• #1

Die schlechten Seiten vergisst man schneller

Die Knef hatte wohl recht: „dass es gut war, wie es war, das weiß man hinterher. Dass es schlecht ist, wie es ist, das weiß man gleich.“ Ist das denn ein Naturgesetz? Wie geht man damit am besten um? Oder geht das nur manchen Menschen so?
 
  • #2
Es liegt tatsächlich in der menschlichen Natur die Vergangenheit zu verklären (daher ja auch dieses ständige Jammern nach der "guten alten Zeit", die es aber nie gab). Das ist ein evolutionär eingebauter Schutz vor Überlastung und Trauma. Wenn man sich immer an alles schlechte noch gut erinnern würde (und dabei muss man ja bedenken dass früher (oder in anderen Gegenden der Welt auch noch heute) das Level an Schlechtigkeit das ein Mensch erleben musste DEUTLICH höher war als heute, würde ja jeder durchdrehen.
 
  • #3
Bezieht sich die Frage auf (Liebes-)Beziehungen oder auf das Leben allgemein?
In Sachen meiner wenigen (2) Liebesbeziehungen kann ich sagen, dass sich die negativen Aspekte deutlich tiefer eingebrannt haben als die positiven!
ErwinM, 52
 
  • #4
Ich sehe das tatsächlich so heute, ich bin dankbar für das Schöne in all meinen vergangenen Beziehungen. Und ich möchte es nicht missen. Sondern nochmal erleben, in einer neuen Beziehung. Ja, ich liebe alle meine Expartner heute als meine Brüder. Das hat nichts mit verklären zu tun, sondern damit, dass ich die Geschichten gelöst und aufgearbeitet habe für mich. Es war alles gut und wichtig, genau so wie es war.
 
  • #5
Die Knef hatte wohl recht: „dass es gut war, wie es war, das weiß man hinterher. Dass es schlecht ist, wie es ist, das weiß man gleich.
Das kann ich nicht bestätigen und die Ergebnisse der Hirnforschung sprechen ebenfalls nicht dafür. Üblicherweise haben schlechte Erlebnisse einen 7 mal höheren Erinnerungswert als positive.

Meine Ehe war wirklich schlecht und so passen diese Ergebnisse der Hirnforschung hervorragend dazu: es fällt mir unendlich schwer, einzelne positive Erlebnisse zusammenzusuchen. Bei den schlechten muss ich mir daher garkeine Mühe geben, sie zu erinnern.
Ich weiß aber, dass genau dieser 7fach-Effekt greift: denn wäre es immer so schlecht gewesen, hätte ich ihn weder geheiratet noch wäre ich so lange geblieben.

Also ist es beim Bedauern-Effekt wohl eher so, dass es garnicht schlecht war, sondern die Unzufriedenheit mit eher irrelevanten Kleinigkeiten im Zusammenhang mit großen unerfüllbaren Wünschen zur Tennung führte.
Nachdem man selber es auch nicht auf die Reihe bekommen hat, sich diese Wünsche zu erfüllen, lässt sich nachträglich gut bedauern, was man vermeintlich garnicht so schlechtes weggeworfen hat.

Mein Leben ist nach jeder Trennung deutlich besser gewesen, weil ich fähig war, mir meine Wünsche zu erfüllen und darum kenne ich diesen Effekt nicht.

In Sachen meiner wenigen (2) Liebesbeziehungen kann ich sagen, dass sich die negativen Aspekte deutlich tiefer eingebrannt haben als die positiven!
s.o., genau so ist es, wenn man einen echten Trennungsgrund hatte, keine Flausen im Kopf.

Ein Trauma ist was anderes, als Wohlstandsunbehagen und somit auch die evolutionären Schutzmechanismen davor, die da z.B. lauten Dissoziation oder Amnesie. Eine Amnesie ist etwas anderes als vergessen von Trivialitäten.
 
  • #7
Ich halte mich nicht mit schlechten Erinnerungen auf. Wozu?
Aus Erfahrungen habe ich gelernt, Haken.
Gute Erinnerungen sind ein Schatz.
Keine Beziehung war deswegen schlecht, sie haben Erfahrung und Erinnerungen gebracht.
Ich lebe den Moment, der zählt. Gestern ist vorbei. Morgen kommt vielleicht.
 
  • #8
Die Knef hatte wohl recht: „dass es gut war, wie es war, das weiß man hinterher. Dass es schlecht ist, wie es ist, das weiß man gleich.

Das kann ich nicht bestätigen und die Ergebnisse der Hirnforschung sprechen ebenfalls nicht dafür. Üblicherweise haben schlechte Erlebnisse einen 7 mal höheren Erinnerungswert als positive.

Nanu? ...die Knef macht doch überhaupt keine Aussage zu der Erinnerung an schlechte Ereignisse in der Vergangenheit! Nur an gute und an schlechte in der Gegenwart!

In diesem Sinne kann ich auch die Überschrift dieses Threads der Aussage der Knef überhaupt nicht zuordnen!

Ich kann jedenfalls den ersten Teil der Aussage der Knef bestätigen. Als meine Frau noch lebte fand ich unsere Beziehung vollkommen normal. Ich habe mir z.B. niemals Gedanken darum gemacht, dass wir eines der ganz ganz seltenen Paare waren, die es vom Teenager- bzw. Anfang 20 Alter (erste Beziehung) bis ins 3x Alter geschafft haben! Und das ganze ohne on/off Phasen! Ich dachte damals aber, das ist ganz normal und viele sind so drauf! Die Bäumchen-Wechsle-Dich Spieler habe ich natürlich wahrgenommen, aber für eine Randerscheinung gehalten!

Den zweiten Teil des Knef Satzes erlebe ich sozusagen jetzt, denn erst als ich, einige Jahre nach ihrem Tod, anfing nach einer neuen Partnerin zu suchen, bemerkte ich, dass zumindest auf dem Singlemarkt im 3x, 4x und 5x Alter die Menschen weit überwiegen, die auch schon in jungen Jahren viele Beziehungen an die Wand gefahren hatten! Es ist kaum eine Frau dabei, die nicht sagt "ich war damals sogar mal mit jemandem zusammen, wo es eine Lebensbeziehung hätte werden können, aber ich dachte "das kann ja nicht alles gewesen sein" und wollte daher nochmal was anderes ausprobieren"

Erst retrospektiv weiß ich was ich wirklich verloren habe!

V.m51
 
  • #9
Die Knef hatte wohl recht: „dass es gut war, wie es war, das weiß man hinterher. Dass es schlecht ist, wie es ist, das weiß man gleich.“ Ist das denn ein Naturgesetz? Wie geht man damit am besten um? Oder geht das nur manchen Menschen so?

Ich habe natürlich auch gute Erinnerungen an meine Ehe. Oder sagen wir besser, an die Familienzeit. Die gemeinsamen Familienurlaube in Frankreich am Meer. Diese Erinnerung ist so schön, dass, wenn ich mir eine Zeit aussuchen könnte, in die ich zurückmöchte, ich dort bleiben würde.
Aber dort waren wir nicht Paar, sondern nur Eltern.

Die Erinnerungen an meinen Ex und mich als Paar sind nicht gut. In der Hinsicht habe ich nichts verloren, sondern nur gewonnen.
 
  • #10
Definitiv.
Ich bin da ganz bei:

In Sachen meiner wenigen (2) Liebesbeziehungen kann ich sagen, dass sich die negativen Aspekte deutlich tiefer eingebrannt haben als die positiven
Kann ich bestätigen. Wobei ich mich auch detailliert an positive Erlebnisse erinnern kann.

Also ist es beim Bedauern-Effekt wohl eher so, dass es garnicht schlecht war, sondern die Unzufriedenheit mit eher irrelevanten Kleinigkeiten im Zusammenhang mit großen unerfüllbaren Wünschen zur Tennung führte.
Ja, das ist vielleicht ein Punkt bei manchen Trennungen. Der aber auch dadurch entstehen kann, dass danach nichts besseres mehr kommt. Sondern nichts. Wie hier:

Erst retrospektiv weiß ich was ich wirklich verloren habe!
 
  • #11
Ich erinnere mich in Beziehungen bei vielen Dingen ans Schöne, aber auch ans Schreckliche. Ich denke, das Schlimme wird mehr eingebrannt als das Gute. Wenn etwas passiert ist, dass dich sehr verletzt hast, braucht es sehr viel Gutes um das überhaupt zu "neutralisieren". Das ist so ca. 1:5 Regel. 1 negative Sache braucht 5 positive Aspekte um überhaupt wieder neutral zu sein.

Allgemein im Leben bin ich positiv. Ich bin gesund und hübsch und habe die Welt bereist und mache Studium, habe Freunde und alle Möglichkeiten stehen mir offen. Was sollte mir besser passieren? Keinerlei Narben? Noch mehr Geld? Noch mehr Reisen? Das ist so wenig was noch besser sein könnte.

Ich habe auch wirklich etwas Krasses erlebt, ich hatte auch lange um darüber hinweg zu kommen aber heute sehe ich es zwar nicht als gut, aber ich habe akzeptiert dass es Teil meiner Vergangenheit ist. Es schmerzt auch nicht mehr, da ich heute an einem ganz anderen Punkt im Leben stehe.

Ich denke, es gibt immer 2 Sorten Menschen. Diejenigen, die grundsätzlich eher das Positive sehen und die Anderen, die sehr an Negativem haften. Einfacher im Leben (auch um glücklich zu sein) hat es sicher Sorte 1. Egal, ob Sorte 2 ein leichteres Leben hat, Sorte 1 hat durch positives Denken und Betrachten des Lebens viel wett gemacht.
 
  • #12
Die Knef hatte wohl recht: „dass es gut war, wie es war, das weiß man hinterher. Dass es schlecht ist, wie es ist, das weiß man gleich.“ Ist das denn ein Naturgesetz? Wie geht man damit am besten um? Oder geht das nur manchen Menschen so?
Es ist eher umgekehrt. Der Mensch ist vom Grundsatz ein eher pessimistisches Wesen, was mehr das Negative behält. Teilw. ist das auch gut so - Eigenschutz. Aber eben nur in Maßen und Abwägungen. Ich zitiere msl hier einen bekannten User: "Sofort Trennung, Punkt!" Literally bei ALLEM. 🤣 Das ist natürlich weder gesund (S -Werte) noch zielführend. Keine Ahnung wie du wieder auf sowas kommst. 🤷‍♀️
 
  • #13
Es ist eher umgekehrt. Der Mensch ist vom Grundsatz ein eher pessimistisches Wesen, was mehr das Negative behält.
So kenne ich das auch. Eher Defizit-orientiert. Nach einer Prüfung bleibt die Frage im Gedächtnis, die wir falsch beantwortet haben - nicht die 10 Richtigen. Ein Mensch, dem man es nie Recht machen kann (egal ob Partner, Chef, Mutter...) regt sich auf wenn man einmal was falsch gemacht hat und vergisst die vielen Male, die man in seinem Sinne gehandelt hat. Alle Mühe umsonst. Ein Fehler macht alles zunichte.
 
  • #14
Gleichzeitig verklärt man aber in der Erinnerung manche Dinge und behält dann eben doch manchmal das Gute in Erinnerung, und das Schlechte verdrängt man Punkt es gibt eben solche und solche Situationen.
 
  • #15
Also ist es beim Bedauern-Effekt wohl eher so, dass es garnicht schlecht war, sondern die Unzufriedenheit mit eher irrelevanten Kleinigkeiten im Zusammenhang mit großen unerfüllbaren Wünschen zur Tennung führte.
Nachdem man selber es auch nicht auf die Reihe bekommen hat, sich diese Wünsche zu erfüllen, lässt sich nachträglich gut bedauern, was man vermeintlich garnicht so schlechtes weggeworfen hat.
Das finde ich einen interessanten Ansatz. Was heißt das in der Praxis, zB nach einer Trennung, die man bedauert? Dass man sich stärker hätte fragen sollen, ob der eigentliche, vielleicht unbewusste Trennungsgrund nicht vor allem bei einem selbst lag, und der Partner wenig dafür konnte?
Wäre dann also starkes Bedauern oft ein starker Fingerzeig in diese Richtung…?
 
  • #16
Ein Mensch, dem man es nie Recht machen kann (egal ob Partner, Chef, Mutter...) regt sich auf wenn man einmal was falsch gemacht hat und vergisst die vielen Male, die man in seinem Sinne gehandelt hat. Alle Mühe umsonst. Ein Fehler macht alles zunichte.
Was lernen wir daraus, derjenige macht es nur mit Menschen, die es mit sich machen lassen, die es zulassen!
Ich hatte früher auch schon blöde Chefs, wo ich mich dann getrennt habe, dann habe ich mich selbstständig gemacht, die beste Entscheidung meines Lebens!
Man muss im Leben ständig und beständig Entscheidungen treffen, wenn man weiter kommen möchte, sonst wird man überholt und man bleibt stehen, das ist Leben!
Dies ist eine interessante Erkenntnis: "wenn man weiterhin das tut was man bislang immer getan hat, dann wird man weiterhin genau das bekommen, was man schon immer bekommen hat, Punkt!
 
  • #17
Was heißt das in der Praxis, zB nach einer Trennung, die man bedauert?
Dass man sich wegen irrelevanten Trivialitäten getrennt hat und das erst erkennt, wenn man nach viel Mühe trotzdem nichts besseres gefunden hat.

War es wirklich schlecht, dann bleibt Deine innere Alarmanlage auf die Person aktiv (gibt kein ausreichendes Maß an Positiverlebnissen zur Kompensation des negativen) und Du neigst darum nicht zur nachträglichen Verklärung.

Dass man sich stärker hätte fragen sollen, ob der eigentliche, vielleicht unbewusste Trennungsgrund nicht vor allem bei einem selbst lag...
Das Thema würde ich nicht im Sinne einer Schuldfrage angehen, sondern eher als Fehleinschätzung, Überbewertung von Kleinigkeiten, streben nach dem unerreichbaren Ideal o.ä.
 
  • #18
Ne, kenn ich nicht. Ich habe eher in Beziehungen am Guten festgehalten und das Schlechte verdrängt und dann nach dem natürlich von Entzugserscheinungen geprägten Liebeskummer recht schnell festgestellt, dass eigentlich ziemlich viel negativ war und wir ohneeinander besser dran sind. Je länger es her ist, umso weniger sehe ich beide Ex-Beziehungen emotional, sondern rational und kann sagen, das und das war gut, aber das und das war schlecht und ich bin froh, dass ich nicht mehr mit demjenigen zusammen bin.
w, 38
 
  • #19
Dass man sich wegen irrelevanten Trivialitäten getrennt hat und das erst erkennt, wenn man nach viel Mühe trotzdem nichts besseres gefunden hat.
Das „nichts besseres gefunden“ ist jetzt natürlich ein spezieller Fall… mitnehmen würde ich den Gedanken, Bedauern (versus Erleichterung) als Anlass zum Überdenken von Gründen ernst zu nehmen, und nicht einfach als natürliche Trauerphase einzustufen.
 
Top