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Gast

  • #1

Berufliche Rehabiliation

Seit ein paar Monaten stehe ich in Kontakt zu einem Mann, Anfang 50, mit dem ich mich ein paar Mal getroffen habe. Während unserer Gespräche entdecke ich immer wieder, dass er sich in Widersprüche verwickelt. Mich würde u.a. interessieren, wie es um seine weitere berufliche Zukunft steht, da er zur Zeit ALG2 bezieht. Da kommen dann immer so Antworten, dass er sich bald in einer beruflichen Rehabilitation befinden wird. Genaueres ist noch nicht bekannt. Falls dies nicht klappt, würde er sich "mal eben (wird ja nicht so einfach sein) einen Job suchen". Ich frage mich nur, warum er nicht jetzt schon eine Arbeit sucht - unabhängig davon, ob die Reha genehmigt wird oder nicht? Mir kommt dieses Ausweichen auf meine Fragen schon etwas merkwürdig vor. Ich habe ihm auch Hilfe beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen angeboten, die er nicht braucht.
Vermutlich hat er sich auf HartzIV-Niveau eingerichtet und gar keine Lust zu arbeiten. Wer hat ähnliche Erfahrungen mit "Rehabilitanten"?
 
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Gast

  • #2
Ich habe beruflich mit solchen Männern zu tun. Das liest sich nach Sucht-Problematik und ich kann dir nur sagen, dass es ein Mann in dem Alter kaum schafft, von H4 wieder weg zu kommen. Was habe ich schon alles für Reden schwingen hören und was ist passiert? Nichts.

Du musst wissen, was du willst....

w 49
 
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Gast

  • #3
So richtig kann man da nichts sagen, weil keiner die Umstände kennt, das kann Sucht sein, Burnout oder vielleicht verschweigt er dir noch eine schwere körperliche Krankheit. Vielleicht kämpft er damit, sich selbst klarzumachen, dass er nicht mehr so viel wie früher arbeiten kann.
Darüber solltest du mit ihm reden, weniger mit uns. Es geht doch darum, daß ihr gleiche Lebensziele habt und (ggf. einander ergänzend) in einer Beziehung für euch sorgen könnt und wollt.
Wenn du absolute finanzielle Augenhöhe oder gar einen Versorger willst, wäre ich vorsichtig. Mit 50 kommt man nicht mehr so einfach aus einer Krise auf die Beine bzw. will auch nicht mehr so weitermachen wie früher.
Wenn du für dich selbst aufkommen kannst und eher einen bescheidenen Lebensstil hast, fände ich es kein Problem.
 
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Gast

  • #4
Ich kenne ihn ja nicht und will deshalb jede Spekulation beiseite lassen.
Allerdings kenne ich andere Fälle, wo Männer um die 50 bereits auf die Frührente hinarbeiten und eigentlich gar keine Ambitionen mehr zur Arbeit haben. Solche Maßnahmen wie Reha usw. könnten als Überbrückung der Zeit bis dahin dienen...
 
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Gast

  • #5
Hallo liebe FS,

ich habe beruflich mit H4 und auch Rehabilitanden zu tun, kann dir daher ganz gut beschreiben, was da demnächst wahrscheinlich passiert:

1. Viele Jobcenter gehen inzwischen dazu über ihre wirklich harten Langzeitarbeitslosenfälle mal etwas genauer zu betrachten und zu fragen sich: "wir haben Bewerbungstraining, wir haben Fortbildungen, wir haben Eingliederungshilfen an Arbeitgeber... warum ist dieser Typ immer noch nicht in Arbeit? Was ist das Problem?" Es gibt schon Gründe, warum das so sein kann. Die allermeisten Leute jedoch, die im Grunde keinen Bock haben, sagen irgendwann - und zwar weil sie es in diesem Augenblick auch glauben - sie KÖNNEN in ihrem Beruf nicht mehr arbeiten. Wenn sie aus fachlichen Gründen nicht mehr können, fängt das Jobcenter sofort an mit Fortbildungsmaßnahmen (auf die diese Typen auch keinen Bock haben bzw. die ggf. noch mal mitnehmen, aber sich danach auch nicht weiter bewerben oder bemühen). Oder sie haben gesundheitliche Gründe (Psyche zählt übrigens dann auch mit zur Gesamtgesundheit). Dies prüft das Jobcenter dann anhand von Gutachtern. Und sollte ein Gutachter sagen, dass in dem letzten Beruf oder erlernten Beruf tatsächlich nicht mehr gearbeitet werden, dann heißt es REHA!!!! Yippie... Das Jobcenter ist dann aus der Nummer raus, knallt dem Kunden einen Reha-Antrag vor die Nase und zuständig für die Durchführung einer beruflichen Reha ist dann meist die Deutsche Rentenversicherung. Und die lässt sich bei der Bearbeitung erst einmal Zeit... und Zeit... und Zeit... nach 6-12 Monaten hast du dann mal als Kunde eine Antwort.

2. Berufliche Reha kann aber auch vieles heißen: entweder man bekommt eine Umschulung (je nachdem, was der Arzt auch empfiehlt - man darf ja jetzt laut Gutachter auch nicht mehr jede Art von Arbeit ausüben) oder man bekommt lediglich Eingliederungshilfen für Arbeitgeber zugesagt. Beides läuft da unter dem Begriff berufliche Reha. Und nun rate mal, wofür sie die Rentenkasse entscheiden wird bei einem über 50Jährigen wahrscheinlich langzeitarbeitlosen und unmotiviertem H4-Empfänger... na? Geben wir für den etwa ca. 100.000 für eine 2-3 jährige Umschulung mit Übergangsgeldanspruch/ Fahrgeld/ usw. aus oder.... geben wir dem einen Bescheid an die Hand, dass Arbeitgeber, die ihn einstellen und selbst schulen/ einarbeiten, dann eine Förderung erhalten?!

Lass die Finger von dem Mann, wenn du das Gefühl hast, dass er rumeiert und sich nicht konkret zu seinen Plänen/ Zielen äußert. Wahrscheinlich hat er - wie leider sehr viele - einfach keinen Plan und macht sich nun mit einer "ooooohhhh - beruflichen Reha!!!!" sehr wichtig ohne überhaupt einen Plan zu haben. Frag ihn doch mal, als was er umschulen würde...
 
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Gast

  • #6
Schwierig.

Mit Anfang 50 nochmal beruflich Fuss zu fassen ist sicherlich nicht leicht und ob das Dein bekannter überhaupt will, ist fraglich.

Ausserdem spricht seine Unentschlossenheit bzw. Widersprüchlichkeit dagegen. Er wird wohl in seinem frühreren Beruf nicht mehr unterkommen oder hat er ein gesundheitliches Problem? Der Begriff "Reha" ist m.E. nicht klar definiert und kann alles Mögliche bedeuten. Umschulung, Eingliederungskurse, Prakitka usw.

Wenn Dir es aber nichts ausmacht, einen Mann mit einem sehr bescheidenen Lebensstil an Deiner Seite zu wissen, sehe ich da kein Problem.

Selbstverständlich wird ihm die Situation etwas peinlich sein, deshalb verschleiert er wohl ein wenig die Tatsachen vllt. hat er ja davor ein wenig "geschludert" und jetzt scheint der Zug wohl fast schon abgefahren zu sein und/oder das Jobcenter macht ihm jetzt gewaltig Druck.

w
 
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Gast

  • #7
Liebe FS

Er hat offenbar ein ernstes persönliches Problem und kann sich nicht klar positionieren. Seine unklaren Aussagen, seine Widersprüche sind für mich das Spiegelbild davon. Wahrscheinlich kann oder will er in seinem bisherigen Job nicht mehr arbeiten und möchte bzw. muss etwas Neues machen. Aber statt sich das offen einzugestehen, eiert er und eiert...Reha als Kurzfrist-Lösung, um nicht in Harz4 zu fallen.

Wenn er in dir eine echte Partnerin oder Freundin sieht, dann wird er dir gegenüber offen sein und offen über seine Sorgen und Ängste sprechen. Es kann bei Widersprüchen bleiben, die ihm ev. selbst nicht bewusst sind. Thematisiere sie konkret wenn du ihm helfen willst und sage ihm das auch. Wenn er nicht aufmacht, vergiss ihn. Du machst dich nur sinnlos kaputt.
 
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Gast

  • #8
Hier ist die FS.
An alle:
Vielen Dank für Eure Antworten.
Durch den Beitrag von Gast #4 habe ich so eine Art Bestätigung meiner Beobachtungen erhalten. Ich denke, dass es so auch bei meinem Bekannten abläuft. Danke, dass Du mir berichtet hast, wie in den Jobcentern und bei der Rentenversicherung mit diesen "Fällen" umgegangen bzw. gearbeitet wird.
In die berufliche Reha wird von ihm alles mögliche (u.a. Warten auf den Traumjob) hineininterpretiert - einen Plan hat er überhaupt nicht.
Ich habe nachgebohrt und mitbekommen, dass er seit ca. 6 bis 7 Jahren arbeitslos ist. Eine Suchtkrankheit spielt auch eine Rolle dabei. Zu dieser Problematik gab es schon eine medizinische Reha. Auf meine Fragen, warum er sich nicht jetzt schon um eine Arbeit bemüht bzw. Kontakt zu Firmen aufnimmt, kommen ausweichende Antworten und Ablenkungsmanöver. Ich denke, dass er, bei guter Qualifikation in seinem Beruf, wirklich keine Lust auf die Aufnahme einer Arbeit hat. Das Geld, auch wenn es wenig ist, kommt ja auch so. Wenn es denn mal richtig kalt und eng mit den Heizkosten wird, lässt man sich in eine Klinik einweisen, weil man es ja mit der Psyche hat. Oder man geht auf Partnersuche, um über die Mitleidstour eingeladen bzw. versorgt zu werden.