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Lena_34

  • #1

Aus der Sicht der "Geiger"

Liebe Community,

In so vielen Beiträgen kommt die Konstellation Ehefrau-Geliebte-Geiger zur Sprache. Und die Geschichten ähneln sich sehr. Meistens ist da ein Mann in der Midlife Crisis, eine (jüngere?) Geliebte (die sich Hoffnungen macht oder auch nicht) und eine (angeblich kalte und abweisende) Ehefrau (die oft nichts davon weiß, wie kaputt ihre Ehe sein soll... oder es nicht wissen will). Es ist auch nicht immer so, dass der Geiger mit der Geliebten schläft. Manchmal ist es "nur" ein Flirt und die Single-Frau verliebt sich.
Selten kommen Geiger und Geliebte wirklich zusammen und stellen dann nach einiger Zeit fest, dass diese Beziehung nun auch nicht das Gelbe vom Ei ist. Viel häufiger ist es jedoch so, dass der Mann sich nicht von seiner Ehefrau trennt. Im Endeffekt leidet die Geliebte (sowieso) und die Ehefrau vielleicht auch, wenn's denn auffliegt.

Mich würde an dieser Stelle aber die Situation der Geiger interessieren. Ob aus eigenem Erleben oder vom Hören-Sagen: Wie geht es einem Mann, der eine Affäre hatte, die z.B. aufgeflogen ist und der sich dann für seine Ehe entschieden hat? Oder dessen Geliebte Druck gemacht hat und er nicht den Mut hatte, sich aus seiner Ehe zu lösen? Oder auch nur einer, der sich einen heißen Flirt mit einer Frau leistet, die sich sogar in ihn verliebt, während er kalte Füsse bekommt? Ich vermute, dass neben dem Begehren und den Ego-Streicheleinheiten wegen dem Begehrtwerden irgendwo der Gedanke "wie wäre es wohl, wenn ich es wage? wie wäre wohl ein ganz anderes Leben?" mitschwingt (auch wenn er völlig theoretisch ist).

Wie geht es einem Mann, nachdem er sich selber eingestanden hat, dass das nur ein Gedankenspiel war, das er nie in die Tat umsetzen wird und dass sein Leben (wohl bis zum Grab) in geordneten Bahnen verlaufen wird? Fühlt man(n) sich erleichtert, weil man der Versuchung widerstanden hat? Oder trauert man der Sache hinterher? Fühlt man sich aufgewertet oder im Gegenteil als Versager?

Diese Frage richtet sich vor allem an Männer, die mal "Geiger" waren, aber auch an alle, die solche Geiger kennen oder kannten.

P.S.: Hintergrund meiner Frage ist ein Gespräch mit einem Ehemann, der über ein Jahr eine Affäre hatte.
 
  • #2
Mich würde an dieser Stelle aber die Situation der Geiger interessieren. Ob aus eigenem Erleben oder vom Hören-Sagen: Wie geht es einem Mann, der eine Affäre hatte, die z.B. aufgeflogen ist und der sich dann für seine Ehe entschieden hat? Oder dessen Geliebte Druck gemacht hat und er nicht den Mut hatte, sich aus seiner Ehe zu lösen? Oder auch nur einer, der sich einen heißen Flirt mit einer Frau leistet, die sich sogar in ihn verliebt, während er kalte Füsse bekommt?
Ich merkte, dass meine Partnerin die für mich besten Eigenschaften hat und war einfach nur unfassbar froh, diese Versteckspielchen und das Doppelleben loszuwerden.An die Frauen denke ich nur ganz selten mal. Weiß nichtmal mehr ihre Namen.
Fazit: Nie wieder.
 
  • #3
@Lena_34 was hat dir der Mann dazu erzählt? Warum verliess er seine Frau nicht, obwohl er eine Affäre hatte? Wie hat er sich selbst dabei gefühlt? Als Versager oder starker Mann?

Viele verheiratete Männer lügen, denn entweder ist 1) ihre Ehe gar nicht so schlecht und beide haben ab und zu Sex 1x im Monat aber er hätte gerne mehr oder 2) er hat die Lösung für den sexuellen Notstand gefunden: den Sex ausgelagert und sich selbst innerlich entfremdet und selbst betrogen, um ein neues, schöneres, aufrichtiges Leben.

Abgesehen davon hätten sie finanziell viel mehr zu verlieren, wenn noch Kinder vorhanden sind. Ansonsten würden sich die Männer vielleicht trennen, wenn es anders wäre und sie nicht viel bluten müssten.

Und das tun vor allem wohlhabende Männer (Milionäre), die sich das locker leisten können wie z.B. Donald Trump, der schon zum dritten Mal verheiratet ist und mit allen Frauen Kinder hat.
 
  • #4
Kurze Rückfrage an die FS:
Woher kommt die Bezeichnung "Geiger" für Männer wie "D-RAN"?
Ich habe das noch nie gehört...
 
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Lena_34

  • #5
Hallo!

Danke für die bisherigen Antworten.

Kurz zum Hintergrund meiner Frage: Ich habe mich mit dem Mann nur unterhalten. Es läuft nichts und wird auch nichts laufen.

Er ist Mitte 30, verheiratet, 2 noch relativ junge Kinder. In der Ehe läuft es nicht mehr. Sonst hat er nichts genaues erzählt, auch nichts Schlechtes über seine Frau.

Er hat in der Firma eine junge Frau (Mitte 20) kennengelernt und mit ihr eine Affäre gehabt. Erst nur Sex, dann harmonierte es aber so gut, dass beiderseits Gefühle aufkamen. Sie wollte, dass er sich trennt. Er entschied sich dagegen, angeblich aus Verantwortungsbewusstsein. Seine Affäre trennte sich von ihm und hat nun einen Freund. Seine Frau weiß von nichts.

Und er ist wieder in seinem Ehetrott und bereut seine Entscheidung (bei ihr hat er keine Chance mehr).

Das hat mich eben auf die Frage gebracht.

@#1
Warum hast du deine Partnerin mit diesen "namenlosen" Frauen betrogen?
 
W

wahlmünchner

  • #6
2 meiner Freundinnen haben Väter, die Geliebte hatten/ haben:
Fall1: sehr früh geheiratet, Kinder. Seine Eltern von denen er sich nie emotional gelöst hatte im Haus.
Mit der Ehefrau viele gemeinsame Hobbys, Sex 2 mal die Woche..
Trotzdem erste Affäre als die Kinder auszogen : 3 Jahre.
Er zog dann aus zu der affaire, kehrte nach 6 Monaten reuig zurück, weil er bei der eigenen Ehefrau " freier und mehr er selbst" bleiben durfte.
Es folgten 2 weitere Affairen. Letztendlich war es immer so, dass er gerne wieder zu seiner Frau zurück ging und richtig neu um sie warb. Er starb erst an Krebs.. Und ja: ihn hat das alles sehr mitgenommen.( negativ)
Fall 2:
Er ist ein liebender, zärtlicher Vater und total aufmerksamer Ehemann, will aber nicht auf das Gefühl des immer wieder frisch Verliebtseins verzichten. Viele kurzaffairen, von denen die Frau weiß und es schweigend duldet.
Sagt seiner Tochter : ich liebe nur deine Mutter, die anderen sind nur Hobby.
 
  • #7
@#1
Warum hast du deine Partnerin mit diesen "namenlosen" Frauen betrogen?
Sie waren jung (ca. 15 Jahre jünger), schön und beide wollten mich.
Mit meiner Partnerin gab es meistens Ärger.
Ärger, wie ich ihn in keiner Beziehung zuvor kennengelernt hatte.
Ich hatte mich wohl auch sehr verliebt, behielt den Kopf aber knapp über Wasser und konnte am Ende ein rationale Entscheidung treffen. .
 
  • #8
Du willst das wahrscheinlich so nicht hören aber:

Ich bin 36 im Nachhinein bereue ich eher, was ich nicht getan habe und wo ich Gelegenheiten ausgelassen habe.

Denn irgendwann kommt man auf den Gedanken, dass sich die Gelegenheiten zu Sex und Romantik mit jungen Frauen nur in dieser Form bieten, solange man jung ist. Und wenn man es dann nicht ausgekostet hat, weil man treu und anständig bleiben wollte, dann kann einem das ziemlich lange nachhängen. Dann denkt man noch viele Jahre später "wie wäre es wohl gewesen" und "Hätte ich doch nur...".

Irgendwann sind wir dann alt und grau und dann fragen wir uns, ob wir das Leben wirklich in vollen Zügen ausgekostet haben.
 
  • #9
Menschen sind individuell, die Gründe oder die Entscheidung für eine Affäre sind manchmal recht banal und manchmal vielschichtig. Und so wie sie sich verschiedentlich auf die Affäre eingelassen haben, so fühlen sich die Beteiligten unterschiedlich dabei. Manche haben Schuldgefühle und sind innerlich zerissen, andere fühlen rein gar nichts. Manche Männer respektieren ihre Geliebte, manchen bedeutet diese überhaupt nichts.

Allen gemeinsam ist nur, es ist eine bewusste Entscheidung. Ein "Vertrag" zwischen zwei Menschen, im bewussten Willen dazu.

Wie bei jedem Vertrag, den ich eingehen zu beabsichtige, kann ich mir im Vorfeld Informationen beschaffen, recherchieren, genau die Angaben prüfen, bei Bedarf nachfagen und im Ergebnis es lassen oder zustimmen. Einer von beiden muss das Angebot einer Affäre ausgesprochen und sein Gegenüber sich mit den Bedingungen zufrieden und einverstanden erklärt haben.

Und wie es dem Geiger geht, wenn die Geschichte aufgeflogen ist: meist als hätte man einem Kleinkind, sein Spielzeug weggenommen. Er vermisst dieses nicht wirklich, doch jammert und trotzt er ein wenig. Er das arme Opfer, die böse Geliebte bzw. Ehefrau, keiner der ihn versteht...wie ich verletztes Kind, was Trost sucht.

Eine Affäre ist egoistisch. Man gönnt sich etwas zusätzlich, was man seinem (Ehe-)Partner verbietet.
 
  • #10
"Wie wäre es wohl, wenn ich es wage?" Nein, das sind höchstens vereinzelte Seitensprünge in jungen Jahren.

Abgebrühte Fremdgeher haben eine lange Karriere hinter sich.
Die Geliebte ist nicht immer jünger, frischer, schöner! Ich kenne viele Affäremänner, die sich mit sehr viel älteren Frauen (10 - 30 jahre) ausprobieren, gerade, wenn der Affäremann und seine Frau/Freundin noch sehr jung sind. Im Bekanntenkreis hatte ich auch lauter Affäremänner, die extrem schöne Frauen daheim haben, aber mit grenzwertigen, verkommenen, dreckigen oder psychisch kranken und wehrlosen Frauen fremdgingen, die einfach das Gegenteil von dem Versprechen, was sie daheim haben. Mit Midlife-Crisis hat das nichts zu tun.

Die Fremdgehenden Männer haben die Frauen schon vor der Ehe betrogen und sind meist 1-2 Tage nach der Hochzeit schon wieder fremdgegangen und haben sogar noch unter dem Hochzeitstisch fremdgefummelt. Die Männer haben meist geheiratet, weil Kinder da sind und sie die Rechte am eigenen Kind nicht verlieren wollen, plus Druck und Drängungen von beiden Familien im Elternhaus.

Mein Tipp wäre: Als Frau endlich die Augen zu öffnen. Nur weil ein Mann bei dir bleibt und dich heiratet, bedeutet das gar nichts! Er kann sich nach seinem Gusto weiterhin draußen ausleben und fremdgehen, ein Eheschein hindert ihn nicht daran!
 
  • #11
Wie geht es einem Mann, nachdem er sich selber eingestanden hat, dass das nur ein Gedankenspiel war, das er nie in die Tat umsetzen wird und dass sein Leben (wohl bis zum Grab) in geordneten Bahnen verlaufen wird? Fühlt man(n) sich erleichtert, weil man der Versuchung widerstanden hat? Oder trauert man der Sache hinterher? Fühlt man sich aufgewertet oder im Gegenteil als Versager?
Moin,

eine ganz interessante, in sich verschlungene Frage.

Erstmal ist man(n) tendenziell "seriell monogam" - das heißt, eine reine Affäre ist nicht rundum befriedigend. Das Ziel ist, ganz und nur mit der Frau zusammen zu sein, die man liebt. Insofern haftet Männern, die Affären über längere Zeit "pflegen", ohne etwas gegen diesen unbefriedigenden Zustand zu tun, immer etwas "Unehrliches" an, vor allem sind sie mit sich selbst nicht ehrlich.

Dann ist es etwas armselig, Beziehungen als eine Art "Hobby" zu betreiben... in Wirklichkeit bedeutet das, dass derjenige mit sich nicht viel anderes anzufangen weiß, sich in erster Linie über Erfolge beim anderen Geschlecht definieren muss... eine Macke, ein Defizit in der Persönlichkeit. Das merken auch andere Männer, sie bewundern oder beneiden so jemanden eher nicht.

Die Frage nach "verpassten Chancen" oder "alternativen Lebensentwürfen"... ja, das kann schon tiefer gehen. "Was wäre gewesen, wenn...", so etwas beschäftigt einen, zugegeben. Aber das ist so ähnlich wie z.B. die Frage, ob man hätte auswandern, einen ganz anderen Beruf ergreifen etc. sollen.... man kann eben nicht alles haben und machen - diese Weisheit muss man einfach mit der Zeit erwerben. Aber die Zeit für einen echten Wechsel ist sicher die Mitte des Lebens, klar.

Dann die Frage, ob es Männer gibt, die mit großem Bedauern so einen Wechsel einfach nicht hinbekommen, und aus allgemeinem Sicherheitsbedürfnis, Trägheit etc. einfach "ewig" in einer Art Resignation mit ihrer alten, unglücklichen Beziehung verharren. Finde ich zwar gruslig, aber gibt es sicher. Das sind für mich die traurigen Typen, die sich komplett "fallen lassen", sich unangenehm zu ihrer Partnerin verhalten und in ihrem Leben den Bereich "glückliche Beziehung" offenbar ad acta gelegt haben.

Schließlich die Frage, ob man(n) sich generell durch Affären "aufgewertet" fühlt... ja, natürlich, irgendwie schon. Gewissermaßen das Gegenteil von "Korb bekommen".

manchmal
 
W

wahlmünchner

  • #12
Du willst das wahrscheinlich so nicht hören aber:

Ich bin 36 im Nachhinein bereue ich eher, was ich nicht getan habe und wo ich Gelegenheiten ausgelassen habe

Irgendwann sind wir dann alt und grau und dann fragen wir uns, ob wir das Leben wirklich in vollen Zügen ausgekostet haben.
Dann sollte man Single sein mit allen vor und Nachteilen. So einfach ist das
 
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Lena_34

  • #13
Hier die FS. Vielen Dank für die bisherigen Antworten.

Es geht mir nicht um die moralische Beurteilung des Fremdgehens, sondern wirklich darum, wie der (potenzielle) Fremdgänger sich fühlt, wenn er sich (ob nun 5 vor 12 oder 5 nach 12) dagegen entschieden hat und evtl. welchen Einfluss das auf die bestehende Beziehung hat.

@ # 7

Ich finde das, was du schreibst, sehr menschlich und nachvollziehbar.

Ich selber bin nie fremdgegangen, weil ich nie in einer Situation war, wo mich das gereizt hätte. Drogen, Alkohol, Bugeejumping, die Auswanderung nach Puerto Rico, die Besteigung des Mount Everest, ein Ganzkörpertattoo u.a. haben mich ebenfalls noch nie gereizt und wurden deswegen ebenfalls nicht in Angriff genommen :)
Bei anderen Dingen (ob beruflich oder privat) habe ich jedoch immer aus dem Bauch heraus entschieden, ungeachtet des Risikos. So habe ich mir auch diverse psychische und physische Schrammen geholt. Aber ich bereue nichts. Es gibt in meinem Leben nichts, was ich gern gemacht hätte und aus Vernunftsgründen gelassen habe. Deswegen frage ich mich ja, wie sich Leute fühlen, die da anders handeln. Ich denke auch, dass die Sexualität uns Menschen besonders tief trifft (vermutlich tiefer als die Frage der Berufswahl oder einer Auswanderung).
Es mag ja besonders abgestumpfte Exemplare geben, denen es nur um die Triebabfuhr geht, aber ansonsten habe ich den Eindruck, dass diese Geliebte-Geiger-Geschichten oft etwas mehr sind. Da ist wieder die Aufregung, das Ungewisse, das Neue, die Sorge, abgelehnt zu werden, die Freude, wenn man angenommen und gewollt wird, vielleicht der eine oder andere Schmetterling, neue Haut, die Bestätigung ... Wie ist es, wenn man darauf verzichtet, um z.B. vernünftig zu sein/die Finanzen zu schonen/das Bestehende nicht zu gefährden?
 
L

Lena_34

  • #14
Und dann noch meine Erfahrung:

Ich war gerade frisch getrennt als ich einen Mann kennenlernte, der mich anfangs nicht interessierte. Zu alt, nicht mein Typ und verheiratet. Ich hätte ihn nicht weiter beachtet, hätte er sich nicht um mich bemüht, und das in einer Weise, die bei mir ins Schwarze getroffen hat. Er hat es im Leben sehr weit gebracht, was ohne eine gehörige Portion Mut und Disziplin nicht möglich gewesen wäre.
Er hatte sich in den letzten 15 Jahren extrem auf seine Familie und vor allem auf seine Karriere fokussiert. Karrieremässig ist er wohl am Ziel angekommen und konnte sich leisten, die Zügel etwas lockerer zu lassen. Er fand auch Zeit und Kraft, mehr für sein Äußeres zu tun und wollte auch wieder an seine sportlichen Erfolge aus jüngeren Jahren anknüpfen bzw. war schon auf dem Weg dazu.

Ihn schien an mir meine Jugend zu faszinieren und auch mein Mut, nicht in meiner unglücklichen Ehe zu verharren und ein "neues Leben" zu beginnen. Über Monate wurde unsere Beziehung zunehmend enger. Es war auch viel sexuelle Spannung da.

Irgendwann sprachen wir uns aus. Ich sagte, dass ich mir mehr vorstellen könnte, auch ohne seine Ehe zu gefährden. Er war wahnsinnig berührt, sagte aber, dass er Angst hat, dass das auffliegt, weil ihm das finanziell und beruflich den Hals brechen würde. Ab da hat sich unsere Beziehung verändert. Er sprach wesentlich offener mit mir, gab Schwäche zu, Selbstzweifel, massive Probleme in der Ehe. Mir gegenüber wurde er zunehmend nervöser, schusseliger. Teilweise hatte ich den Eindruck, dass er sich, sobald ich irgendwie in der Nähe war, überhaupt nicht mehr in Griff hatte.
Es gab ein ziemliches hin und her. Aber körperlich ist nicht viel gelaufen. Er sagte irgendwann, er sei gerade von allen Seiten unter Druck. Daraufhin habe ich mich zurückgezogen. Nach einer Weile kam er dann von selbst auf mich zu und erklärte, dass er das Risiko nicht eingehen möchte. Auch seine sportlichen Ziele, die ihm so sehr am Herzen lagen, hat er aufgegeben.

Seitdem sind Monate vergangen. Wir haben keinen Kontakt mehr, sind uns nur einmal zufällig bei der Arbeit begegnet, wobei er sichtbar nervös war und sich alles andere als souverän verhielt.

Ich frage mich, wie es ihm wohl mit der Entscheidung geht, zumal er schon lange keine Mitte 30 mehr ist und seine Lebensumstände so sind, dass er eher wenige Chancen hat, an jüngere Frauen, die ihn auch noch toll finden, zu kommen.
 
  • #15
Diese Frage ist sehr interessant, und noch brisanter: Was ist, wenn eine Affäre schon seit Jahren geht, und der "Geiger" sich nun zu öffnen beginnt, eifersüchtig ist, Worte wie Liebe sagt aber immer noch dabei bleibt, dass es nur um Sex geht? Kann man das wirklich noch ernst nehmen oder schwindelt sich so ein Mann selbst in die Tasche oder hat einfach zu wenig Mumm?
 
  • #16
Irgendwann sind wir dann alt und grau und dann fragen wir uns, ob wir das Leben wirklich in vollen Zügen ausgekostet haben.
....man könnte immer darüber nachsinnen, wenn man nicht begriffen hat, dass *volle Züge* auch schnell entgleisen können. Ob du wirklich was verpasst hast, das ist die Frage.
Treu sein zu können und zu wollen, setzt voraus, dass man sich selber treu und mit sich im Reinen ist. Die Leere die du spürst, hast du dir selber erschaffen, da hätten Affären auch längerfristig nichts ausrichten können. Mir ist in meinem langen Leben noch kein Mensch begegnet, der sein Leben zwar in vollen Zügen ausgekostet hat, aber leer und verbrannt ist, statt zufrieden und glücklich.
Ich bin erst wieder seit vier Jahren in meiner Heimatstadt und teilweise sehr erschrocken über die Begegnungen und Sichtungen von den Menschen, die zu früheren Zeiten schon alles mitnahmen, was sie kriegen konnten. Sie tragen säckeweise verbrannte Erde mit sich rum.
 
  • #17
Ich hatte zwei Beziehungen während meiner Ehe. Beide passen gar nicht in das vermeintlich bestehende Schema. Meine Exfrau habe ich definitiv nie geliebt, sondern aus einer Affäre wurde wegen sofortiger Schwangerschaft eben die Ehe. Machte man vor zwanzig Jahren so.
Schon in den ersten Jahren nach der Heirat habe ich mich bis über beide Ohren verliebt. Sie war etwas älter als ich und deutlich älter als meine Frau und geschieden. Jeder, der uns näher stand, hat von unserer Beziehung gewusst, auch meine Exfrau, und ich habe nach Wegen gesucht. Die Angst vor dem Verlust meines Kindes hat mich lange zögern lassen. Schließlich hat meine Geliebte mich für einen anderen Mann verlassen. Sie hat ihn geheiratet und ist immer noch mit ihm verheiratet. Ob glücklich, weiß ich nicht. Ich bin auch verheiratet geblieben und habe Jahre lang täglich an sie gedacht und mir Vorwürfe gemacht, dass ich keine Eier hatte.
Zehn Jahre danach habe ich meine Jugendliebe, zu der ich von Zeit zu Zeit immer wieder freundschaftlichen Kontakt aufgenommen habe, häufiger gesehen und wir haben uns gestanden, dass es immer noch oder wieder Gefühle gab. Sie lebte getrennt, meine Frau und ich hatten getrennte Schlafzimmer. Wir hatten eine längere Beziehung, von der wieder jeder wusste, der uns näher stand, einschließlich meiner Exfrau, die nach eigenen Worten "das Feld nicht räumen" wollte. Wieder habe ich mit mir gekämpft, wieder hatte ich Angst, mein Kind zu verlieren, zu dem Zeitpunkt auch (ohne jede Übertreibung) um meine wirtschaftliche Existenz. Trotzdem bin ich von einem Moment auf den nächsten zuhause ausgezogen, habe mich scheiden lassen und sofort geheiratet. Es war richtig, hätte es aber sofort tun sollen. Das ist mir jeden Tag klar. Es ist kein Hochgefühl, zwischen zwei Frauen zu stehen, der einen, die man liebt und der anderen, von der man nicht weiß, wie man sie ohne Totalschaden loswerden soll. Es stresst ungemein. Die verlogenen Szenen zuhause, die Angst, die Geliebte - die übrigens auch etwas älter als meine Exfrau ist - an einen schon freien Mann zu verlieren.
 
M

Meeresrauschen

  • #18
Ich denke genauso wie die FS "ihren Mann" beschreibt (nervös, unsicher) verhält sich ein Mann, der wirklich Gefühle hat und im Zwiespalt ist. Sie hat ihn als Person berührt und er hat nicht bloß sexuelles Interesse, aber er steht nicht zu seinen Bedürfnissen. Druck machen wäre hier völlig falsch.

Es ist kein Hochgefühl, zwischen zwei Frauen zu stehen, der einen, die man liebt und der anderen, von der man nicht weiß, wie man sie ohne Totalschaden loswerden soll. Es stresst ungemein. Die verlogenen Szenen zuhause, die Angst, die Geliebte - die übrigens auch etwas älter als meine Exfrau ist - an einen schon freien Mann zu verlieren.
Ich glaube auch, dass charakterstarke Männer wirklich so empfinden und sehr leiden, wenn sie die andere Frau als 1. Person und 2. sexuell verehren und sie gerne in ihrem Leben als Partnerin hätten. So ein Mann reagiert nicht locker wie Prince Charming wenn er die "Geliebte" sieht, sondern er wägt permanent ab, was er tun soll und wie er am besten aus der Nummer rauskommt ohne alles (Kinder,Haus, Existenz) zu verlieren. Das ist Stress.
Männer, die nur eine sexuelle Abwechslung bei der "Geliebten" suchen haben sicher nicht diesen Leidensdruck. Sie gehen entspannt zur Frau nach Hause und leben ihr gewohntes Leben weiter.
 
N

nachdenkliche

  • #19
  • #20
Erstmal ist man(n) tendenziell "seriell monogam" - das heißt, eine reine Affäre ist nicht rundum befriedigend. Das Ziel ist, ganz und nur mit der Frau zusammen zu sein, die man liebt. Insofern haftet Männern, die Affären über längere Zeit "pflegen", ohne etwas gegen diesen unbefriedigenden Zustand zu tun, immer etwas "Unehrliches" an, vor allem sind sie mit sich selbst nicht ehrlich.
Das ist eine verallgemeinernde Aussage, die ganz sicher nicht auf jeden zutrifft. Hört sich eher nach einer romantischen Vorstellung an, es soll einfach so sein, wie man selbst es sich wünscht. In Wahrheit gibt es Fremdgeher, die da durchaus ganz zufrieden mit sind. Und nicht alle sind in einer schlechten Ehe - mitnichten. Der Mann meiner Freundin sagt von sich, dass er öfter mal "neue Schmetterlinge" im Bauch braucht, ihn nur den Reiz des Neuen richtig anmacht. Meine Freundin hat da übrigens kein Problem mit, sie macht sogar das, was laleila (glaub ich) in einem anderen Thread beschrieben hat und irgendjemand es als "Affärenmanagement" betitelt hat. Von anderen Männern habe ich gehört, dass sie einfach zuhause gewisse Bedürfnisse nicht erfüllt bekommen. Nicht nur sexuell (sicher auch), sondern viele sagten, dass sie das Gefühl vermissen, dass ihre Frau für sie DIE Frau sein will, also sprich sich und die Beziehung pflegt. Und mein Mann hält es auf meine Initiative hin ein bisschen wie #7; er würde die verpassten Dinge bereuen, vielleicht irgendwann. Er hat schon lange eine sexuelle Vorstellung, nämlich mal bei einem professionellen G...b..g zuzuschauen, aber will da seit Jahren partout nicht hin, weil er Angst hat, es gefährdet unsere Beziehung, auch, weil es ihm zu "unanständig" vorkommt. Ich bin der Meinung, er bereut es irgendwann verzichtet zu haben und am kommenden Wochenende geht´s endlich los.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
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Lena_34

  • #21
Zum Begriff "Geiger": Ich denke, das kommt daher, dass die Geliebte die 2. Geige sein soll, die Ehefrau somit die 1. Und der Ehemann ist daher der Geiger :)
 
  • #22
Ich denke, der Begriff Geiger bedeutet, dass man die verschiedenen Seiten bedienen muss, zumindest habe ich mich so gefühlt. Zerrissen, angespannt, überfordert.
 
  • #23
Mich würde an dieser Stelle aber die Situation der Geiger interessieren.
Wie geht es einem Mann, nachdem er sich selber eingestanden hat, dass das nur ein Gedankenspiel war, das er nie in die Tat umsetzen wird und dass sein Leben (wohl bis zum Grab) in geordneten Bahnen verlaufen wird? Fühlt man(n) sich erleichtert, weil man der Versuchung widerstanden hat? Oder trauert man der Sache hinterher?
Ich denke, dass es Gefühle sind wie bei jeder anderen Entscheidung im Leben auch , wenn man zwischen mehreren Möglichkeiten abwägen muss. Je nach Typ entscheidet man sich und lebt gut damit oder man hadert damit, "was wäre wenn", "hätte,hätte, Fahrradkette". Ist einfach eine Sache des persönlichen Charakters, wie gut man seinem eigenen Urteilsvermögen traut.
 
  • #24
Und mein Mann hält es auf meine Initiative hin ein bisschen wie #7; er würde die verpassten Dinge bereuen, vielleicht irgendwann. Er hat schon lange eine sexuelle Vorstellung, nämlich mal bei einem professionellen G...b..g zuzuschauen, aber will da seit Jahren partout nicht hin, weil er Angst hat, es gefährdet unsere Beziehung, auch, weil es ihm zu "unanständig" vorkommt. Ich bin der Meinung, er bereut es irgendwann verzichtet zu haben und am kommenden Wochenende geht´s endlich los.
Na, dann wünsche ich Dir mal, dass das nicht nur physisch, sondern auch emotional gut geht. (So unterscheiden sich die Menschen - für mich wäre das der k.o. beziehungstechnisch.)
 
O

oh ja

  • #25
Einmal wäre ich fast zum Geiger geworden...

Ich habe mich selbst über mich erschrocken und mich gefragt, wie es so weit kommen konnte... und mit meiner damaligen Frau darüber geredet.

Wir haben dann festgestellt, dass wir uns ganz arg von einander entfernt hatten...
 
  • #26
dass das nicht nur physisch, sondern auch emotional gut geht. (So unterscheiden sich die Menschen - für mich wäre das der k.o. beziehungstechnisch.)
Nun ja, so etwas sollte man ja nicht einfach mal als "Schnapsidee" tun. Das ist bei uns lange gewachsen, hat sich entwickelt und ich hätte mir das nicht nach zwei, drei oder fünf Jahren vorstellen können. Wir sind da sehr offen miteinander und ehrlich - ich finde das sehr gut, denn weder mein Mann hat die Notwendigkeit oder Motivation zum 'Geiger' zu werden noch würde ich das weibliche Pedant abgeben wollen. Auf der Grundlage von viel Liebe, Vertrauen, sehr vielen Jahren mit "Entwicklungsprozessen" und einem "in-sich-ruhen"-Gefühl hat sich einfach vieles Schöne geradezu ergeben. Vor zwanzig oder fünfzehn Jahren hätte ich es auch als Beziehungs-K.O. betrachtet, ich denke auch nicht, dass ich das mit einem neuen Partner könnte (den ich keinesfalls möchte), denn das musste echt lange lange wachsen, damit es sich für alle Beteiligten gut anfühlt.
 
L

Lena_34

  • #27
Sorry, aber die G...b...g-Geschichte weicht etwas vom Thema ab. Klar, es ist für Tulayas Mann halt auch so ein Traum, aber selbst wenn er das hinter ihrem Rücken durchziehen würde, würde er damit wohl noch lange nicht zum Geiger werden. Und zuschauen kann man bei sowas auch mit 80. Das rennt einem nicht davon.

Ich meine einfach die (vermutlich gar nicht so seltene) Situation, in der die Hauptbeziehung hier und da nicht mehr taufrisch ist, einem Dinge fehlen (muss nicht unbedingt Sex sein, vielleicht ja auch "nur" das Begehrtwerden und Schmetterlinge) und auf einmal jemand da ist, mit dem man das (wieder) erleben könnte. Ich denke auch mal, dass das den meisten, ob verpartnert oder Single, nicht alle paar Wochen passiert. Man entscheidet sich dagegen (sofern man da vernünftig genug ist) und lebt sein Leben weiter. Ich möchte ja vor allem Erfahrungsberichte, wie sich das auf das Leben und die Beziehung ausgewirkt hat.
 
  • #28
Magst du die Sicht einer Frau die fast eine Affaire begonnen hätte? Ich habe mich über mich selbst erschrocken. War verknallt in den einen Mann und liebe meinen langjährigen Ehemann. Zwei völlig unterschiedliche Gefühle die nebeneinander stehen konnten. Ich habe Angst vor meiner eigenen Courage bekommen. Und den Kontakt abgebrochen. Verknallt ist eben viel weniger als verliebt. Es hätte mir Spannung in den Alltag gebracht. Aber das war mir das Risiko auch nicht wert. Es eignet sich zum träumen. Aber seinen Partner echt zu betrügen scheint mir viel zu anstrengend und viel zu stressig und risikobehaftet... es sei denn Frau ist die Ehe egal. Also sehr froh das ich die Reissleine gezogen habe.. aber ab und an denk ich: oh was wäre wenn ich es gemacht hätte. .. oooojeee
 
  • #29
Von anderen Männern habe ich gehört, dass sie einfach zuhause gewisse Bedürfnisse nicht erfüllt bekommen. Nicht nur sexuell (sicher auch), sondern viele sagten, dass sie das Gefühl vermissen, dass ihre Frau für sie DIE Frau sein will, also sprich sich und die Beziehung pflegt.
...
Er hat schon lange eine sexuelle Vorstellung, nämlich mal bei einem professionellen G...b..g zuzuschauen, aber will da seit Jahren partout nicht hin, weil er Angst hat, es gefährdet unsere Beziehung, auch, weil es ihm zu "unanständig" vorkommt. Ich bin der Meinung, er bereut es irgendwann verzichtet zu haben und am kommenden Wochenende geht´s endlich los.
Ich frage mich was, das für Beziehungen sind, wenn man sich als Mann und Frau verloren hat und der Mann nicht das Gefühl hat der Mann für seine Frau zu sein und umgekehrt? Ist ihre Ehe zu einer Art Bruderchen-Schwesterchen Beziehung verkommen? Auch wenn Kinder da sind, sie haben ja nicht nur die Elternrolle, sondern sie spielen auch die Rolle als Ehemann und Ehefrau/Geliebter und Geliebte.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und deswegen bleiben sie zusammen aber in Wirklichkeit gibt es sehr viel Mangel in ihrer Ehe. Ein Datekandidat erzählte mir, was ihm die Ex sagte: "such dir eine Geliebte, ich mag kein Sex mehr!" Sie hatten 3 Kinder!

Undenkbar und unvorstellbar für mich! Frau ist vielleicht glücklich, dass sie nicht alleine ist und einenMann hat und er vielleicht gar nicht denn er würde lieber mit der eigenen Frau Sex haben. Ja man kann auf verschiedenen Arten leben aber ist man dabei auch wirklich glücklich? Das steht offensichtlich nicht zur Debatte! Hauptsache zusammen, ob dabei beide glücklich sind oder nur einer who cares?

Auch Geiger sind für mich feige Männer, die ein Pseudoleben leben, ein Leben mit angezogener Handbremse aber @Karlo hat es eindrücklich bewiesen, wie man(n) mit konsequenter und entschlossener Handlung glückliches und zufriedenes Leben führen kann - trotz aller Verluste nebenbei!

Sind extreme sexuelle Fantasien und ihr Ausleben eine Lösung aus dem Ehetrott und Alltag? Welche Fantasie wird als nächstes ausgelebt werden, wenn auch das langweilig wird? Soll das dem Eheleben Lebendigkeit und Kick verleihen, wann man es nicht anders kennt und kann, wenn man sich vielleicht sonst, wie tot fühlt? Ist das der Grund, warum Männer fremdgehen, weil sie sich in der Ehe tot fühlen?
 
M

Meeresrauschen

  • #30
Schade dass es so wenige Antworten von Betroffenen gibt. Ich denke mir, dass diese Männer eine Trennung von der Frau abwägen und wahrscheinlich auch aufgrund des Umfeldes kalte Füße bekommen. Was würden seine Eltern sagen oder die Schwiegereltern, wenn er sie mit Kind und Haus fallen lässt und zu einer anderen geht? da wird bestimmt das Wort Enterbung fallen....