• #1

Aus der Liebe eine Wissenschaft machen

Hallo ihr

Ich frage mich langsam, ob so einige Singles (zu denen ich dazugehöre) sich Dinge nicht schwieriger machen, als sie sind.

Beispielsweise habe ich in letzter Zeit auch sehr viel gelesen übers Männer-Verstehen, Dating Tipps Usw im Internet, als auch Bücher.

Aber meine Eltern zum Beispiel führen eine sehr glückliche Ehe, und meine Mutter hat noch nie einen Beziehungsratgeber gelesen.

Ich habe auf englischsprachigen Websites gelesen, dass es so weit geht, dass eine Datingratgeberin rät, "Gefühls"-Messages zu formulieren und diese an den Mann zu bringen. In ihrem Ebook beispielsweise (welches ich mir nicht holen werde) will sie genau darstellen, wie man sowas formulieren soll.

Ich weiss nicht, ich habe langsam den Eindruck, aus der Liebe wird eine Wissenschaft gemacht.
Früher haben die Leutw doch auh nicht so einen Kram gelesen und trotzdem erfolgreiche Beziehungen geführt?
Oder liegt es vielleicht daran, dass man früher eher nach klaren Rollenbildern erzogen wurde und daher keine Beziehungsratgeber brauchte, weil es gesellschaftliche "Regeln" gab, wie Mann und Frau sich jeweils zu verhalten haben und jeder sich daran hielt?
Im Gegensatz zu heute.

Ich habe jedenfalls langsam den Eindruck, es schadet eher, wenn man da zuviel herumliest, weil ich persönlich mich dann irgendwie erst recht gekünstelt und merkwürdig in der Realität verhalte.
Man macht sich dann auch tausend Gedanken mehr.

Andererseits sind die Ratgeber vielleicht nicht schlecht, um die eigenen Baustellen beim
Dating als Single zu lösen?

Wie denkt ihr darüber?
LG
 
  • #2
Liebe FS,

ich persönlich halte nichts von Beziehungsratgeberbüchern. Manchen Menschen möge Ratgeberbücher durchaus helfen, aber ich denke, dass in der heutigen Zeit - wie du schon ansprichst - die Meisten eine zu große Wissenschaft aus der Liebe machen.

Statt einfach dem Gefühl zu vertrauen werden Bücher gewälzt und ändern sich möglicherweise die Vorstellungen und Erwartungen (an Männern, Frauen, den Partner, die Partnerin, dem Date, die Beziehung etc.) entsprechend; in diesen Büchern wird uns gesagt wie eine Beziehung, ein Mann / eine Frau funktionieren soll und wie nicht, doch sind wir doch alle absolut unterschiedlich, sowohl als Individuum so wie auch als Paar. Vielleicht hat es auch was mit dem von dir erwähnten veränderten "Rollenverständnis" zu tun, ich jedoch finde man sollte vielmehr seinen Gefühlen, Instinkten vertrauen und miteinander sprechen, statt stundenlang Bücher zu wälzen die uns Ratschläge im Zusammenhang mit krampfhaft normierten, 08/15 Beziehungen und Menschen erteilen.

LG
 
  • #3
Natürlich wird das mit den Singles kommerzialisiert, sei es in solchen Ratgebern oder halt auch bei EP. Sei du selbst und behandle den anderen wie du selbst behandelt werden möchtest.

Sprich wenn es zu einem Date kommt, dann ziehe dir normale Sachen an, wasch dich, als Mann rasiert man sich und nutzt ein Aftershave usw. . Ansonsten die normalen Höflichkeitsformen wie Tür aufhalten, der Frau aus der Jacke helfen.

Solche Ratgeber sind also nur gut wenn du wirklich jemand bist der die normalen Höflichkeitsformen nicht kennt. Als normale Frau sage ich mal brauchst du so etwas zu 99% nicht da so etwas für dich selbstverständlich ist.
 
  • #4
Vermutlich ist es gesünder, erst einmal eine gesunde Identität und Selbstwertgefühl zu bilden, dann braucht man auch keine Beziehungsratgeber, und braucht sich auch in allen anderen Dingen nicht nach Modeströmungen zu richten. Das macht das Leben definitiv einfacher.
 
  • #5
Ich habe jedenfalls langsam den Eindruck, es schadet eher, wenn man da zuviel herumliest, weil ich persönlich mich dann irgendwie erst recht gekünstelt und merkwürdig in der Realität verhalte.
Man macht sich dann auch tausend Gedanken mehr.
Liebe FS,
da hast du vollkommen Recht. Leider sind wir Menschenskinder dabei, ständig alles zu optimieren und unsere Ansprüche immer höher zu schrauben. Gesunder Menschenverstand und funktionierende Instinkte werden nicht mehr genutzt und durch unsortierte, pseudo wissenschaftliche Erkenntnisse und Statistiken ersetzt.
Als ich erstmalig schwanger war, habe ich es vermieden, die ganzen Bücher über das Thema zu lesen und mir die dramatischen Geburtserlebnisse anderer, anzuhören. So habe ich mir dreimal wunderschöne Geburtserlebnisse schenken können, weil ich völlig frei und unvoreingenommen war und meine eigenen Erfahrungen machen konnte.

Diese ganzen schlauen Ratgeber werden wenig nützen, weil jeder Mensch individuell verschieden ist. Die Erkenntnisse von heute, sind die Irrtümer von morgen.
 
  • #7
Hi,

interessante Frage. Habe ich mir auch schon gestellt, aber in einem anderen Zusammenhang. Warum haben Dating-Portale so großen Zulauf. Warum gibt es Bücher, wie man richtig Beziehungen führt, warum boomed der "Ex-Zurück" Markt so?

Vermutlich liegt es wirklich an der Gesellschaft und deren Wandel. Früher hat man vielleicht noch mehr wert auf Beständigkeit gelegt. Heute ist das Motto "Der Computer istist nicht mehr auf dem neuesten Stand, also kauf' ich einen neues". Genauso wird häufig wohl mit Beziehungen umgegangen, wenn es nicht mehr passt, wird nicht kommuniziert und verbessert, sondern was neues gesucht.

Und das bietet den Nährboden für all diese Bücher.
 
  • #8
Ich habe jedenfalls langsam den Eindruck, es schadet eher, wenn man da zuviel herumliest, weil ich persönlich mich dann irgendwie erst recht gekünstelt und merkwürdig in der Realität verhalte.
Oh ja, insbesondere solltest Du Dich von der Idee verabschieden, daß ein Mann sich in gewissen Situationen typisch verhält, denn das geht sehr schnell nach hinten los. Es gibt z.B. Männer, für die „erst Sex, dann vielleicht Beziehung” nicht gilt, die es eher anders herum wollen, und die ein „sich rar machen” der Frau eher als Warnsignal (gebunden?) deuten denn als Reiz. Und deshalb lautet die wichtigste aller Regeln: nicht schlußfolgern, sondern reden. Fragen. Seine Position zu essentiellen Dingen wie Treue oder Loyalität ausloten.
 
  • #9
ch weiss nicht, ich habe langsam den Eindruck, aus der Liebe wird eine Wissenschaft gemacht.

...

Oder liegt es vielleicht daran, dass man früher eher nach klaren Rollenbildern erzogen wurde und daher keine Beziehungsratgeber brauchte, weil es gesellschaftliche "Regeln" gab, wie Mann und Frau sich jeweils zu verhalten haben und jeder sich daran hielt?
Beides wurde und wird in Grunde genommen wissenschaftlich betrieben. Der Unterschied besteht nur darin, dass man früher die "Beziehungswissenscahft" wie Astronomie betrieb, während man das heute äquivalent zur Astrologie tut.

Beziehungen betrieben wie Astronomie:

- beide sind ungefähr vom selben "Stand"
- bei einer Art "life hot or not" würden sie optisch auf ähnliche Punktzahlen gewertet werden
- sie würden bei MENSA ähnlich gute Tests schreiben
- die Ausbildungen sind auf ähnlichem Niveau
- die Familien haben einen ähnlichen background

Beziehungen wie Astrologie:

- Beziehungsratgeber lesen "the rules"
- "Kribbeln" entscheidet, auch wenn es rational nicht passt
- Familien für den Partner opfern, mit dem es sowieso nicht hält
- wenn peanuts auftreten gleich wieder trennen
- alles ausprobieren
- "das kann doch nicht alles gewesen sein!"

Meine Familie und ich sind eher der Beziehungswissenschaft verhaftet, die der Astronomie gleicht ...aber wir blicken auch auf 800 Jahre erfolgreiche Geschichte mit dieser Methode zurück!

V.m45
 
N

nachdenkliche

  • #10
Das Gefühl habe ich leider auch! Leider auch, seit dem ich hier lese und schreibe, aber nicht nur. Ich werde hier auf vieles aufmerksam, was ich sonst nie auf meinem Schirm hatte. Ich werde diesbezüglich einfach übersensibilibiert. Das Wort "Bedürftigkeit" habe ich erst hier gelernt. Aber ich habe hier über die Liebe und über Beziehungen viel Positives gelernt, nämlich etwas mehr auf mich selber zu achten und über meine Bedürfnisse zu reden und die Dinge zwischen den Menschen leichter und einfacher zu sehen.
Bevor ich hierher gekommen bin, war meine Devise was Partnerschaft betrifft einfach und klar: Ich bin treu, weil ich es will und weil ich diesen Mann liebe. Hier habe ich gelernt, dass ich nicht so gutgläubig sein darf. Ratgeberbücher interessieren mich nicht. Ich muss mehr auf mein Bauchgefühl hören und auch danach handeln, fertig.
 
  • #11
Hallo ihr

Sehr interessante Antworten.

Ein Beweis dafür, dass es Instinkte gibt: Wir wissen doch instinktiv, wie man flirtet. Das muss man nicht nachlesen!
Im Gegenteil, wenn ich das nachlese, wie ich meinen Körper bewegen soll usw, das wird doch total krampfartig!

Oder: Jeder kann doch die weiblichste Frau/ den männlichsten Mann im Raum bestimmen, damit meine ich nicht nur das Aussehen, sondern auch das Verhalten.
Auch hier braucht man es nicht wieder nachlesen! Jeder Mensch kann das instinktiv bestimmen!

Oder selbst wenn es darum geht, zu bestimmen, wer gut aussieht und wer nicht.
Dazu brauchen wir keine rechnerische Formel, die da irgendwas im Gesicht berechnet.

Mutter Natur hat uns sicherlich schon mit dem Wissen ausgestattet.

Ich habe jetzt wirklich viel in Beziehungsratgebern, Datingratgebern usw gelesen, aber ich komme so wirklich kein Stück voran, sondern verhalte mich seitdem eher sehr unauthentisch und mache mir Millionen Gedanken mehr!

Nur einmal hat es mir etwas gebracht, als es nämlich darum ging, Männer besser zu verstehen, dass sie zum Beispiel gebraucht werden wollen.
Hier war ich früher ahnungslos und es kam daher zu Missverständissen mit Männern.
Hier hat mir komischerweise mein Instinkt dies nicht so "gesagt".
 
  • #12
Die Situation ist heute schwieriger als "früher". Paare sind nicht mehr aus wirtschaftlichen oder moralischen Gründen aneinander gebunden. Es gibt keine allgemeingültigen Regeln des Kennenlernens, der Beziehungsform oder Geschlechterrollen. Die Konsum- bzw. Leistungsgesellschaft tut ihr übriges.

Mir hat es geholfen, mich selbst und mein Beziehungsverhalten als Frau zu hinterfragen. Auch ein Einblick in die Gefühlswelt von Männern fand ich grundsätzlich wichtig und kann mir nun einiges besser erklären, Missverständnisse hoffentlich eher vermeiden bzw. dem Positivem mehr Raum geben. Ein Zuviel an Zerdenken, Zerreden oder gar Taktieren ist jedoch nicht gut. Wichtig sind und bleiben vor allem positives Handeln und Vertrauen und - ja sicher - auch konstruktive Kommunikation. Ich merke, dass ich langsam aufpassen muss, mich durch teils kontroverse Literatur und Diskussionen nicht zu sehr verunsichern zu lassen und Spaß bzw. Unbeschwertheit im Umgang mit dem anderen Geschlecht nicht zu verlieren.
 
  • #13
Früher haben die Leutw doch auh nicht so einen Kram gelesen und trotzdem erfolgreiche Beziehungen geführt?
Geht so. Sie sind halt nur zusammengeblieben, egal, ob es wirklich passte oder nicht. Wenn nicht, haben die Kinder den Frust abbekommen, da man ja NUR WEGEN IHNEN zusammenbleiben musste. Dieses "man-muss-zusammenbleiben" wirkte sich auch so aus, dass z.B. gegen eine garstige Schwiegermutter nie was unternommen wurde, wenn sie die Kinder hinterhältig behandelte und psychisch fertig machte. Denn das Entgegentreten hätte ja Stress in der Familie bedeutet und das musste man vermeiden - denn wozu? Konsequenzen, wenn der andere uneinsichtig ist, hätte es ja eh nicht gegeben.

Oder liegt es vielleicht daran, dass man früher eher nach klaren Rollenbildern erzogen wurde und daher keine Beziehungsratgeber brauchte, weil es gesellschaftliche "Regeln" gab, wie Mann und Frau sich jeweils zu verhalten haben und jeder sich daran hielt?
Auch hier will ich widersprechen. Ich weiß nicht, wieviele Frauen als Hausfrauen einen "Koller" hatten und ihre Abhängigkeit und ihr Leben nicht zufriedenstellend fanden (und das dann auch wieder am Kind ausließen, das vielleicht "schuld" war, dass man diese Ehe eingehen "musste"). Heute kann eine Frau mehr aus ihrem Leben machen, also ist es vielleicht noch schlimmer, in einer Rolle, die einem nicht liegt, gefangen zu sein wegen des eigenen starren Denkens, und dann andere zu sehen, die sich mehr Freiheit nehmen. Aber auch damals gab es Frauen, die ihre Energie und den Wunsch, irgendwas anderes als ihr Rolle zu leben, unterdrücken mussten. Denen ging es auch nicht gut.

Ratgeber sind okay, um mal drüber nachzudenken. Kann ja sein, es gibt einen guten Tipp (das Forum hier z.B. ist GOLD wert für manches, weil man durch die Schwarmintelligenz hier auch von Menschen lesen kann, die irgendwas schon erlebt haben und es deswegen logisch schildern können, was man selber vielleicht noch nicht sieht.)
Aber selber denken und am besten auf das Bauchgefühl hören, ist sowieso unerlässlich.
 
  • #14
Da bin ich ganz bei dir :)

Aus meiner Sicht hat es auch mit der zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft zu tun. Es gab noch nie so viele Einzelhaushalte wie heutzutage. Grossfamilen gibt es lang nicht mehr. Auch ältere Menschen wollen nicht zur Last fallen. Wir sind viel mobiler geworden, leben mal hier mal da, während die Menschen früher ihrem Partner in der Region kennengelernt haben.

Die letzten 2 Jahrzehnte waren von Karrierestreben geprägt. Heute geht der Trend eher wieder Richtung Life Balance und Sinnerfüllung statt Karrieredenken. Wir Menschen sind gebildet, unabhängig, selbstständig und im besten Fall ganz zufrieden mit unserem Leben. Es braucht eigentlich keinen Partner mehr. Wenn, dann soll er uns nur ergänzen, so dass wir zusammen ein schönes Leben führen können. Früher waren Partnerschaften auch "Lebensversicherungen".

Aus meiner Sicht führt dies alles dazu, dass Menschen sich schwertun, einen Partner zu finden. Es werden No-Go-Listen geführt, denn der Partner sollte "ideal" zu einem passen. Das ist doch Schwachsinn. Viele verlieren völlig die Realität aus den Augen.

Ich denke auch, wenn man auf sein Herz hört, sich spürt und nicht ständig alles kontrollieren möchte, dann findet man einen Partner. Ob all die Ratgeber da helfen? Ich denke nicht, sonst gäbe es nicht so viele unfreiwillige Singles. Auf dem Land finden sich die Leute heute auch noch so (ohne Onlinedating).

Das waren einfach ein paar Gedanken, wie ich es wahrnehme. Die einen mögen diese Gedanken teilen, die anderen nicht. Es gibt hier sicher keine Wahrheit.
 
  • #15
Überlegt mal, die Generationen davor, die haben doch auch alle sowas nicht gebraucht!
Das ist doch wirklich Geldmacherei!
Für Frauen gibts da so "Gurus" wie Christian Carter, Christian Sander, usw.

Also ich werde jetzt weniger lesen und stattdessen mich im realen Leben umschauen, wer und was gut ankommt, und was eben nicht.
 
G

Ga_ui

  • #16
Jedes Buch lügt! Denn jeder Autor hat seine eigene Sichtweise und ist kein allwissender Gott!

Ich sehe da einen Konflikt zwischen früher und heute: Früher hielt die Ehe der Christenglaube und damit die Angst zusammen, Frauen haben sich schlagen und betrügen lassen, waren mit Alkoholikern zusammen und keiner hätte sich getraut, sich zu trennen. War das besser? Nein! Frage doch bitte mal deine Mutter, was sie alles mit deinem Vater durchgemacht hat, das war sicher auch nicht alles Zuckerschlecken!

Die Wissenschaft mancher Leute liegt lediglich daran, dass sie immer noch meinen, eine Liebe muss ein Leben lang halten. Nein, tut sie nicht und das ist auch nicht wichtig, in meinen Augen! Warum muss man Liebe immer als sowas heiliges, unantastbares hinstellen und sich selber damit fertig machen?

Es ist gut so, wenn man heute gehen kann, wenn einem was nicht in der Ehe passt. Wir sind nun mal alles Individualisten. Heute mehr denn je. Diese Entwicklung ist gut. Warum ist es schlecht, als Single länger alleine zu bleiben und erstmal sein eigenes Ding im Leben zu machen?
Bei den meisten habe ich das Gefühl, sich suchen in der Beziehung eher eine Ersatzmama oder Ersatzvater. Liebe heißt aber, unabhängig und bei sich zu bleiben können. Wem sein höchstes Ziel ist, nur eine Beziehung und Liebe zu finden, ja sorry, der tut mir sehr leid. Der lebt nach den gesellschaftlichen Pflichten und Moralvorstellungen, die man ihm aufdrückt. Heute hat man es einfach nicht mehr nötig, sich mit irgend einem Partner zusammenzutun, um zu überleben. Wir leben nicht mehr im Mittelalter.

Warum bitteschön brauchst du als Single eine Lösung? WEil die Gesellschaft dir sagt, du bist als Single minderwertig, defekt, komisch? Überdenke mal, woher deine Einstellung kommt, dass du aus dir selber ein Problem machst!
 
  • #17
Super These! Ich glaube, dass Menschen sich diese Ratgeber holen, einzig aus dem Grund der Unsicherheit. Klar! Jedoch bedeutet unsicherheit, dass man sich seiner Identität nicht sicher ist (wurde auch schon angesprochen).

Ich persönlich habe oftmals in solche Ratgeber hineingeschaut, weil ich Probleme hatte meine Gedanken und Gefühle auf einen Nenner zu bringen. Zwischenmenschliche Beziehungen sind so komplex und wenn es nicht klappt mit der Partnerschaft, denkt man natürlich, es liege an einem selbst und versucht sein "selbst" zu optimieren.

Ich habe eine Freundin, die ständig die Männer bekommt, die sie will. Woran liegt das? ich dachte immer, dass sie einfach den Dreh raushat oder besser im "taktieren" ist-
ich glaube heute einfach, dass sie ein bisschen mehr Glück hatte als ich und einen besseren "Riecher"... Wo wir beim dem Kompatibilitätsthema sind: Suche dir einen Mann, der passt!.. es ist verdammt schwer- ich weiß das und ich bin auch nicht am ende, aber ich kann nicht mehr "zurück"... bis auf ein paar Ausreißer, die dann aber schnell vorbei sind. Ich glaube ab einem bestimmten Punkt muss man lernen "auszuhalten",,,, denn warum bekommen auch die neurotischsten, komplett ohne Selbstwertgefühl -menschen eine Beziehung? Besonders wo man immer sagt: Arbeite an deinem Selbstwertgefühl- dann klappt das! Ach ja? :D ich habe eher die Vermutung ein gesundes Selbstwertgefühl macht es eher noch schwerer....

und kommen wir zur Soziologie dann gibt es tatsächlich nur einen ganz kleinen Prozentsatz von Beziehungen, die einen reflektierten unabhängigen Charakter haben. Alles andere will ich nicht, also ist das Resultat daraus, dass man eben lange alleine ist. Ich habe mich mit Soziologen wie Luhmann und ihrer Anschauung zur "Liebe" befasst: mach das nicht! Das ist zu frustrierend! ;)... aber es gibt ganz tolle Bücher die darüber schreiben, aus zum teil philosophisch-psychologischer Sicht, die den Fokus auf die selbstbestimmung setzen, auf Vertrauen und die Umwelt und das "bei einem sein" wenn man sich oft einmal fühlt... diese Bücher haben mir mehr geholfen. Mit mir selbst frieden zu schließen... auch wenn ich die nächsten 5 Jahre noch alleine bin.

Ein freund meinte mal: Die Liebe ist nicht fair- wenn man das begreift ist das Leben ein bisschen einfacher!
 
  • #18
Liebe IST eine Wissenschaft.

So alt wie die Höhlenmalerei, so alt ist auch der Beziehungsratgeber. Freilich, früher gab es auch schon Beziehungen die funktioniert haben. Und Beziehungen die total scheiße waren und nur des gesellschaftlichen Drucks wegen aufrecht erhalten wurden, genau wie heute. Beziehungen werden bisweilen auch nur geführt, weil das eben so ist, sie werden vorausgesetzt und wer sie nicht hat, der wird seltsam angeschaut.
Das war früher nicht anders, aber da hat man per Zwang eingetrichtert bekommen, wie man sich konform zu verhalten hat. Heute gibt es zumindest Möglichkeiten, sich dem zu entziehen, was dann aber auch heißt, dass mancher nicht weiß, was die Norm vorschreibt. Dafür braucht es dann den Ratgeber. Ohne den muss man eben mit dem Vorlieb nehmen, was man ohne die gesellschaftlichen Normen bekommen kann.

Siehe, dieser oder jener Vorposter. Da werden Dinge wie rasieren - empfindet man sich selbst mit 3-Tage-Bart vielleicht attraktiver? - Tür auf halten oder aus der Jacke helfen - erachten manche Menschen das vielleicht als Rückschritt in Sachen Emanzpiation? - als selbstverständliche Höflichkeit vorausgesetzt, dabei ist das nur ein Ritual auf das sich iwer iwann mal geeinigt hat.
Es wird sogar behauptet, jeder könne wie von Gott gegeben flirten, Männlichkeit/Weiblichkeit und Attraktivität einschätzen. Völliger Tinneff, das ist anerzogen, nichts weiter. Ein paar Merkmale sind genetisch festgelegt, ja, daraus wurden dann empirisch-wissenschaftliche Erklärungen wie der goldene Schnitt abgeleitet. Aber die aller meisten unserer Schönheitsideale und dergleichen sind alles andere als "naturgegeben".


Wissenschaft erklärt Dinge. Das ist alles. Das macht diese Dinge nicht besser oder schlechter. Liebe ist nichts "mystisches". Aber auch das macht sie nicht besser oder schlechter.
Und Beziehungsratgeber sind oft wenig wissenschaftlich, sondern vor allem der Versuch, sich auf eine gemeinsame Norm zu einigen, weil die Aufklärung für viele Menschen dann doch nicht das angenehmste Lebensmodell bieten konnte.
 
  • #19
Die TV show "Hochzeit auf den Ersten Blick" ist doch der Versuch, wissenschaftlich herauszufinden wer zu einander paßt - natürlich muß das Ergebnis real verifiziert werden.

Ich halte auch nicht viel von Verstellen: Jemand der rational ist, schreibt die Partneranfrage eben anders als jemand der ein Bauchmensch ist, zudem ist das Profil mal gut ausgefüllt und mal gar nicht - an diesem Punkt scheitern viele Ratgeber.

Bei dem Beitrag des / der FS fehlt zwar die Trennung des Denkansatzes in "vor" und "nach" dem ersten Bildertausch, Telefonieren oder Treffen, aber ich denke, wichtig ist einfach, daß man authentisch ist und nichts anderes - verstellen bringt nichts.

Und die Beziehungen heute funktionieren eben genau dann, wenn jeder Partner den andern nimmt wie der andere ist. Tipps von jemandem, die mit Büchern g'scheid daherreden und ihr Geld verdienen helfen da nicht weiter. Nur können immer weniger Leut den andern nehmen wie er / sie ist - dank der Internetpartnersuche meint man, sich einen Partner bestellen und aussuchen zu können, ohne etwas aufgeben zu müssen.
 
  • #20
Diese ganzen Theorien führen bei Beziehungssuchenden nur zu Verunsicherung. Man sollte nach seinen Gefühlen handeln. Wenn man Beziehungsratgeber liest, fokussiert man sich auf das Ergattern von Partnern, die man nicht will, und auf das Halten von Partnern, die einen schlecht behandelt haben, weil die Beziehung zum Selbstzweck wird. Die einzigen Regeln, die ich kenne, sind, dass man authentisch sein sollte und seinen Gefühlen folgen. Ansonsten funkt es oder auch nicht. Wenn es funkt, ist alles egal. Dann ist egal, wer wen anspricht, wer zuerst einlädt, ob man beim ersten, zweiten oder zehnten Date ins Bett geht, wer das Essen zahlt, wer nach dem Date anruft und wie oft man schreibt oder telefoniert. Es ist sogar beinahe (aber nur beinahe) egal, was man schreibt oder sagt, weil der andere jedenfalls verzeihen wird. Ob es gefunkt hat, kann man nur fühlen, nicht denken. Die in Beziehungsratgebern vorgeschlagene Rarmacherei bei potentiellen Partnern führt einfach nur dazu, dass es gar nicht funken kann. Der ganze Prozess ist künstlich, gespielt, manipulativ und gefühlsfrei.
 
  • #21
Also ich finde "Ratgeber" nicht schlecht, wenn man unsicher ist oder sich einfach aus Neugierde informieren möchte, am Ende tut eh jeder sein Ding.

Ich hinterfrage mein Singledasein schon lange nicht mehr.
Als mit Anfang 30 alle heirateten dachte ich oh jee, mit Dir kann was nicht stimmen.
Heute mit 52, leben genau die gleichen Leute teilweise in Scheidung, trennen sich, einer geht fremd, scheitern finanziell, in der Kindererziehung, im Beruf oder sind überbelastet.

Rückblickend war meine Entscheidung zum Singledasein genau richtig, denn ich fühle mich pudelwohl, anhand der Dauerproblematik in Beziehungen, welche ich hier öfter lese oder im Umfeld mitbekomme.

Natürlich sind nicht alle Partnerschaften schlecht.
Allerdings würde ich mir niemals einen Rat über ein optimales Liebesleben von Dauergescheiterten einholen, sondern eher von einem Paar, dass gerade seinen 50 oder 60jährigen Hochzeitstag in Harmonie und Frieden feiert und von sich sagt, ja wir würden heute nochmal heiraten.

Und das ist nunmal die ältere Generation, welche keine Beziehungsratgeber und kein Internet brauchte um sich kennen und lieben zu lernen.
 
  • #22
Beispielsweise habe ich in letzter Zeit auch sehr viel gelesen übers Männer-Verstehen, Dating Tipps Usw im Internet, als auch Bücher.
Liebe Nele,
Du hast ganz recht! Es gibt zu viele doofe Bücher zu dem Thema.
Das gute an Ratgebern zu Partnerschaft, Liebe etc. ist: Jeder kann so was schreiben! Von der Hausfrau bis zum Dalai Lama wird wohl keiner vollkommen ahnungslos sein, was dieses Thema anbelangt, und schon ein paar Binsenweisheiten zusammenklauben können.
Bei anderen Themen kann es gar nicht so einen Überschuss an nichtsnutzigen Autoren geben, denn jedem ist doch klar, dass man z.B. für das Schreiben eines Do-It-Yourself Buchs zumindest einigermassen gut basteln können muss. Aber in diesem Bereich kann jeder sich noch "Coach" und "Berater" nennen, eine "Praxis" haben und "Seminare" leiten.
Ganz selten finde ich dann allerdings wieder eine Perle der Ratgeber-Literatur, die mir wirklich weiterhilft. Bislang ist mein Lieblingsbuch:
"Wer du bist, wenn du liebst" von Amir Levine und Rachel Heller. Es geht um Beziehungstypen und bietet einfache und praktische Ratschläge für Menschen in einer Beziehung. Für die Partnerfindung habe ich bislang noch wenig Hilfreiches gefunden. Am Besten fand ich noch "flirten und verlieben" von Nina Deissler, weil es so was ist wie eine Flirtanleitung für Ungeschickte.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
  • #23
Die TV show "Hochzeit auf den Ersten Blick" ist doch der Versuch, wissenschaftlich herauszufinden wer zu einander paßt -
... und sind damit grandios .... gescheitert. Die meisten Ehepaare trennen sich trotzdem, innerhalb der ersten sechs Wochen o.ä.
In Dänemark = der Ursprung dieser TV-Show, hätte sich sogar jedes Ehepaar getrennt.

Aus Wissenschaft kann keine Liebe werden. Aber Liebe kann es werden, trotz der Wissenschaft.

Die Teilnehmer dieser Show scheinen mir tlw. vor der Kompliziertheit ihrer Partnersuche zu fliehen. Und geben die Aufgabe der Lösung an die "Wissenschaftler" dieser TV-Show ab. Ohne zu wissen, wie Diese vorgehen.

Aber bei manchen Paaren wunderte mich deren Entscheidung und angebliches Matching. Da hätte ich als Laie sagen können, daß die nicht zusammen passen. Und so ist es dann auch gekommen.
 
  • #24
Von Beziehungsratgebern halte ich nicht viel. Sehr oft zu oberflächlich, manipulativ.

Aber mir ist es wichtig, mich zu hinterfragen, welche Beziehungs- und Bindungsmuster ich habe, wo ich da an mir arbeiten kann. Die Definition meiner Werte und Bedürfnisse, und dann wirklich authentisch sein.
Toleranz, Akzeptanz, Respekt nicht als Worthülse, sondern versuchen zu leben.
Die Kommunikationsfähigkeit als besonders schwieriges Thema.
Und ganz essentiell war es für mich, mir zu erlauben, meinem Bauchgefühl zu vertrauen, das ist nämlich ganz gut.

Und die Quintessenz für mich , Liebe ist ein wunderbares Gefühl, ein Geschenk, das lernt man nicht aus Büchern, lässt sich nicht definieren. Aber ich vergleiche es mit einer Pflanze, ohne Pflege und Achtsamkeit stirbt sie, und die notwendige Pflege muss man wohl lernen.
 
  • #25
So manche (selbst ernannte) Ratgeber, wollen mit ihren Ratschlägen "missionieren" - aber halten sich selber nicht daran ?
Weil sie sich für was Besseres halten, der solche Ratschläge nicht nötig hätte ?

Ich fragte mal eine Ratgeberin, ob sie selber privat das auch so machen würde, wie sie mir rät ? (Aber ich verlangte keine Antwort von ihr). Ich wollte sie damit nicht bloß stellen. Sondern ihr zeigen, dass ich ein höheres Niveau von Ratgeber brauche, um mein Problem zu lösen. Und zeigte ihr mein Verständnis, falls es für sie zu schwierig ist.

Der Lehrer darf schon klüger sein, als seine Schüler. Aber er sollte das Richtige lehren, was auf seine Schüler wirklich passt.
 
  • #26
Ich denke, dieser Analyse- und Optimierungswahn hat mit den enormen Erwartungen zu tun, die wir heute an "die Liebe" haben. Erwartungen, die mit unserer menschlichen Natur schwer vereinbar sind.

Ich denke, viele Menschen sind gar nicht geschaffen für die lebenslange monogame Zweierbeziehung. Aber sie ist gesellschaftlich erwünscht; also versucht die Mehrheit, sich mühsam in dieses viel zu enge Korsett zu zwängen. Das klappt natürlich nicht alleine; da braucht es jemanden, der schnüren hilft, mal bildlich gesprochen.

Zumal man dabei ja auch noch glücklich sein soll! Früher hat man halt irgendwen geheiratet und blieb dabei. Man hat sich wahrscheinlich keinen großen Kopf um die Beziehung gemacht; zumindest solange es keine massiven Probleme wie Gewalt gab. Familiengründung war eine Aufgabe wie Kochen und Wäschewaschen.

Wir heute setzen uns gehörig unter Druck mit unseren romantischen Idealen. Wir überfrachten die Mann-Frau-Beziehung mit utopischen Erwartungen. Der Partner soll alles sein: Geliebter, Seelenverwandter, verlässlich in Alltagsangelegenheiten .. und all das ungeachtet der z.T. gravierenden mentalen Unterschiede zwischen Mann und Frau.

Dieses Ideal zu erreichen, ist praktisch unmöglich. Aber von der Hoffnung, dass es ja vielleicht DOCH funktionieren könnte, lebt eine ganze Industrie. Uns in ein Schema zu pressen, das überhaupt nicht passt, klappt natürlich nicht ohne externe Hilfe.

Wobei ich es nicht schlecht finde, dass darüber soviel geforscht wird. Ich finde das alles hochinteressant - sonst wäre ich ja nicht in diesem Forum. Aber die Beschäftigung damit ist für mich eher Selbstzweck. Ich hab keinen Bock mehr, aktiv nach einem Partner zu suchen. Wenn mir jemand begegnen sollte, mit dem es passt, schön. Aber ich werde mich nicht mehr verbiegen, um endlich "unter die Haube zu kommen". Und schon gar nicht werde ich mir einreden lassen, dass mit mir irgendwas nicht stimmt, nur weil es mit einer festen Beziehung bisher nicht geklappt hat.

Natürlich wäre es vermutlich, dass wir Menschen in größeren Verbänden zusammenleben, innerhalb derer sich ab und an ein Paar für begrenzte Zeit zusammenfindet und zusammen ein Kind zeugt - welches denn von der ganzen Sippe aufgezogen wird. Die Frauen würden nicht rumjammern, dass Männer nicht treu sein können, weil sie gar nicht diese utopische Erwartung hätten.

Für diese Gesellschaftsordnung bräuchte es keine Ratgeber, weil wir nur unseren Instinkten folgen müssten.
 
  • #27
und all das ungeachtet der z.T. gravierenden mentalen Unterschiede zwischen Mann und Frau.
Welcher Unterschied könnte denn da gemeint sein? Ich sehe die Gefahr weniger in den behaupteten Unterschieden, sondern in der Behauptung selber, gefolgt von dem Versuch, sie zu akzeptieren, sich dem Klischee gemäß zu „verbiegen”.

Zum Beispiel, indem die Frau stillschweigend davon ausgeht, daß Männer es mit der Treue eben generell weniger genau nähmen als Frauen („was soll Frau machen, Männer sind halt so”). Besser wäre doch, sie suchte sich jemanden, der es sehr wohl genau nimmt, denn die gibt es unter den Männern ganz genauso. Und wenn sie dann einen gefunden hat, sollte sie ihn auch nicht durch falsche Unterstellungen („irgendwas stimmt mit dem nicht, so sind Männer nicht”) wieder vergraulen. Also Finger weg von Klischees („gravierende mentale Unterschiede”), bitte.
 
  • #28
Ich weiss nicht, ich habe langsam den Eindruck, aus der Liebe wird eine Wissenschaft gemacht.
Liebe FS, das ist eine wichtige Frage. Meiner Ansicht nach hat diese Modeerscheinung aber nichts mit Wissenschaft zu tun. Es geht vielmehr darum, aus der Unsicherheit und Unzufriedenheit, die für manche (nicht alle!) mit dem Singlestatus verbunden ist, Profit zu schlagen. Die gesamte Ratgeberliteratur lebt doch davon, dass Menschen auf der Suche nach Antworten sind, die sie sich - aus welchen Gründen auch immer - nicht beantworten können. Und auch davon, die unrealistische Vorstellung, dass alles machbar und erreichbar ist, was man will, zu bedienen und zu nähren. Es gibt sicher auch viele Dinge, die man durch Optimierung - welcher Art auch immer - erreichen kann. Aber eben nicht alles.

Andererseits sind die Ratgeber vielleicht nicht schlecht, um die eigenen Baustellen beim
Dating als Single zu lösen?
Als Anregung und zur Selbstreflexion, allerdings mit der Einschränkung, dass man bei der Auswahl sehr genau auf Qualität achten sollte. Und da kommt dann die Wissenschaft in's Spiel. Ein Ratgeber oder Coach, der mich wirksam bei der Bearbeitung eigener Baustellen unterstützen soll, muss aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen und dafür braucht es eine entsprechende Ausbildung. Die Wald- und Wiesenratgeber, die z.B. im www angepriesen werden oder sich dort selbst anpreisen, gehören aber sicher nicht dazu. Besonders Letztere sind mangels Ausbildung nämlich nicht in der Lage, die Ursachen für diese "Baustellen" zu erkennen und wie soll aus diesem Unwissen ein wirksamer Lösungsansatz zustande kommen?
 
  • #29
Früher hat man halt irgendwen geheiratet und blieb dabei.....Familiengründung war eine Aufgabe wie Kochen und Wäschewaschen.
Die Paare waren froh und zufrieden, an diesem Ziel angekommen zu sein = Ehe und Familie. Viele heirateten früher bereits mit Anf. oder Mitte 20.

Heute soll es der allumfassende 100 % optimale Partner sein. Und vor lauter Auswahl können sie sich nicht entscheiden. Immer mit der Angst im Nacken, man würde sich für den/die Falschen entscheiden. Weil man Einem begegnen könnte, der noch besser wäre.

Sie sind nicht zufrieden mit dem, wen und was sie haben oder haben könnten. Sondern getrieben zu suchen, was noch besser sein könnte.

Ich vergleiche das mit Shopping-Verhalten. Früher kaufte man meistens im selben Laden vor Ort. Man wurde Stammkunde.
Heute laufen sie (besonders Frauen) in x-verschiedene Läden, aber konnten sich immer noch nicht entscheiden. Aber nennen es shopping. Ich nenne es hopping.

Und so hüpfen sie heute von Kandidat zu Kandidat/in, aber können sich trotzdem nicht entscheiden. Ich habe vereinzelt Frauen kennengelernt, die seit 15 Jahren auf Partnersuche sind.

Erschwerend kommt hinzu, dass dieses ständige suchen und hüpfen durch das Internet begünstigt wird. 2.500 Singlebörsen u.ä. alleine in Dtl. Mio. von Menschen auf der Suche. Und die Meisten auch nächstes Jahr.... übernächstes Jahr..... usw.
Eine Jahresmitgliedschaft in einer Bezahl-Börse ist fast schon Standard. Wann kommen Drei-Jahres-Angebote ?
(Ironie an) Gibts nach zehn Jahren Mitgliedschaft einen Bonus ?
 
  • #30
ich habe eher die Vermutung ein gesundes Selbstwertgefühl macht es eher noch schwerer....
Jain.

Wenn man von Anfang an ein gesundes Selbstwertgefühl hat - also Eltern hatte, die es gefördert haben, Grenzen gesetzt und gesetzte Grenzen geachtet haben - stimmt es, dass ein gesundes Selbstwertgefühl einen leitet durch die Partnersuche. Im Teenageralter macht man vielleicht ne schlechte Erfahrung, erkennt Ausnutzer und Lügner und ist mit Anfang 20 gut in der Lage, genau zu wissen, was man in einer Beziehung (jetzt gerade in diesem persönlichen Entwicklungsstadium) will, es zu erkennen, wenn es vor einem steht, und den beziehungsgesunden Gegenpart auch anzuziehen.

Wenn man das nicht hatte, rennt man z.B. rum mit Beziehungsvermeidungsverhalten (sich nur in Männer verlieben, die einen nicht wollen oder schon vergeben sind und so tun, als würden sie ja gern, aber...). Irgendwann trifft man möglicherweise einen Mann, der einen will, kommt mit ihm zusammen, weil man denkt, man kriegt sowieso nicht das, was man sich wünscht, und denkt sich dauernd "irgendwas fehlt".

Selbstwertgefühl lässt dem anderen ja auch Selbstwertgefühl. Es ist viel bequemer, sich einen Mann (aus Frauensicht) zu suchen, der sich wie eine Marionette lenken lässt, als mit einem zusammenzusein, der offen sagt, dass er dies und das nicht macht, weil er es einfach für sich nicht möchte. "Wenn du mich liebtest, würdest du Knoblauch essen", ist, wenn ich mich nicht täusche, ein Zitat von Paul Watzlawick. "Wenn du mich liebtest, würdest du mit zur Hochzeit kommen", dichte ich mal um, was einen Nebenthread angeht.
Also ja - es ist schwieriger, wenn man Selbstwertgefühl entwickelt hat, weil man nicht mehr so kompatibel ist und einen Partner braucht, der auch Selbstwertgefühl entwickelt hat und es versteht, dass der andere auch ein eigenes Selbst hat. Das sind, denke ich, nicht so sehr viele. Die wenigen, die es von Anfang an hatten, werden längst einen Partner haben. Für die, die es nicht haben und in festen Beziehungen sind, wird es gefährlich, Selbstwertgefühl zu entwickeln, weil es die Beziehung sehr verändern bis sprengen kann, weil der andere mitziehen muss. Singles, die Selbstwertgefühl irgendwann entwickelt haben, müssen jemanden treffen, der es auch hat, oder aber irgendeine sanfte Methode finden, anderen zu vermitteln, dass diese Freiheit, die man durch Selbstwertgefühl bekommt, nichts Bedrohlich-Egoistisches ist.