• #31
Er hat die Toilette, die nur noch ein schwarzes Loch war und nicht mehr richtig abspülte, austauschen lassen. Er hat einen neuen Überwurf auf dem von den Tieren vollgepisten Sofa zugelassen.
Ich habe bis jetzt nur mitgelesen und ursprünglich wollte ich Dir auch antworten, daß es Dich einfach nichts angeht, wie seine Wohnung aussieht.
Was Du hier aber beschreibst, könnte ich auch nicht akzeptieren und es ist mir unverständlich, wie ein Mensch so hausen kann. Für mich selbst käme ein solcher Mann nicht in Frage. Ich glaube bei diesem Anblick wäre meine Liebe innerhalb weniger Minuten erkaltet. Ich denke eine Wohnung sagt schon einiges über den Menschen aus. Und dass ihn selbst ein derartig verpisstes Sofa nicht stört zeigt mir, dass er sich selber scheinbar nichts wert ist...
 
  • #32
Liebe FS,

schön, dass Du (Dich) fragst. Aber warum gerade hier?

Ich bin immer dafür sich das Leben so einfach wie möglich zu machen, denn kompliziert wird es von ganz alleine. Auch bei Dir. So finde ich schmeißt Du zwei Dinge in einen Topf, die da nicht zusammen hineingehören. Ich würde unterscheiden in Hygiene und Gesundheit einerseits sowie Minimalistik und Anhäufen andererseits.

Um mit dem weniger guten, an Dir, anfangen und guten aufhören zu können, fange ich mal bei letzterem an.

Die Minimalistik deinerseits und die Anhäufung seinerseits sind meiner Meinung Ausdruck Eures Wesens. Frage Dich mal warum Du dies (so) tust und warum er anders. Dabei kannst Du sicher sehr viel über ihn und wahrscheinlich noch mehr über Dich lernen. Diese grundlegenden Dinge wirst Du nicht ändern (können) und solltest Du auch nicht, selbst wenn er sich weitere Dinge (doppelt) zulegt, aufhängt oder verstaut und diese bis an sein Lebensende nicht (mehr) nutzen wird. Da gibt es auch nicht viel zu verstehen und zu lernen: Entweder Du liebst ihn in dieser seiner Besonderheit oder eben nicht.

Was die Hygiene und Sauberkeit betrifft finde ich solltest Du Deine Vor- und Einstellungen unmissverständlich äussern und ihn ändern lassen und nur eingreifen, wenn er Dich dazu bittet und Du zu dieser Hilfe bereit bist. Da er sich da bereits auf Dich zubewegt, finde ich das bereits als ein positives Zeichen.

Übe Dich in Geduld und erkenne den Reichtum des Andersseins.

Viel Glück!
 
  • #34
Vielen Dank für eure Einschätzungen.
Als Messie hätte ich ihn nicht eingeschätzt. Darunter stelle ich mir Menschen vor, die leere Joghurtbecher sammeln und wo es nur noch einen schmalen Gang durch die Wohnung gibt.

Bei Stil oder Vielbesitz sollte ich ihm nicht reinreden - das ist wahr. Bei der Hygiene vielleicht. Wobei er z.B. Staub nicht eklig findet. Auch alte Schimmelflecke (Waschmaschine) oder eingetrockneter und nicht mehr riechender Urin stellen für ihn kein Problem dar.

Er putzt einmal in der Woche Böden und Bad. Staubwischen eher nicht wegen der Menge an Gegenständen.

Vieles hat er einfach nie gelernt. Z.B., dass man Lebensmittel sofort nach dem Einkauf in den Kühlschrank räumt, eine Waschmaschinentür offen lässt oder Lappen häufiger austauscht.
Und immerhin ist er trotzdem 50 geworden.

Insgesamt ist natürlich ein einseitiges Bild entstanden. Die Wohnung macht ja nicht die ganze Persönlichkeit aus. Seine Stärken wie soziales Engagement, Loyalität, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, Intelligenz, Kommunikationsstärke, Humor, Beziehungsfähigkeit, zuhören können, Bescheidenheit....das sollte doch eigentlich viel wichtiger sein.

Verwundert hat mich, dass viele sich negativ über die Tatsache äußern, dass ich seine erste Freundin bin. Die Wohnung hat nichts damit zu tun. Im Gegensatz zu beziehungserfahrenen Männern gibt es hier viel mehr Freiheit, Neubeginn und Flexibilität.
 
  • #35
Ich bin ziemlich schockiert über die Beiträge einiger Foristen, die in verachtender und abwertender Weise argumentieren und bewerten, ohne jegliches Hintergrundwissen. Jeder halbwegs gebildete Mensch hat schon einmal etwas vom *Messiesyndrom* gehört oder gelesen. Wenn nicht, einfach mal recherchieren-und dann erst antworten. Manche Ratschläge (arbeite mit Lob und Tadel) sind haarsträubend und nicht hilfreich. Es handelt sich bei dem Partner der FS um ein seelisches/psychisches Problem.
Einige Foristen hier glänzen nicht nur mit Unkenntnis, sondern auch mit fehlender Empathie. Einfach gruselig!

w 45
 
  • #36
Ich finde interessant, dass du, FS, das genau gegenteilige Extrem zu deinem Freund zu leben scheinst. "Sehr minimalistisch und sehr sauber" ist ja auch irgendwie "extrem", also jedenfalls nicht durchschnittlich (und das meine ich wirklich ohne Wertung). Beschreibst du mal, wie man sich DEINE Wohnung, unter diesem Aspekt, ungefähr vorstellen muss!
Es ist wirklich interessant, dass du dich mit einem Mann zusammengetan hast und auch zu dem Mann stehst, der beim Wohnen offenbar genau das Gegenteil von dir ist.
Vielleicht lebt er ja, mit dem vielen Ansammeln von Zeug und dem tendenziell völligen Kontrollverlust über die Ordnung etwas, wonach du dich auch insgeheim sehnst, was du dir aber nicht erlaubst - vielleicht nicht ganz so extrem, aber eben von der Richtung her. Wenn du es so siehst, vielleicht kannst du ihm dann sogar etwas Respekt dafür zollen. Kontrolle versus Kontrollverlust und Unterwerfung unter die gängigen Hygiene- und Ordnungskonventionen bzw. eben Nicht-Unterwerfung scheinen, psychologisch gesehen, jedenfalls euer beider Themen zu sein. Nur präsentiert ihr die jeweils andere Seite ein und derselben Medaille.
Ich komme auf diese Idee, weil du mehrfach betonst, dass du seinen No-Mainstream-Lebensstil und seine Anti-Konsum-Haltung sehr schätzt und teilst. Nun gibt es sicher auch Männer, die auch diese Haltung haben, dabei aber in einer ganz normal ordentlichen Wohnung leben. Also, etwas muss dich genau an diesem Mann, mit seiner Unordnung, auch besonders anziehen ...
Vielleicht könnt ihr aus dem Chaos gemeinsam etwas Produktives entwickeln. Statt zu denken: 'Das viele Zeug ist Ballast und muss weg!" überlegen: 'Was könnte man damit anfangen, daraus machen?"

w50
 
  • #37
Das kann man aber auch umgedreht sehen.Glücklich wird der Freund der FS sicherlich nicht. Ich habe dies selber auch schon erlebt. Nicht dass es in meinem Haus dreckig ist, da ja dafür einmal die Woche die Putzfrau kommt. Da hatte meine Ex auch an der Einrichtung immer etwas zu bemängeln.

Die Holzdecken und die Teppiche sind so old-fashioned und müssten heraus. Dann auch noch viele Bilder an der Wand. Ich sollte da auch die Bilder von Trude Degenhardt entsorgen. Am Ende sind die Bilder immer noch da und dafür wurde die Frau entsorgt.:)
 
  • #38
Vielleicht habt ihr da Ideen, wie man es schafft, den anderen in seiner Andersartigkeit zu akzeptieren?
Es geht hier ja nicht um "Andersartigkeit" im Sinne von ein paar exzentrischen, aber charmanten Ticks oder Vorlieben.
Du redest dir das schön. Es geht um die basic Lebensführung, Haushaltsführung. Das ist also eine Grundvoraussetzung, keine Eigenheit. Wenn er das nicht drauf hat, ich sehe nicht, wie man das akzeptieren kann.
Das einzige, was mir einfällt - ihn nie besuchen, nie von ihm bekocht werden, die Augen verschließen vor dem Unrat. Ob dir so ein Ungleichgewicht auf Dauer gefällt, wage ich aber zu bezweifeln, so klingst du nicht.
 
  • #39
Vielleicht könnt ihr aus dem Chaos gemeinsam etwas Produktives entwickeln. Statt zu denken: 'Das viele Zeug ist Ballast und muss weg!" überlegen: 'Was könnte man damit anfangen, daraus machen?"
Messietum ist eine Krankheit, ein krankhaftes Festhalten an Dingen. Wenn man einem Messie etwas wegnimmt, bedeutet das eine tiefe Krise für den Betroffenen. Einem Messie muß man immer etwas im Gegenzug geben, aber das muß kein Gegenstand sein. "Wenn du diesen Stoß Zeitungen aus 1998 wegwirfst, geh ich eine Stunde mit dir Spazieren."
Es muß immer emotionaler Ersatz geboten werden, welcher, ist individuell verschieden.
Auch das ist eigentlich Aufgabe eines Therapeuten, aber den wird er wohl ablehnen. (Nicht falsch verstehen, der Therapeut wird wohl nicht mit ihm spazieren gehen, sondern ihm aufzeigen, wie er seine emotionalen Bedürfnisse selbst erfüllen kann und keine Gegenstände mehr dazu braucht.)
 
N

nachdenkliche

  • #40
Auch alte Schimmelflecke (Waschmaschine) oder eingetrockneter und nicht mehr riechender Urin stellen für ihn kein Problem dar.
Okay. Das mit dem eingetrockneten Urin, ich nehme an, das kommt von den Hunden, würde ich u. A. nicht hinnehmen. Werden diese Hunde nicht ausgeführt? So gesehen tun sie mir wirklich leid, da frage ich mich, was sagt der Vermieter? Der Rest scheint ja für Dich in Ordnung zu sein. Dann musst Du damit leben und Dich nur etwas "zusammenreißen" Wird schon werden..!
 
  • #41
Du siehst doch, dass außer Dir das hier keine Frau hinnehmen würde.
Doch ich.
Als ich die Fragestellung gelesen habe, dachte ich, mein Freund führt ein Doppelleben und die FS ist seine andere Freundin.
( Witz ). Ich meine, bei ihm sieht es genauso aus.
Und zwar, was den style betrifft, aber auch die Fülle der Gegenstände und leider auch der Hygienestatus, der nicht meiner ist.
Nicht ganz so arg, wie beim Freund der FS, aber sehr viel dreckiger als es mir recht wäre.
Und genau wie die FS sehe ich die wunderbaren Eigenschaften, die mein Freund ansonsten hat.
Mir ist seine Wohnung eher egal, ich muß da nicht wohnen, daher ist mir mindestens der style völlig wurscht.

Meinem Freund gefällt meine schwarz-weiß-Edelstahl-Wohnung auch nicht, aber er hat auch noch nie versucht, sie mit etwas aus Holz oder Messing zu verschönern oder ein bißchen Farbe in mein Leben zu bringen, weil er das besser fände.

Ich schäme mich nicht dafür, wenn Leute kommen ( zu ihm / uns kommen viele ), weil seine Leute wissen, dass es da vor meiner Zeit schon so aussah und meine Leute wissen, dass ich dafür ganz sicher nicht der Urheber bin, denn sie kennen ja meine Wohnung.

Was anderes ist in der Tat die Hygiene.
Ja, da hätte ich auch den ein oder anderen Verbesserungsvorschlag.
Aber ich bitte ihn nur um Änderungen, wenn sie mich betreffen.
Ich will ein sauberes Bad, saubere Bettwäsche, sauberes Geschirr.

Das schwarze Klo des FS-Freundes ist weg, das ist gut.
Die Fliegenfänger auch ( uff ! )
Das verpißte Sofa bleibt. Joa, ich würde darauf bestehen, dass ein neues angeschafft wird bzw. mich nicht darauf setzen, auch nicht mit Überwurf.
Staubfreiheit wäre mir nicht wichtig.

Liebe FS.
Du beschreibst deinen Freund abgesehen von der Wohnung sehr positiv.
Sei froh, dass du so einen tollen Mann abgekriegt hast ( ich bin auch jeden Tag froh ).
Laß ihm seine Kuscheltiere und 100 Pullis und verlange ein Mindestmaß an Hygiene. Alternativ: ihr trefft euch nur bei dir.
Dann ist alles gut :)

Übrigens hat mein Freund eine Putzfrau. Die kommt aber nur alle zwei Wochen. Jedes zweite WE finde ich daher eine saubere Wohnung vor, an den anderen WEs verschließe ich die Augen vor dem Dreck. Das Klo macht er dann aber noch sauber, bevor ich komme.
Zur Zeit sieht es schlimm aus, weil die Putzfrau sechs Wochen verreist war. Nächstes WE kommt sie aber wieder.
Wäre eine Putzfrau eine Option für deinen Freund ?
Tip: mach nicht du bei ihm sauber.

w 48
 
  • #42
Wenn ich es richtig verstanden habe, dann wohnt ihr in einem Haus und aufgrund der Länge eurer Beziehung, geh ich davon aus, dass es mit dem Nachbarn geklappt hat? !
Das ist doch schon mal einfacher, weil es keine großen Opfer gibt ggf zu Dir zu gehen.

Ich wäre wohl auch ins meckern gekommen, wenn ich auf die Hygiene sehe.
Besser ist jedoch offen reden!
Geschmack der Einrichtung würde ich jedoch weglassen. ..weil das ist grenzwertig.
Wichtig sind aber die Punkte, die Dich so anstrengen zu akzeptieren, dass Du anfängst zu meckern.
Ich zb könnte nicht auf dem Sofa lange sitzen oder da rum kuscheln.
Und im Hinterkopf könnte ich den Urin nicht verdrängen egal wie lieb er wäre.
Aus Liebe würde ich wohl versuchen die Klappe zu halten. ..aber irgendwann käme es mir hoch.
Bevor ich also dauernd rumzicke, würde ich es ansprechen.
Ich habe wirklich ein Problem, ich kann es nicht. Will weder meckern noch rumbiegen. ..aber entspannt da sitzen kann ich nicht.
Damit greifst Du ihn nicht an und oft kann man dann gemeinsam eine Lösung erarbeiten. Und wenn er Dein Sofa mag, wird halt da gekuschelt.
Umgekehrt musst du es aber auch zulassen, wenn er etwas nicht mag.
 
  • #43
Auch alte Schimmelflecke (Waschmaschine) oder eingetrockneter und nicht mehr riechender Urin stellen für ihn kein Problem dar.
Bei aller Toleranz und Bereicherung durch Andersartigkeit - da würde bei mir der Spaß aufhören. Meiner Meinung nach fehlt ihm da einfach das Bewußtsein, daß dies ein hygienisches Problem (für mich wäre das ein No-Go!) darstellt. Zumal muß der Urin ja irgendwann auch mal gerochen haben! Er mag bestimmt ein toller, sympathischer, intelligenter Mensch sein, aber das würde mich richtig abtörnen - in jeglicher Hinsicht.
 
  • #44
Nun gibt es sicher auch Männer, die auch diese Haltung haben, dabei aber in einer ganz normal ordentlichen Wohnung leben.
Insgesamt ein interessanter Post, auch und vor allem im Zusammenhang mit @frei #40.

Der oben angegebene Mann könnte ich sein.

Als meine Frau auszog nahm sie die Hälfte des Haushalts mit und ich habe als erstes durch Umräumen die entstandenen Lücken gefüllt und es war gefühlt nicht leerer (im Haus). Die letzten 3 Jahre habe ich dann das Dachgeschoss und die Gästeetage sowie Waschküche im Keller komplett geleert und fast alles entsorgt. Immer schon, seit einem halben Jahr besonders intensiv, ist unsere Wohnung dran. Besonders Küche, Bad und Garderobe musste dran glauben. Das einzige was ich mir in der Zeit angeschafft habe sind ein neuer Küchentisch und acht Leinwandbilder. Gefühlt habe ich 3/4 des Haushaltes entsorgt und (organisatorisch) umgestellt bzw. gestaltet. Nun geht alles wie gewohnt und gewollt mit einer gewünschten Leichtigkeit von der Hand.

Doch könnte ich schreiben, was ich hiermt tue: Leider kann ich eine Frau Deines Freundes Format nicht akzeptieren, weil ich da noch zu kleingeistig und engstirnig oder auch zu verletzt und schwach bin.

PS: Ein wenig und bisschen konnte ich in diesem Zusammenhang von und bei meiner Tochter lernen: Ihr Reich, ihr Wille.
 
  • #45
Den Beitrag finde ich interessant, weil ich nicht gedacht hätte, dass sich eine Frau auch dann auf einen Mann einlässt, wenn die Wohnung nicht so toll ist. Zum Beispiel lebe ich in einer kleinen Souterrain-Wohnung, in der zwar Luft zum Atmen ist, aber Platz, dass eine Frau dort auch noch leben kann, wäre dort nicht. In einem der Räume, die zu dieser Wohnung gehören, habe ich mir eine Werkstatt eingerichtet, damit ich schnell mal was reparieren kann, und ansonsten gibt es hier sehr viel Information, z.B. ungefähr zwanzig Jahrgänge der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft", die ich aber nicht aussortieren werde, weil sie ein zeitloses Nachschlagewerk für alle möglichen Dinge darstellen, wie ein mit der Zeit gewachsenes Lexikon. Das Problem ist, diese Informationssammlung so aufzustellen, dass sie zum einen platzsparend verstaut ist und dass man bei Bedarf trotzdem einen leichten Zugriff auf die Inhalte hat. Es ist nicht damit getan, sie einfach nur in ein Regal einzusortieren. Also stehen sie im Augenblick in zwei Türmen auf dem Boden gestapelt vor dem kleinen Sideboard mit dem Faxgerät, den zwei Telefonen und den drei Anrufbeantwortern.

Das Problem ist jetzt nicht die Sauberkeit. Schimmel oder solche Sachen würde ich nicht zulassen. Staub ergibt sich halt, aber ab einer gewissen Schmerzgrenze gibt es dann auch wieder eine etwas gründlichere Reinigung. Es kommt auch manchmal zu Unordnung, aber auch damit kann ich bis zu einem gewissen Grad leben. Wenn ich Besuch erhalte, räume ich vorher auf, schließlich will ich kein Chaos präsentieren.

Ich würde sagen, man müsste den Punkt mit der Sauberkeit von den reinen Beziehungsgedanken trennen, aber trotzdem als organisatorisch wichtig an die gemeinsame Pinwand hängen, denn es besteht die Gefahr, dass die Gefühle mal sterben, wenn sich dieser Punkt nicht ändert.
 
  • #46
Wobei er z.B. Staub nicht eklig findet. Auch alte Schimmelflecke (Waschmaschine) oder eingetrockneter und nicht mehr riechender Urin stellen für ihn kein Problem dar.
Da ich weiß, wie schnell es gehen kann, das was staubig ist, würde mich das auch nur dann stören, wenn ich lang angekündigter Besuch bin und es so aussieht, als hätte sich der Gastgeber nicht mal die Mühe gemacht, vernünftig zu wischen, oder wenn es in der Wohnung so aussieht, als würde das nie passieren.
Aber der Urin - sowas geht für mich gar nicht, ebenso die Waschmaschine.
Dein Freund scheint das aber anzunehmen, wenn Du ihm sagst, es sei Dir eklig, also braucht er vielleicht einfach nur, dass Du ihm die Wahrheit sagst darüber. Er möchte ja sicher, dass Du Dich bei ihm wohlfühlst - DAS wäre nämlich wichtig für mich an Deiner Stelle. Und bei der Sofadecke ist das nachzuvollziehen, aber bei 100 Pullovern kann man nicht sagen "das stört mich".

Einem Messie muß man immer etwas im Gegenzug geben, aber das muß kein Gegenstand sein. "Wenn du diesen Stoß Zeitungen aus 1998 wegwirfst, geh ich eine Stunde mit dir Spazieren."
Das würde ich nicht machen, weil das Erziehung und Erpressung ist und die FS ja auf Augenhöhe bleiben sollte, wenn die Beziehung nicht so ein Mutti-Sohn-Gefälle kriegen soll.
Ich habe mal gehört, ein Messie versucht, sich psychisch abzugrenzen. Keine Ahnung, ob das stimmt, würde dazu passen, dass er ansonsten niemanden an sich ranlässt und keinen Besuch empfängt.
Solange es sich nicht um alte Joghurtbecher usw. handelt, finde ich es nicht bedenklich, dass jemand sich nicht von seinen Sachen trennt. Ich kenne das, wenn sich ein alter Stapel Zeitungen irgendwo befindet, die ich noch durchgucken wollte. (ich denke auch gerade an Loriot) Irgendwann vergisst man das und erst, wenn einem klar ist, dass das, was man da lesen und rausfinden wollte, zu obsolet ist, denkt man auch, man könnte es wegschmeißen. Ich kenne auch eine sehr taffe Frau, die eine hohe Stellung in einer Bank hat und selber in ihrem Küchenschrank mal eine Tüte mit Süßigkeiten, darunter Raider, das schon seit 12 Jahren Twix hieß, fand. Ich finde sowas eher lustig. In ihrem vier Meter langen Kleiderschrank hingen zig Kleider noch aus den Neunzigern, die sie nie wieder anziehen wird.
 
N

nachdenkliche

  • #47
reich. Es handelt sich bei dem Partner der FS um ein seelisches/psychisches Problem.
Und Du bist ein Fachmann/Frau? Wir schreiben alle nur unsere Meinung anhand der Posts der Fragestellerin. Du schreibst ja selber, dass ihr Partner ein psychisches Problem hat.
Die FS ist ja mit ihm als Partner zufrieden und putzt ja sogar jetzt noch seine Wohnung, kann sie auch. Da will ihr hier keiner reinreden.
Sie schreibt z. B. dass er nie gelernt hat, wie man mit Lebensmitteln umgeht, dass man seine Hunde ins Freie führt, regelmäßig und sie nicht auf das Sofa urinieren lässt. Das stellt für Hunde eine Quälerei dar. Ansonsten scheint es ja ein fabelhafter Mann zu sein..sogar sehr beziehungsfähig. Sorry, das passt für mich nicht so ganz zusammen. Aber ich muss ja mit ihm nicht leben, das ist ihre Sache.
Nimms mir nicht übel, liebe FS, er hat mit über 50 noch nie eine Freundin gehabt? Hat er Dir nicht gesaht warum, wo er doch wirklich, außer der Wohnung, ein Traummann ist? :)
 
  • #48
Natürlich braucht Mann 100 Pullis - wenn man so selten wäscht, dass die Maschine zwischendurch zu schimmeln beginnt...
(Ich habe allerdings noch nie gesehen, dass eine Waschmaschine schimmelt - zudem habe ich meine Maschine vorhin diesbezüglich inspiziert und nichts entdeckt... )
Auch verstehe ich nicht, was an zusammengewürfelten Möbeln aus den 80er und 90er Jahren so schlimm ist. Wenn er noch ein paar Jahre wartet, gelten sie als Antiquität und er kann sie teuer verkaufen... Dir müssen sie ja nicht gefallen, du hast ja offensichtlich eine eigene Wohnung, die du in deinem Stil eingerichtet hast.
Auch jemanden, der sich Erinnerungsstücke aufhebt gleich als Messi zu bezeichnen, finde ich schräg.
Ehrlich gesagt finde ich klinisch reine, tip-top aufgeräumte Wohnungen, in denen man nichts persönliches findet so kalt und ungemütlich, dass ich dort eigentlich keine Zeit verbringen möchte.

Ich denke, liebe FS, du dramatisierst hier auch etwas, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.
Das einzige, was in deiner Beschreibung für mich nicht geht, ist Tierdreck jeglicher Art. Ich bin was Tierhaltung in einer Wohnung betrifft generell sehr skeptisch. Jedoch würde ich vermutlich auch in deiner Wohnung Spuren von deinen Tieren finden, die mich abstoßen würden.
Was ich dir damit sagen will: Menschen sind verschieden - auch deine Wohnung ist nicht perfekt, auch über dich könnte man lästern. Willst du das? Wie würdest du dich fühlen, wenn jemand über dich solche Dinge sagen würde bzw. dich damit konfrontieren würde? Wie würdest du argumentieren? (Ich weiß, für dich ist in deiner Wohnung alles in Ordnung. Aber das ist noch lange nicht für alle anderen Menschen so!)
 
N

nachdenkliche

  • #49
Noch etwas, es geht nicht um 100 Pullover, Blümchengardinen, Gelsenkirchener Barock usw, das ist Geschmacksache und ist nur alleine seine Angelegenheit. Versiffte Polster, vergammelte Lebensmittel, schimmelige Waschmaschine usw...das alleine ist bereits eine Vorstufe vom Messietum. Hab mal gegoogelt. Es gibt eine gewisse Tendenz dazu, aber okay.
Ausmisten, leerräumen von Kleiderschränken, Rumpelkammern und Kellerräumen, auch das Freihalten des Schlafzimmers, unter den Betten auch, von Elektronik und vollgestellten Ecken und dergleichen ist nachgewiesen befreiend für die Seele. Na, das wird schon....:)
 
  • #50
Warum bist du gerne mit ihm zusammen sein???kannst du keinen sehr gepflegte Männer finden???
 
  • #51
Ich hatte in meinem Leben zweimal das "Vergnügen" eine Messie-Wohnung besichtigen zu dürfen. Diese Erfahrung dürfte einige PosterInnen fehlen, die hier dieses Wort in den Raum stellen.

Um auf die Nachfrage zu antworten, warum ich mich angesprochen fühle: ich hatte mal eine (für mich unerträgliche) Beziehung mit einer Dame, die auch ihren Wohnstil auch mit "sehr ordentlich und minimalistisch" bezeichnet hätte. Für mich war sie eine Kreuzung zwischen Misses Propper und dem weißen Riesen, die Wohnung war zum gruseln kalt und ungemütlich und ich hatte dort immer das eingebildete Gefühl von Sargotangeruch in der Nase. Von daher war ich vielleicht ein wenig emotional vorbelastet.

Fakt für sie war, fast alle anderen Wohnungen (außer ihrer) im Freundes- und Bekanntenkreis waren in einem unbeschreiblichen unordentlichen und unsauberen Zustand - natürlich auch meine, in der sie "dringenden" Handlungsbedarf sah um dort ungefragt massiv eingreifen zu müssen.

Ich möchte FS nichts ähnliches unterstellen, mutmaße aber auch - wie von @Einzelstück schon angemerkt -, daß derart "reinliche und spartanisch" eingerichtete Menschen übersensibel auf alles reagieren, was nicht ihrem eigenen Wohnstil entspricht. Es wird wahrscheinlich nicht so dramatisch sein, wie es hier überspitzt geschildert wird.

FS, wie wäre es wenn ihr Euch auf einen "Geminschaftsraum" in der Wohnung Deines Freundes einigt, ein Teil der Möbel daraus werden in die restlichen Räume aufgeteilt - so daß er einen guten Kompromiss für beide ergibt?
Und die Frage, ob sich Dein Freund denn auch in Deinen Räumlichkeiten "wohl fühlt", interessiert mich immer noch.

Was Hygiene angeht, gibt es keinen Diskussionsbedarf, ansonsten halte ich es in meiner Wohnung nach dem Grundsatz:
"Hier ist es sauber genug um gesund zu bleiben
und schmutzig genug um sich wohl zu fühlen"
 
  • #53
Messietum ist eine Krankheit, ein krankhaftes Festhalten an Dingen. Wenn man einem Messie etwas wegnimmt, bedeutet das eine tiefe Krise für den Betroffenen….
Das ist mir schon klar (weil du dich auf mein post beziehst). Übers Messietum haben jedoch schon genügend Leute hier geschrieben.
Ich wollte daher bewusst einen anderen Blickwinkel einnehmen. Jegliche "Diagnosen", wie auch "Messie", sind letztlich nichts weiter, als Zuschreibungen und Kategorisierungen, mittels derer Menschen hier und heute auf einer von Menschen geschaffenen Werteskala beurteilt werden - normal oder von der Norm abweichend, wenn ja, in welcher Form und wie stark. Das ist ja nichts "Naturgegebenes". Vor 50, 70 oder gar 100 Jahren gab es die Diagnose "Messie" überhaupt noch nicht und in kulturell ganz anderen Ländern gibt es sie bis heute nicht. Die Hygienestandards waren vor 50, 70 oder 100 Jahren auch in Deutschland noch ganz andere, als heute. Da wurde z.B. die Kleidung nicht annähernd so oft gewaschen, dieselben Kleidungsstücke und Haushaltsgegenstände behielt man oft sein Leben lang. Aber da gab es auch noch nicht so viele Gegenstände, die man überhaupt hätte sammeln können.
Ich will damit nur sagen, auch psycho-soziale Diagnosen darf man in Frage stellen und ggf. nicht so ernst nehmen.
Hilfe und Veränderung bei psychischen Problemen gelingt sowieso erst, wenn das "Problem" akzeptiert, und zwar wirklich (!) akzeptiert, und als zu dem konkreten Menschen gehörend angenommen wird. Reines Pathologisieren hilft meistens gar nicht, eine Veränderung zu schaffen.

w50
 
N

nachdenkliche

  • #54
man in Frage stellen und ggf. nicht so ernst nehmen.
Hilfe und Veränderung bei psychischen Problemen gelingt sowieso erst, wenn das "Problem" akzeptiert, und zwar wirklich (!) akzeptiert, und als zu dem konkreten Menschen gehörend angenommen wird. Reines Pathologisieren hilft meistens gar nicht, eine Veränderung
Da gebe ich Dir vollkommen Recht, aber was sollen wir hier in einem Laienforum sonst, außer der FS unsere persönliche Einschätzung zu vermitteln. Sie wendet sich ja an uns. Sie will diese Wohnung ja nicht anders haben, sondern möchte wissen von uns, wie sie ihn so lassen kann, wie er ist. Darauf weiß ich keine andere Antwort, außer...dann musst Du diese Wohnung meiden, dich dazu zwingen. Ich könnte das nicht. Sie hat ihren Partner hier im Forum allerdings sehr drastisch " vorgeführt ", wenn das alles nur halb so schlimm ist.
 
P

Provence

  • #55
Für mich ist eine »gesunde Toleranz« auch ein Gradmesser für meine Zuneigung: mein vorletzter Freund lebte in einem absolut chaotischen Haus; nicht besonders sauber, vollgestellt bis unter die Decke … alles (für mich) recht geschmacklos. Es roch (für mich) furchtbar.
Ich trennte mich ziemlich bald. Ohne Nachwehen.

Mein jetziger Freund hat einen völlig anderen Wohnstil als ich, eigentlich »gewöhnungsbedürftig«. Dennoch stört mich absolut nichts daran, ich will nichts verändern (vor allem ihn selbst nicht). Ich bin sehr gerne bei ihm, erkenne ihn in allem, was ihn umgibt - und bin glücklich. Sobald ich durch die Wohnungstüre trete, schnupper ich ganz begeistert »seinen« Wohngeruch.
 
  • #56
Dein Freund ist ein Messi in den Startlöchern und du spürst das.
Ich empfinde es als normal, wenn hier Warnlampen angehen.

Natürlich kann und soll man den anderen lassen wie er ist. Nur der Lebensstil zeigt schon auch den Menschen und seinen Charakter. Wie außen so innen. Vielleicht spürst du, dass es doch nicht so ganz passt? Man darf seine Abneigungen schon ernst nehmen.
 
  • #57
FS, auf deine wichtigste Frage, wie du es schaffen kannst nicht mehr über seine Wohnung genervt zu seien, kann ich dir leider auch keine gute Antwort geben.
In der Beschreibung der Wohnung deines Freundes finde ich mich, bzw. meine Wohnung zum Teil wieder. Der große Unterschied ist das Badezimmer, welches bei mir immer tipptop ist, aber sonst gibt es bei mir viel Gerümpel und Staub. Bei mir kommt noch hinzu das ich in meiner Wohnung rauche.
Allerdings hat sich bei mir ein gewisser Leidensdruck aufgebaut, so dass ich mich in meiner eigenen Wohnung nicht mehr wirklich wohlgefühlt habe. Mal hier mal da aufräumen, mal hier mal da putzen und einen großen Plan machen wie man alles renovieren könnte, blieben immer im Anfangsstation hängen.
Was mir geholfen hat war, erstmal ein Zimmer komplett auszuräumen, zu putzen und zu renovieren. Das war mein sehr kleines Gästezimmer. Nachdem ich fertig war habe ich mich so gefreut das ich Gästezimmer und Schlafzimmer getauscht habe. Mit dem Schlafzimmer habe ich gerade angefangen und im Sommer kommt der dicke Brocken, das Wohnzimmer dran.
Daher mein Tipp, nicht überall ein bisschen machen, sondern miteinem Zimmer gründlich anfangen. Vielleicht kannst du ihn dabei helfen?