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  • #1

Ehegattensplitting - ganztags arbeiten, wenn es sich nicht lohnt?

Liebes Forum,

ist es verwerflich oder irgendwie "faul" nicht zu arbeiten bzw. nur einen 400€ Job zu haben, wenn es sich aus steuerlichen Gründen nicht lohnt ganztags arbeiten zu gehen?
Danke für Eure Rückmeldungen.
 
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Gast

  • #2
Wenn Du keinem anderen auf der Tasche liegst (z.B. dem Steuerzahler) und das so mit dem Partner vereinbart wurde, nein. Ansonsten ja. m34
 
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  • #3
Es ist weder verwerflich noch würde ich dir Faulheit unterstellen wollen, weil es sich finanziell nicht rentiert mit einem geringen Einkommen und Steuerklasse V arbeiten zu gehen. Da ist ein 400,-€ Job in der Tat eine interessante Alternative.
Jedoch solltest du eines bedenken: im Falle einer Scheidung siehst du ziemlich alt aus! Frauen werden nach dem aktuellen Unterhaltsrecht, nach der Scheidung gnadenlos auf den Arbeitsmarkt zurück geworfen! Wenn du dann sehr lange aus deinem Beruf raus bist und nur auf 400,-€ gearbeitet hast, wird es sehr, sehr schwierig werden wieder eine qualitativ adäquate Tätigkeit zu finden. Verlasse dich nicht auf Unterhaltszahlungen deines dann Ex-Mannes. Dann siehst du ganz alt aus!
Mir ist es so ergangen, deshalb würde ich niemals mehr auf eine Vollzeitberufstätigkeit und damit verbunden, eigene Rentenansprüche, verzichten. Steuer hin oder her!
 
  • #4
Ich liege selbstverständlich nicht dem Steuerzahler auf der Tasche.

Es ist nur einfach so: mit einer ganzen Stelle würde ich ca. 1500€ netto verdienen (bei SKL 5 sogar noch weniger). Mein Partner verdient durch die bessere SKL 3 im Monat rund 1000€ netto mehr, d. h. insgesamt haben wir keinen Verlust an gemeinsamen Einkommen. Dafür habe ich meine Freiheit durch viel Freizeit.

Dennoch verstehen viele Menschen mich nicht und belächeln mich oder sind verächtlich. Aber würdet ihr für im Endeffekt vielleicht 100€ mehr, jeden Monat 160-180h arbeiten gehen?
 
  • #5
Ich arbeite in einem Bereich, indem ich ohne weiteres (im Falle einer Scheidung) meinen Vertrag wieder auf 100% aufstocken könnte. Außerdem haben wir für mich eine private Rentenversicherung abgeschlossen, in die meine 400€ komplett einfließen, so dass ich da einigermaßen abgesichert bin. Zusätzlich führe ich freiwillig Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ab, so dass ich zumindest die Beitragsjahre ansammele.
 
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  • #6
Es ist ungerecht, dass ich als Single-Mutter mehr Steuern zahle als ein Ehemann, dessen Frau nur zu Hause bleibt, weil es sich steuerlich besser rechnet. Er bekommt mehr raus und letztendlich haben beide dadurch genauso viel Einkommen jährlich, als wenn sie auch noch arbeiten würde. Macht sie aber nicht und somit hat sie genug Zeit und Freiraum für Ehe und Kinder, während ich mich mit 2 Jobs abknüppeln muss und mein Kind noch zu kurz dabei kommt.

Gefährlich wird es erst dann, wenn die Ehe scheitert, er Unterhalt zahlen muss, oder sie wieder auf dem Arbeitsmarkt zurück geworfen wird, aber nichts findet und somit als H4-Empfänger weiter leben muss. Da immer mehr Ehen scheitern, liegen immer mehr solche Ex-Ehe-Frauen uns langjährigen Steuerzahlern auf der Tasche.

Beide Fälle kosten den Steuerzahlenden viel Geld und daher sollte das Ehegatten-Splitting abgeschafft werden und Steuern nur nach Anzahl der Kinder berechnet werden. Das ist gerecht und fair für alle. Wer keine Kinder bekommen kann, kann ein med. Gutachten vorlegen und bekommt einen Freibetrag.

w
 
  • #7
Das Ehegattensplitting summiert lediglich die Einkünfte der beiden Ehepartner auf, teilt die Summe durch 2 und besteuert die beiden Hälften. Dadurch wird sicher gestellt, dass alle Ehepaare, die das gleiche Gesamteinkommen haben, gleich besteuert werden, weil der Gesetzgeber davon ausgehen muss, dass Ehepaare ihre Einkommen in der Realität auch in einen gemeinsamen Topf stecken (besondere Fürsorgepflicht von Ehegatten füreinander).
 
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  • #8
Wie Terzia schon sagt...

Ich finde Ehegattensplitting gerechtfertigt. Wenn man in schlechten Zeiten wie eine Person mit kombiniertem Einkommen behandelt wird, sollte dies auch in guten Zeiten gelten.

Oder wir schaffen die Fürsorgepflicht wieder ab...
 
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  • #9
Wenn Du keinem anderen auf der Tasche liegst (z.B. dem Steuerzahler) und das so mit dem Partner vereinbart wurde, nein. Ansonsten ja. m34
Natürlich liegt man durch das Ehegattensplitting dem Steuerzahler auf der Tasche, weil der Ehemann ja weniger Steuern bezahlt. Dabei nimmt der Staat in diesem Fall 1000€ weniger ein. Ich sehe keinen Unterschied zu anderen staatlichen Leistungen.
Diese Ungerechtigkeit des Ehegattensplittings ist meiner Meinung nach ein Relikt aus alten Zeiten. Wenn es keine Kinder gibt, ist das unfair, vorallem gegenüber nichtverheirateten Paaren bzw Alleinerziehenden.
 
G

Gast

  • #10
Aber würdet ihr für im Endeffekt vielleicht 100€ mehr, jeden Monat 160-180h arbeiten gehen?
Ja. Ich würde es und ich tue es.
Meine Arbeit mache ich gern. Sie ist befriedigend und sinnstiftend und nicht einfach nur irgendein Job.
Gibt es wirklich schöne und sinnvolle Minijobs? In DEM Fall wäre ich nicht abgeneigt.

Und die Argumente, an dich zu denken, was mit dir im Falle einer Scheidung (wir hoffen und wünschen alle, dass sie dir erspart bleibt!!!) passieren würde und was ein kleiner Job für deine Rentenansprüche später mal bedeutet, sind auch nicht von der Hand zu weisen.

Also: wenn du einen Job hast, der dir wirklich gefällt und der dich erfüllt UND wenn du durch deinen Mann sehr gut abgesichert bist UND wenn du deine freie Zeit sinnvoll nutzt, dann spricht aus meiner Sicht nichts dagegen.
 
G

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  • #11
<Mod. Antworten Sie konkret auf die Titelfrage, ergehen sich nicht in Nebenthemen und beachten bitte die Verhaltensregeln. Dann schalten wir ihre Beiträge gerne frei. Vielen Dank.>
 
G

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  • #12
Ja, es ist verwerflich. Denn am Ende bezahlt es die Allgemeinheit. Womit ist Ehegattensplitting heute noch gerechtfertigt? Es gibt viele Paare, die Kinder groß ziehen, ohne verheiratet zu sein. Da ist keine Ersparnis vorprogrammiert - du hingegeben ziehst noch nicht mal Kinder als spätere Rentenzahler groß und profitierst trotzdem?!? Mit welchem Recht? Da kann ich dem Posting von 5 nur zustimmen, denn das ist wirklich ungerecht! Nicht nur alleinerziehende Mütter haben das Problem. Auch unterhaltspflichtige Väter werden nach Steuerklasse 1 besteuert - obwohl sie vom Gesetz her ihre Kinder mit horrenden Summen zu unterstützen haben. Da greift kein Staat ein und gibt Vergünstigungen. Du hingegen sitzt auf der Sonnenterrasse und verbummelst deine Zeit, weil es sich nicht lohnt, ganztags zu arbeiten! - da kann ich nur den Kopf schütteln - und wenn du dich scheiden lässt, kommst du mit ehebedingtem Nachteil und Zugewinnausgleich sowie Trennungsunterhalt und dein Mann muss nochmal zahlen. So sieht doch die Realität leider aus. Aber alles vom Gesetz unterstützt! Viel Spaß!
 
G

Gast

  • #13
Ich verstehe Dich gut und denke, dass manche, ich auch, ;-) ein wenig neidisch sind. Klar ist, für unsere leeren Sozialversicherungskassen wäre es besser, wenn alle Personen, die die Möglichkeit haben einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeit-Tätigkeit nachzugehen, dies auch tun würden. Aber soviel Selbstlosigkeit kann man kaum erwarten. Letztendlich ist Deine Sichtweise die von einigen Transferleistungsempfängern, von denen ja auch manche sagen, dass sie nicht für 100 Euro oder so arbeiten wollen.

Um Deine Frage konkret zu beantworten: Für "... vielleicht 100€ mehr, jeden Monat 160-180h ..." einer fremdbestimmten und stressigen Tätigkeit nachzugehen ist bitter, vielen bleibt aber nichts anders übrig. Es ist ein Privileg, dass Du die Wahl hast.

Für mich wäre eher das Problem, von einem Mann Geld zu nehmen, auch wenn es der Ehemann ist. Emotional macht es für mich eben doch einen Unterschied, ob ich arbeite und mein eigenes Geld ausgebe oder das durch Steuervorteile höhere Gehalt meines Ehemannes ausgebe.

w/50
 
G

Gast

  • #14
Wenn ich recht google, dann ist diese Erparnis erst ab >30000€ im Monat drin. Wieso willst du dann überhaupt für 400€ arbeiten?
 
G

Gast

  • #15
Ich würde glaube ich trotzdem arbeiten gehen. Erstens wüsste ich nicht, was ich mit meiner ganzen Freizeit anfangen sollte und würde mich langweilen, und zweitens bin ich ein sehr eigenständiger Mensch und würde mich nicht wohlfühlen, wenn ich dauerhaft nur vom Geld meines Mannes leben würde, statt mein eigenes Geld zu verdienen. Ich hätte jedes Mal beim Ausgeben des Geldes meines Mannes ein schlechtes Gewissen, da er ja arbeiten würde, um mich mitzufinanzieren, während ich meiner reichlichen Freizeit fröhne und den ganzen Tag die Seele baumeln lasse.

Insgesamt finde ich, dass es an der Zeit ist, das Ehegatten-Splitting abzuschaffen.
Abgesehen davon, dass es, wie schon angesprochen, ungerecht ist, dass unverheiratete Paare, Alleinerziehende und Unterhaltspflichtige keine Steuerersparnis bekommen, kinderlose Verheiratete aber schon, finde ich, dass das Ehegattensplitting im Gegensatz zum neuen Unterhaltsrecht steht.
Nach dem neuen Unterhaltsrecht wird eine in Scheidung lebende Frau und Mutter nicht mehr Jahre lang per Unterhalt vom Ex-Mann finanziert, sondern muss sich aufgrund des Eigenverantwortungsprinzips, sobald das Kind 3 Jahre alt ist, bemühen, einen Job zu finden. Wie passt das damit zusammen, dass Ehefrauen, selbst wenn die Ehe kinderlos ist und es daher keinen Grund gäbe, nicht zu arbeiten, durch das Ehegattensplitting dazu verleitet werden, nicht arbeiten zu gehen, weil es sich wegen der Steuern nicht lohnen würde?
 
  • #16
Vielen Dank für Eure Rückmeldungen.

Ich habe meinen Minijob in meinem erlernten Beruf im sozialen Bereich. Meine Aufgaben dort sind schon sinnvoll. Allerdings ist es natürlich schon störend nicht mehr so eigenverantwortlich zu arbeiten oder gar führende Aufgaben übernehmen zu können. Aber darüber darf ich mich nicht beklagen, denn ich gewinne dadurch die Autonomie über meine Zeit. So konnte ich bspw. die letzten Jahre entspannter studieren etc. Ich habe in meinem Beruf so oft erlebt, wie schnell das Leben vorbei sein kann, so dass ich beschlossen habe, meine wertvolle Zeit zu genießen.

Zum Thema Selbstbestimmung im Beruf: Ich denke eine Arbeit kann noch so qualifiziert und verantwortungsvoll sein, dennoch muss man sich etlichen Diktaten beugen, was ich nicht mehr so will.

Ich weiß, dass das ein Privileg ist. Das ist mir sehr bewußt. Ich bin dafür dankbar.
Selbstverständlich wäre ich jederzeit bereit dasselbe für meinen Mann zu tun: Oft habe ich ihm angeboten beruflich kürzer zu treten, selbst mehr zu arbeiten, aber leider kann und will er nicht mit weniger Geld zurechtkommen.

Zu dem persönlichen Angriff, ich würde nur auf der "Sonnenterrasse" sitzen: Weil man keiner oder nur einer geringfügigen Beschäftigung nachgeht, bedeutet nicht, dass man den ganzen Tag nichts tut.

Ich weiß gar nicht, ob wir so sehr vom Splittingvorteil profitieren, der max. Vorteil liegt da laut Wiki bei 15000€ und das bei einem Einkommen von einer halben Mio (von dem wir natürlich weit entfernt sind!). Der große Unterschied liegt jetzt eher darin, dass er mit SKL 3 viel besser dasteht und außerdem ja noch meine Freibeträge angerechnet werden. Ich bin aber auch keine Steuerexpertin.:)
 
  • #17
Aber was willst du jetzt eigentlich wissen und diskutieren? Ob es verwerflich ist, musst du mit dir selbst ausmachen. Wenn es ok. für dich und deinen Mann ist, dass du nicht arbeitest, dir nicht die Decke auf den Kopf fällt und dir die sonderbarsten Ideen kommen, dann ist das doch wunderbar.
So ein bisschen mutet die Fragestellerin für mich an wie: "Ich habe einen Millionär geheiratet, ist das schlimm?" Man kann ein bisschen am Sozialneid rumzündeln, in den Demütigungen der wenig Verdienenden stochern (Ehegattensplitting lohnt sich erst ab ca. 20.000 € Jahreseinkommen), kann die Frauen brüskieren, die Kinder mit ihrer Hände Arbeit aufziehen...
Und du zeigst typische Symptome von zu Hause sitzenden Frauen: Du pflegst ein Luxusproblem und beschäftigst dich damit, was die Leute sagen könnten, dass es dir gut geht und kokettierst damit, dass du so gar keine Ahnung hast, wo euer Geld überhaupt herkommt. Darüber solltest du nachdenken.
 
  • #18
<- mod >

Mir ging es um die ganz klare Fragestellung, wie in einer Arbeitsgesellschaft ein solches Lebensmodell gesehen wird. Dass ich letztlich selbst für mein Leben verantwortlich bin und meine Entscheidungen zu treffen habe, ist doch völlig klar. Der Sinn von Foren ist es aber doch die Meinungen anderer einzuholen. Nichts anderes will ich.
Es ist mir außerdem fern hier irgendwelchen Luxus zu demonstrieren. Das würde ich auch häßlich finden. Was mein Mann verdient, würde von einigen der hier anwesenden "Elite" als ein durchschnittliches Einkommen bewertet und hat erst recht nichts, aber auch gar nichts mit "ich habe einen Millionär geheiratet" zu tun! Ich arbeite selbst in einem sozialen Beruf und kenne die Problematik des Niedriglohnsektors und habe mich immer dagegen engagiert (in der Gewerkschaft, einer linken Partei). Wir prassen auch nicht und pflegen keinen luxuriösen Lebensstil.

Ich finde jedes Problem hat seine Berechtigung und darf nicht zum "Luxusproblem" bagatellisiert werden. Wie gesagt, ich erlebe schon sehr oft, dass ich belächelt und in Frage gestellt werde, wegen meines Modells. Es war mir einfach mal wichtig in einen Austausch der verschiedenen Argumente zu kommen.
Deswegen noch mal vielen Dank an alle, die geantwortet haben oder es noch tun werden.
 
  • #19
Das klingt verdammt gespalten, Terzia. Du profitierst von einem Steuermodell, dass du eigentlich als nicht akzeptabel ansiehst, wenn ich dich richtig verstehe, und möchtest wissen, wie andere darüber denken.
Wie ich darüber denke? Deine Diskussion ist scheinheilig oder nicht echt. Du hast als armes Opfer der Umstände eine komfortable Situation und entweder du isst den Kuchen oder lässt ihn stehen.
Das musst du doch mit dir selber abmachen, ob du das aushältst oder daran etwas änderst. Du hast die Zeit und die Freiheit, dich politisch zu engagieren, um etwas zu ändern. Das rate ich allen Menschen, die mit bestimmte gesetzliche Reglungen als nicht gerecht empfinden. Es ist besser als zu räsonnieren.
Wenn du von deiner Umwelt ob deines Modells belächelt wirst, dann kannst du allein entscheiden, was dir wichtiger ist. Das, was die Leute sagen, deine Bequemlichkeit, deine Selbstachtung oder der lohnende finanzielle Schnitt.
Für imch wäre es langfristig nichts, weil ich mich nicht dauerhaft in solche Abhängigkeit begeben würde. Darunter litte meine Selbstachtung. Allerdings ist mein Beruf auch nicht im Niedriglohnsektor angesiedelt.
Du bist die Summe deiner Entscheidungen und verhältst dich, auch wenn du es vielleicht nicht wahrhaben willst, nach deinen Schilderungen völlig gesellschaftskonform. Du hast einen schlecht bezahlten sozialen Beruf, du hast einen weitaus mehr verdienenden Mann geheiratet und du profitierst von Gesetzen, die der Staat genau für Menschen wie dich und ihre Lebenswege eingerichtet hat. Deine Existenz ist, wie bei uns allen, die Summe deiner Entscheidungen. Wo ist also dein Problem?
Eine Sache vergisst du beharrlich: Dass sich Dinge mitunter ändern. Unter anderem aktuell die Scheidungsgesetze. Du hast keinen Unterhaltsanspruch gegen deinen Mann. Und die Behauptung, dass du die Stelle jederzeit auf 100% aufstocken könntest, wenn sie denn nicht auf enormer Naivität basiert, bringt dir den Lebensstandard deiner Ehe nicht zurück. Keiner wird auf Grund nicht stattgefundener beruflicher Entwicklung plötzlich nach Alter bezahlt, nicht mal im öffentlichen Dienst. Das wäre zum Beispiel ein Grund, sich zu bewegen...
Es könnte natürlich auch sein, dass du nicht die bist, die du vorgibst zu sein und hier ein paar politische Emotionen hochkochen möchtest, in Verbindung mit dem beliebten Erwachsenenspiel "ist es nicht schrecklich".
 
G

Gast

  • #20
1.) soziale Berufe sind meist nicht im Niedriglohnsektor. Frag da mal Verkäuferinnen, die träumen von 1500€ netto.
2.) Bei deinen Angaben stimmt irgendwas nicht. Du sagst: "Was mein Mann verdient, würde von einigen der hier anwesenden "Elite" als ein durchschnittliches Einkommen".
Allerdings muss man schon etwa 25000€ monatlich verdienen, damit man zwischen Klasse 1 und 3 1000€ spart. Das sieht niemand als durchschnittliches Einkommen.
 
  • #21
Sicherlich bin ich wegen meines Lebensmodells gespalten, deswegen hatte ich ja auch diese Frage hier formuliert.
<- mod >

Zur Frage, was ich vom Splitting halte, habe ich mich oben eigentlich schon eindeutig geäußert, daher nur nochmal ganz kurz: ich finde es sinnvoll, dass zwei, die füreinander sorgen steuerlich zusammen veranlagt werden.
Was meine politischen Überzeugungen betrifft: Da empfinde ich mich schon einigermaßen konsequent (Widersprüche haben wir alle). So würde ich bspw. eine deutliche Erhöhung des Spitzensteuersatzes begrüßen (worüber ich mit meinem Mann auch gern streite, er gehört nämlich dem politisch konservativen Lager an ;-), Vermögenssteuer einführen und höhere Erbschaftssteuer etc...

Zum Thema Unterhalt: ich kenne die Neuerungen des Unterhaltsrechts. Es würde mich aber ohnehin befremden nach einer Scheidung Unterhalt zu bekommen, wenn ich arbeitsfähig bin. Ich habe nie mit potentiellen Unterhaltszahlungen kalkuliert.

Zu meiner Arbeit: ich bin Krankenschwester und ich halte die Annahme nicht für naiv, dass ich jederzeit eine ganze Stelle finde. Es ist ja sogar rein rechtlich so, dass mein jetziger Arbeitgeber verpflichtet ist, erst die Verträge der Teilzeitkräfte aufzustocken (wenn diese das wollen), bevor er jemand neues einstellen darf. Auch in meiner geringfügigen Beschäftigung durchlaufe ich alle Höhergruppierungen, die mit der Dienstzeit und dem Lebensalter verbunden sind.

Zum Thema Lebensstandard: Man muss damit leben können, dass der Lebensstandard nicht immer steigt. Ich wäre bereit das zu ertragen und würde niemals bei einem Mann ausharren nur wegen Luxusattitüden.

Ich hoffe Du verstehst, dass ich das so klarstellen musste. Auch wenn ich damit viel von mir preisgebe.
 
G

Gast

  • #22
Mir ging es um die ganz klare Fragestellung, wie in einer Arbeitsgesellschaft ein solches Lebensmodell gesehen wird.
Mein erster Gedanke, als ich Dein Eingangs-Posting las, war ehrlich gesagt MITLEID. Und das sicher nicht aus einem Neid-Gedanken, denn es ist allein eure Sache, wie ihr Arbeitsaufkommen und Ausgaben verteilt. Und solange das Ehegatten-Splitting legal ist, ist es auch nicht verwerflich, es zu nutzen.

Mitleid mit Dir empfinde ich deshalb, weil ich davon ausgehe, dass Du Deine Arbeit nicht gerne machst und deshalb so wenig wie möglich Stunden darin leisten willst (was ich beim Beruf der Krankenschwester sogar verstehen kann). Und mir tut wirklich jeder leid, der einen ungeliebten Beruf hat und daraus flieht, sobald es möglich ist. Es muß grausig sein, sich in die Arbeit zu schleppen und nur auf die Uhr zu sehen, wann endlich Feierabend ist. Daher frage ich mich schon, wie zufrieden Du mit Deinem 400 €-Job bist und ob Deine Frage nicht eher daraus entspringt, dass Du eigentlich unzufrieden mit Deiner Situation bist und Dir einen "Schubs" von außen erwartest, sie zu ändern?

Ich könnte mir nicht vorstellen, nur 25-30 Stunden im MONAT zu arbeiten. Und das, obwohl ich es mir sogar leisten könnte, mit meinen 51 überhaupt nicht mehr zu arbeiten. Aber ich liebe meine Arbeit über alles und ziehe so viel Selbstbestätigung, Erfolgserlebnis, Befriedigung, Sozialkontakte (und Geld- lach*) aus meinem Beruf auls Ärztin, dass ich mir einfach nicht vorstellen könnte, nur so wenig wie Du zu arbeiten. Habe aber auch lange nach dem Nischenfach gesucht, in dem ich voll aufgehen und mich einbringen kann. Und... ich arbeite dank der guten Bezahlung nur ca. 30 h die Woche und mache 3 Monate Urlaub im Jahr.

Du erwähnst so am Rande, dass Du studierst. Soll das mal in eine Berufstätigkeit münden? Oder machst Du es nur, um Deine Freizeit zu füllen? Was studierst Du denn? Den Klassiker Pflegewissenschaften, oder das Typische = Psychologie (sämtliche Krankenschwestern in meinem Umfeld heiraten erst einen Arzt und studieren dann Psychologie...).

w, 51
 
G

Gast

  • #23
Terzia, mir fiel ein Aspekt ein, der Dich in Diskussionen evtl. etwas entlastet:

Du nimmst niemandem einen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitarbeitsplatz weg, der darauf angewiesen ist. Beispielsweise ein Familienvater oder eine alleinerziehende Mutter. Außer Dein Arbeitgeber splittet Vollzeitarbeitsplätze in 400-Euro-Jobs um ... aber dafür bist Du nicht verantwortlich.

w/50
 
  • #24
@21 Ich hasse meine Arbeit nicht. Aber selbstverständlich gibt es vieles in der Pflege, was ich kritisiere und nur noch ertragen kann, wenn ich muss. Glücklicherweise arbeite ich mittlerweile mit psychisch Kranken unter relativ günstigen Arbeitsbedingungen. Über diese Stelle bin ich sehr froh.

Dass ich es anstrebe mich irgendwie frei von Arbeit zu fühlen und eine selbstbestimmte Zeit zu haben, hat eher mit so dusseligen linken Emanzipationsspinnereien zu tun ;-) So nutze ich meine Zeit vor allem zum Lesen, Lesen und Lesen, wozu ich mit einer Vollzeitsstelle nicht in diesem Umfang käme.

Ich habe gymnasiales Lehramt studiert und müsste noch ins Referendariat. Im Moment bin ich noch unsicher, ob ich das will und kann, da ich mich um einen sehr kranken Angehörigen kümmere.

Mein Mann ist kein Arzt :)

@22 Danke für Ihr Argument! Auch wenn man in Zeiten des Pflegenotstands damit nur sehr schwer ankommen kann.
 
G

Gast

  • #25
#22:

Dafür hat die FS einen von den Steuerzahlern mit vielen 1000 Euro finanzierten Studienplatz jahrelang belegt, ohne ernsthaft vorgehabt zu haben, als Lehrerin zu arbeiten, denn sonst wäre sie nicht am Überlegen, ob sie das Referendariat noch machen soll.

@FS: Dann hast du doch ein angesehenes Fach studiert und könntest später auch gut verdienen, wenn du das Referendariat absolvieren würdest. Sicher ist es nervig und stressig, noch das schlechtbezahlte Referendariat machen zu müssen, aber auf halber Strecke schlapp zu machen, ist doch auch sehr unbefriedigend, zumal du ja von der Zeit her schon den größten Teil absolviert hast, weil das Studium viel länger dauert, als das Referendariat, und du beruflich ohne das Referendariat kaum Chancen hast, im Bereich deines Studienfaches zu arbeiten. Nutze dein Potential, du wirst dich gut und stolz fühlen, wenn du das Referendariat hinter dir hast. Und für deine beruflichen Perspektiven und deine Bezahlung mischen sich danach die Karten neu.
 
  • #26
Das aktuelle Modell begünstigt ggf. das nicht-arbeiten des zweiten Ehepartners.

So manche/r Ehepartner würde gerne auch arbeiten. Aber es vergeht Einem, wenn man sieht, wieviel Steuern abgezogen werden. (z.B. Steuerklasse V). Da fühlt man sich "bestraft" fürs arbeiten und Geld verdienen.

Gewiss, es gibt ja verschiedene Möglichkeiten = verschiedene Kombinationen von Steuerklassen.
Aber ein Ehepaar wo Beide arbeiten, finden ggf. schlecht etwas, was Beide zufrieden stellt.

Die Gesellschaft wandelt sich. Es gibt immer öfter (Ehe-)paare wo Beide arbeiten gehen wollen.
Wo die Frau nicht auf ihren eigenen Beruf verzichten will, nur wegen Mann + Kinder.
(So manche Frau, die heute um die 50 ist, bereut es, daß sie ihren Beruf vernachlässigte.)
Also sollte dies auch das Steuerrecht erleichtern, anstatt "verteuern".

Lt. einer Umfrage gab die Hälfte der befragten Ehemänner an, sie hätten nur wegen der Steuerersparnis geheiratet. Was ist das für ein Grund ? Das ist m.E. doch keine Basis für eine Ehe. Wie lange würde so eine Ehe halten ?

Würde man die Steuervorteile z.B. auf Ehepaare mit Kindern verlagern, oder auf Ehepaare wo Einer von Beiden nicht arbeiten gehen kann. Dann wären die Steuervorteile nicht sofort bei Eheschließung, wenn noch keine Kinder da sind, oder das Ehepaar keine Kinder will. Vielleicht dann andere Denkweise bei dieser Hälfte der Männer ?

(m,51)
 
G

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  • #27
Lt. einer Umfrage gab die Hälfte der befragten Ehemänner an, sie hätten nur wegen der Steuerersparnis geheiratet. Was ist das für ein Grund ? Das ist m.E. doch keine Basis für eine Ehe. Wie lange würde so eine Ehe halten ?

(m,51)
Ganz ehrlich: Ich glaube, dass eine reine vernunftbeasierte-Ehe (natürlich trotzdem mit Gefühlen) gernauso gut hält (wenn nicht besser) als reine gefühlsduselige Ehen mit völlig überhöhten Erwartungen. Ich weiß, dass mein Partner mich liebt - den Trauschein brauche ich weder als Nachweis noch Steigerung des jetzigen Zustandes. Da bin ich rationalen Gründen wesentlich offener ggü.

Grundsätzlich finde ich die derzeitige Gesetzeslage aber auch noch antiquiert. Denn letztendlich wird die Ehe ja gefördert als "Hort" für Kinder (die sich auch ohne Ehe bekommen lassen...) und letztendlich konnte sich der Staat ja auch teilweise aus der sozialen Absicherung rausziehen, weil die Ehepartner für einander aufkommen (Stichwort alte Unterhaltregelung). Zumindest letzteres ändert sich endlich und ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass auch der Rest irgendwann einmal angepasst wird.

Für mich wäre das Modell nichts, weil ich tatsächlich Angst vor den finanziellen Folgen hätte. Wenn andere so leben, sollen sie, aber ich bin da tatsächlich immer ein wenig kritisch und habe - ja, das gebe ich zu - meine Vorurteile.
 
G

Gast

  • #28
Lt. einer Umfrage gab die Hälfte der befragten Ehemänner an, sie hätten nur wegen der Steuerersparnis geheiratet. Was ist das für ein Grund ? Das ist m.E. doch keine Basis für eine Ehe. Wie lange würde so eine Ehe halten ?
(m,51)
Naja, die Liebe geht schnell, aber Steuern gibt es schon ewig:).

Ich als Kauffrau würde auch nur wegen den Steuern heiraten. Da bin ich ganz pragmatisch. Aber bisher wollte mich noch kein Mann nur wegen den Steuern heiraten, sondern wegen Liebe. Aber das hat auf die Dauer nicht funktioniert.

w
 
  • #29
Liebe Terzia,

solche Leute "liebe" ich.... die es sich in einem System bequem machen das Sie so rein theoretisch ablehnen! Salon Kommunisten, in einer Villa hockend über die ungerechtigkeit der Welt schwadronnierend. <Mod.>

Ein Faktor ist auch noch zu bedenken- nach vielen Jahren des süssen Nichtstuns wieder 100% ins Arbeitsleben zu gehen gelingt nur sehr wenigen- und schon gar nicht Menschen die Fremdbestimmung ablehnen.

Nein, es ist an sich nicht verwerflich. Mit Deiner Geisteshaltung jedoch schon.

Dass ich es anstrebe mich irgendwie frei von Arbeit zu fühlen und eine selbstbestimmte Zeit zu haben, hat eher mit so dusseligen linken Emanzipationsspinnereien zu tun ;-) So nutze ich meine Zeit vor allem zum Lesen, Lesen und Lesen, wozu ich mit einer Vollzeitsstelle nicht in diesem Umfang käme.

Ich habe gymnasiales Lehramt studiert und müsste noch ins Referendariat. Im Moment bin ich noch unsicher, ob ich das will und kann, da ich mich um einen sehr kranken Angehörigen kümmere.
Und dazu noch so ungefähr 200T Euro an Kosten fürs Studium verursacht und nicht willens das an die Gesellschaft in Form von Arbeit zurückzugeben! Ja, sehr soziale Einstellung! Du weisst schon wer Dir das Studium bezahlt hat, oder? Die Arbeiterklasse, die Leute die jeden Tag um 6h aufstehen und zur Arbeit gehen.
Dennoch gar nicht schlecht wenn Du solches nicht auch noch an Kinder weiter vermittelst....

So, und dann noch zu allen die das Ehegattensplitting aufheben wollen: Das wird keine Regierung machen- weil die Unterhaltspflich die damit zusammenhängt dem Staat sehr viel mehr Geld spart als das Splitting kostet. Das Splitting aufzugeben und gleichzeitig die Unterhaltspflicht beizubehalten ist schon am BfG gescheitert.
Klar gerecht ist so ne Sache, aber allen gerecht zu werden versucht die Politik seit Jahrzehnten mit dem Ergebnis dass es immer ungerechter wird. Unfruchtbarkeit bestätigen lassen- Whow. Leute, schonmal was vom Schutz der Privatshäre gehört?

Ach ja und der Spitzensteuersatz- Yo, die ein bis zwei Milliarde die dadurch reinkommen retten Deutschland... Dasselbe natürlich bei der Vermögenssteuer! Zumindest wenn man Betriebsvermögen rausnimmt was zwingend ist sonst haben wir ein massives Problem mit dem Mittelstand. Die kohle liegt ja nicht rum sondern ist investiert um all den Arbeiteren was zu tun zu geben!.

Aber Bücherlesend nicht aushalten zu lassen verschiebt manchmal die Wahrnehmung.
 
G

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  • #30
...
Dass ich es anstrebe mich irgendwie frei von Arbeit zu fühlen und eine selbstbestimmte Zeit zu haben, hat eher mit so dusseligen linken Emanzipationsspinnereien zu tun ;-) So nutze ich meine Zeit vor allem zum Lesen, Lesen und Lesen, wozu ich mit einer Vollzeitsstelle nicht in diesem Umfang käme.
...
Ich frage mich, was dein Verhalten mit "linker Emanzipation" zu tun hat. Emanzipation ist Eigenständigkeit und Selbstbestimmung. Du bist überhaupt nicht eigenständig, sondern in höchstem Maße abhängig von deinem Mann, weil er dich finanziert. Wenn er irgendwann entscheiden sollte, dass er sich trennen will, bist du geliefert.
Deine Selbstbestimmung über deinen freien, lesereichen Tag beruht nur auf deiner mangelnden finanziellen Eigenständigkeit und hat daher nichts mit Emanzipation zu tun, sondern beruht auf dem genauen Gegenteil.
Viel emanzipierter wäre es, als arbeitsfähiger erwachsener Mensch seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen.
 
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