, habe ich unbewusst die "Schuld" beim anderen gesucht, mindestens bei der blöden Schranke bzw. meinen Anteil am Problem heruntergespielt. Ich glaube dieser "Automatismus" gilt auch bei anderen Konstellationen und Menschen. Deshalb ist es schwer, bei unterschiedlichen Werten, sichtweisen oder Dingen, die man glaubt nicht ändern zu können sich auch verbal korrekt zu entschuldigen.
 
  • #13
Hallo void,

ich ziehe die nonverbal Entschuldigung durch andere mir gegenüber vor. Ich habe einfach zu oft erlebt das eine ausgesprochene Entschuldigung einfach nur blabla war und es genau so weiter geht. Dann kommt eine zweite wortreiche Entschuldigung und das war es. Auch habe ich schon öfter erlebt, dass im Entschuldigungswortschwall alles umgedreht wird und zum Schluß darf wieder ich mich entschuldigen.
Bei einer nonverbalen Entschuldigung, insbesondere durch verändertes Verhalten, nicht so sehr durch Geschenke, merke ich das sich tatsächlich etwas ändert.
Ich entschuldige mich meist verbal da ich weiss das viele Menschen, insbesondere Frauen darauf viel Wert legen. Leider gibt es viele Frauen die auf schöne Worte mehr Wert legen als auf gute Taten.
 
  • #14
Guten Morgen,

ich mag es, für meine Fehler geradezustehen und mich auch verbal ausdrücken zu können.
Anderen kann ich Fehler schnell verzeihen, wenn ich keine mutwillige und böswillige Absicht hinter ihrem Verhalten, oder ihren Aussagen erkenne. Auch nonverbal reicht mir eine nette Geste und dann Schwamm drüber. Geht es um Missverständnisse, oder Dinge, die aus dem Weg geräumt werden müssen, suche ich ohne Vorwurf das Gespräch und versuche eine Klärung herbeizuführen. Ich weiß um de Not einiger Menschen, die schwer über ihren Schatten springen können und ich helfe dann nach. Ich mag keine dicke Luft, Maulerei, oder nach dem Motto *irgendwann wächst Gras drüber*. Ich mag auch nicht das Gerangel um Schuld und wer und was Schuld ist, oder war. Das Leben ist mir zu kostbar, um damit gute Zeit zu vergeuden. Wer aber nicht will, der hat schon und ist satt. Dann ziehe ich mich zurück, ohne Groll und verbuche das als erledigt für mich. Ich kann es mir leisten, großzügig zu sein, ich habe nichts zu verlieren und hüte mich davor, Altlasten mit auf meinen Weg zu nehmen. Wer mich bewusst schädigt und beleidigt, wird sich dieser Sache stellen müssen, wenn nicht, dann mag er mit seinen unguten Gefühlen seines Weges gehen und seinen Frieden finden.
 
  • #15
Ich finde die Frage sehr interessant, denn ich hatte vor ein paar Wochen einen handfesten Streit mit einem sehr guten Freund.

Anschließend wurde erstmal telefoniert ohne aber das Gefühl zu haben man käme irgendwie zusammen. Für mich braucht es viel mehr als nur Worte, bzw empfinde ich lange Texte und den Austausch vieler Worte eher hinderlich für das Gefühl.

Ich benötige Gefühl für die Aussöhnung. Sobald ich beim anderen merke, dass er beginnt sich in meine Lage hineinzuversetzen und zu verstehen warum es zu Miskommunikation etc gekommen ist, dann kann sich der Knoten lösen.
Andersherum genauso: Wenn der andere merkt ich fühle mit ihm und kann die Beweggründe verstehen, löst sich auch bei ihm etwas.

Genauso war es bei uns. Zuerst sind viele Worte gefallen, aber erst das (Mit-)Gefühl hat die Situation aufgelöst. Wir saßen dann auf einem Berg, haben Brotzeit gemacht, über die alten Zeiten geredet und uns dann langsam auf der Grundlage des Mitgefühl mit dem anderen an das Thema herangewagt.
Die Worte waren für mich hier eher nebensächlich, dienten aber unterstützend!
 
  • #16
Ja, in unserer Gesellschaft ist es üblich, sich zu entschuldigen und ebenso, die Entschuldigung anzunehmen. Und das mache ich beides auch.

Beides heißt aber nicht, dass dann alles wieder gut ist.

Sagen wir, jemand hat mich schwer verletzt.
Er entschuldigt sich, ich nehme an und damit ist seine Welt wieder in Ordnung.
... wenn ich etwas falsches gesagt habe oder etwas nicht getan habe, oder den anderen vielleicht verletzt habe. Das nagt an mir, bereitet mir eine schlaflose Nacht. Dann aber versuche ich das aus der Welt zu schaffen und spreche kurz meine Entschuldigung aus.
Meine aber nicht, denn meine Verletzung tut ja immer noch weh, auch wenn der Verletzer das nicht wollte.
Die Aussage bleibt ja dennoch bestehen. Ich weiß jetzt, wie derjenige über mich denkt.

Eine Entschuldigung, egal ob verbal oder nonverbal nützt nur dem Verletzer, nicht dem Verletzten.
Erst recht nicht, wenn sich die Auslöser wiederholen.
Mir nützt nur, wenn derjenige das künftig sein lässt, seine wiederholten Entschuldigungen kann er stecken lassen.

Einmal hat mich jemand so sehr verletzt, dass ich trotz Entschuldigung und meiner Annahme derselben da nicht mehr rauskam. Weil ich jetzt wußte, wie er über mich denkt und das war mir unerträglich. Er hat sich verbal entschuldigt und sich danach sehr bemüht ( das ist also die nonverbale Entschuldigung ), aber es wurde nie mehr wie zuvor.

Mir ist es egal, ob verbal oder nonverbal.
Wenn ich es verzeihen kann, ist meine Welt wieder in Ordnung.
Wenn nicht, ändert sich die Beziehung oder sie endet.


Fehler können passieren,.... dafür einzustehen gehört dazu ....
Man zeigt sich vermeintlich schwach.... man fühlt sich klein, rechtfertigt sich...
Und manche nehmen durchaus die Entschuldigung des Anderen als Anzeichen von Schwäche.
Nicht so, dass sich der andere gedemütigt oder wie ein begossener Pudel fühlt.
Wow ! Ihr findet, dass der Verletzer / Entschuldiger sich demütigt ? Ich sah das immer anders.
Durch das erneute Ansprechen der Verletzung bei der Entschuldigung wird der Verletzte erneut gedemütigt, findet ihr nicht ?
'Du, es tut mir echt leid, dass ich gesagt habe, dass du einen dicken Hintern hast, sorry'. Boing ! Zweiter Tritt, oder ?

w 50
 
  • #17
Nonverbale Entschuldigung. Wie soll das gehen? Das ist doch Kaffeesatzleserei und Interpretation pur. Nein dazu stehen heißt die Devise. Ich habe es lernen müssen - es hat auch zu lange gedauert. Aber jetzt bitte nur noch so
 
  • #18
Moin,

ja, das ist eine gute Frage.

Ich habe auch den Eindruck, dass es Leute gibt, denen nie eine Entschuldigung, das Einräumen eines Fehlers, das Zugeben einer Schwäche, einer Trauer, einer Angst, das Kopfschütteln über die eigene Doofheit, die Äußerung einer Bitte um Hilfe, die ehrliche Bewunderung für jemanden anderes etc. über die Lippen kommen. Wenn sie wirklich mal ganz schlimmen Mist gebaut haben, meinen sie, sich mit irgendwelchen kleinen Gesten aus der Sache herausmogeln zu können, und der andere würde es dann schon irgendwie kapieren, auf sich beruhen lassen und zum Tagesgeschäft übergehen.

Je älter ich werde, desto mehr verachte und hasse ich solche Typen, aus ganz tiefem Herzen. Ich empfinde diese Haltung als schlimme Störung.

manchmal
 
  • #19
Gibt es hier Menschen, die non-verbale Bitten um Verzeihung genau verstehen und sie gleichwertig mit verbalen empfinden?

Bei mir ist es so: Verbale Verletzung erfordert auch verbale Entschuldigung. Erwarte ich von einem erwachsenen Menschen, dem (angeblich?!) was an mir liegt. Hat er falschen Stolz, ist sich zu fein dafür - dann ist er bei mir unten durch, und zwar absolut für immer. Wir reden hier von einer echten Verletzung, nicht Kleinigkeiten/ Nuancen.
 
  • #20
Oder bricht ihnen dann ein Zacken aus der Krone und sie können es weder vor sich noch vor dem anderen VERBAL zugeben mit einer Bitte um Verzeihung?

"Vor sich zugeben" ist für mich das Entscheidende. Erkennt man sein eigenes Fehlverhalten nicht, dann ist auch keine Motivation zur Entschuldigung vorhanden. Folglich kommt auch Nichts.
Wenn man nicht wirklich sein eigenes Verhalten reflektiert, dann erkennt man verletzende Verhaltensweisen nicht. Ich denke, dass die Reflexion aus Selbstschutz unterdrückt wird, damit man sich seine eigene Unsicherheit und Schwäche nicht eingestehen muss.

Meine generelle Meinung zu Entschuldigungen ist, dass man sich nur Entschuldigen braucht, wenn mindestens der Wille zur Veränderung vorhanden ist.
Ist man nicht gewillt, finde ich es aber trotzdem sehr sympathisch sein Beileid oder Mitgefühl auszudrücken. Damit zeigt man dem Anderen, dass man ihn wahrnimmt und beweist somit Empathie.
 
  • #21
Ich sage nicht, dass man sich demütigt, wenn man sich entschuldigt, sondern viele es so empfinden - und wenige es tun.
Gerade stehen, sorry, Fehler gemacht. Wie kann ich es wieder gut machen, entschädigen, und natürlich künftig vermeiden.

Ich bin vollständig bei Dir, @frei, die Verletzung bleibt, wenn es um diesen Bereich geht.
Jemanden erst beleidigen, kränken, dann sorry sagen, das ist überflüssig.
Dann fehlt es demjenigen aber insgesamt an Achtsamkeit und Respekt vor anderen Menschen.
Wenn ich aber unbeabsichtigt jemanden kränke, ist es an mir, mich zu entschuldigen, und hoffen, dass der andere versteht und vergeben kann.

Wenn nun nach 30 Jahren die Entschuldigung meines Vaters kam, war sie überflüssig. Es hätte aber früher vielleicht einiges verändert - die Verletzungen nicht so tief werden lassen, früher etwas Heilung finden können.
Inzwischen habe ich es für mich erledigt, ent- schuld- igen kann ich sowieso nicht. Er war und ist für sein Handeln verantwortlich, ich verweigere auch, einen Anlass in mir zu sehen. Ich nehme nicht einen Teil der Schuld auf mich - muss er mit sich aus machen.
Vergeben im Sinn von - ich habe diese ganzen Geschichten an ihn zurück gegeben, und bin weiter gegangen, ja. Was er mit dieser Last, Verantwortung für sich anstellt, sein Thema.
So wie es mein Thema war, mit diesen Verletzungen umzugehen.

Was ich auch daraus gelernt habe, und es schwingt bei Proudwoman und frei an, - mit jemandem, der mich regelmäßig verletzt, gehe ich nicht um. Da ist meine Grenze, und da helfen keine Entschuldigungen. Einmal, vielleicht, beim 2. Mal definitiv Ende.
 
  • #22
Liebe void,
es gibt keine stumme Entschuldigung. Mir unkommentiert meine Lieblingsschoki auf den Tisch zu legen, ersetzt kein " Sorry für men Fehlverhalten". Woher soll ich denn ahnen, dass das als Entschuldigung für einen Vorfallgemeint ist - ich bin kein Hellseher.

Wer glaubt, eine Verletzung sein durch unkommentiertes "zur Tagesordnung übergehen" wieder gut zu machen, der irrt und stellt dann später fest, welcher Bodensatz sich uber Jahre angesammelt hat, in dem die Beziehung dann später qualvoll erstickt.

Wenn jemand mit etwas mir gegenüber daneben gelegen hat, dann will ich in der Entschuldigung hören, dass er sein "Danebenliegen" selber wahrgenommen hat und auch, dass ihm klar ist, dass das bei mir nicht gut angekommen ist.
Ich will Willen und Fähigkeit zur Empathie/Perspektivwechsel sehen und auch inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Konfikt, denn ich lege keinerlei Wert darauf, derartige Erlebnisse immer wieder mit jemandem zu haben, weil er in seinem Temperament nicht veranderungsfaehig ist. Wenn "keine Wiederholung" nicht gegeben ist, gestalte ich Beziehungen so um (maximale Distanz), dass es aufgrund der geänderte Beziehung zu keiner Wiederholung kommt. Darin bin ich sehr konsequent.

M.E. ist in einer langfristigen Beziehung nicht nur derjenige, der sich daneben benommen hat in der Pflicht, sich für sein Fehlverhalten zu entschuldigen. Wer des Opfer uebergriffigen Verhaltens wurde, ist wenn vom anderen nichts kommt, in der Pflicht, das Problem zu thematisieren. Das sind in der Regel aber schwierige Gespräche, die den "Täter" meistens in die Rechtfertigungsrolle treiben - man muss halt entscheiden, was einem die Beziehung wert ist.

Ich gehe mit @frei konform, dass es unentschuldbare Verletzungen gibt. Dann hilft nur eine Veränderung des Kontakts bis hin zum Konzaktabbruch.
 
  • #23
Vielen lieben Dank für eure tollen, wertvollen Beiträge. Zu vielen würde ich gern was schreiben wollen, aber hier ist man ja begrenzt. Also mal ein paar Gedanken.
Manche Menschen merken nicht, dass sie für wen anderes verletzend sind/waren. Wenn der andere ihnen dann sagt, dass er verletzt war, finde ich, muss als erstes kommen, dass man das nicht wollte. Wenn das nicht gesagt wird, heißt das für mich automatisch, dass man aber richtig findet, was man gesagt hat und es deswegen egal ist, wie der andere sich damit fühlt. Allerdings ist ein "tut mir leid, aber" ja sowas ähnliches, und überhaupt - ist meine Interpretation mit dem Richtigfinden richtig? Und vielleicht ist auch der Verletzte "zu empfindlich"? Zumindest für den Verletzer, dem man das, was er sagte, sofort auch sagen könnte, ohne dass er Probleme damit hätte.
Zudem kommt ja noch die ganze Manipulierungssache dazu und das Machtgehabe. Ich meine, wenn man sich entschuldigt (was ja im wortwörtlichen Sinne eigentlich gar nicht geht, weil der andere es tun muss), und vom Gegenüber kommt dann noch sowas wie "das will ich auch hoffen", ist das kein Handreichen. Und ich denke wie @frei, manches ist auch nicht wieder gutzumachen und ein "tut mir leid" ist nichts für das, was in der Vergangenheit getan oder gesagt wurde. Entweder man macht seinen Frieden damit oder man bleibt hängen in der Verletzung.

Ich hab gemerkt, dass sich manche Menschen versuchen, im Verhalten zu ändern. Ohne ein Wort vorher. Ich hab mich gefragt, ob das gewünschte Wort nicht einfach nur MEIN persönliches Bedürfnis ist, um das Gefühl zu kriegen, emotional umsorgt zu werden. Ich werde das aber auch durch Taten, allerdings dann später und ich muss deuten.
Ich frage mich auch, ob ich solche Leute mal verletzt habe und sie, da sie "nonverbale" Menschen sind, nichts sagten. Also konnte ich gar nicht um Verzeihung bitten, weil ich es nicht gemerkt hab. Vielleicht lehnten sie mich daraufhin ab oder zogen sich einfach zurück?
Also haben sie sich von mir auch nicht emotional umsorgt gefühlt und quasi keiner kann was dafür, dass er den anderen nicht umsorgen konnte.
Meine Perspektive, meine Gefühle, waren für sie irrelevant.
Ich denke, das ist ein wichtiger Punkt. Wenn man es schon sagt, dass einen was verletzte, warum kommt dann nicht wenigstens ein "ich wollte dich nicht verletzen", bevor man erklärt, warum man wie gehandelt hat? Ich denke zwar, so feinsinnig sind viele nicht mit der Kommunikation, aber wenn einem was wichtig ist, sagt man es ja, und das wäre dann der Beweis, dass es ihnen nicht wichtig war, dass sie wen verletzt haben.
@Leopardin
Haben sich Deine Eltern bei Dir als Kind entschuldigt, wenn sie Dich verletzt hatten und Du das irgendwie zum Ausdruck gebracht hattest?

(@Pia62 Ich hab von dem Brand gelesen im anderen Thread. Wie schrecklich, ich hoffe, das kommt bald wieder ins Lot und Du hast nicht so viel wichtiges verloren.)
 
  • #24
Ich kenne keine stumme Entschuldigung. Ich handhabe es so, dass ich mich immer verbal entschuldige. Da weiß mein Gegenüber, woran er/sie ist. Was nützen einem Blumen o.ä., wenn der andere kein "Entschuldige bitte" über die Lippen bringt? Nur zu sagen "Entschuldige" halte ich für daneben. Das ist nämlich eine Aufforderung und keine Bitte. In einer Entschuldigung, die auch ankommen und angenommen werden soll, sollten schon die Wörter "Entschuldigung" UND "bitte" vorkommen.
 
  • #25
@pixi67, genauso habe ich das bei richtigen Tiefschlägen empfunden. Das ist nicht mit einem lapidaren Satz erledigt. Da will ich wirklich spüren, dass derjenige liebevoll auf mich zukommt. Die Wiedergutmachungen zähle ich nicht mit, aber das muss schon mehr sein.
Ein schönes Gefühl für mich, dass das von vielen anderen auch so empfunden wird.
Ich benutze ein anderes Bild, als Rabattmarken. Bei mir haben mir nahestehende Menschen in meiner Phantasie Krüge. Je näher sie mir sind, um so größer und schöner sind die Gefäße. Bei Verletzungen, die nicht wieder gut gemacht werden, füllen sie sich mit Wasser. Das Wasser kann wieder völlig verschwinden, aber der Krug kann sich auch immer mehr füllen.
Bei meinem Exmann habe ich deutlich gespürt, wie der Krug plötzlich in tausend Teile explodiert ist, da gab es weder ein Zurück noch ein Verzeihen. Wirklich der Tropfen, der das Fass nicht zum Überlaufen, sondern zur Explosion brachte.

Auf der anderen Seite bin mal zu einem Kollegen zu Unrecht recht pampig gewesen. Das tat mir, kurze Zeit später furchtbar leid und ich habe mich für mein schlechtes Benehmen sehr entschuldigt.

In der Arbeitswelt werden wir oft für Dinge verantwortlich gemacht auf die wir keinen Einfluss haben. Da habe früher öfter mal harsch reagiert, das mache ich heute nicht mehr, sondern informiere höflich woran es liegt, wenn etwas nicht funktioniert. Kann da aber auch mit sehr kalter Höflichkeit reagieren, wenn mich jemand sehr nervt.

Die Vielfalt macht die Tiefgründigkeit von voids Frage aus. Es kann sehr leicht aufzulösen sein oder ich bin empfinde das auch als einen Knoten in der Brust, wenn mich eine Bösartigkeit, Machtspiele, Gedankenlosigkeit oder auch ein Vertrauensbruch sehr verletzt haben.
Ich mag eine gute Streit/ Diskussionskultur. Ich mag Auseinandersetzungen, aber ich beachte die Regeln. Keine Schläge unter der Gürtellinie, keine Missbrauch von Informationen über den anderen, von denen ich weiß, dass dort große Verletzungen liegen. Solche Verhaltensweise finde ich abscheulich.
Void, deine Frage hat mich heute sehr zum Nachdenken angeregt, das von allen Seiten anzusehen.
 
  • #26
Ich finde Entschuldigungen sehr wichtig für die Vertrauensbildung und das Verzeihen. Wenn ich mich falsch verhalten habe, entschuldige ich mich immer, und zwar verbal. Dabei ist es ganz gleichgültig, wie der Part des anderen aussieht. Nach meiner Erfahrung entschuldigt er sich auch, wenn man den Anfang gemacht hat. Dass ich mit meinem Exmann noch gut befreundet bin, ist sicher auch dem Umstand geschuldet, dass wir uns beide nach dem Ende aufrichtig und ehrlich beieinander für das entschuldigt haben, was in der Endphase zwischen uns vorgefallen war.
 
  • #27
Liebe void,
zu deiner Frage zu Verletzungen und Entschuldigungen ".. wie entsteht das Gefühl, er/sie hätte sich damit auseinandergesetzt und es ist ihm bewusst..?"
Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht wirklich. Um überhaupt mit mir (und dem anderen) grundsätzlich wieder mera in den Frieden zu kommen, versuche ich, zuerst, offen darüber zu sprechen, was mich verletzt hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass des dem anderen oft überhaupt nicht bewusst war, welchen Auslöserknopf oder Triggerpunkt er/ sie bei mir ausgelöst hat.
Mir fällt das immer herzlich schwer, aber wenn ich das schaffe, und zwar in der Form, dass ich wirklich von mir und meinem Gefühl spreche und nicht von dem, was er/sie verletztendes gemacht hat... dann ist es per se schon mal besser.

Oft kommt dann auch von ausgwaschelten Wortmuffeln und RedenistüberflüssigtypInnen ein spontanes " Verzeih, ich wusste nicht, dass du das so verstanden hast und dass dich das verletzt hat.."

Mir gefällt die These eigentlich überhaupt nicht, dass ein anderer Mensch einen in Wahrheit gar nicht verletzen kann, sondern man nur selbst in seiner Reaktion auf den anderen sich verletzt fühlt oder eben nicht.
Weil, ich wäre schon lieber nur einfach empört und grrrrr-wütend auf den anderen, könnte ihn blöd finden, mich zu recht verletzt fühlen, weil der andere blabla, selber recht behalten, schmollen und mindestens eine gebührende, ausreichende, ehrlich aufrichtige, verbal hochwertige authentische Entschuldigung erwarten...
Jetzt sann die Leit ja leider nia so, wie ich sie gern haben wollen tät.

Also, das Gefühl, "ach, ist schon und/ oder wiedergut", entsteht, wenn es bei mir entsteht. Zum Teil einfach mit oder ohne einer freundlichen Schokolade, zum Teil mit oder ohne Worte, häufig mit aufrichtigen Worten, sehr selten, wenn bloß a oberflächliches "Ah, sorry, Mausi" nausdruckt werd.

Aber: Ich versuche das Gefühl des Verzeihens unabhängig von dem, was der andere tut oder nicht tut, in mir selbst zu fördern, indem ich mir
a) erlaube, mich verletzt zu fühlen,
b) bei mir zu schauen, warum mich des verletzt hat
c) dem anderen sei Freiheit zum lassen, wie er wiederum auf meine Verletztheit (wenn ich sie kundgetan habe) reagiert.

Und d) wenn ich wiederholt feststelle, dass ich mich öfter verletzt fühl von jemanden, weil der halt ganz anders sensibel und gestrickt ist wie ich... Pfff, dann versuche ich denjenigen so sein zum lassen, wir er is und aber mich auch so, wie ich eben bin. Und den richtigen (für mich stimmigen) inneren und äußeren Abstand zu finden und zu halten.
 
  • #28
Wenn ich ne halbe Stunde irgendwo gewartet habe und jemand kommt dann mit nem verschmitzten Lächeln an und meint: "Sorry, hab es irgendwie nicht eher geschaftt" pfeif ich auf die verbale Entschuldigung.
Dass er/sie beim nächsten Mal pünktlich ist, ist mir wichtig.
Worte sind Schall und Rauch - und ehrlich: Was is denn nkch einfacher als sich verbal zu entschuldigen? Kurz was gesagt und alles ist gut? Was soll denn daran demütigen sein? Das is so leicht, dass ich lache.
Wollen diejenigen, die es als demütigend empfinden, dann eine verbale Entschuldigung, weil der andere sich demütigen soll?

Ich habe eine enge Freundin, deren Vater sie jahelang als Kind missbraucht hat. (Nur weil sie selbst sehr offen mit dem Thema umgeht, thematisiere ich das hier überhaupt, selbst anonym is das immer noch eine unglaubliche Sache) Als er dann viele Jahre (ohne Kontakt) später an Krebs erkrankt war, wär er auch angekommen und hätte sich entschuldigt, weil ihm alles so leid tut. Da hat sie dankend verzichtet. Nein, nicht mal dankend: lachend. Weil sie auf so eine leere Geste gut verzichten konnte.
 
  • #29
Ich konnte mich früher auch nicht entschuldigen. Jetzt weiss ich, dass ich mit der Wahrnehmung meiner Emotionen vollkommen überfordert war. Hing bei mir mit Autismus zusammen (Menschen als Objekte wahrnehmen).

Wie soll eine nonverbale Entschuldigung aussehen? Wenn sich jemand nicht verbal entschuldigt, hat er auch nicht gemerkt, dass er Mist gebaut hat. Von daher gibt es keine nonverbalen Entschuldigungen.
 
  • #30
Haben sich Deine Eltern bei Dir als Kind entschuldigt, wenn sie Dich verletzt hatten und Du das irgendwie zum Ausdruck gebracht hattest?
Ich kann mich nicht an einen einzigen Moment in meiner Kindheit erinnern, in dem meine Eltern mich als Kind verbal oder sogar körperlich "verletzt" haben. Bei meiner Schwester nicht anders.

Allerdings erinnere ich mich gut daran, dass ich umgekehrt als "sture" Pubertierende meine Mutter mit Kleinigkeiten penetrant geärgert habe. Trotzdem hat sie mir gegenüber nie ein böses Wort verloren. Als Erwachsene haben wir uns rückblickend amüsiert darüber unterhalten und selbst da habe ich mich noch bei meiner Mutter für mein hirnrissiges Teenie-Verhalten entschuldigt. Peanuts wie: Ich wollte Musik hören, mein Kassettenrecorder war auf volle Lautstärke gedreht. Es interessierte mich nicht, ob meine Mutter nebenan in der Küche sich die Ohren zuhielt. Sie hat mich gebeten auf Zimmerlautstärke zu drehen, was ich natürlich als Zicke mit 12 oder 13 Jahren nicht eingesehen habe. Ok, waren dann auch nur 1 oder 2 Lieder und dann war wieder Ruhe. Thema erledigt.

Extreme Vorfälle gab es bei uns nicht.

Meine letzte persönliche verbale Entschuldigung war letztes WE. Mein Sohn und ich waren gut drauf und haben uns spielerisch gegenseitig geärgert. Aus Versehen habe ich dann eine/seine Wange erwischt und mit den Fingernägeln einen klitzekleinen Kratzer verpasst. Selbstverständlich habe ich auch da ein "Oh sorry, das war nicht geplant! ausgesprochen.

Ein Muss ebenso wie "Bitte" und "Danke!"
 
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