• #1

Endet die Emanzipation beim Nachnamen?

Hallo liebes Forum,

ich frage mich schon länger, weshalb wirklich über 90% der Frauen den Nachnamen ihres Mannes annehmen und auch Kinder unverheirateter Eltern fast immer den Namen des Mannes bekommen. In einem anderen Thread hier über das Heiraten kam auch erneut auf, dies sei für manche Frauen wichtig und "romantisch". Aber wenn man mal genau hinsieht, ist dieser Brauch doch alles andere als romantisch, sondern absolut patriarchisch.

Natürlich gibt es individuelle Gründe, weshalb der Name des Mannes angenommen wird. Wenn sein Name einfach besonders ist, der Name für ihn im Berufsleben eine wichtige Bedeutung hat etc.

Im Großen und Ganzen scheint es mir - so in meinem Umfeld - aber gar nicht als Option gegeben zu sein, den Nachnamen der Frau als gemeinsamen Namen zu tragen. So heiratet beispielsweise die Schwester eines Freundes von mir. Er meinte dann, sie wechsle nicht ihren Namen, da ihr Mann einen Allerweltsnamen a la Müller-Meier-Schmidt trägt und sie das nicht für sich wolle. Auf die Frage hin, ob er denn dann ihren Namen annehmen wird, blickte ich in erstaunte Gesichter in der Runde. "Nein, das macht man doch wirklich nicht!", kam dann. Einer hat sogar gefragt, ob das denn rechtlich möglich wäre. Frauen der Runde meinten, sie würden auch den Namen des Mannes annehmen, weil sie so heißen wollen wie ihre Kinder. Dass das auch mit ihrem Namen möglich wäre, war außerhalb ihres Horizonts.

Ähnliche Situationen habe ich sowohl in meiner ländlichen, traditionellen Heimat mit Nicht-Akademikern, als auch in der Großstadt mit meinen Akademiker-Runde gemacht. Am Bildungsstand oder der Umgebung kann es also nicht liegen, was ja auch die statistischen Zahlen dazu belegen. Es scheint nur die Optionen "Name des Mannes für die ganze Familie" oder "Frau behält ihren Namen, der Rest der Familie heißt anders" zu geben. Was haltet ihr davon? An die Frauen, die dies romantisch finden: Warum seht ihr das so, auch wenn es historisch gesehen eine frauenfeindliche Tradition ist?
 
  • #2
Ich denke man sollte sich in Zeiten des Internets überlegen ob man einen Namen haben will, mit dem man leicht via Suchmaschine gefunden wird (also einen seltenen Namen) oder einen Allerweltsnamen wie Meier oder Müller (von denen es viele gibt). Tradition hin, Tradition her.
 
  • #3
Ich weiß nicht, was daran frauenfeindlich ist. Frauenfeindlich wäre es, wenn es nicht möglich wäre, den Frauennamen als Familiennamen zu tragen. Das ist es aber. Also ist es die freie Entscheidung jeder Frau. Das finde ich fortschrittlich und emanzipiert. Nix frauenfeindlich.

Dass sich Frauen in der Mehrheit für den Namen des Mannes entscheiden, liegt sicherlich an den gängigen Konventionen und Traditionen unserer Kultur. Aber so lange es die Wahl gibt, sich so oder so zu entscheiden, gibt es für mich keinen Grund, sich darüber Gedanken zu machen. Jeder kann sich frei entscheiden, ob Frau und Mann. Ist doch super!
 
  • #4
Warum seht ihr das so, auch wenn es historisch gesehen eine frauenfeindliche Tradition ist?
Warum ist das eine frauenfeindliche Tradition? Irgendeinen Namen müssen die beiden ja annehmen!?
Ich kenne übrigens genug Paare, die darüber diskutiert haben - und in manchen Fällen haben sie (das Paar) nun auch Doppelnamen oder er hat ihren Namen angenommen.
Gründe, den eigenen Namen zu behalten waren meist, weil ein Betrieb zu übernehmen war oder jemand unter diesem Namen schon mehrere Bücher publiziert hat oder eben Patentrechte besitzt. (mehr oder weniger wirtschaftliche Gründe)
Ich finde, dass eine Familie auch einen Namen haben soll. Ich persönlich hätte kein Problem, meinen Namen abzugeben - ob ich den Namen meines Mannes annehmen würde, würde stark davon abhängen, ob mir der Name besser als mein eigener gefällt. Als Entscheidungsgrund Emanzipation anzugeben finde ich hingegen lächerlich.
Bei Emanzipation geht es für mich um wirklich wichtige Dinge wie Einkommen usw.
 
  • #5
Für mich hat das wenig mit Emanzipation zu tun, sondern damit, wie man selbst gestrickt ist und wie sehr man abhängig ist von Normen und was die Gesellschaft , angeblich, von einem erwartet.
Ich kenne aus meinem Umfeld alle Fälle. Beide tragen ihre Namen weiter, gemeinsamer Name,er nimmt ihren Namen an, die Kinder heißen wie sie oder wie er.
Früher gab´s für mich selbst nur die Option Doppelnamen. Heute sehe ich das anders. Ich weiß wer ich bin und würde heute den Namen meines Mannes annehmen. Vielleicht deshalb weil ich noch nie verheiratet war und für mich ein gemeinsamer Name ein Bekenntnis ist. Das Thema hatten wir ja unlängst in einem anderen Thread.
 
  • #6
Ich finde es auch seltsam, dass das für viele Frauen immer noch so selbstverständlich ist. Nach der Hochzeit einen Allerweltsnamen zu tragen, finde ich nun alles andere als romantisch.
In einer Familie fände ich einen gemeinsamen Namen auch wichtig, aber ich würde es nicht vom Geschlecht abhängig machen, welcher Name gewählt wird. Wenn nicht irgendwelche beruflichen Gründe dagegen sprechen, würde ich prinzipiell einfach den schöneren nehmen. Wenn beide von beiden als gleich schön empfunden werden, den selteneren. Fertig.

Ich habe allerdings einen nicht-deutschen Vornamen und würde darum meinen Nachnamen wohl behalten wollen - es sei denn, der Nachnamme des Mannes passt zufällig genauso gut wie meiner und ist nicht hässlicher.

Einen Mann, der mir seinen Namen aufzwingen will, würde ich nicht heiraten. Da passt dann was Wesentliches im Weltbild nicht.
 
  • #7
Irgendeinen Namen müssen die beiden ja annehmen!?
Wieso? Kann doch auch jeder seinen eigenen behalten? In anderen Ländern ist das ganz normal. Nur bei uns "müssen" Paare gleich heißen ...

Ich hätte meinen ganz behalten, wenn das damals schon möglich gewesen wäre. So habe ich ihn wenigstens im Doppelnamen untergebracht. Allerdings hatte das nichts mit Emanzipation zu tun, sondern damit, dass ich meinen Namen als Teil meiner Identität betrachte und ihn deshalb nicht einfach hergeben wollte.
 
  • #8
Liebe FS,
ich kann Deine Feststellung in der Radikalität, in der Du sie vorträgst nicht bestätigen, nicht im grossstaedisch-akademischen Umfeld. Erst recht kenne ich keinen einzigen Fall von Kindern unverheirateter Eltern, in denen die Kinder den Namen des Vaters tragen - sie haben alle den Nachnamen der Frau.

Bei den Familiennamen kenne ich ich alle möglichen Konstellationen:

- wenige Männer die keine Verbindung an ihre Stammfamilie haben und den Namen der Frau annehmen, um ihre Vergangenheit zu kappen. Das scheint öfter vorzukommen, wenn sie den Familiennamen eines Vaters tragen, der die Familie Immstich gelassen hat.
- manche Männer tragen Doppelnamen (ihren und den der Frau), die Kinder den Namen der Frau, weil das der Familienname ist.
- viele Frauen tragen einen Doppelnamen, den des Mannes angehängt. Für die Variante habe ich mich auch entschieden, weil ich unter meinem Namen vor der Heirat bereits einige wissenschaftliche Veröffentlichungen geschrieben hatte, zum Zeitpunkt der Eheschließung nicht wusste, ob ich weiter wissenschaftlich arbeite oder in die Wirtschaft gehe. Die Suche geht nunmal über den Namen.
- die meisten Frauen nehmen den Namen des Mannes an, weil das noch in unserer Kultur verankert ist und Männer darum mehr Gewese machen als Frauen. Für die Frauen scheint die Priorität auf gemeinsamer Familie zu liegen, ist ihnen wichtiger und so machen sie aus dem Namen kein Konfliktthema.
- wenige Frauen behalten nach der Hochzeit ihren Namen (in der Regel aus beruflichen Gründen, um die Familie vor Belästigungen zu schützen ), der Rest der Familie trägt den Namen des Mannes. Das kenne ich von einigen Juristinnen, Psychotherapeutinnen und Psychiaterinnen.
Obwohl ich einen viel selteneren und klangvolleren Namen habe als mein Exmann wollte er meinen Namen nicht annehmen. Er trug weiterhin den Namen seines längst verstorbenen, verhassten Stiefvaters, weil er meinte, dass er insbesondere im beruflichen Umfeld verspottet wird, wenn er den Namen der Frau annimmt. Warum sollte ich das von ihm verlangen, wenn es ihm Sorgen macht und ich ihn damals liebte?

Vielleicht endet die Emanzipation nicht bei der Namenswahl, sondern beginnt genau da - im setzen persönlicher Prioritäten, der eigenen Entscheidung, was mir wichtig ist, frei von dem was andere sagen. Ich hatte offensichtlich mehr Entscheidungsfreiheit als mein von Vorurteilen gehetzter Ex.
 
  • #9
Ich glaube, die meisten Männer machen da nicht mit. Nie würden sie den Namen der Frau annehmen. Und wenn einer nicht will, dann geht´s eben nicht.

Bei uns:
Ich habe meinen Namen behalten, die Kinder heißen wie ich (das macht auch Sinn; es ist merkwürdig, wenn Mutter und Kinder unterschiedlich heißen, da sie meist zusammen auftreten, Krankenhaus, Reise etc) und mein Mann hat seinen Namen behalten. Es war bisher ein Vorteil, 2 Namen zu haben. Wir würden es wieder so machen.
 
  • #10
Freie Entscheidung von zwei Menschen, die sich aneinander binden wollen. Also volle Emanzipation und dem bösen "Patriarchat" muss sich keine Frau "unterwerfen". Fertig.

Und individueller Nachtrag: meine Familie hat eine vielhundertjährige Tradition, in der meine Kinder auch mit ihrem Nachnamen stehen. Frau? Egal, im Vergleich dazu. Und jetzt? Wer nicht will, der hat schon... ;-)
 
  • #11
Wir diskutierten darüber, warfen schließlich auf dem Standesamt eine Münze. Sie fiel auf seinen Namen.
Ich versuchte mir die Enttäuschung nicht anmerken zu lassen.
Am nächsten Tag kam er etwas später nach Haus und erwähnte wie nebenbei, er war auf dem Standesamt und hat den gemeinsamen Nachnamen auf den Meinen ändern lassen.
Und das war vor knapp 20 Jahren. Inzwischen ist es überhaupt nicht mehr ungewöhnlich, wenn das Paar den Namen der Frau annimmt oder jeder seinen Namen behält.
 
  • #12
Das ist keine Frage der Emanzipation, finde ich seltsam und fragwürdig, das mit einander zu verknüpfen.
Für mich eine individuelle Entscheidung.

Was ich persönlich nicht gut fände - einen alten Ehenamen in einer neuen Ehe zu behalten.
 
  • #13
Gemeinsamer Name vermittelt das Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Heirat, aber Beide behalten ihre Namen. Mögliche Unterstellung an den Ehemann:"Hast Du eine Emanze geheiratet ? Oder warum lässt du dir sowas gefallen ?"

Ich habe den Eindruck, dass es als "unmännliche Schwäche" betrachtet wird, wenn der Mann seinen Namen aufgibt, und den Namen seiner Frau annimmt ?

Wenn die Kinder nicht so heißen, wie ihre Eltern, dann könnte das einen falschen Eindruck machen. z.B. als ob es nicht ihre leiblichen Kinder wären ?
z.B. Frau X mit ihren Kindern Y = "vom Mann in die Ehe
mitgebracht ? Keine gemeinsamen Kinder ? .... warum nicht ?"
Welche Frau+Mutter will sowas erleben, obwohl SIE die Kinder geboren hat ?

Umgekehrt: Herr X mit den Kindern Y ="Aha,..... zeugungsunfähig ?"
 
  • #14
Ich halte mich durchaus für eine emanzipierte Frau und habe den Nachnamen meines Mannes damals angenommen, weil er mir schlichtweg viel besser gefiel, als mein eigener.

Mit meinem eigenen wurde ich in der Kindheit gehänselt, für den jetzigen Nachnamen bekomme ich nur Komplimente und jeder kann ihn sich gut merken.

Obwohl ich von meinem Mann mittlerweile getrennt bin, würde ich bei einer erneute Heirat den Namen auch behalten wollen, weil DAS mittlerweile ich bin (seit fast 25 J.). Ich habe diesen Namen also länger, als ich den meiner Familie hatte, zumal auch meine Mutter durch erneute Heirat nun einen anderen Familiennamen hat.

Wenn es einem neuen Partner wichtig wäre, würde ich mich höchstens auf einen Doppelnamen einlassen.

Emanzipation bedeutet für mich, dass ich das tun und lassen kann, was ich als Frau will. Genau dies mach ich hierbei, auch wenn es zufällig dem entspricht, was was Tradition ist.

Ich mach es also wegen mir, nicht wegen der Tradition. Das ist der Unterschied.
 
  • #15
Das ist keine Frage der Emanzipation, finde ich seltsam und fragwürdig, das mit einander zu verknüpfen.
Ich kann die Gedanken der FS nachvollziehen. In alten Zeiten war es eben so, dass der Mann der Stammhalter war und der Name des Mannes erhalten bleiben musste, um Ansprüche geltend zu machen. Häufig war es gleichzeitig so, dass die Frau in eine reichere oder gleichgestellte Familie verheiratet wurde. Was Frauen ja heute noch gern von sich aus tun...
Gleichberechtigter Anspruch ergibt sich nach der zitierten patriarchalen Lebensweise erst dann, wenn genau so viele Frauen ärmere Männer heiraten wie reichere, so dass der besser gestellte Name im Stammbaum erhalten bleibt. Ich bezweifle, dass wir das noch erleben werden. Unterbewusst wollen sich die meisten Frauen immer noch in das Rudelhorde des (wie auch immer) starken Mannes einordnen. Gerne wird das dann mit schwammigen, Barnum-würdigen Umschreibungen erklärt oder umgedeutet.

Für mich sind Namen übrigens nur systemische Suchbegriffe für uns. Wer welchen Nachnamen annehmen würde, hat für mich keine Bedeutung.
 
  • #16
Was ist da frauenfeindlich? Für mich ist es schön, wenn man denselben Namen trägt, welcher das ist, ist mir eigentlich egal.
Mein Exmann hatte auch hieß Meir, da hätte ich nicht nur einen Allerweltsnamen gehabt sondern auch noch immer erklären müssen, wie er geschrieben wird. Das wollte ich nicht und so haben wir uns für meinen Namen entschieden, den er auch nach der Scheidung noch trägt. Das war vor über 30 Jahren - also damals eher untypisch. Der Mann von einer Freundin hat damals, auch vor über 20 Jahren auch den Namen der Frau angenommen, weil sein osteuropäischer Name etwas kompliziert war. Kein Problem.
Wenn ich jetzt wieder heiraten sollte, würde ich gerne den Namen meines Partners annehmen, weil ich den Mann einfach liebe und sein Name in Ordnung ist.

Was ich übrigens immer witzig finde, ist die veraltete Stammbaum-Theorie. Der Name geht vom Vater auf den Sohn über. Wenn schon, dann müsste es die mütterliche Folge und der mütterliche Name sein.
 
  • #17
Teil1: Hier noch einmal die FS. Danke für die Rückmeldungen.

Dass so viele Paare kennen, die den Namen der Frau tragen, ist sicherlich gut. Aber wenn ihr mal genau drüber nachdenkt, kennt man sehr viel mehr Paare, bei denen es umgekehrt ist. Muss statistisch ja auch so sein, da nur ca. 5% den Namen der Frau wählen.

Auch will ich noch einmal gerne den Zusammenhang mit der Emanzipation erklären:

Das Frauenfeindliche hinter der Tradition zu verleugnen, ist naiv (#3). Wie ich bereits geschrieben habe, gibt es natürlich individuelle Gründe, z.B. beruflicher Natur, weshalb es im Einzelfall sinnvoll ist, den Namen des Mannes anzunehmen. Deswegen spreche ich nicht generell jeder Frau ab, emanzipiert zu sein (#13). Ich dachte das ist klar. Dass mittlerweile (aber erst seit 25 Jahren!) eine gleichberechtigte Entscheidung für die Namenswahl in der Theorie (!) möglich ist, ist mir bewusst.

Wenn allerdings immer noch ganz weit überwiegend der Name des Mannes als gemeinsamer Name gewählt wird (und auch Doppelnamen oft nur von der Frau getragen werden), kann man schon einmal nach den Hintergründen dieser Entwicklung fragen. Denn dann scheint für mich die rechtliche Gleichstellung, die seit wie gesagt erst ein paar Jahren im Namensrecht herrscht, gesamtgesellschaftlich noch nicht ganz in den Köpfen angekommen zu sein. Und damit mangelt es mir im Großen und Ganzen und teilweise (!) eben individuell schon an der Emanzipation. Denn ganz "frei" scheint die Entscheidung damit eben nicht zu sein, auch wenn sie es nach den rechtlichen Rahmenbedingungen sein könnte. Denn bezüglich einer Sache sind wir uns wohl einig: Es können kaum 80-90% der Männer den schöneren oder beruflich wichtigeren Namen tragen, oder? Da frage ich mich dann schon einmal, was wohl die neue Frau Krautwurst geritten hat, ihren ganz normalen "Mädchennamen"(!!) aufzugeben (ich kenne sie wirklich!).
 
  • #18
Teil 2: Dass wir alle gesellschaftlich geprägt werden, steht denke ich außer Frage. Und Emanzipation (was sich ja begrifflich nicht nur auf das Verhältnis Mann-Frau bezieht) bedeutet für mich umfassend, dass man traditionelle Muster auch einmal selbst hinterfragt und nicht in einen gesellschaftlich bedingten Automatismus verfällt. Da ich auf so etwas achte, fallen mir vielleicht auch eher Kleinigkeiten auf, die dazu beitragen.

Beispiel 1: In meiner Heimat ist es üblich, Briefe, die an die ganze Familie adressiert sind (z.B. Einladungen), mit "Familie (Vorname des Mannes) Nachname" zu überschreiben.
Beispiel 2: Ich musste letztens etwas in einer Behörde beantragen und ein Formular ausfüllen. Da wurde explizit nach dem Geburtsnamen (nur) der Mutter gefragt. Wenn die Gesellschaft hier so offen ist für alle Namenswahl-Ideen, warum wird hier dann nicht geschlechtsneutral formuliert?

Ich behaupte ja nicht, dass es noch das "böse Patriarchat" gibt, unter welches sich Frauen noch unterordnen müssen (in Deutschland). Das überlasse ich einer Schwarzer. Aber dass gewisse Denkstrukturen aus der früheren Ungleichbehandlung der Geschlechter noch gedanklich fortwirken, kann man kaum leugnen und das sieht man sehr gut an der Namenswahl. Denn gerade hier kann man auch keinerlei biologische Gründe finden, die dies legitimieren. Ich hoffe jetzt wird mein Zusammenhang zur Emanzipation etwas klarer.
 
  • #19
Bei zwei erwachsenen Menschen sollte es selbstverständlich sein, dass beide ihren jeweiligen Namen behalten. Gerade wenn man sowieso keine Kinder will, stellt sich auch die Frage nach dem Namen des Nachwuchses nicht.
 
  • #20
Ich kann dieses gesummse um die Emanzipation nicht mehr hören. Das klingt immer so nach: "Ich geb dem Mann die Schuld an meinem nicht-vorankommen, damit ich mich nicht anstrengen muss."
Das mit dem Nachnamen nun auch in die Emanzipationsdebatte einzubeziehen ist jetzt einfach nur ziemlich lächerlich. Jedes Paar hat die rechtlich absolut freie Wahl wie sie mit ihrem Namen umgehen möchten. Ich denke die meisten Frauen WOLLEN einfach aus verschiedenen Gründen den Namen ihres Mannes annehmen. Mir inklusive. Da ist das letzte was mich interessiert irgendein gejammer gelangweilter Emanzen über das "Patriarchat"
Und ich kenne auch genug Männer die aus verschiedenen Gründen den Namen ihrer Frau angenommen haben, weil sie nicht der Meinung sind dass das Schwäche bedeutet. Die einzigen die um den Namen der Frau als Ehenamen so ein Schwächling-Drama machen sind die Männer selbst. Der Rest macht derweil wie es ihm passt und zuckt mit den Schultern.
 
E

EarlyWinter

  • #21
Ich habe den Eindruck, dass man langsam aber sicher Emanzipation von der Emanzipation, oder von dem, was die Meisten darunter verstehen wollen, braucht. Jeder setzt den Begriff gerade so ein, wie es in sein eigenes Weltbild passt.
Emanzipation, Freiheit, usw. bedeutet, nicht gezwungen sein, etwas zu tun oder etwas nicht tun zu dürfen aufgrund der festgeschriebenen gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Wenn Emanzipation aber bedeutet, dass ich frei bin zu entscheiden, dann darf das nicht einfach nur eine andere Art von Zwang sein, der nun subtil ausgeübt wird. Mittlerweile muss man sich schon rechtfertigen, dass man auf bestimmte Werte wert legt und wird hier als "sowas von yesterday" bezeichnet. Wo sind diese Menschen denn toleranter als es früher die "yesterday"-Menschen waren? Nirgendwo, nur dass die Intolleranz in die andere Richtung schlägt. Früher haben sich Frauen in der Ehe schlecht behandeln lassen weil sie meistens keine andere Wahl hatten, heute lassen sie sich unter dem Deckmantel der Emanzipation auf andere Art und Weise schlecht behandeln und verharren in lieblosen Beziehungen und "Freundschaften +", lassen sich von Männern jeden Mist erzählen und reden sich ein, sie wären so modern und Sie können entscheiden und auch unverbindliche Konstellationen genießen, Blabla, jammern hier in diversen Threads aber rum, dass sie mehr wollen, sich verlieben, doch nicht mit der Situation umgehen können, hoffen jahrelang, dass der Mann sich auch verliebt, was nicht passieren wird usw. usw. Und sie verlassen genausowenig den Mann, von dem sie sich schlecht behandelt fühlen wie früher die Frauen. Mit dem Unterschied, dass die heutigen Frauen sich freiwillig schlecht behandeln lassen. Oder sie behandeln aus Frust ihren Partner schlecht. Was daran emanzipiert sein soll erschließt sich mir nicht. Ich definiere meine Emanzipation nicht über meinen Nachnamen, sondern einzig und alleine darüber, dass ich Dinge tun kann, die ich möchte und Dinge nicht tun muss, die ich nicht tun möchte. Wenn ich mir selbst von jemanden oder gar von der Gesellschaft einreden lasse, was ich zu tun oder zu lassen habe, dann trage ich als erwachsener Mensch in einem freien Land ganz alleine die Verantwortung dafür.
 
A

Ares

  • #22
...sondern absolut patriarchisch... Das Frauenfeindliche hinter der Tradition zu verleugnen, ist naiv ...
Mittlerweile wird vieles als frauenfeindlich bezeichnet, was einer Frau nicht passt. Frauenfeindlich und ausländerfeindlich empfinde ich immer mehr als Totschlagargumente. Nach Deiner Logik hätten sich dann ja fast alle Frauen einen frauenfeindlichen Mann zum Heiraten ausgesucht. Ganz schön doof, oder?
Es steht mittlerweile jeder Frau und jedem Mann frei, sich den Namen auszusuchen, den sie tragen möchten.
 
  • #23
Was heutzutage immer gleich frauenfeindlich betiteln wird, ist schon sehr amüsant. Wenn es nicht XY-feindlich ist, dann ist es halt diskriminierend oder einfach nur Bashing. Vor ca. 15 J. kannte man zwar den Ausdruck "Bashing" noch nicht einmal, aber dafür geht man gleich heutzutage damit immer hausieren. Tja, wenn einen die Argumente ausgehen, dann müssen halt die Todschlagargumente herhalten.

Eventuell sollte man sich bei der Namensfindung, das spanische Modell übernehmen. Jeder behält seinen Namen und erspart sich dadurch auch viel Laufereien bei den Behörden wegen der Namensänderung im Ausweis, Pass, Führerschein usw. Man wurde mit den Namen XY geboren und wird auch mit den Namen XY irgendwann beerdigt und dies ändert auch keine Hochzeit. Man hat einen Doppelnamen von der Mutter + Vater und dies würde dann auch bei potenziellen Kinder weiter so geführt. Alles ziemlich Simple und sämtliche Probleme wären dann damit aus der Welt geräumt.
 
A

Ares

  • #24
Beispiel 1: In meiner Heimat ist es üblich, Briefe, die an die ganze Familie adressiert sind (z.B. Einladungen), mit "Familie (Vorname des Mannes) Nachname" zu überschreiben..
Aha, da haben wir den Kern des Problems. "In Deiner Heimat" ist irgendwas üblich, was hier schon nach der Generation meiner Großeltern abgeschafft wurde. Jeder hier hat für sein Leben die Wahl. Du musst weder heiraten noch den Namen des Mannes annehmen. "Emanzipation" und das Ende des "Patriarchats" haben nichts damit zu tun, dass sich Frauen und Männer nicht bei manchen Themen miteinander besprechen und einigen müssen. Du bist für Dein Leben verantwortlich. Auch das hat was mit "Emanzipation" zu tun. Abschieben der Verantwortung auf andere sicher nicht.
 
  • #25
Ich finde die spanische Tradition auch am besten, bei der beide ihren Namen behalten und die Kinder dann zwei Namen haben, der erste vom Vater, der zweite von der Mutter. Und in Spanien oder auch Italien, Portugal, Griechenland,... redet keiner von übertriebener Emanzipation wie hier in D., nur weil die Frau ihren Namen behält.
 
  • #26
Ähm liebe Leute, jetzt mal ernsthaft?! Ich wollte hier definitiv keine Debatte darüber auslösen, ob die dahinter stehende Tradition frauenfeindlich ist oder nicht. Denn das Verständnis habe ich eigentlich vorausgesetzt. Aber gut, ich erkläre es gerne noch einmal: Der Hintergrund war, dass die Frau mit der Ehe in die Familie des Mannes "eingeheiratet" hat und sie und die Kinder somit dem Manne zugeordnet wurden. Es ging namenstechnisch um die Weitergabe der männlichen Linie; die Weitergabe der weiblichen - nach außen symbolisiert durch den Namen - war rechtlich gar nicht möglich. Und das soll nicht frauenfeindlich sein?

Ich bin sicher keine Klischee-Emanze, wie mir hier zT unterschwellig unterstellt wird. Ich nutze die Frauenfeindlichkeit nicht als Totschlagargument. Und ich prangere Männerfeindlichkeit in einem anderen Kontext gleichsam an. Auch habe ich nirgendwo davon gesprochen, dass Männer ihre Frauen dazu zwingen oä. Wie ich weiter oben schon beschrieben habe, geht es mir mehr um die Emanzipation von traditionellen Mustern - das gilt für Männlein und Weiblein gleichermaßen. Nochmals, es geht nicht primär um individuelle Entscheidungen, sondern eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Und die sieht es als absolut üblich an, wenn die Frau den Namen des Mannes annimmt. Siehe Statistiken der Standesämter und Formulare, in denen ausdrücklich nur der Geburtsname der Frau angegeben werden kann.

Ist das denn jetzt wirklich so schwer zu verstehen für die meisten Foristen hier oder springen bei manchen einfach sofort die Sicherungen raus, wenn man irgendwas in Richtung Emanzipation/Feminismus schreibt?
 
  • #27
Wenn ich mir selbst von jemanden oder gar von der Gesellschaft einreden lasse, was ich zu tun oder zu lassen habe, dann trage ich als erwachsener Mensch in einem freien Land ganz alleine die Verantwortung dafür.
Dein Beitrag widerspricht meinem ja nicht einmal. Dass jeder mit den Entscheidungen leben muss, die er trifft, leugne ich nicht. Im Gegenteil, ich bin einfach nur erstaunt darüber, dass sich die Leute eben noch mehrheitlich so viel durch gesellschaftliche Konventionen und den gesellschaftlichen Druck einreden lassen. Gerade auch in der Namensfrage. Die Entscheidung ist Privatsache, aber das gesellschaftliche Phänomen darf man doch trotzdem hinterfragen und näher drüber nachdenken? Man denkt ja sonst auch über gesellschaftliche Themen nach, die auf privaten Entscheidungen beruhen..
 
D

Dagobert

  • #28
Wenn wir heiraten und ich ihren Namen annehme, wäre es in Wirklichkeit der Namen des Ex-Mannes. Sie führt den, um gleich zu heißen, wie ihre Kinder. Will ich den Namen ihres Ex-Mannes annehmen? Will sie meinen annehmen und anders heißen, als die Kinder? Behalten wir beide unseren Namen? Also sie den ihres Ex? Mir ist es eigentlich ganz egal. Ihr glaube ich, wäre es wichtig so zu heißen, wie ihr Mann, also ich. Ganz klar ist es aber nicht.
 
  • #29
Der Hintergrund war, dass die Frau mit der Ehe in die Familie des Mannes "eingeheiratet" hat und sie und die Kinder somit dem Manne zugeordnet wurden. Es ging namenstechnisch um die Weitergabe der männlichen Linie; die Weitergabe der weiblichen - nach außen symbolisiert durch den Namen - war rechtlich gar nicht möglich. Und das soll nicht frauenfeindlich sein?
Es war nicht möglich. Ganz genau. Es war. Es ist also nicht frauenfeindlich. Warum interessiert es dich also noch?
Inzwischen ist es kein Problem mehr und im Grunde persönliche Entscheidung des einzelnen. Da dann der Gesellschaft irgendwie den schwarzen Peter zuzuschieben ist reichlich lächerlich.
Auch dass du dir über die Beschaffenheit irgendwelcher Formulare Gedanken machst, bei dem Männer mit dem Namen ihrer Frau halt einfach schulterzuckend noch ihren "Jungennamen" drunter schreiben, verwundert mich. Sei doch froh dass wir in einem so toleranten Land leben in dem du dich frei entfalten kannst, wenn du dich dementsprechend anstrengst. Für solche Hirngespinste und selbstgemachte Probleme fehlt mir einfach das Verständnis. Und das als Frau.

Und ich bin froh dass wir nicht das spanische Modell haben. Ich würde die Krise kriegen wenn ich gezwungen wäre mein Leben lang den Namen meines Vaters zu tragen.
 
  • #30
Beispiel 1: In meiner Heimat ist es üblich, Briefe, die an die ganze Familie adressiert sind (z.B. Einladungen), mit "Familie (Vorname des Mannes) Nachname" zu überschreiben.
Beispiel 2: Ich musste letztens etwas in einer Behörde beantragen und ein Formular ausfüllen. Da wurde explizit nach dem Geburtsnamen (nur) der Mutter gefragt. Wenn die Gesellschaft hier so offen ist für alle Namenswahl-Ideen, warum wird hier dann nicht geschlechtsneutral formuliert?
Deine Beispiele hinken etwas:
1. Ich weißja nicht, woher du komst. Aber bei uns ist es eben nicht unbedingt üblich. Familie Hans Müller ist genauso üblich wie Familie Maria und Hans Müller. Behördenbriefe werden meistens genau so adressiert: Familie Maria und Hans Müller. Was du schreibst, war vor 50 Jahren üblich. Bei vielen Fragebögen ist das bereits geändert.
2. Ja, Geburtnamen der Mutter ist noch häufig. Warum? Ganz klar, weil die Regelung der freien Wahl des Nachnamens jünger ist als die meisten volljährigen Menschen sind.
Aber wenn du schon die Behörden anführst, dann sag auch, dass heute nicht mehr der "Mädchennamen" erfragt wird sondern der "Geburtsname", also völlig geschlechtsneutral. Und das steht nicht nur bei der Frau (wie früher) sondern auch beim Mann.