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Gast

  • #1

Distanzverliebte - Wollen sie nur eine Zweckbeziehung?

Hallo!
Ich hätte gerne ein paar Meinungen von Euch zu Menschen, die immer ihre Unabhängigkeit betonen, viele Hobbys und Freunde haben, wenig Nähe brauchen, sich schlecht anpassen können oder Kompromisse machen....warum suchen sie überhaupt eine Beziehung? Und warum bevorzugen gerade diese Menschen oft jemanden mit einem grossen Nähebedürfnis? Das ist doch vom vornherein zum Scheitern verurteilt oder wird da die zweite Mama gesucht, die immer geduldig hoffend auf den anderen zu Hause wartet und die Kinder versorgt?

W34
 
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Gast

  • #2
Naja, ist wie bei dem Thema starke und schwache Menschen, halt die Suche nach Ausgleich und Kompensierung, was selten dauerhaft gut geht.

Solange man das Muster bei sich selbst nicht entdeckt und durchschaut hat, wird man in Sachen Liebe immer wieder Pleiten erleben. Da viele Menschen über wenig Differenzierungsvermögen verfügen und wenig Achtsam mit sich umgehen und sich in Sachen Liebes-Psychologie nicht fortbilden, rennen sie immer wieder in ihr Unglück.

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Gast

  • #3
In unserer Gesellschaft steht die Selbstverwirklichung des Einzelnen an oberster Stelle, was sich unweigerlich auch in der Beziehungsgestaltung zwischen Mann und Frau zunehmend niederschlagen wird. Das kann man gutheißen oder verdammen, ändern wird man es nicht können.

Dass distanzliebende Männer vermehrt nach klammernden Frauen suchen, halte ich für eine Fehleinschätzung. Hin und wieder mag das natürlich vorkommen, die Regel ist das aber nicht. Schließlich büßten sie ansonsten einen Teil ihrer Freiheit ein.
 
  • #4
Hallo!
...Menschen, die immer ihre Unabhängigkeit betonen, viele Hobbys und Freunde haben, wenig Nähe brauchen, sich schlecht anpassen können oder Kompromisse machen....warum suchen sie überhaupt eine Beziehung? Und warum bevorzugen gerade diese Menschen oft jemanden mit einem grossen Nähebedürfnis? ...wird da die zweite Mama gesucht, die immer geduldig hoffend auf den anderen zu Hause wartet und die Kinder versorgt?
W34
wie Gast#1 schon treffend erkannt hat, handeln wir Menschen nach Mustern, diese werden oft in der Kindheit erlernt. Wenn man sie nicht erkennt und ändert, bestimmen sie uns ein lebenlang.
Ein Muster bei Männern ist, sich eine Mama zu suchen, wie die FS es geschrieben hat. Die Mama (=nähebedürftige und gleichzeitig geduldige Frau) sitz bei den Kindern, während der Bub mit seinen Kumpels High-Life macht oder der Karriere nachjagt (=sich auf dem Fussballplatz rumtreibt). Die Mama=Frau läuft nicht weg. Nebenbei: diese Frauen waren zum Beispiel stark von einem Elternteil emotional als auch materiell abhängig (Kinder sind eigentlich immer abhängig, daher auch der hohe Anteil an Süchten in unserer Gesellschaft) und praktizieren das Muster nach Auszug aus dem Elternhaus mit ihrem Ehemann.
Wenn man es genaunimmt, hat jede Beziehung ihren Zweck...
 
  • #5
Sehe ich nicht so.

Mittlerweile ist es soziologisch längst bestätigt, dass nur Gleichgesinnte und möglichst viele Gemeinsamkeiten eine Bindung auf Dauer möglich machen - oder eben jede Menge Kompromisse - sofern nicht immer nur einer draufzahlt und der andere nimmt, denn dann entsteht wieder ein Ungleichgewicht.

Also Gegensätze ziehen sich an ist nur am Anfang wohl "spannend" mit der Zeit nervig, es kommt zu Auseinandersetzungen, was einem anfangs gefiel wird später zum Horrortrip, weil die eigenen Bedürfnisse doch zu kurz kommen, jeder will sein Ding machen, keiner gibt nach und am Ende trennt man sich.

Somit kann es sein dass gerade "häusliche" Frauen sich in den "Abenteurer" verlieben oder introvertierte Männer in den Vamp. Hm...man kann davon ausgehen, dass dies nicht von Dauer sein wird - Ausnahme: ein devoter Typ ohne Persönlichkeit, der alles über sich ergehen lässt, siehe oben.
Aber auch der wird irgendwann abgesägt, weil er zu langweilig wurde oder gnadenlos ausgenutzt.

Harmonisch und glücklich sind also nur die Paare, die sich in vielem ähnlich sind.
Keiner zahlt drauf, es ist ein Gleichgewicht im geben und nehmen.
Zwei Persönlichkeiten mit gleichem mentalen Level - das Optimum - und selten, grins.

Ein Spruch passt dazu:
Liebe heisst nicht einander anzublicken, sondern in die gleiche Richtung zu sehen.
 
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Gast

  • #6
Ein Muster bei Männern ist, sich eine Mama zu suchen, wie die FS es geschrieben hat. Die Mama (=nähebedürftige und gleichzeitig geduldige Frau) sitz bei den Kindern, während der Bub mit seinen Kumpels High-Life macht oder der Karriere nachjagt (=sich auf dem Fussballplatz rumtreibt). Die Mama=Frau läuft nicht weg.
Hier die Fs:

Genau solche Beziehung sehe ich in meinem Umfeld zu Hauf und möchte so etwas auf gar keinen Fall, hatte mal mit 20 einen solchen Mann. Ich fühlte mich ungeliebt und hab natürlich ein Riesentheater gemacht bis der Typ mich satt hatte. Er meinte, ich hätte ihn ausgenutzt? Bis heute frage ich mich, warum gerade er sich ausgenutzt fühlte? Ich ging auch schon arbeiten, lag ihm nicht auf der Tasche...versteh da einer diese Männer! Ich bin auch mütterlich, mag Kinder gerne, kenne es aber von meiner Ursprungsfamilie, dass der Papa immer auch sehr präsent war, sich um die Kinder gekümmert hat, war auch Selbstständiger, somit konnte er seine Zeit einteilen, war nie betrunken oder Fussballvernarrt. Alles in allem ein Familienmensch, Geld spielte nie eine grosse Rolle für ihn. Wahrscheinlich bin ich einfach zu verwöhnt worden von meiner Familie. Ich würde mir so sehr genau so eine Familie wünschen, wie ich sie in der Kindheit hatte, anscheinend ist das nicht mehr möglich! Bin wirklich manchmal traurig und weiss auch nicht so recht, wie ich solche Typen aussortieren soll....ich lerne schlicht keine anderen kennen, bzw. sind nur solche an mir interessiert!
 
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Gast

  • #7
Wahrscheinlich sucht sich so ein Mann eine nähebedürftige Frau, weil mit einer auch freiheitsliebende Frau keine Beziehung zustande käme. Da flüchten ja gerade beide. Die nähebedürftige Frau hechelt dem Mann eher nach und wird - wen wunderts ? unglücklich.....während Mann sich alle Optionen frei gehalten hat.
 
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Gast

  • #8
Versteh ich nicht. Distanzverliebte wollen gar keine Beziehung, und schon gar keine Familie, Mama, oder jemand der daheim wartet. DAS betonen sie. Von Nähe war nie die Rede! Freunde sind meist auch gar keine da. Sie sind oftmals sozial gänzlich abgeschottet.
Weiß jetzt nicht, wie du auf so einen Gedanken kommst!
 
  • #9
Hallo!
warum suchen sie überhaupt eine Beziehung? Und warum bevorzugen gerade diese Menschen oft jemanden mit einem grossen Nähebedürfnis?
W34
Weil auch Menschen mit weniger ausgeprägtem Nähebedürfnis liebesfähig sind, Zärtlichkeit, Gemeinsamkeit und Verbundenheit brauchen.
Und nein, "sie" bevorzugen nicht einen Menschen mit grossem Nähebedürfnis. Ich auf jeden Fall nicht!
Es ist aber nicht einfach sofort herauszufinden, ob der Andere gleich tickt. Es wird einem oft das Blaue vom Himmel versprochen (ich finde das toll, dass du so unabhängig bist...natürlich respektiere ich deinen Wunsch auch alleine mal was zu unternehmen...aber selbstverständlich sollst du mit deiner Freundin das nächste Wochenende verreisen... nein, ich vertraue dir vollommen, ich mag auch keine eifersüchtigen Menschen....) und dann folgt langsam die Wahrheit: es wird lamentiert: wir sehen uns aber so selten...wie, musst du schon wieder mit dieser Freundin essen gehen?... Wieso darf ich nicht auch mitkommen? Aha, du bist also wag am Wochenende, und ich hatte mich sooo auf dich gefreut...aber, nein, ich kontrolliere dich nicht, wollte nur wissen, ob du gut nach Hause gekommen bist...ja, ich weiss, es ist ein Unding, dir um 3 Uhr nachts anzurufen, aber ich habe mir Sorgen um dich gemacht... wer ist dieser Mann, der dich so nett begrüsst hat, finde, der war ganz schön aufdringlich...

Die Liste ist unendlich!

In meiner jetzigen Beziehung werde ich akzeptiert wie ich bin und mein Partner tickt genau wie ich. Es gibt keine Szenen, keine Vorwürfe, keine unrealistische Erwartungen und kein Einengen. Mir geht es so gut wie noch nie. Einen "Papa" habe ich nicht und wollte ich nie als Partner haben!

Hannah, 47
 
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Gast

  • #10
Schon seit meiner ersten Beziehung spüre ich, dass es nicht gut ist, ständig Kompromisse zu machen, die einem selber nicht gut tun.

Nun, drei Beziehungen später weiss ich sicher, dass es für mich nur noch eine Partnerschaft geben wird, die frei läßt. Auch wenn ich mich frei fühlen möchte, wünsche ich mir einen Partner. u. Nähe Ich weiss, dass das geht. Und mein Gefühl sagt mir, dass das die Beziehung der Zukunft sein wird, nicht nur für mich, auch für viele andere. Das klassische Modell passt nicht mehr in unsere Zeit.

Ich habe Interesse an einer Partnerschaft, in der beide wirklich nur das tun, was sie tun wollen und was ihnen gut tut. Wenn man keine Lust hat beim familiären regelmäßigen Pflichtbesuch dabei zu sein, dann fährt man eben nicht mit. Wenn ich merke, ich möchte allein sein, dann mache ich das. Wenn ich meinen Ex-Freund treffe, mit dem ich ein sehr gutes Verhältnis habe, dann tue ich das.. Und genauso kann mein Partner all diese Dinge tun. Jeder hat die Freiheit so zu leben wie er möchte und muss sich nicht verbiegen.

Als Grundlage gibt es unsere Liebe, das gute Gefühl, sehr geliebt zu werden. Viele gemeinsame Unternehmungen, innige Nähe, intensive Gespräche genauso wie Stille, guten Sex, wenn er für beide passt in diesem Moment, kein Konsumieren wg Triebstau und Treue, auch sexuelle Treue, gerade weil man frei ist, weiss man, dass man zum anderen gehört und keinen anderen will ... usw.

Du bezeichnest es zwar als Zweckbeziehung, das hört sich aber negativ an, dabei ist es so viel mehr. Und ich meine nicht, dass jeder dann einfach alles tut, was er will und damit dem anderen wehtut. Nein, ich meine eine Beziehung auf Augenhöhe mit Vertrauen und Freilassen. Kein muss, nur wollen. Dazu gehört eine sehr gute Kommunikation und seelischer Kontakt. Keine Diskussionen. Die Bereitschaft das Leben bewußt wahrzunehmen und stetig an sich zu arbeiten.

Hör Dir mal von Robert Betz "Wahre Liebe läßt frei" an (oder lies das Buch), dann verstehst Du es vielleicht besser, was ich meine. Betz kann das wesentlich besser in Worte ausdrücken, was ich schon seit 28 Jahren in mir fühle.