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  • #1

Arbeitssuchender Partner und Depressionen

Mein Partner (55) sucht nun seit einem knappen Dreivierteljahr nach einer Arbeit. Nun ist er sogar schon so weit, sich auf Stellen in ganz Deutschland zu bewerben, obwohl er hier nicht wegziehen möchte. Aber es will einfach nicht klappen. Er fühlt sich immer wertloser und rutscht immer wieder in depressive Verstimmungen ab, aus denen ich ihn kaum rausholen kann. Ich selber fühle mich dabei so hilflos und es schmerzt mich sehr ihn so zu sehen. Wie kann ich ihn unterstützen? Ich versuche immer für ihn da zu sein, aber mich belastet diese Situation ebenso. Ich will nichts mehr, als dass er wieder eine Arbeit hat, die ihn auch glücklich macht. Er hat einen überschaubaren Freundeskreis, geht Abends aber selten weg. Oft ist er nun einfach zu Hause und macht nichts. Wir wohnen nicht zusammen, weswegen ich auch nicht immer da sein kann. Einen Tag war es besonders schlimm, er sprach soagr davon, nicht weiter leben zu wollen. Ich hatte richtig Angst. Leider war es mir nicht möglich zu ihm zu fahren, da ich Dienst hatte. Am nächsten Tag war er wieder normal. Es geht auf und ab und auf und ab. Was kann ich tun? Ging es anderen schon ähnlich?

w,48
 
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  • #2
Vielleicht hilft ihm ja eine Fort-/Weiterbildung, die er auch nebenberuflich machen kann, wenn er wieder Arbeit hat. Im fortgeschrittenen Alter wird so etwas ja auch gefördert und es gibt einem wieder eine ganz andere Lebensqualität. Ich (w/46) hatte zwar immerhin einen Job, allerdings nur einen auf 400 Euro. Als sich dann mein Mann trennte, geriet ich in ein tiefes Loch. Ich begann ein Fernstudium, aus meinem 400 Euro-Job wurde zunächst eine Halbtags- und seit diesem Jahr ist es eine Vollzeitstelle. Heute bin ich wieder gespannt (und entspannt), was die Zukunft bringt.
 
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  • #3
Ja, als was will er denn arbeiten? Mit 55 findet man fast keine Stellen mehr, schon gar nicht als das, was man sich vorstellt mit dem gehobenen Gehalt, das man haben will. Man muss in der Regel eine niedrigere Stelle akzeptieren in einer ganz anderen Branche, man muss flexibel sein, oder einen Nebenjob machen, ob man will oder nicht. Eventuell muss man in dem Alter auch putzen gehen und sich solangsam nach minderbezahlter Rentnerarbeit umsehen. Selbstreflektion tut Not mit 55. Da wird man keine tolle Stelle mehr mit Superlohn bekommen, egal wie gut qualifiziert oder studiert man ist/war. Das ist lange vorbei!
Sieht man ja auch, dass dein Partner sich schon deutschlandweit bewirbt. Anscheinend will er die Tatsache nicht akzeptieren, wie es nun mal heutzutage in Deutschland abläuft. Sich deswegen das Leben nehmen zu wollen, ist Humbuck. Er sollte einfach mal erkennen, wie die Lage heute im Staate Deutschland ist und dass man nun mal nicht mehr so schnell so gut einen Job findet. Wenn dein Partner sich zu fein ist, eine einfache Stelle anzunehmen, tja, dann kann man ihm nicht mehr helfen. Manche Männer sind so stur. Denen kann man doch nichts mehr sagen.
Hilfreich wäre auch gewesen, wenn du gesagt hättest, als was er gearbeitet hat und was einst gelernt hat. Aber ich kann es mir schon vorstellen, dass das nicht kompatibel sein wird in heutiger Zeit.
 
  • #4
Mit 50+ arbeitslos - selbst mit besonders guten Qualifikationen und Berufserfahrung - sind immer mehr Leute.
Gefragt ist jung = billiger und williger.

Wenn es mit dem Job nicht klappt, dann z.B. eine unbezahlte Beschäftigung als soziales Engagement suchen. z.B. Kirchengemeinden können sowas direkt vermitteln.
Oder sich in einem Verein o.ä. engagieren.

Man wird gebraucht, bekommt Anerkennung, soziale Kontakte.
Und es hält Einen vom grübeln, und depressiv rum hocken ab.

Aber dabei aufpassen, daß man nicht ausgenutzt wird.
z.B. qualifizierte Bürotätigkeit, halbtags - aber ohne Gehalt. Das arbeitete ein Mann(60+) 2,5 Jahre lang, in einer kirchlichen Einrichtung. Nur damit er beschäftigt ist, und nicht rum hockt.
Während seine Kollegin dort die gleiche Arbeit macht, aber mit Arbeitsvertrag und Gehalt.

Die eigene Jobsuche kann man während dessen ja weiter fortsetzen.

Also so eine (unbezahlte) Beschäftigung wie eine Arbeitstherapie betrachten.
Die ihn psychisch wieder ins Gleichgewicht bringt.
 
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  • #5
Oft ist er nun einfach zu Hause und macht nichts.

Das würde mir viel mehr zu denken geben als die fehlende Arbeit. Er könnte sich fortbilden, er könnte Ehrenämter übernehmen, er könnte ein Hobby zum Beruf weiterentwickeln oder mit Publikationen zu irgend einem Spezialthema an die Öffentlichkeit treten. Es gibt doch tausend bessere Möglichkeiten als dieses frustrierende Nichtstun, das einen immer mehr runterzieht, bis man schließlich auch im Bewerbungsgespräch - falle es denn dazu kommt - niemand mehr ist.
 
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  • #6
Liebe FS, du kannst nix tun. Er muss wollen - wenn er nicht will läuft nix.
Was mir auffällt: 1) _Er hat eine stabile Partnerschaft, hat jemand zum Reden, jemand der ihn Aufbaut - aber er tut nichts dafür. Das könnte ein kleines Blümlein als Geschenk sein, das kann kochen für dich sein wenn ihr euch in der Wohnung trefft.
2) Er wurde im "Arbeitsmarktuntauglichen " Alter arbeitslos - warum hat er sich nicht trotz der Bewerbungen einen 400-Euro-Job gesucht? Dann hat er mehr Geld und rutscht nicht so ab.
3) Er hat keinen Plan wie er den Tag rumbringt - warum geht er nicht schwimmen / spazieren / Stadt ansehen -/ VHS Kurse / Bücherhalle - da ist er beschäftigt und rutscht nicht so total ab.
4) Hat er überhaupt schon ein Gespräch mit jemand - Jobberater des Arbeitsamtes - gesucht, um seine Möglichkeiten auszuloten? Einfach im erlernten Beruf bewerben dürfte erfolglos sein. Gibt es Nebengeschichten mit denen er 10 Jahre bis zur Rente rumkommen könnten?
5) Er scheint sich 55 Jahre seines Lebens geweigert zu haben sich ein Hobby zu suchen. Der Fehler knallt ihm jetzt ins Gesicht. Warum tut er nichts =??

Liebe FS - du bist nicht seine Therapeutin, nicht seine Ärztin - macht dir dies klar. W
 
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