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Gast

  • #1

Bleiben Schuldgefühle wenn jemand den anderen hintergeht?

Ich frage mich des öftern ob Menschen die andere benützen auch Schuldgefühle haben die irgendwann ans Licht kommen. Z.B. Menschen die Geld ausleihen und es dann nicht mehr zurückgeben und es auch keine Möglichkeit gibt das Geld einzufordern. Ich habe einem Freund Geld geliehen im Ausland und ihn bereits mehrmals darauf angesprochen. Rechtlich vorzugehen macht keinen Sinn, die Anwaltskosten würden den geliehenen Betrag sowieso überschreiten. Ich bin nun zum Schluss gekommen, nichts zu unternehmen und vertraue auf eine höhere Gerechtigkeit obwohl es mir natürlich auch eine Lehre war nicht allen Menschen zu vertrauen auch wenn es sogenannte Freunde sind. Leider. Was meint ihr dazu?
 
  • #2
Viele haben irgendwie, irgendwo doch Schuldgefühle, aber es gelingt ihnen, die Tat vor ihrem eigenen Gewissen schönzureden und zu rationalisieren. Dies trifft z.B. auch auf gewalttätige Demonstranten, auf elterliche Gewalt gegen Kinder, auf Steuerhinterziehung und viele andere eindeutig unmoralische oder kriminelle Handlungen zu.

Andererseits gibt es leider aber auch Menschen, die einfach eiskalt sind, sich des Unrechts bewusst sind und denen fremde Gefühle einfach egal sind. Sie missbrauchen andere, ohne dabei Schuld zu empfinden. Im Gegenteil feiern und freuen sie sich über ihre gelungenen Coups und fühlen sich als klüger, als überlegen, als besser.

In Deinem Falle nehme ich an, dass der Mensch genau weiß, was Sache ist und aus irgendwelchen Gründen nicht zahlen will oder meint zu können. Er wird sich des Unrechts bewusst sein, aber hofft, damit duchzukommen.

Mein Rat wäre, ihm schriftlich eine Zahlungsaufforderung mit Fristsetzung zukommen zu lassen. Keine weiteren Maßnahmen androhen, sondern einfach nur schriftlich und so nüchtern wie möglich das Geld zurückfordern. Eine weitere Möglichkeit wäre, ihn vor anderen im gemeinsamen Freundeskreis bloßzustellen. Etwa ein "Ich brauche mal Euer alle Hilfe. Ich habe X soundosviel geliehen und er weigert sich, es mir zurückzuzahlen." Das vor allen Leuten führt zu enormen sozialen Druck und Rechtfertigungsnot. Die letztere Möglichkeit zieht vorallem bei engen Sozialverbänden.
 
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Gast

  • #3
Es gibt Menschen, die gehen über Leichen sind rigoros, können also sehr gut mit Betrügereien umgehen und es gibt Menschen, die zerbrechen daran.
Habe selbst auch viele Gelder an Menschen in Not gegeben, die ich z.T. auch nicht mehr zurück bekommen habe, es soll dem/ihr gut tun, belastet mich nicht. m/42
 
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Gast

  • #4
... ich frage mich nur oft, ob die Betrügereien bei den Betrügern auf der Seele haften bleiben und es eine andere Gerechtigkeit gibt? Was meint Ihr?
 
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  • #5
Um welchen Betrag handelt es sich? Wie reagiert Dein Freund? Möchte er überhaupt zurückzahlen?
Ich habe auch bereits in gutem Glauben Geld verliehen, allerdings nur Beträge, die ich verschmerzen konnte und dies als "gute Tat" abgehakt.
Inzwischen verleihe ich nur noch an Kollegen, die ich jeden Tag zwangsweise sehe!
w/39
PS: Hast Du überhaupt einen Nachweis, dass Du das Geld verliehen hast? Sonst kannst Du Dir den Anwalt sowieso sparen....
 
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Gast

  • #6
Schau dir die vielen FremdpopperInnen an - haben die vielleicht ein schlechtes Gewissen, den Partner warm zu wechseln bzw. ihn vorher wochen/monatelang zu hintergehen, zu betrügen, zu belügen? Nein, sie reden sich das schön und dass ja der andere schuld ist. Genau so verhält es sich dann auch in anderen Lebensbereichen. Ehrlich währt am längsten - das war leider mal. Schade für die Gesellschaft und wir wenigen, die wir diese Wertefahne noch hoch halten, haben massiv zu kämpfen, nicht als altmodisch und konservativ und ewig-Gestrige zu wirken. Alles was gesellschaftsfähig und gesellschaftlich anerkannt wird, ohne moralisch verwerflich zu wirken, ist aus deren Sicht richtig. Wohin uns das führt...
 
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Gast

  • #7
Der Betrag war nicht sehr hoch. Ich verleihe kein Geld das ich nicht selber verschmerzen kann. Es geht mir eigendlich nicht um das Geld an sich. Ich frage mich nur, ob es eine andere Gerechtigkeit gibt, das Geld habe ich sowieso schon abgeschrieben und kann es verschmerzen.

FS
 
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Gast

  • #8
Nach meiner Erfahrung gibt es zweierlei "Täter":
1. die skrupllosen ohne Gewissen, diese haben dann auch keine Schuldgefühle, sondern Triumphempfinden
2. Selbstunsichere Menschen in Krisen- Situationen (z.B. Spiel- oder Drogensucht mit sekundärer Verarmung, finanzielle Fehlspekulation ohne den Mut, dazu zu stehen, unverschuldeter Job- Verlust mit "so.tun-als-ob"....
Diese haben durchaus Schuldgefühle, kommen jedoch oft von alleine aus der entsprechenden Nummer nicht mehr raus.
So viel zum Sach- Teil Deiner Frage.
Den moralischen Aspekt Deiner Frage kann ich gut nachvollziehen, er ist jedoch nicht zweifelsfrei zu beantworten. Klar wäre ein "jüngstes Gericht" eine sehr hilfreiche Vorstellung und der Wunsch nach "ausgleichender Gerechtigkeit" ist verbreitet. Ob dann allerdings wirklich ein Zusammenhang besteht zwischen einer eventuellen Erkrankung Deines Schuldners und seiner Schuld, wird ewig unklar bleiben und die Frage ist, ob Dir der Glaube daran hilft- dann glaub! Wenn eher nicht, dann vergib und wandere klüger weiter.
Lieben gruß, w 53
 
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  • #9
Gebe @ 5 meine volle Unterstützung. Fremdgehen usw. ist noch viel nschlimmer und wieviele tun dies?
 
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  • #10
Gibt es eine Gerechtigkeit?
Schwierige Frage, guck dir die Welt an!
Bei allen Betrachtungen und Erfahrungen, sage ich NEIN!
Sie geht nur über das eigene Gewissen, also über die eigene Person und das ist höchst dehnbar und auch manipulierbar.
Wir leben alle im "Kasperletheater"! Mitspielen ist angesagt.
 
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  • #11
ich denke, es gibt beides: Menschen, die ohne mit der Wimper zu zucken andere betrügen und belügen, und Menschen, die zumindest ein schlechtes Gewissen haben. Meist können diese ihr schlechtes Gewissen ignorieren.
Ich habe mir auch schon gesagt, dass ich ab jetzt genauso skrupellos handele in Beziehungen, wie man es mit mir getan hat - aber letzten Endes ist es mir wichtig, dass ich mich selbst im Spiegel noch anschauen kann. Bleibt nur die Hoffnung, dass es vielleicht auch Menschen gibt, die gutmütige vertrauensselige Schäfchen wie ich es bin zu würdigen wissen.
Das Leben ist nicht gerecht.
 
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  • #12
@10 - es gibt sie, aber manchmal muss man recht lange danach suchen - oder wird gefunden! Viel Glück - ich habe so ein Exemplar nun wieder als neuen Partner gefunden, aber ich gebe dir Recht, sie sind mehr als rar
 
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  • #13
Ich (M45) kann guten Gewissens in jeden Spiegel schauen, muss die Strassenseite nicht wechseln verfüge über jahrelange Geschäftsbeziehungen,hin-und wieder hat man sich mal eine Laus eingefangen (meistens Weibl.).

Nun das Leben geht weiter,etwas verhaltener aber immer weiter. Meine besten Jahre kommen noch suche auch nicht mehr sondern wie Nr.11 schreibt werde gefunden oder auch nicht.

Das letzte Hemd hat keine Taschen und jeder bekommt das was er verdient.
 
  • #14
auch wenn es das Geld nicht wert ist ihm hinterher zu laufen, darauf wird ja oft spekuliert und ich würde mein Geld dann lieber dem Antwalt geben, der es mir wiederholt anstatt es dem Typen zu schenken der es nicht wieder geben will. Schon aus Prinzip. Und ich glaube daran, dass man sich immer zweimal im Leben trifft und ich habe Geduld und ein gutes Gedächnis.
Mir persönlich wiederstrebt es, nichts zu unternehmen und einfach hinzunehmen, das ich betrogen werde. Aber da muss jeder wie er meint handeln.
 
  • #15
Eine gute Frage! Das frage ich mich auch des öfteren. Aber es scheint Menschen zu geben, die können Schuldgefühle scheinbar ganz gut in eine Ecke ihres Seelenlebens hinschieben, wo sie im Alltag nicht stören.
Ich kann manchmal auch bei kleinen Beträgen zum Prinzipienreiter werden. Ich wurde so erzogen "Geldschulden sind Ehrenschulden". Wenn beispielsweise meine Kunden 10 Wochen nach Rechnungslegung meinen, jetzt noch Skonto ziehen zu wollen, beißen sie bei mir auf Granit.
 
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Gast

  • #16
Ich habe meiner Ex-Freundin ein Ladengeschäft finanziert. Nach 80.000€ konnte ich nicht mehr. Sie hat 4 Stunden gebraucht, um mit einem anderen potentiellen Geldgeber ins Bett zu gehen. Hat nicht ganz geklappt.Danach Insolvenz angemeldet und ich sehe nix mehr von dem Geld. Never trust a woman - kann ich nur sagen.
 
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Gast

  • #17
Es ist mir absolut nicht nachvollziehbar, weshalb immer wieder - bei Männern wie bei Frauen - die schnelle Bereitschaft da ist, anderen, die man häufig nur sehr oberflächlich kennt, Geld zu leihen, eine Bürgschaft zu übernehmen etc. Enttäuschungen sind hier reglmäßig absehbar. Solche finanziellen Hilfen sollten wirklich sehr (!) verlässlichen und langjährigen Freunden und Partnern vorbehalten bleiben. Und schon gar nicht dazu dienen, Spielschulden oder ähnliches decken.

Ich tendiere dazu, zu Menschen, die mich um Geld bitten (kam glücklicherweise bisher nur sehr selten vor) unmittelbar auf Distanz zu gehen. Wenn ein guter Freund in einer prekären Situation steckt und mich um Hilfe bittet, dann wird er alles vollständig (!) offenlegen und gemeinsam an Lösungen arbeiten, bei denen eine direkte Hilfe ultima ratio ist.
 
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  • #18
@ FS'in

Ja, die Frage ist nur ob du davon erfahren wirst und ob er es mit dir in Verbindung bringt, denn du wirst nicht sein einziges Opfer bleiben.

Eins ist jedenfalls sicher: richtige Freunde wird er keine haben wenn er das immer so macht. Und ein Leben ohne Menschen denen man vertrauen kann, die einen auch mal eine Stütze sind, ist schon sehr traurig.