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Gast

  • #1

Altlast versus Freiheit

Hallo,

seit 6 Monaten lebe ich (44) in einer Beziehung mit einem seit 11 Monaten getrennt lebenden Mann (50). Er sagt, er wolle nach dem Trennungsjahr die Scheidung einreichen.
Ich habe sehr tiefe Gefühle für ihn und das obwohl ich mich in den letzten Wochen des Öfteren als eine Nummer 2 erleben muss. Wenn es um die Belange der beiden erwachsenen Töchter (20+22) und der Noch-Ehefrau geht, stehe ich hinten an. Ich merke, wie es an meinen emotionalen Kräften zerrt. Mein Leben war nie sehr leicht, ich habe so oft kämpfen müssen und dazu habe ich jetzt keine Lust mehr.
Über den Sport habe ich nun vor einigen Wochen einen 6 Jahre jüngeren Mann kennengelernt. Er
umwirbt mich, die Initiative ging von ihm aus.
Er ist sozusagen "altlastenfrei" - dies soll hier nicht abwertend verstanden werden, hat also keine Kinder, keine Ehefrau, nur eine seit einem Jahr beendete 12jährige Beziehung.
Ich fühle mich so lebendig, fröhlich und leicht bei ihm, so ganz anders wie bei meinem LG, bei dem ich in den letzten Wochen in einem Dauerverständnismodus leben muss.
Trotz alledem fühle ich für den jüngeren Mann nicht die gleichen intensiven Gefühle wie für meinen LG.
Ich stelle mir seit einer Woche die Frage, ob ich der Liebe zu meinem Freund weiterhin eine Chance geben soll, obwohl sie mich emotional ein manches mal so down macht, den Gedanken habend, das es nach der Scheidung besser wird, oder ob ich gehen soll.


Gruß
 
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Gast

  • #2
Liebe FS,

hmmmm…das ist nun wirklich eine Zwickmühle
Ich kann Dich gut verstehen, was das "Nummer 2 sein" bedeutet. Ist mir auch mal so gegangen.
Es war für mich unerträglich und wir haben dann nach 3 Jahren in aller Freundschaft die Beziehung beendet.
Kurz danach lernte ich ebenso einen Mann kennen, der frei von Altlasten war. Ich kann Dir sagen: Ich war überglücklich!! Er war nett, hat mich intensiv umworben und fast täglich sah ich dieses "Schild" in leuchtenden Buchstaben: Ein Mann, der keine Kinder hat, keine geschiedene Frau, die ständig was von ihm will, wo es was zu besprechen gibt, usw… Juhu!!!

Tja, das Ende der Geschichte: Dieser "altlastenfreie Mann" hat sich als extrem anstrengend herausgestellt. Ich musste bemerken, dass wir so wenig gemeinsam hatten. Naja, das ist jetzt etwas übertrieben, aber ich habe nicht die Gefühle für ihn dauerhaft entwickeln können, wie für den Mann vorher.
Ich habe das beendet.

w/46
 
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Gast

  • #3
Leider gewinnen nur allzu oft die Gefühle, im Konflikt Kopf-Herz. Ich las einmal, wie oft hat sich dein Herz getäuscht, wie oft dein Verstand?

Dass du zu deinem Partner eine tiefere Bindung hast, als zu dem Neuen am Horizont, ist völlig klar. Aber auch zu diesem könntest du eine enge Bindung aufbauen, wenn du das Alte loslässt. Frage dich, was dich glücklich macht. Kannst du als Nummer 2 gücklich werden? Ich würde es zuerst mit Gesprächen versuchen. Wenn sich nichts ändert, musst du abwägen.

Kleiner Tipp um den Druck rauszunehmen: Eine Entscheidung muss ja nicht sofort her. Lass dir Zeit.

w
 
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Gast

  • #4
Ich fühle mich so lebendig, fröhlich und leicht bei ihm
Man könnte auch sagen: es fühlt sich alles so "normal" an. Denn dieser Mann ist frei. So wie man es eben sein sollte, wenn man eine Beziehung eingeht. Geht einer von beiden in Fesseln, ist der andere mit gefesselt. Ich an Deiner stelle würde die Liebe zu diesem Mann, der so spürbar unfrei ist, als einen Irrtum betrachten und mich dem anderen zuwenden. (m)
 
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Gast

  • #5
An FS:

Ich habe das alles durch und kann persönlich nur abraten von einem Mann mit Altlasten. Die Beziehung ging nach Jahren kaputt, immer nur Nummer 2 zu sein..

ich bin nun glücklich mit einem Mann meines Alters, wir haben beide keine Altlasten.

Ich kann also nur abraten.

w, 41
 
  • #6
Was mir auffällt: Du schreibst, Du lebst mit Deinem Freund "seit 6 Monaten" in einer Beziehung, den anderen Mann hast Du "vor einigen Wochen" kennengelernt. Da schmilzt die Zeitspanne, in der Du mit Deinem Freund möglicherweise mal richtig glücklich warst, doch auf ein Minimum zusammen. Wenn man schon so früh desillusioniert ist und Zweifel bekommt, ist das m.E. kein gutes Zeichen.

Wie lang dauert es denn noch bis zum Ende des Trennungsjahrs? Wäre es ggf. eine Option, die Sache bis dahin zu beobachten und dann zu entscheiden? Falls sich Dein aktueller Partner dann doch nicht in absehbarer Zeit scheiden lässt, ist die Sache wohl endgültig klar.
 
  • #7
Ich fühle mich so lebendig, fröhlich und leicht bei ihm, so ganz anders wie bei meinem LG, bei dem ich in den letzten Wochen in einem Dauerverständnismodus leben muss.
Trotz alledem fühle ich für den jüngeren Mann nicht die gleichen intensiven Gefühle wie für meinen LG.

Glaube mir: die intensiven Gefühle stellen sich über den Schmerz her! Viele Frauen haben sozialisationsbedingt eine leicht masochistische Ader (mal salopp ausgedrückt, s. dazu bspw. M. Mitscherlich, die weiblichen Masochismus als eine "generationenalte Identifikationskette" begreift!) und sie lieben extreme Gefühle. Genau das triggert er bei Dir. Das ist aber keine Liebe, sondern schlichtweg Leiden. Ich habe das auch jahrelang mitgemacht, da war ich Anfang 20 und dachte, dass sich Liebe so anfühlen muss. Zudem sind wir als Deutsche allem ggü. mißtrauisch, was zu leicht und zu schön daherkommt. Politisch gesehen, eine gute Haltung. Liebe lebt aber von Leichtigkeit, ggs. Annahme und nicht dem ständigen Zumuten von Schmerz und Zurückweisung, wie Du es mit dem älteren Familienvater erlebst! Viel Glück!
 
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Gast

  • #8
FS, ich kenne Dich und die Männer nicht, daher kann ich nicht sagen: nimm 1 oder 2. Aber ich möchte Dir zu bedenken geben: Seltsamerweise entsteht durch Probleme und Anstrengungen eine starke Bindung an den Partner. Man buttert hinein und will insgeheim wieder etwas zurückbekommen von ihm. Irgendwie will man so lange weitermachen, bis die Rechnung ausgeglichen ist.
Ob das je passiert kann Dir heute keiner sagen. Ob der andere Mann sich als passender Alltagspartner erweisen wird, ebenso wenig.
Du musst in Dich hineinhören. Frau, 49
 
  • #9
Liebe FS, ich verstehe Deinen Partner nicht ganz.

Weshalb sind Noch-Ehefrau und die Töchter wichtiger?

Das kommt mir vor wie die klassische Übergangsbeziehung. Wenn er dann frei ist, trennt er sich und startet dann neu durch.

Für solche Spielchen wäre ich mir zu schade!
 
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Gast

  • #10
seit 6 Monaten lebe ich (44) in einer Beziehung mit einem seit 11 Monaten getrennt lebenden Mann (50). ....Wenn es um die Belange der beiden erwachsenen Töchter (20+22) und der Noch-Ehefrau geht, stehe ich hinten an. Ich merke, wie es an meinen emotionalen Kräften zerrt. Mein Leben war nie sehr leicht,

Über den Sport habe ich nun vor einigen Wochen einen 6 Jahre jüngeren Mann kennengelernt. .....
Ich fühle mich so lebendig, fröhlich und leicht bei ihm, so ganz anders wie bei meinem LG, bei dem ich in den letzten Wochen in einem Dauerverständnismodus leben muss.
Liebe FS,
für den in Scheidung lebenden Mann bist Du eine Übergangsfrau. Wenn er jetzt die Dinge mit seiner Noch-Ehefrau und den erwachsenen Töchtern nicht geregelt bekommt, ohne Dich damit zu belasten, wird es nach der Trennung auch nicht besser. Je nach konkreter finanzieller Situation (Versorgungsausgleich, Unterhaltszahlungen) kann es mit ihm sogar noch wesentlich unangenehmer werden, weil Dauerzustand.

Nimm den Jüngerern, er ist ja kein Hallodri, der sich mit wechselnden Frauen ohne Verpflichtungen amüsieren will. Gerade wenn Du es nicht leicht hattest, ist es jetzt höchste Zeit mal die Freude ins Leben zu holen und nicht die Probleme des älteren Mannes.
 
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Gast

  • #11
Ich habe einen Partner mit Altlasten und das funktioniert nur, weil ich die Nr. 1 in seinem Leben bin und das spüre ich in allen Bereichen. An seiner Zeit und Zuneigung, Wochenenden und Urlaube verbringt er mit mir, wichtige Feiertage etc. Ich könnte nicht mit einem Partner umgehen, bei dem die Vergangenheit präsenter ist als die Gegenwart. Je mehr Probleme hier bestehen, desto verlockender wird der Neue für dich.
 
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Gast

  • #12
Hallo,


Ich fühle mich so lebendig, fröhlich und leicht bei ihm, so ganz anders wie bei meinem LG, bei dem ich in den letzten Wochen in einem Dauerverständnismodus leben muss.
Mit diesem Satz gibst du dir eigentlich schon selbst die Antwort. So sollte es sich anfühlen, wenn man verliebt ist.

Du sagst, du hast in deinem Leben schon viel durchgemacht. Aber das muss ja nicht ewig so weitergehen! Vielleicht hattest du immer viel zu viel Verständnis für andere und hast darüber dich selbst vergessen. Komm raus aus diesem Muster und trau dich einfach mal, (wenigstens für eine Weile) wirklich glücklich und frei zu sein. Steh nicht deinem eigenen Glück im Wege, indem du dich immer nur zurücknimmst und still für dich leidest. Die Welt da draußen kann sehr bunt sein, auch für dich. Gib dem jungen Mann eine Chance!
 
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Gast

  • #13
Ich kann nur für mich sprechen: Einen Mann mit Altlasten lehne ich grundsätzlich ab.
Deshalb würde ich den anderen nehmen.
Du bist mit dem aktuellen Freund erst ein halbes Jahr zusammen, trenn dich lieber jetzt bevor es noch schwieriger für dich wird.
Außerdem weißt du nicht, ob erst sich wirklich scheiden lassen wird, oder ob er es nur sagt um dich hin zu halten... Das gibt es ja leider so oft!
Denk an dich, du hast es nämlich verdient, die Nr.1 zu sein!