• #61
Zitat von Vikky:
Die FS wird sich dauerhaft ohne diesen gefühlskalten Mann besser fühlen, weil sie sich nicht mit Auseinandersetzungen mit ihm und damit verbundenen weiteren negativen Gefühlen befassen muss
Woher nimmst die Erkenntnis, daß dieser Mann "gefühlskalt" ist ? Das ist nicht belegt. Auszugehend ist davon, daß der - wie die FS schreibt - rationale Freund wohl das Allerweltsrezept bei Trauer oder bei Krisen versucht hat, indem er seiner Freundin sagte "komm besinne Dich auf die schönen Seiten des Lebens."

Zitat von Vikky:

Aus der Depressionsforschung ist belegt, dass dieses versuchte "wegquatschen" von Gefühlen das Gegenteil bewirkt, diese verankert, den betroffenen Menschen gegen den Wegquatscher aufbringt und das vollkommen zu Recht. Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.
Wenn ich im Bad ein Problem habe, versuche ich es, selbst mit gesundem Menschenverstand zu lösen statt den Klempner zu holen. Mit meiner Seele mache ich das Gleiche, denn ich kann meine Seele nicht schlechter behandeln als mein Bad.

Es mag durchaus sein, daß es Trauerforschung bei den Seelenklempnern gibt, aber es ist schon falsch, von einem "Schema F" auszugehen, denn jeder Mensch reagiert anders und demzufolge braucht es ein individuell abgestimmtes System für jeden einzelnen.

Wir hatten in 2015 einen Todesfall in der Familie - er starb, beide waren 67 Jahre verheiratet. Sie nimmt das auffallend stark und trauert wenig, weil sie ein rational starker Mensch ist. Und eben genau das macht den Unterschied. Wenn der Freund rational ist wird er das Allerweltsrezept "komm besinne Dich auf die schönen Seiten des Lebens" anbieten und die Brücke zum Fortbestand der Beziehung bauen. Die FS hat dies wohl abgelehnt, ich sehe daher die Schuld für das Problem nicht beim Freund der FS, zumal die meisten Beziehungen Trauer aushalten.

Zitat von Vikky:
Der Partner hat nicht das Recht diese Gefühle der FS abzuwerten, nur weil er eine tumbe Nuss ist, die das nicht nachvollziehen kann.
Plumpe Beschimpfungen helfen nicht weiter. Woher willst Du wissen, daß er die Gefühle der FS abwertet ? Auch dazu liegt keine Schilderung vor.
 
  • #62
Zitat von Lily321:

Die Diskussion zwischen rationalen und impulsiven Menschen ist ziemlich obsolet. Die rationalen werden immer sagen, Gefühle kann man steuern, ich bin Herr meiner Gefühle. Die impulsiven werden laut aufschreien und behaupten, daß sie ihren Gefühlen immer und ständig ausgeliefert sind und nichts aber auch gar nichts tun können, um daran was zu ändern. Unvereinbare Standpunkte.
Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Klicken Sie in dieses Feld, um es in vollständiger Größe anzuzeigen.

Eben. Die einen müssen von den andern lernen. Wenn der Freund der FS rational ist kann sie sich von seiner Rationalität eine Scheibe abschneiden - zur Lösung des Problems. Der Konflikt zwischen den beiden entsteht wohl nur deshalb, weil der Freund auf seinem rationalen und die FS auf ihrem emotionalen Standpunkt beharrt und weil der Freund irgendwann auch die Schönen Dinge des Lebens (Geburt des Kindes) genießen will.

Zitat von Mandoline:

Es ist sinnlos darüber zu schreiben und zu diskutieren mit Menschen, die offenbar nicht wissen, was Gefühle sind und sie nicht empfinden!
Es geht drum, daß Verstand und Gefühl in Wechselwirkung zu einander stehen. Das Gefühl löst gewisse rationale Erwägungen aus ("da sollte man mal rational hinschauen") oder der Verstand sagt der Gefühlsseite ("das ist es nicht wert, wenn ... es macht keinen Sinn, daß ... da kann man drüber stehen ...")

Wenn die Wechselwirkung klar ist, kann man die rationale Seite nutzen, um Struktur und System in das emotionale Durchdenken des Problems zu bringen. Das führt dazu, daß man emotional zur Ruhe kommt weil man das Problem eingrenzen und verkleinern kann. Ohne Systematik wird es größer und frißt einen auf.

Zitat von Mandoline:

dass Gefühle und Verstand zwei paar verschiedene Schuhe sind, die nicht zusammenpassen,
Eben genau diese Einstellung ist das Problem. Gefühle und Verstand interagieren. Der Freund der FS bietet der FS doch seine Stärke an - und sie will nicht, so schaukelt sich das Problem hoch weil jeder auf seinem Standpunkt beharrt.
 
  • #63
Es geht drum, daß Verstand und Gefühl in Wechselwirkung zu einander stehen. Das Gefühl löst gewisse rationale Erwägungen aus ("da sollte man mal rational hinschauen") oder der Verstand sagt der Gefühlsseite ("das ist es nicht wert, wenn ... es macht keinen Sinn, daß ... da kann man drüber stehen ...")
...
Eben genau diese Einstellung ist das Problem. Gefühle und Verstand interagieren. Der Freund der FS bietet der FS doch seine Stärke an - und sie will nicht, so schaukelt sich das Problem hoch weil jeder auf seinem Standpunkt beharrt.
Es ist sinnlos darüber zu diskutieren, weil dieser Mann nicht weiss, wie es ist jemanden zu verlieren. Wenn seine Mutter stirbt zu der eine sehr enge Verbindung hat, könnte sogar sein, dass er drei Jahre trauert oder sogar die Trauer verstandesmässig betrachtet und so weit unterdrückt, dass er sogar am Schluss depressiv wird.

Trauern bedeutet gleichzeitig Abschiednehmen und anerkennen emotionales mässig, dass ein endgültiger Verlust stattgefunden hat. Denn der Verlust ihres Vaters ist eine Tatsache, diesen Verslust nicht zu betrauen würde bedeuten, die Tatsache zu verleugnen, das würde bedeuten in der Fantasie zu leben und zu glauben ihr Vater würde noch leben und würde jederzeit durch die Türe reinkommen. Der Tod löst eine Schockreaktion aus und man will es nicht wahrhaben, so dass auch ich in den ersten Wochen jederzeit glaubte mein Vater würde durch die Türe reinkommen. Was der Tod bedeutet und welche emotionale Reaktionen darauf folgen und dass die Trauer in vier Phasen abläuft ist wissenschaftlich erwiesen. Kübler-Ross war die bekannteste Sterbeforscherin!

Es ist keine Frage der Einstellung - entweder man hat Gefühle oder man hat keine. Entweder man trauert oder man trauert nicht bzw. unterdrückt sie. Das ist eine Tatsache und keine Frage der Einstellung. Die Emotionen sind übrigens noch viel älter als der Verstand - evolutionabiologisch betrachtet, weil wir die Basisgefühle wie Angst, Ekel, Überraschung, Wut u.a. mit den Säugetieren gemeinsam haben und wer Dokusendungen über Säugrtiere allgemein auch Primaten gesehen hat, so weiss er auch, dass sogar Tiere trauern, erst recht der Homo Sapiens, welcher am Ende der Evolutionskette steht.

Ich weiss genau wie unser roter Kater nach der anderen kleinen Katze getrauert hatte, als sie verschwunden war und er sie tagelang in allen Zimmern gesucht hatte, ständig nur miaute und weder essen noch trinken wollte!
 
  • #64
Wir hatten in 2015 einen Todesfall in der Familie - er starb, beide waren 67 Jahre verheiratet. Sie nimmt das auffallend stark und trauert wenig, weil sie ein rational starker Mensch ist..
Genau so hat mein Ex auf das Ende seiner Ehe reagiert - stark, tatkräftig, rational.

Wir lernten uns zwei Jahre später kennen und sprachen ab und zu über seine Ehe. Ausgelöst dadurch begann er aufzuarbeiten und zu trauern, was dazu führte, dass er ganz langsam loslassen, sich selbst und seine Rolle realistischer sehen - er hatte ausschließlich sich selbst die Schuld gegeben - und den Weg in ein neues Leben finden konnte.

Ohne diesen Prozeß wäre er aus meiner Sicht immer in seinen Schuldzuweisungen und seiner Lebensverneinung stecken geblieben. Ohne Trauer und ohne Aufarbeitung kein Neubeginn.

Die FS braucht - als der Mensch, der sie ist - diese Zeit. Ein Mann, der sie liebt, hätte sie mit Verständnis begleitet, ihr glückliche Momente geschenkt und sie so genesen lassen.

Das geht, auch mein Mann hat nach einem Todesfall seinen Frieden machen und in ein besseres, gemeinsames Leben starten können. Nicht ganz leicht, es dauerte, aber er konnte sich die Zeit lassen und hat jetzt, nach etwa zwei Jahren, nur noch ganz kurz leicht melancholische Momente. Alles gut.
 
  • #65
Ein Mann, der sie liebt, hätte sie mit Verständnis begleitet, ihr glückliche Momente geschenkt und sie so genesen lassen.
Warum wird hier behauptet daß der Freund der FS die FS nicht liebt ? Wir kennen die Gesamtumstände aus seiner Sicht nicht. Liebe bedeutet gerade nicht automatisch, daß der, der liebt, ohne irgendetwas zu tun zusehen muß, daß der andere ins tiefe Loch fällt, schließlich bedeutet Liebe doch gerade, für den andern da zu sein in schlechten Zeiten.

Zudem gibt es keinen Freibrief für Trauernde - sie sind nicht von jeder Rücksichtnahme befreit, um ungeniert und endlos die Trauer an die erste Stelle zu setzen. Deswegen ist dem Freund der FS auch zuzugestehen, daß er die schönste Zeit des Lebens - die Geburt des Kindes - so gut es eben geht - in Trauerzeiten leben und genießen kann.

Hat die FS gesagt "ich verstehe das" ? Hierzu lese ich nichts, ich lese auch nicht, was der konkrete Vorwurf an den Freund ist. Beziehungen sind immer von wechselseitiger Rücksichtnahme geprägt - wenn aber die FS auf ihn keine Rücksicht nimmt und wenn aber der Freund sehenden Auges merkt daß das tiefe Loch der Trauer in das die FS fällt, um so größer wird, was soll er dann tun ?

1) Sagen "trauere nur weiter - wir haben ein Kind auf die Welt gebracht und ich verzichte gern auf die schönen Gefühle zu dieser Zeit und schaue zu wie Du ins tiefe Loch fällst"

2) Sagen "Sieh her, Du wirst egal wie viel Du trauerst, die Zustände nicht ändern können. Es wird nur noch schlimmer, deswegen sieh her, ich würd gern mit Dir zusammen bleiben. Es gibt genug schöne Dinge im Leben, wie z. B. .... "

Aber ob und wie er gehandelt hat und die Gesamtumstände kennen wir nicht. Das Problem liegt wohl irgendwo hier.
 
  • #66
Zudem gibt es keinen Freibrief für Trauernde - sie sind nicht von jeder Rücksichtnahme befreit, um ungeniert und endlos die Trauer an die erste Stelle zu setzen. Deswegen ist dem Freund der FS auch zuzugestehen, daß er die schönste Zeit des Lebens - die Geburt des Kindes - so gut es eben geht - in Trauerzeiten leben und genießen kann.
Freibrief für was? Sie beginnt keinen Streit und Diskussionen, sie macht ihm keine Vorwürfe und Schuldzuweisungen. Sie zieht sich nur von hm zurück aber ist für Ihr Kind voll da! Sie erwartet zu Recht von ihm, dass er ihr glückliche Momente beschert, sie begleitet und ihr sogar sagt: "Lass dir die Zeit, die du brauchst."

Anders gesagt: sie macht ihm das Leben nicht schwer und ist ihm keine Last, sie ist nur in Trauer aber er:
... mit meinem Partner gab es zunehmend Streit...
...
Er meckerte an mir rum und ich wehrte mich dagegen oder schwieg, weil ich meine Ruhe wollte und keine Kraft mehr hatte. Vater verloren, Mutter, mein Elternhaus, und "nebenbei" noch ein Kind bekommen. Trotzdem habe ich "funktioniert". Aber ihm nicht gut genug. Ich wäre nicht normal mit meiner Trauer, warum das so lange dauert, andere kommen besser klar, es muss ja mal gut sein und so weiter.
Wenn er sie wirklich liebt, dann muss er sie auch verstehen und erst nehmen, dass eine Sondersituation eingetreten ist! Ein Vater, den sie sehr liebte, stirbt nur einmal und keine zwei mal.
Statt tröstende Worte, in Arm nehmen, unterstützen nur das hier:
Kurz nach der Beerdigung erwartete mein Partner, dass ich wieder "normal" bin, zur Tagesordnung übergehe. Er war eiskalt, verständnislos, machte Stress. Das hat mich sehr verletzt. Fassungslos wollte ich nur meine Ruhe, zog mich zurück.
 
  • #67
Ein Vater, den sie sehr liebte, stirbt nur einmal und keine zwei mal.
Mein Vater starb im selben Jahr, wie meine Frau! ...nur hatte er das Alter erreicht und ein schönes Leben gelebt, während sie nicht einmal die Mitte 30 erreichte. Dieses in direkter Abfolge zu erleben stellt erstmal Relationen klar. Das ist wie bei einer Schmerzbehandlung die Patienten die Stärke des Schmerzes auf einer Skala von 1 bis 10 angeben sollen. Die geben alle 8-10 an ...weil sie nicht wissen, wieviel Luft noch nach oben ist und was des Mensch noch alles aushält.

Aus anderen Postings der FS geht hervor, dass sie nicht 20 ist und ihr Vater erst Mitte 40, sondern sie ist 3x und ihr Vater erreichte ein Alter von 6x. Sicherlich ist 6x nicht optimal und es hätte auch etwas mehr sein dürfen, aber wenn man ehrlich ist, dann ist auch schon 6x ein Alter bei dem die Kurve des normalen Laufs der Dinge schon mächtig hoch geht. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt nur rund 10 jahre höher! Außerdem ist es vollkommen normal, dass man als Kind seine Eltern überlebt.

Trauer sollte immer in einem realistischen Zusammenhang zum normalen Lauf der Dinge stehen! Größere Abweichungen davon sind eher pahtologisch und es ist fatal, das der Umgebung anzulasten!

V.m45
 
  • #68
Trauer sollte immer in einem realistischen Zusammenhang zum normalen Lauf der Dinge stehen! Größere Abweichungen davon sind eher pahtologisch und es ist fatal, das der Umgebung anzulasten!

V.m45
Ich finde nicht, dass sie übermässig oder pathologisch trauert. Und auch nicht, dass sie ihre Umgebung belastet. Im Gegenteil: er ist ihr nur eine zusätzliche seelische Last! Für die Art und sogar Qualität der Trauer ist nicht das Alter des Verstorbenen massgeblich, sondern die emotionale Nähe und Verbundenheit. Die Beziehungsqualität ist dabei am wichtigsten.

Wenn eine Frau ihren Mann mit 45 verliert, welcher sie vielleicht betrog und schlecht behandelte, dann wird sie vermutlich nicht so lange und tief trauern wie vielleicht um ihren liebevollen und guten Vater, der mit 72 starb.

Der natürliche Lauf der Dinge, dass normalerweise zuerst die älteren Menschen sterben und dann die jüngeren spielt überhaupt keine Rolle.

Was für die @Miramira unter dem Strich bleibt nach diesem Todesereignis ist Enttäuschung, Wut, Fassungslosigkeit, Ärger und Belastung verursacht nur durch die Empathielosigkeit und Unverständnis ihres Partner. Jeder Todesfall besucht Besinnung und Zeit - egal ob die Person Single ist oder verpartnert. Umso mehr, wenn es eine Person war auf die man sich immer aber wirklich immer verlassen und wie man zählen konnte.

Verglichen mit ihrem Vater, hat ihr Partner charaktermässig sehr schlecht abgeschnitten. Kein Wunder hat sie sich enttäuscht und verletzt von ihm zurückgezogen und will ihn nicht mehr so recht sehen.
 
  • #69
Was ist in deiner Ursprungsfamilie passiert?
Hast du deinem Vater gegenüber ein schlechtes Gewissen?
Warum bricht deine Mutter den Kontakt zu dir ab?
Warum wird das Elternhaus verkauft ohne deine Zustimmung?
Was ist mit deinem dir zustehenden Erbe passiert?
Ob dein Mann ein Ekel ist oder deine komplizierte Familie nicht aushalten konnte, kann ich nicht beurteilen.
Zu einem Teil kann ich ihn auch verstehen. Vermutlich ist dein Verhältnis zu deiner Familie - so wie du es schilderst, ist es extrem problembeladen und hat dein Verhalten unmäßig beeinflusst. Das ist für einen Partner schwer auszuhalten, wenn es für ihn nicht nachvollziehbar ist, warum du das mitmachst.
Erkenne deine Anteile. Es hilft dir in der Zukunft, egal wie es jetzt mit dem KV weitergeht.