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Gast

  • #1

Bin ich für eine Partnerschaft gar nicht (mehr) geeignet?

Hallo liebe Forum-Freunde, bitte Sie um einen Rat. Ich (w,36 ) habe bis jetzt so gut wie keine gut funktionierende Partnerschafft gehabt. Ich war zwar über 10 Jahre unglücklich verheiratet, bei der Scheidung hat es sich allerdings herausgestellt, meinem Partner ging es hauptsächlich nur ums das Geld. Meinen sonstigen Kontakten aus der Single-Zeit ging es um Sex oder ums Geld, aber nie um Liebe , Gefühle , Verbindlichkeiten usw . usf. Ok. Ich habe jetzt das alles abgehackt. Ich lebe mein Leben mit Hobbies, Freunden, Job und Haustieren. Ich habe auch Kinder. Mein Leben ist erfüllt und nicht langweilig. ABER wenn jemand in meine Nähe kommt, den ich als Partner (theoretisch) vorstellen könnte, kriege ich eine Panik, d.h. ich kann nicht vernünftig reden und würde von der Erdoberfläche am liebsten ganz verschwinden. Ganz hässlich bin ich wohl nicht, aber es spielt wohl keine grosse Rolle. Die schlechten Erfahrungen setzen sich bei mir irgendwie durch. Auch wenn ich nicht für immer und ewig alleine bleiben möchte. Zu einem Therapeuten würde ich aber nicht gehen. Habe wegen Zeit, noch Vertrauen. Hat jemand einen Rat bzw. Empfehlung für mich, wie es weitergehen sollte? Vielen Dank vorab, FS
 
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Gast

  • #2
Ja, ich kenn das und ich glaube, so geht es vielen in heutiger Zeit.
Ich denke schon, dass du für eine Partnerschaft geeignet bist, aber ich habe auch gemerkt, eine Partnerschaft ist keine Selbstverständlichkeit! Man muss dafür sehr viel arbeiten, Mut haben, aus sich rauskommen, sich was trauen. Gerade wenn man keine Zeit vorschiebt und viel daheim ist, und auch keinen Therapeuten oder Hilfe in Anspruch nehmen will, wird es schwer, weil eigentlich kannst du ja jedem neuen Tag jemanden kennenlernen, wenn du dein Leben änderst.
 
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Gast

  • #3
Setz Dich mit Erwartungshaltungen auseinander. Welches Bild von einer Partnerschaft hast Du im Kopf, wann fühlst Du Dich geliebt, was denkst Du musst Du leisten in einer Beziehung.

Ich kenne Beziehungsvermeidungsverhalten von mir wegen dem Bild, was meine Mutter mir vermittelt hat bzw. wie ich es aufgenommen habe. Ich hab das ja durch meinen persönlichen Filter gesehen und die vermittelten Dinge, die mir entsprachen, habe ich eingebaut in mein Bild von einer Beziehung: Frau darf nichts sagen und sich nicht trennen, wenn sie unglücklich ist. So unglücklich ist meine Mutter nicht, aber sie hat ihre Unfähigkeit, sich zu artikulieren in der Partnerschaft durch Abladen dieser emotionalen Last bei mir ausgelebt.

Sieh Dir Deine Beziehungen an und die Typen. Hatten sie was gemeinsam, woran hast Du gelitten und warum hat sich nichts geändert? Sagst Du zu wenig, was Dir fehlt? Suchst Du einen Mann, der Dir alle Entscheidungen und damit die Verantwortung für Dein Leben abnimmt (also einen, der am Ende Diktator ist).
Du musst lernen, die für Dich guten Typen zu erkennen. Kann sein, dass die Dir bislang zu langweilig erschienen.
 
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Gast

  • #4
Ja es ist schon eine Krux, dass wir uns häufig in die Männer verlieben, die uns nicht wirklich und insgesamt guttun, eher nur für Momente.

Ich habe immer diesen Wunsch gehabt, es muss so richtig prickeln, um gut zu sein. Aber zwei Mal war ich nun verliebt in Männer, die mir nicht gutgetan haben, in die ich aber irre verliebt war und deshalb auch lange nicht loslassen konnte. Viel Leid und Tränen.

Nun versuche ich an mir zu arbeiten und die Themen zu finden, die es zu lernen gilt. Nur so wird es möglich sein, einen anderen Typ Mann kennenzulernen.

Es gibt viele gute Literatur zum Weiterkommen. Und es muss kein Therapeut sein, der von der Kasse bezahlt wird, von denen halte ich eh nicht viel, habe einige Erfahrungen gemacht, die mich keinen cm weiter gebracht haben.

Wo du echte Hilfe finden kannst, sind Heilpraktiker, die mit auflösenden Methoden arbeiten, da gibt es Innerwise, Hypnose, Familienstellen, The Work u.v.m. Alleine sieht man den Balken meist nicht.
 
  • #5
Die FS scheint innerlich (bisher) schwach und naiv zu sein. Das nutzen Egoisten aus.

z.B. einen Egoisten (oder andere Nachteile) sollte man bereits vor der Heirat erkennen.
Dann anscheinend von ihm auch noch Kinder bekommen = sich noch schwächer und abhängig machen - und wie man bereits in der Schwangerschaft von ihm behandelt wird - sollte Einem spätestens dann die Augen öffnen.

Die jetzigen Ängste sind logische Folge. Was die FS durchgemacht hat, befürchtet sie nun bei jedem Mann.

Sie sollte aber nicht mehr so schwach sein, wie bisher. Und auch nicht diese Ängste über sich herrschen lassen. Also die Ängste ablegen können. Entweder selber, oder mit fachlicher Hilfe.

Es ist keine Schwäche, sich fachliche Hilfe zu holen. (z.B. Psychotherapeutin)
Es ist aber eine Schwäche, diese Ängste nicht abzulegen, sondern sich weiter von ihnen beherrschen zu lassen. Obwohl man diese Ängste nicht will.

Tipp: Sich z.B. von einem Beratungszentrum oder Familienzentrum beraten lassen. (Nicht Jugendamt)
Ein Familienzentrum hat meistens eine Kinderbetreuung im Haus. Also können die eigenen Kinder betreut werden, während so einem Gespräch.
Oder Gesprächstermine vormittags, während die Kinder in der Schule sind ?

Ich habe feste Beziehungen (stets zu Frauen) immer ernsthaft auf Liebe, Partnerschaft etc. geführt oder angestrebt.
Ich habe nie eine Beziehung wegen Sex oder Geld ausgenutzt.
(Wurde aber von einer Frau deswegen ausgenutzt, aber das wurde mir schnell klar)
Mich wundert, warum mich so viele Leute für schwul halten.

(m,53)
 
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Gast

  • #6
Hallo FS,

ich (39) bin als Tochter einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen, die sich stark an mich geklammert hat (und zwar auch, als ich schon volljährig war). In der Schulzeit bzw. als ich noch bei ihr wohnte, durfte ich keinen Freund haben. Meine Mutter hatte große Panik, dass ich ungewollt schwanger wurde (bin aber kein ungewolltes Kind, meine Eltern waren verheiratet und wollten auch Nachwuchs) und erlaubte mir nicht einmal platonische Freundschaften mit Männern.

Gerade weil mir die Kontakte mit Männern jahrelang untersagt wurden, waren sie besonders reizvoll für mich. Ich sehnte mich nach Liebe und wollte am liebsten schon mit Mitte 20 Heirat, Kinder, Haus, das volle Programm halt. Nächstes Jahr werde ich 40, war noch nie verheiratet und bin immer noch kinderlos. Zwar hatte ich schon einige Beziehungen, aber die waren alle nicht von langer Dauer und v. a. war ich nie lange glücklich.

Ich war durch meine Vorgeschichte dermaßen bedürftig, dass ich auch immer nur sexuell und finanziell ausgenutzt wurde. Dabei stand ich nie auf die klassischen Schönlinge, die ständig wechselnde Frauengeschichten hatten. Mir gefielen die eher unscheinbaren, netten Typen von nebenan, die am Anfang einen sehr beziehungstauglichen Eindruck machten. Die Männer waren vom Typ her recht unterschiedlich, aber es gab doch eine Gemeinsamkeit zwischen ihnen: Sie hatten alle vor mir noch nie eine Beziehung gehabt oder wurden nach 1-2 kurzen Geschichten verlassen. Und weil sie eben keinen Erfolg bei Frauen hatten, dachte ich sie würden sich über eine aufrichtige Partnerin freuen, die es ernst mit ihnen meinte.

Sie taten so einiges, um mich von der Ernsthaftigkeit ihrer Absichten zu überzeugen. Als sie sich meiner sicher fühlten, zeigten sie ihre wahren Gesichter - und schon befand ich mich in einer destruktiven Beziehung. Leider neigte ich jahrelang zur emotionalen Abhängigkeit und konnte mich schwer von einem Mann lösen, wenn ich in ihn verliebt war.

Ich kann dir nur den guten Rat geben, eine Therapie zu machen und dir einen potenziellen Partner sehr genau anzuschauen, bevor du dich richtig auf ihn einlässt. Ich wünsch´ dir alles Gute für die Zukunft!
 
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Gast

  • #7
Liebe FS,

ich wurde auch von meinem EX vorwiegend als Geldsack ausgenutzt und habe lange gebraucht, Vertrauen wieder herzustellen.

Das Beste ist, wieder neue Männer kennenzulernen, sich darauf einzulassen, weil es gibt im Grunde nur wenige "Schweine".

Und ich habe gelernt, mein Verhalten zu verstehen, warum ich öfters reingefallen war. Bei mir gab es immer das gleiche Muster, das regelrecht "Schw...." (siehe oben) angezogen hatte. Das zu verstehen, war ziemlich schwer.

Habe es auch ohne Therapie geschafft, indem ich mir selber den Spiegel vorgehalten habe. Meine Liebesbedürftigkeit, meine Kommunikation, meine Entschuldigungen, mein Nicht-Nein-Sagen-Können, mein niedriges Selbstbewußtsein usw.

Ich habe aus den miesen Beziehungen meinen Anteil daran gelernt. (Hoffe ich). Und plötzlich verlaufen Beziehungen auch Anders.

Alles Gute
 
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Gast

  • #8
Also das mit dem Reden kenne ich, daran kann man aber arbeiten. Ich habe mit 31 angefangen, intensiv mehrere Rethorikseminare zu besuchen und zwar von Anfang bis Ende, einfach weil es mir wichtig war, mal ein paar Sprünge voranzukommen! Ich hatte im Hinterkopf den starken Willen: ich will ein guter Sprecher werden und ich werde alles daran setzen, dass ich Erfolg habe. Gute Artikulation ist schon wichtig und hilft dir weiter und macht dich allgemein lockerer und bewahrt dich auch vor Negativem, wenn du gut kontern kannst beim Date.

Ansonsten denke ich, verkapselst du dich daheim in deinen negativen Erfahrungen. Du könntest nächstes Wochenende schon neue Leute kennenlernen, wenn du dich einfach mal aufraffst und offen für die Welt wirst. Das wirst du aber solange nicht tun, bis nicht irgendwas gravierendes in deinem Leben passiert.

Du wirst dir Hilfe holen, wenn du es anpacken willst. Es geht um dich und aus dir was zu machen und das kannst du halt echt jeden Tag von Neuem. Also pack es an!

Vielleicht hilft dir der Gedanken, dass jeder von uns schon negative Erfahrungen gemacht hat. Das ist aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Nur aus Fehlern kann man aufbauen und es später besser machen! Ich hatte auch noch nie eine erfüllende Beziehung, vieles ging um Sex oder Unverbindlichkeiten. Es ist aber gut, dass ich diese Erfahrung gemacht habe, somit gehe ich heute viel wacher und selbstbewusster durch die Welt.
 
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Gast

  • #9
Es ist keine Schwäche, sich fachliche Hilfe zu holen. (z.B. Psychotherapeutin)
Es ist aber eine Schwäche, diese Ängste nicht abzulegen, sondern sich weiter von ihnen beherrschen zu lassen. Obwohl man diese Ängste nicht will.
Da gebe ich Bernd uneingeschränkt Recht. Ich verstehe immer nicht, warum man lieber jahrzehntelang leidet, statt ein gravierendes Problem ernsthaft anzugehen, das würdest du bei gesundheitlichen Problemen doch auch nicht machen. Mit Ratgeberliteratur kannst du anfangen, und wenn dich das nicht weiterbringt, zumindest mal einen Versuch in Richtung Psychotherapie zu starten. Es ist schmerzhaft und manchmal frustrierend, aber auch spannend, und es kann die Lebensqualität sehr zum Positiven verändern, wenn man sich mit Hilfe eines guten Therapeuten selbst besser kennenlernt, seine eigenen Verhaltensmuster bewusst wahrnimmt und irgendwann dann auch in der Lage ist, diese zu ändern.

w Ü45
 
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Gast

  • #10
Hat jemand einen Rat bzw. Empfehlung für mich, wie es weitergehen sollte?
Ja, locker bleiben. 36 und 10 Jahre verheiratet bedeutet, dass Du über wahrscheinlich fast 15 Jahre in Beziehung gelebt und diese anschließend aufgelöst und verarbeitet hast. Da bleiben nicht viele Jahre übrig, in denen Du Beziehungen gehabt haben müsstest.

Du stehst offensichtlich auch alleine "Deine Frau", Du kommst alleine mit Deinem Single-Leben klar. Gute Voraussetzungen, um dann, wenn Du das Gefühl hast, dass Du wieder eine Partnerschaft mit einem passenden Mann möchtest, eine zu beginnen.

m, 46